Header Vitalstoffe
 

Alanin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Wirkung und Anwendung

Die Aminosäure Alanin (Ala oder A) mit der Summenformel C3H7NO2 kann vom Körper aus anderen Aminosäuren, aber auch aus Pyruvat selber hergestellt werden.

 Pyruvat ist das Endprodukt der Glykolyse, ein Prozess, der den ersten Schritt des Glucose-Abbaus darstellt. Durch die Möglichkeit zur Eigen-Synthese gehört Alanin zu den nicht-essentiellen Aminosäuren, die dem Körper nicht lebensnotwendig zugeführt werden müssen. Biologisch relevant ist die Form Alpha-L-Alanin. Die Aminosäure kommt in fast allen Proteinen vor, besonders hoch ist deren Gehalt mit 6 % in den Muskel-Fasern.

Ebenso wie der Organismus Alanin aber aus diesem Endprodukt des Glukose-Abbaus bilden kann, ist eine Umwandlung in die andere Richtung möglich: Bei Energiebedarf oder Glukosemangel wird über mehrere Zwischenstufen aus der Aminosäure Zucker synthetisieren. Zwar enthalten fast alle Proteine Alanin, besonders gehäuft kommt sie aber in Gelatine vor. Daneben sind unter anderem Fleisch, Soja und Molkeprodukte reich an der nicht essentiellen Aminosäure.

Zu einer Alanin-Mangelernährung kommt es nur, wenn über einen langen Zeitraum allgemein keine oder nur sehr wenige Proteine aufgenommen werden. Welche Auswirkungen ein Alanin-Mangel auf den Organismus hat, ist daher nicht genau untersucht. Nach gängiger Ansicht der Mediziner können einige Symptome bei Unter- und Fehlernährung auf diesen Aminosäure-Mangel zurückgeführt werden. Dazu zählen Muskelschwäche und Abgeschlagenheit sowie allgemeiner Leistungsabfall. Besonders riskant ist die mögliche Schädigung des Herzmuskels. Auch eine Unterzuckerung kann durch zu geringe Alanin-Mengen ausgelöst werden.(vgl. hierzu: Porcellati F. et al: Effect of the amino acid alanine on glucagon secretion in non-diabetic and type 1 diabetic subjects during hyperinsulinaemic euglycaemia, hypoglycaemia and post-hypoglycaemic hyperglycaemia; Diabetologia; 2007; 50; S. 422-430)

Alanin spielt – wie oben beschrieben – vor allem bei der raschen Energielieferung eine entscheidende Rolle. Wenn im Körper nicht mehr genügend Glukose Reserven vorhanden sind, wird Alanin in das Kohlenhydrat umgewandelt. Gleichzeitig erhöht Alanin den Blutzuckerspiegel, indem es die Ausscheidung von Glucagon anregt. Dieses Hormon wiederum – als direkter Gegenspieler des Insulins – fördert zusätzlich die Glukose Herstellung aus Aminosäuren (Glukoneogenese). Auf diese Weise wird der Blutzuckerspiegel reguliert und der Körper hält genügend Energiereserven bereit. Therapeutisch wird Alanin daher zur Vermeidung von Hypoglykämien bei Diabetikern genutzt.
(vgl. hierzu: Müller W. A. et al: The effect of alanine on glucagon secretion; J Clin Invest. 1971; 50; S. 2215-2218)

Untersuchungen haben gezeigt, dass Alanin, in hohen Konzentrationen in der Prostata Flüssigkeit vorkommt und die Vorsteherdrüse möglicherweise vor einer krankhaften Vergrößerung schützen kann. Denn Patienten mit einer Prostata Hyperplasie – und dem damit verbundenen häufigen und schmerzhaften Wasserlassen – konnten durch die Aufnahme von Alanin und zwei weitere Aminosäuren (Glutaminsäure und Glycin) ihre Symptome lindern. Zwar ist die genaue Wirkungsweise noch nicht erforscht, möglicherweise führt Alanin aber zu einer Abschwellung des Drüsengewebes.
(vgl. hierzu: Shiga H. et al: Amino acid therapy for hypertrophy of the prostate; Hinyokika Kiyo 1968; S. 625-632).

Ein anderer Nutzen von Alanin für den Urogenital-Bereich ist die Vorbeugung gegen Nierensteine. Die Aminosäure kann die mineralischen Ausflockungen lösen, die dann mit dem Urin ausgespült werden.
Eine funktionell und strukturell so bedeutende Aminosäure wie Alanin bewirkt im Mangel zahlreiche Beeinträchtigungen. Genau diese Tatsache erschwert eine exakte Beschreibung aller Symptome und gesundheitlichen Folgen. Neben einer allgemeinen Schwächung des Körpers scheint besonders eine herabgesetzte Immun-Funktion die gefährlichste Konsequenz des Alanin-Mangels zu sein.

Neben dem Alpha-Alanin kommt im Körper die Aminosäure Beta-Alanin vor. In diesem Amin ist die Amino- oder Stickstoff-Gruppe nicht am Alpha-, sondern am Beta-Kohlenstoffatom inseriert. Dieser strukturelle Unterschied führt dazu, dass Beta-Alanin keine proteinogene Aminosäure ist, also nicht in Eiweißen vorkommt. Die Beta-Variante bildet mit Histidin das Dipeptid Carnosin, das besonders im Muskel- und Nervengewebe nachweisbar ist. Carnosin fungiert als Antioxidans und eliminiert die reaktiven Sauerstoff-Spezies (ROS). Offenbar ist der Radikal-Fänger damit ein unentbehrlicher Schutz-Faktor für das Gehirn. Studien belegen eine Linderung von Autismus durch Carnosin, dessen Konzentration durch eine Supplementierung mit Beta-Alanin angehoben werden kann. Allerdings ist die direkte Medikation mit Carnosin effektiver.

(vgl. hierzu: Chez, Buchanan, Aimonovitch, Becker, Schaefer, Black Komen:"Double-blind, placebo-controlled study of L-carnosine supplementation in children with autistic spectrum disorders", J Child Neurol. 2002 Nov;17(11):833-7.).

Beta-Alanin wirkt im Muskelgewebe als Säure-Puffer. Diesen Effekt machen sich Sportler zunutze, um einer Übersäuerung vorzubeugen. Daneben ist Beta-Alanin an der Bildung der Pantothensäure beteiligt, die wiederum Coenzym A generiert.