René Gräber mit L-Valin, BCAA-Symbol und Aminosäure-Grafik für Muskeln, Gewebe und Stoffwechsel

Valin gehört zu den Aminosäuren, die im Sportbereich seit Jahren einen fast schon mythischen Ruf genießen. Sobald irgendwo „BCAA“ auf einer Dose steht, klingt es nach Muskelaufbau, Regeneration, Leistung und ein bisschen nach medizinischer Geheimwaffe.

Die Wahrheit ist weniger spektakulär, aber nützlicher.

L Valin ist eine essenzielle Aminosäure. Der Körper kann sie nicht selbst herstellen. Sie muss über die Nahrung aufgenommen werden. Zusammen mit Leucin und Isoleucin bildet Valin die Gruppe der verzweigtkettigen Aminosäuren, kurz BCAAs.

Damit ist Valin wichtig. Ohne Valin kein vollständiger Eiweißaufbau. Ohne ausreichende essenzielle Aminosäuren keine stabile Muskulatur, keine vernünftige Regeneration und kein sauber laufender Proteinstoffwechsel.

Aber daraus folgt nicht, dass isoliertes Valin als Kapsel oder Pulver für die meisten Menschen sinnvoll ist. Genau hier beginnt der Unterschied zwischen Stoffwechsel und Supplementwerbung.

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Was ist L Valin?

L Valin ist eine essenzielle, proteinogene Aminosäure. Proteinogen bedeutet: Der Körper baut sie in Eiweiße ein. Essenziell bedeutet: Sie muss mit der Nahrung zugeführt werden.

Valin gehört zu den BCAAs. Diese drei Aminosäuren heißen verzweigtkettig, weil ihre chemische Struktur eine Seitenkette mit Verzweigung besitzt. Im Unterschied zu vielen anderen Aminosäuren werden BCAAs zu einem erheblichen Teil direkt in der Muskulatur verstoffwechselt.

Valin ist beteiligt an:

  • Muskelproteinstoffwechsel
  • Energiegewinnung in der Muskulatur
  • Regeneration nach Belastung
  • Stickstoffhaushalt
  • Aminosäurenbalance
  • Gewebereparatur
  • Nervenstoffwechsel über indirekte Wege

Das ist biochemisch wichtig. Nur sollte man diese Bedeutung nicht mit einer automatischen Empfehlung für isolierte Präparate verwechseln.

Valin, Leucin und Isoleucin: Warum BCAAs zusammengehören

Valin tritt im Stoffwechsel nicht als Einzelkämpfer auf. Die drei BCAAs Leucin, Isoleucin und Valin werden gemeinsam betrachtet, weil sie ähnliche Transportwege nutzen und sich gegenseitig beeinflussen können.

Leucin gilt als stärkster Signalgeber für die Muskelproteinsynthese, vor allem über den mTOR Signalweg. Isoleucin wird häufiger mit Glukoseaufnahme und Energiestoffwechsel in Verbindung gebracht. Valin ist ebenfalls für Proteinaufbau, Energieversorgung und Aminosäurenbalance wichtig.

Die Betonung liegt auf Balance.

Wenn einzelne Aminosäuren hoch dosiert werden, kann das die Aufnahme und Verwertung anderer Aminosäuren beeinflussen. Der Körper funktioniert nicht wie ein Lagerraum, in den man einfach noch drei Dosen Valin stellt. Aminosäuren konkurrieren, ergänzen sich und wirken in Stoffwechselnetzwerken.

Deshalb sind BCAA Produkte häufig im Verhältnis 2 zu 1 zu 1 formuliert: Leucin zu Isoleucin zu Valin. Noch höhere Leucinanteile werden gern als besonders „anabol“ verkauft. Das kann auf dem Etikett gut aussehen. Im Stoffwechsel ist mehr aber nicht automatisch besser.

Welche Aufgaben hat Valin im Körper?

Proteinaufbau

Valin ist Bestandteil von Muskelproteinen und vielen anderen Körpereiweißen. Ohne Valin kann der Körper kein vollständiges Protein aufbauen. Das macht Valin unverzichtbar.

Für echten Muskelaufbau reicht Valin allein aber nicht. Der Körper braucht alle essenziellen Aminosäuren. Drei BCAAs sind kein vollständiger Baustoff für Muskulatur.

Energiegewinnung

Bei körperlicher Belastung können BCAAs in der Muskulatur zur Energiegewinnung beitragen. Valin kann dabei in Zwischenprodukte eingeschleust werden, die im Energiestoffwechsel weiterverwendet werden.

Das klingt nach einem Energiepräparat. Man sollte trotzdem nüchtern bleiben. Eine Beteiligung am Energiestoffwechsel bedeutet nicht, dass zusätzliche Valin Einnahme automatisch mehr Leistung bringt.

Regeneration

Valin kann im Verbund mit den anderen BCAAs zur Regeneration beitragen. Vor allem nach intensiver Belastung wurden BCAAs in Studien im Zusammenhang mit Muskelkater und Muskelschadensmarkern untersucht.

Das ist ein möglicher praktischer Nutzen. Aber auch hier gilt: Regeneration ist mehr als ein Aminosäurengetränk. Schlaf, Trainingsplanung, Protein, Kalorien, Elektrolyte und Entzündungsregulation sind meist wichtiger.

Nervensystem

BCAAs stehen indirekt mit dem Stoffwechsel von Glutamat und GABA in Verbindung. Außerdem konkurrieren sie mit anderen großen neutralen Aminosäuren um Transportwege ins Gehirn. Daraus werden manchmal Aussagen zu Konzentration, Müdigkeit und Stimmung abgeleitet.

Für solche Versprechen ist die Datenlage aber nicht stark genug. Wer Müdigkeit, Konzentrationsprobleme oder Erschöpfung hat, sollte nicht zuerst Valin suchen, sondern Schlaf, Blutzucker, Eisen, B12, Schilddrüse, Entzündung und Stressbelastung prüfen.

Valin und Muskelaufbau: Was die Studienlage sagt

Valin wird selten allein untersucht. Die meisten Studien betreffen BCAAs als Gruppe.

Eine wichtige Übersicht kommt zu dem Schluss, dass BCAA Supplemente allein keinen vollständigen anabolen Effekt liefern können. Der Grund ist einfach: Für den Aufbau von Muskelprotein braucht der Körper alle essenziellen Aminosäuren. Wenn nur Leucin, Isoleucin und Valin vorhanden sind, fehlen weitere notwendige Bausteine.

Studie:

Eine weitere biochemische Übersicht bestätigt diese Einordnung. Vollständiges Protein oder EAA Mischungen sind für den Muskelproteinaufbau logischer als isolierte BCAAs, weil sie das gesamte Material liefern.

Studie:

Das ist für die Praxis entscheidend. Wer Muskeln aufbauen möchte, sollte zuerst ausreichend hochwertiges Protein zuführen. Eier, Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Whey, Soja, Hülsenfrüchte oder gut kombinierte pflanzliche Proteine sind in der Regel sinnvoller als ein isoliertes BCAA Pulver.

BCAAs können Signale setzen. Aber Signale bauen keine Muskulatur, wenn Baumaterial fehlt.

BCAAs bei Muskelkater und Erholung

Etwas besser sieht die Datenlage bei Muskelkater und Erholung nach intensiver Belastung aus.

Eine Meta Analyse randomisierter Studien fand Hinweise, dass BCAA Supplementierung nach Krafttraining Muskelkater und den Muskelschadensmarker Kreatinkinase reduzieren kann. Die Effekte zeigten sich vor allem bei trainierten Männern nach Widerstandstraining.

Studie:

Eine neuere Meta Analyse aus dem Jahr 2024 kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass BCAAs Muskelkater und Kreatinkinase nach belastungsinduziertem Muskelschaden senken können. Für Laktatdehydrogenase und manche Leistungsparameter war der Effekt nicht überzeugend.

Studie:

Die praktische Übersetzung lautet: BCAAs können nach harten Trainingseinheiten die Erholung etwas unterstützen. Das ist sinnvoll für Sportler, die sehr intensiv trainieren oder in bestimmten Phasen hohe Belastungen verkraften müssen.

Das ist aber kein Beweis, dass Valin oder BCAAs generell mehr Muskeln machen.

Muskelkater ist ein Symptom der Belastung. Muskelaufbau entsteht durch Trainingsreiz, ausreichendes Protein, Energie, Schlaf und langfristige Anpassung. Ein BCAA Getränk kann dieses Fundament nicht ersetzen. Auch dann nicht, wenn es nach tropischer Mango schmeckt.

BCAAs und Leistung: gemischte Ergebnisse

Eine systematische Übersicht zu oraler BCAA Supplementierung bei Athleten zeigt ein uneinheitliches Bild. Manche Studien finden Vorteile bei Regeneration oder einzelnen Belastungsmarkern. Andere Studien finden keine überzeugenden Effekte.

Studie:

Eine aktuelle systematische Übersicht zu reinen BCAA Präparaten beschreibt ebenfalls gemischte Effekte auf Leistung und Körperzusammensetzung. Für Muskelkater gibt es eher Hinweise auf Nutzen. Für Kraft, Ausdauer, Fettabbau oder Muskelmasse ist die Evidenz deutlich weniger zuverlässig.

Studie:

Das passt nicht gut zu den Werbetexten vieler Hersteller. Dort klingt es oft so, als sei BCAA das fehlende Puzzleteil zwischen Durchschnittsfigur und Athletenkörper. Die Studien sind wesentlich nüchterner.

Valin und Blutzucker

BCAAs stehen auch mit dem Glukose und Insulinstoffwechsel in Verbindung. In einigen Stoffwechselstudien sind erhöhte BCAA Spiegel mit Übergewicht, Insulinresistenz und Typ 2 Diabetes assoziiert.

Das ist interessant, aber leicht missverständlich.

Erhöhte BCAA Spiegel können ein Marker für einen gestörten Stoffwechsel sein. Daraus folgt nicht, dass Valin als Supplement den Blutzucker verbessert. Ein Marker ist noch keine Therapie. Diesen Unterschied übersehen viele Gesundheitsseiten erstaunlich zuverlässig.

Bei Insulinresistenz, Fettleber oder starkem Übergewicht würde ich eher an diese Hebel denken:

  • Krafttraining
  • Muskelmasse erhöhen
  • Bauchfett reduzieren
  • Zucker und Weißmehl senken
  • Eiweißqualität verbessern
  • Magnesium prüfen
  • Omega 3 Versorgung verbessern
  • Schlaf stabilisieren
  • Entzündungsquellen suchen
  • Leberstoffwechsel unterstützen

Valin ist hier nicht der erste Hebel. Die Muskulatur ist der Hebel. Und die baut man nicht mit BCAA Marketing auf, sondern mit Training und ausreichendem vollständigem Protein.

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Valin Mangel: Wann kann das vorkommen?

Ein isolierter Valinmangel ist bei normaler Ernährung selten. Da Valin in fast allen eiweißreichen Lebensmitteln vorkommt, geht es in der Praxis meist nicht um Valin allein, sondern um zu wenig Protein insgesamt.

Mögliche Situationen sind:

  • sehr eiweißarme Ernährung
  • strenge Diäten
  • höheres Lebensalter mit geringer Eiweißzufuhr
  • chronische Darmerkrankungen
  • Malabsorption
  • Essstörungen
  • starke körperliche Belastung bei schlechter Ernährung
  • chronische Erkrankungen
  • einseitige vegane Ernährung ohne gute Proteinplanung

Mögliche Zeichen einer schlechten Aminosäurenversorgung können Müdigkeit, Muskelschwäche, schlechte Regeneration, Wundheilungsstörungen, Infektanfälligkeit oder Leistungsabfall sein. Diese Symptome sind aber unspezifisch. Man sollte daraus nicht sofort einen Valinmangel basteln.

Sinnvoller ist oft die einfache Frage: Wie viel Protein nehmen Sie täglich tatsächlich auf? Viele Menschen überschätzen das deutlich.

Wie viel Valin braucht der Mensch?

Der tägliche Bedarf wird je nach Referenz etwas unterschiedlich angegeben. Die WHO nennt für Erwachsene 26 mg Valin pro kg Körpergewicht und Tag. Eine andere Übersicht zu Aminosäuren gibt den täglichen Bedarf mit 19 mg pro kg Körpergewicht an.

WHO Bericht:

Übersicht:

Bei 70 kg Körpergewicht entspricht das ungefähr 1,3 bis 1,8 g Valin pro Tag.

Diese Menge wird mit normaler eiweißreicher Ernährung meist problemlos erreicht. Wer regelmäßig Eier, Fisch, Fleisch, Milchprodukte, Hülsenfrüchte, Soja, Nüsse oder gut kombinierte pflanzliche Proteine isst, nimmt in der Regel genug Valin auf.

Lebensmittel mit viel Valin

Gute Quellen für Valin sind:

  • Eier
  • Fisch
  • Fleisch
  • Geflügel
  • Käse
  • Quark
  • Joghurt
  • Soja
  • Tofu
  • Linsen
  • Bohnen
  • Kichererbsen
  • Erdnüsse
  • Mandeln
  • Haferflocken
  • Vollkorngetreide
  • Sesam

Bei pflanzlicher Ernährung kommt es auf Menge und Kombination an. Hülsenfrüchte, Soja, Lupinenprotein, Erbsenprotein, Reisprotein, Nüsse und Getreide können zusammen ein gutes Aminosäurenprofil ergeben.

Das Problem ist selten Valin allein. Das Problem ist oft zu wenig hochwertiges Protein über den Tag verteilt.

Valin als Supplement: sinnvoll oder überflüssig?

Als Einzelpräparat ist Valin in der Praxis selten nötig. Die meisten Menschen brauchen kein isoliertes Valin, sondern genug Protein.

BCAA Präparate können in bestimmten Situationen erwogen werden:

  • sehr intensive Trainingsphasen
  • starker Muskelkater nach Krafttraining
  • nüchternes Training
  • lange Belastungen
  • schlechte Verträglichkeit von Proteinpulver
  • Appetitmangel bei hoher Belastung
  • kurzfristig niedrige Proteinzufuhr

In diesen Fällen können BCAAs praktisch sein. Aber auch dann sollte man sie als Hilfsmittel betrachten, nicht als Grundlage.

Wer Muskeln aufbauen, Kraft verbessern oder Sarkopenie vorbeugen möchte, ist mit vollständigem Protein, EAAs, Kreatin, Krafttraining und Schlaf meist besser bedient.

BCAA, EAA oder Protein?

Diese Frage ist wichtiger als die Frage nach Valin allein.

BCAAs liefern nur drei Aminosäuren: Leucin, Isoleucin und Valin.

EAAs liefern alle essenziellen Aminosäuren.

Vollständige Proteine liefern zusätzlich weitere Aminosäuren und oft auch begleitende Nährstoffe.

Für Muskelaufbau und Muskelerhalt sind vollständige Proteine oder EAAs meist sinnvoller als reine BCAAs. BCAAs können bei Muskelkater und kurzfristiger Regeneration helfen. Für den Aufbau neuer Muskelmasse fehlt ihnen aber das vollständige Aminosäurenprofil.

In der Praxis würde ich es so einordnen:

Bei zu wenig Eiweiß: zuerst Ernährung verbessern.
Bei Sportlern mit guter Ernährung: Whey oder EAAs meist sinnvoller als BCAAs.
Bei nüchternem Training: BCAAs können praktisch sein.
Bei Muskelkater nach harten Einheiten: BCAAs können einen Versuch wert sein.
Bei Muskelaufbau ab 50: Protein pro Mahlzeit, Krafttraining und Kreatin sind wichtiger.

BCAAs sind also nicht nutzlos. Sie sind nur häufig nicht das, wofür sie verkauft werden.

Dosierung von Valin und BCAAs

Valin wird selten als Einzelpräparat sinnvoll eingesetzt. Üblicher sind BCAA Mischungen.

Viele BCAA Produkte liefern pro Portion etwa 1 bis 3 g Valin, je nach Gesamtmenge und Mischungsverhältnis. Typisch ist das Verhältnis 2 zu 1 zu 1 für Leucin, Isoleucin und Valin.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat für gesunde Erwachsene Orientierungswerte für die zusätzliche tägliche Aufnahme isolierter BCAAs abgeleitet:

Leucin: 4,0 g pro Tag
Isoleucin: 2,2 g pro Tag
Valin: 2,0 g pro Tag
BCAAs insgesamt: 8,2 g pro Tag

BfR Bewertung:

Diese Werte beziehen sich auf zusätzliche isolierte Mengen, also auf Nahrungsergänzung zusätzlich zur normalen Ernährung. Genau das ist wichtig. Wer Proteinpulver, Aminodrinks, BCAA Booster und Riegel kombiniert, kann schneller in Bereiche kommen, die er gar nicht im Blick hat.

Für die Praxis gilt: Wenn BCAAs eingesetzt werden, dann gezielt, zeitlich begrenzt und nicht als tägliches Dauergetränk nebenbei.

Risiken und Gegenanzeigen

Valin aus normalen Lebensmitteln ist für gesunde Menschen kein Problem. Kritischer sind hohe isolierte BCAA Mengen aus Nahrungsergänzungsmitteln.

Mögliche Nebenwirkungen können sein:

Vorsicht gilt besonders bei:

  • Nierenerkrankungen
  • Lebererkrankungen
  • Ahornsirupkrankheit
  • Störungen des Aminosäurenstoffwechsels
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit
  • Kindern und Jugendlichen
  • niedriger Proteinzufuhr bei gleichzeitig isolierten BCAAs
  • gleichzeitiger Einnahme mehrerer Aminosäurenpräparate

Das BfR empfiehlt, Kinder, Jugendliche, Schwangere und Stillende von relevanten isolierten BCAA Mengen auszunehmen, weil ausreichende Sicherheitsdaten fehlen. Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten besonders vorsichtig sein.

BfR:

Bei der Ahornsirupkrankheit ist besondere Vorsicht erforderlich. Dabei handelt es sich um eine seltene genetische Störung im Abbau verzweigtkettiger Aminosäuren. Betroffene müssen Leucin, Isoleucin und Valin streng kontrollieren. Für diese Menschen sind normale BCAA Präparate gefährlich.

Präparatequalität

Wenn BCAAs verwendet werden, sollte das Produkt sauber deklariert sein. Achten Sie auf:

  • klare Mengenangaben für Leucin, Isoleucin und Valin
  • sinnvolles Verhältnis, meist 2 zu 1 zu 1
  • keine überzogenen Megadosierungen
  • möglichst wenig Süßstoffe, Farbstoffe und Aromen
  • Laborprüfung auf Schadstoffe
  • keine wilden Booster Mischungen
  • keine Kombination mit unnötigen Stimulanzien

Gerade im Fitnessbereich wird aus einer einfachen Aminosäure schnell ein grell gefärbtes Ritualgetränk. Viel Aroma, viel Versprechen, wenig Substanz. Wer BCAAs einsetzen möchte, braucht kein Lifestyle Pulver, sondern ein sauber deklariertes Produkt.

Naturheilkundliche Einordnung

Aus naturheilkundlicher Sicht ist Valin ein wichtiger Baustein des Eiweißstoffwechsels. Aber Bausteine wirken nur im passenden Gesamtbild.

Bei Muskelschwäche, schlechter Regeneration, Erschöpfung oder Muskelabbau würde ich nicht isoliert auf Valin schauen. Ich würde breiter prüfen:

  • Gesamteiweiß pro Tag
  • Proteinmenge pro Mahlzeit
  • Verdauungskraft
  • Magensaft und Bauchspeicheldrüse
  • Darmgesundheit
  • Vitamin D
  • Magnesium
  • Vitamin B12
  • Eisenstatus und Ferritin
  • Schilddrüse
  • Entzündungszeichen
  • Omega 3 Versorgung
  • Schlafqualität
  • Trainingsreiz
  • Regenerationsfähigkeit

Gerade bei Menschen ab 50 ist die Proteinzufuhr ein unterschätztes Thema. Viele essen zu wenig Eiweiß, trainieren zu wenig Kraft und wundern sich dann über Muskelabbau, Müdigkeit und nachlassende Belastbarkeit. Dann ist nicht Valin als Einzelstoff das Problem, sondern das Fundament.

Für Muskelerhalt und Muskelaufbau sind oft wichtiger:

  • regelmäßiges Krafttraining
  • ausreichendes Protein
  • Leucinreiche Mahlzeiten
  • Kreatin
  • Vitamin D
  • Magnesium
  • Omega 3 Fettsäuren
  • guter Schlaf
  • entzündungsarme Ernährung

Valin gehört in dieses Bild hinein. Es ersetzt es nicht.

Häufige Fragen zu Valin

Ist Valin wichtig für den Muskelaufbau?

Ja, Valin ist für den Muskelaufbau notwendig, weil es zu den essenziellen Aminosäuren gehört. Allein reicht es aber nicht. Für Muskelprotein braucht der Körper alle essenziellen Aminosäuren.

Sollte man Valin einzeln einnehmen?

In der Regel nicht. Valin wird meist im Verbund mit Leucin und Isoleucin aufgenommen. Einzelpräparate sind selten sinnvoll und können die Aminosäurenbalance verschieben.

Sind BCAAs sinnvoll?

BCAAs können bei intensiver Belastung Muskelkater und einzelne Muskelschadensmarker senken. Für echten Muskelaufbau, Kraftzuwachs oder Körperzusammensetzung ist die Evidenz deutlich schwächer. Wer ausreichend Protein isst, braucht oft keine zusätzlichen BCAAs.

Was ist besser: BCAA oder EAA?

Für Muskelaufbau sind EAAs meist sinnvoller, weil sie alle essenziellen Aminosäuren enthalten. BCAAs liefern nur Leucin, Isoleucin und Valin. Sie können ein Hilfsmittel sein, ersetzen aber kein vollständiges Aminosäurenprofil.

Wie viel Valin braucht man täglich?

Je nach Referenz liegt der Bedarf etwa bei 19 bis 26 mg pro kg Körpergewicht und Tag. Bei 70 kg entspricht das ungefähr 1,3 bis 1,8 g Valin täglich. Diese Menge wird mit eiweißreicher Ernährung meist erreicht.

Welche Lebensmittel enthalten viel Valin?

Gute Quellen sind Eier, Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Soja, Tofu, Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Erdnüsse, Mandeln, Haferflocken und Vollkorngetreide.

Kann Valin beim Blutzucker helfen?

Valin und andere BCAAs stehen mit dem Glukose und Insulinstoffwechsel in Verbindung. Daraus folgt aber keine einfache Empfehlung für Valin als Blutzuckermittel. Bei Insulinresistenz sind Muskeltraining, Gewichtsreduktion, Schlaf, Magnesium und Ernährungsqualität wichtiger.

Können BCAAs schaden?

Hohe isolierte BCAA Mengen können problematisch sein. Das BfR hat Orientierungswerte für zusätzliche isolierte BCAA Aufnahmen abgeleitet. Menschen mit Nieren oder Lebererkrankungen, Kinder, Jugendliche, Schwangere, Stillende und Menschen mit Stoffwechselstörungen sollten vorsichtig sein.

Fazit

Valin ist essenziell. Der Körper braucht diese Aminosäure für Proteinaufbau, Muskelstoffwechsel, Energiegewinnung und Regeneration. Damit ist Valin wichtig, aber nicht automatisch ein sinnvolles Einzelpräparat.

Die Studienlage zu BCAAs ist deutlich nüchterner als die Werbung. Für Muskelkater und bestimmte Regenerationsmarker gibt es Hinweise auf Nutzen. Für Muskelaufbau, Kraftsteigerung, Fettabbau und Blutzuckerregulation sind die Versprechen wesentlich größer als die Belege.

Wer Valin optimieren möchte, sollte zuerst seine Proteinzufuhr, Proteinqualität, Verdauung, Trainingsreize und Regeneration prüfen. In den meisten Fällen sind vollständiges Protein, EAAs, Kreatin, Krafttraining, Schlaf, Magnesium, Vitamin D und Omega 3 wichtiger als isoliertes Valin.

Valin gehört nicht auf den Sockel. Es gehört in den Eiweißstoffwechsel. Dort ist es unverzichtbar. Als isolierte Kapsel ist es meist nur eines: ein sehr kleines Puzzleteil, das gern größer verkauft wird, als es ist.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…