Aminosäuren

L-Valin

Informationen aus der Naturheilpraxis René Gräber

René Gräber
René Gräber

Anwendung – Wirkung und Nutzen

L-Valin (Val oder V,  Summenformel C5H11NO2) ist eine proteinogene (eiweißbildende) Alpha-Aminosäure, die wir unbedingt mit der Nahrung aufnehmen müssen.

Unser Körper ist zur Eigen-Synthese nicht in der Lage, braucht L-Valin aber zur Herstellung fast aller Proteine. In all diesen Makro-Molekülen ist die Aminosäure mit einem Anteil von 5 bis 8 % vertreten. Das Elastin der Bindegewebe besteht sogar zu 15 % aus der Aminosäure. Dieses Protein bildet ein extrazelluläres Netzwerk zwischen Zellen und sorgt für die Elastizität und Festigkeit des Zellverbandes.

Auch für andere Struktur-Eiweiße in Muskeln, Knochen und Nervensystem ist L-Valin unentbehrlich, genau so wie für Synthese von Enzymen, nervalen Rezeptoren oder Antikörpern. L-Valin ist auch an der hormonellen Regulation beteiligt und kann wie Zucker zur Energie-Bilanz beitragen.

L-Valin beinhaltet einen verzweigten Kohlenwasserstoff-Anteil (alipathische Seitenkette) und gehört damit zu den verzweigtkettigen Aminosäuren, die auch als BCAAs (Branched Chain Amino Acides) zusammengefasst werden. Hierhin gehören auch die essenziellen, proteinogenen Aminosäuren Leucin  und Isoleucin.

Den Namen erhielt Valin aus dem Lateinischen, validus, „stark“.

Bedarf und Quellen von L-Valin

Der tägliche L-Valin-Bedarf eines Erwachsenen beläuft sich auf 26 mg/kg Körpergewicht (mg/kg KG), das entspricht total rund 2 g. Im ersten Lebensjahr muss der Körper wegen der Zunahme an Eiweiß-Substanz mehr aufnehmen.

So sollten im ersten Monat nach der Geburt 0,15 g/kg KG zugeführt werden. Diese Menge kann die Muttermilch ohne Weiteres liefern. Bis zum 12. Lebensmonat sinkt der Tagesbedarf stetig, beträgt dann aber noch 0,05 g/kg KG (entspricht 50 mg).

Gute Quellen von L-Valin sind Fleisch, etwa vom Huhn mit einem Gehalt von 1 g/100 g oder vom Schwein mit 0,9 g/100 g. Thunfisch liefert 1,5 g/100 g und andere Fischsorten zwischen 1,0 und 1,2 g/100 g. Ein Hühnerei enthält 1 g/100 g (entspricht 4 kleinen Eiern). 100 g Käse wie Edammer und Gouda liefern 1,9 g.

Unter den pflanzlichen Lebensmitteln sind Hülsenfrüchte die besten Quellen. Den Tagesbedarf eines Erwachsenen liefern beispielsweise 400 g Soja- oder 150 g Weiße Bohnen. Auch Cashew-Kerne (1,5 g/100g), Mandeln (1,1 g/100 g) und Walnüsse (0,87 g/100 g) enthalten L-Valin. Getreide wie Haferflocken (0,8 g/100 g) und Dinkel (0,65 g/100 g) können auch zur Versorgung beitragen.

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L-Valin-Mangel

Der anzustrebende Normert beim Menschen beträgt 180 bis 260 µmol/l im Blut-Plasma. Unterhalb dieser Spanne drohen Mangelerscheinungen wie Konditions-Schwäche, Wachstumsstörungen, Infekt-Anfälligkeit, Überempfindlichkeit auf Berührungsreize und schmerzhafte Krämpfe sowie Muskelschwund.

Die Ursache des L-Valin-Mangels ist oft eine schwere Fehlernährung mit zu wenig Protein. Auch Resorptions-Störungen im Darm können das Defizit zur Folge haben, dann sind entzündliche Darmerkrankungen oder angeborene Stoffwechselstörungen verantwortlich.

Beim Hartnup-Syndrom liegt ein Gen-Defekt eines Transport-Proteins in der Zellmembranen vor. Daher können die Zellen der Dünndarmschleimhaut die Aminosäure kaum aufnehmen.

Der Aminosäure-Transporter ist auch in den Nieren-Tubuli angesiedelt, wodurch die Rück-Resorption behindert ist. Der Fehler in beiden Organen führt zur Unterversorgung. Einigen Patienten kann mit einer eiweißreichen Diät geholfen werden. Oft hilft aber nur eine parenterale Supplementierung (Infusion).

L-Valin-Überschuss

Ein erworbener Überschuss an L-Valin kann nur durch eine übertriebene Einnahme von Supplementen, beispielsweise von BCAA-Präparaten verursacht werden. Das führt zu Beschwerden des Magen-Darm-Traktes mit Übelkeit und Erbrechen, Kopf-, Gelenk- und Gelenkschmerzen, Nierenschwäche sowie Kribbeln an Extremitäten und im Gesicht.

Die Ahornsirup-Krankheit ist eine genetisch bedingte Stoffwechselstörung, die eine Akkumulation der Aminosäure zur Folge hat. Die Erkrankung ist nach dem symptomatisch auftretenden Urin-Geruch benannt. Der Defekt betrifft ein Enzym in den Mitochondrien („Zellkraftwerke“), das die BCAAs abbaut (BCKDH-Komplex, Dehydrogenasekomplex).

Zu den schweren Symptomen gehören Lähmungserscheinungen, Krampfanfälle, Hirnödem, Unterzuckerung (Hypoglykämie) und Blutübersäuerung (Azidose). Die Basis-Therapie besteht in einer BCAA-reduzierten Kost. Daneben sind Blutwäschen erforderlich. Oft ist nur eine Leber-Transplantation lebenserhaltend, weil der Körper mit dem neuen Organ auch die notwendigen Enzyme erhält.

Spezielle Funktionen von L-Valin

Indem L-Valin die Insulinausschüttung anregt, sorgt es nicht nur für eine Regulation des Blutzuckers, sondern zusätzlich für eine schnelle Aufnahme aller Aminosäuren in die Muskulatur und die Leber.
(Floyd J.C. et al: Stimulation of insulin secretion by amino acids; J Clin Invest; 1966; S. 1487-1502).

In Hungerphasen und bei lang anhaltender körperlicher Anstrengung dient L-Valin als Energiequelle. Denn wenn sowohl die Kohlenhydratreserven als auch die Fettspeicher aufgebraucht sind, kann aus der Aminosäure die energiereiche Glukose gebildet werden.
(Groff J.L. et al.: Advanced nutrition and human metabolism; West Publishing, 1990).

Unterschiedliche Studien haben gezeigt, dass L-Valin die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatotropin (STH) fördert. Dieses wiederum ist nicht nur für das Längenwachstum während der Pubertät wichtig, es begünstigt zusätzlich die Aminosäureverwertung in Muskeln, Leber und Knochen. Gleichzeitig regt Somatotropin den Fettabbau an.

Im Zentralnervensystem wirkt Valin außerdem als wichtige Vorstufe der Botenstoffe, die Informationen und Reize von einer Nervenzelle auf die andere übertragen. So ist Valin beispielsweise Ausgangsstoff für die Synthese von Glutamat, dem wichtigsten exzitatorischen (Signal-weiterleitenden) Botenstoff in Gehirn und Rückenmark.
(Hebb C.: CNS at the cellular level: identity of transmitter agents; Annu Rev Physiol. 1970; 165-192).

Anwendungen von L-Valin

L-Valin ist in Nährlösungen zur künstlichen Ernährung und Präparaten von Aufbau-Diäten  enthalten. Solche Zubereitungen sind auch im Fitness-Bereich als BCAA-Supplemente populär.

Studien haben allerdings gezeigt, dass die isolierte Einnahme der verzweigtkettigen Aminosäuren den Muskelaufbau stören kann. Wissenschaftler raten daher dazu, die BCAAs immer auch mit anderen Aminosäuren zu kombinieren, so wie es in proteinreichen Lebensmitteln der Fall ist.

Vor allem Ausdauer- und Kraftsportler haben daher einen erhöhten Bedarf an den verzweigtkettigen Aminosäuren. Da kurz nach einer proteinreichen Mahlzeit die BCAAs als erste Aminosäuren ins Blutplasma und in die Muskeln aufgenommen werden, kann der Körper diese bei einer anschließenden sportlichen Betätigung direkt verwerten.

Erst wenn nicht mehr genügend freies Valin vorhanden ist, kommt es zum Proteinabbau des Muskelgewebes. Auch während körperlicher Stresssituationen (etwa nach Operationen oder Verletzungen), beugt Valin einem erhöhten Proteinabbau vor. Dies wiederum hat den positiven Effekt, dass Wunden schneller abheilen und auch der Körper durch die Wirkung der BCAAs in dieser kritischen Phase widerstandsfähig gegenüber Infektionen bleibt.

Beitragsbild: 123rf.com – subbotina

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