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Cystein

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Wirkung und Anwendung

Die schwefelhaltige Aminosäure Cystein (Cys oder C) mit der Summenformel C3H7NO2S kommt besonders gehäuft in den Faserproteinen (Keratin) menschlicher Haare und Nägel vor, hat aber eine ebenso große Bedeutung bei der Bildung von Knorpel, Knochen und Haut. Während Säuglinge Cystein zumindest teilweise über die Nahrung aufnehmen müssen, kann die menschliche Leber es später aus den Aminosäuren Methionin und Serin selber herstellen.

Ohne ausreichende Versorgung mit diesen beiden Aminosäuren ist die Eigen-Synthese nicht möglich. Dies kann schon bei unterschwelligen Mangelzuständen der Fall sein, weswegen Cystein zu den semiessentiellen Aminosäuren zählt. Daher ist eine ausreichende Zufuhr der Aminosäure erforderlich, um den Bedarf des Körpers sicherzustellen. Der Anteil von Cystein in Proteinen ist mit durchschnittlich 2 % relativ niedrig. Der Tagesbedarf beträgt etwa 13 mg pro kg Körpergewicht.

Cystein findet sich vor allem in Milchprodukten, Fleisch, Fisch, Eiern und Kohl, aber auch in Mais, Hafer, Cashewkernen, Sojabohnen, Weizenkeimen, Zwiebeln und Knoblauch. Ein Cystein-Mangel kann zu Immunschwäche und zu Atemwegserkrankungen führen, während ein Cystein-Überschuss in der Nahrung normalerweise keine schädlichen Auswirkungen hat. Eine zu hoch dosierte Supplementierung kann allerdings zu Abgeschlagenheit, Übelkeit und Kreislaufbeschwerden führen. Daneben kommt es zur Bildung von Blasen- und Nierensteinen, reduzierter Insulin-Sensitivität und zum Mangel an einigen Spurenelementen.

Da die Aminosäure allerdings in sehr hohen Konzentrationen die Wirkung von Insulin hemmt, sollten Diabetiker spezielle Cystein-Präparate nur unter ärztlicher Aufsicht einnehmen. Der natürliche Cystein-Gehalt verschiedener Lebensmitteln hingegen ist auch bei Zuckerkrankheit absolut ungefährlich. Cystein wird in unterschiedlichen Arzneimitteln und – aufgrund seiner positiven Wirkung auf Haut, Haar und Bindegewebe – in Kosmetikartikeln eingesetzt.

Freies Cystein ist sehr instabil und geht leicht durch chemische Reaktionen unwiederbringlich verloren. Um dennoch eine kontinuierliche Versorgung der Aminosäure für die Proteinsynthese zu gewährleisten, können alle Zellen des menschlichen Körpers, vor allem aber die Leberzellen, aus Cystein und zwei weiteren Aminosäuren das Speicherpeptid Glutathion (GSH) herstellen.
 (vgl. Binet L. & Wellers G.: The presumed role of glutathion in the transport of free cysteine towards the tissue proteins; J Physiol 1955; S. 100-101).

Aber Glutathion speichert nicht nur enorme Mengen des Cysteins, sondern spielt darüber hinaus eine entscheidende Rolle bei der Entgiftung schädlicher Stoffe, da es stabile Komplexe mit diesen bildet, die dann über die Niere ausgeschieden werden können.

Außerdem fängt Glutathion freie Sauerstoff-Radikale, indem es selber Elektronen abgibt. Auf diese Weise schützt das Cystein-haltige Peptid die Zellbestandteile vor einer schädlichen Oxidierung. Dies beugt dem Absterben der Zellen und damit dem Alterungsprozess vor. Im Tierversuch konnte eine Verlängerung des Lebens durch Glutathion-Gaben erzielt werden. Neuesten Studien zufolge schützt das Tripeptid möglicherweise auch vor Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose.
 (vgl. Bonnefoy M. et al: Antioxidants to slow aging, facts and perspectives; Presse Med. 2002; S. 1174-1184).

Glutathion ist außerdem wichtiger Bestandteil des Immunsystems und spielt dort vor allem bei Entzündungsreaktionen der weißen Blutkörperchen eine entscheidende Rolle. Bei Cystein-Mangel kann es daher zur Immun-Schwäche und zur verstärkten Infekt-Anfälligkeit kommen.

Strukturproteine, beispielsweise im Bindegewebe und in den Haaren, erhalten durch Cystein ihre Festigkeit. . Die Aminosäure wird deswegen therapeutisch genutzt, um das Wachstum von Haaren und Nägeln zu fördern und das Bindegewebe zu festigen. Die Konsistenz des Keratins in Hautanhangsgebilden sowie des Kollagen im Bindegewebes resultiert daraus, dass das zwei Cystein-Reste zwischen ihren Schwefelatomen eine Verknüpfung (Disulfidbrücke) herstellen. Auf diese Weise liegen die Aminosäuren der Eiweiße nicht in einer lockeren Reihe hintereinander, sondern bilden eine für das jeweilige Protein typische dreidimensionale Anordnung.

Die Schwefelgruppen im Cystein können auch Komplex-Verbindungen mit Schwermetallen bilden, die in dieser Form über die Nieren ausgeschieden werden. Neben dem Leberschutz ist dies ein wichtiger Aspekt, wie die Aminosäure zur Entgiftung beitragen kann. Zahlreiche Erkrankungen erfordern daher eine verstärkte Aufnahme von Cystein. Dazu zählen Beschwerden, die auf toxischen Belastungen durch Ernährung und Umwelt beruhen, aber auch Autoimmunkrankheiten und Krebs.

Cystein ist Ausgangsstoff für die organische Säure Taurin, die für die Entwicklung des Nervensystems und der Herzfunktion, aber auch für die Funktion der Sehzellen im Auge wichtig ist. Taurin verhindert außerdem die Bildung von Gallensteinen und regt die Fettverbrennung an, indem es mit der Gallensäure reagiert. Im gesamten Körper wirkt Taurin darüber hinaus als Osmoregulator, was bedeutet, dass es den Flüssigkeitseinstrom in die Zelle steuert. Auf diese Weise sorgt Taurin dafür, dass die Zelle nicht durch einen zu hohen Innendruck geschädigt wird.
 (Huxtable, R.: Taurine 2 - basic and clinical aspects Vol. 403; Springer-Verlag 1996; 676 Seiten).

Gleichzeitig ist Cystein – in Zusammenarbeit mit Vitamin B5 – an der Bildung lebensnotwendiger Fettsäuren beteiligt, die wichtige Bestandteile der Zellmembranen sind.

Daneben dient Cystein als schleimlösendes Medikament bei Lungen- und Atemwegserkrankungen. Gegeben wird die Aminosäure bei diesen Indikationen als N-Acetyl-Cystein. Darüber hinaus schützt Cystein die Schleimhäute des Magen-Darm-Traktes vor toxischen Verbindungen und aggressiven Medikamenten.

Cystein kann auch Osteoporose-Patienten helfen, bei denen Mediziner einen zu niedrigen Cystein-Spiegel nachweisen konnten. Die Aminosäure hemmt die Aktivität der Osteoklasten, die Knochensubstanz resorbieren und so eigentlich den Erneuerungs-Prozess des Skelett-Apparates unterstützen. Bei Osteoporose wirkt sich dies jedoch fatal aus.
(Baines  et al, 2007: The Association between cysteine, bone turnover, an low bone mass; Calcif Tissu Int.)