Aminosäuren

L-Histidin

Informationen aus der Naturheilpraxis René Gräber

René Gräber
René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Histidin (His oder H, Summenformel C6H9N3O2) ist eine proteinogene (eiweißbildende) alpha-L-Aminosäure. Sie kann zwar in geringen Mengen vom Körper selbst synthetisiert werden, gerade bei Kindern ist aber eine zusätzliche Aufnahme mit der Nahrung erforderlich.

Die Aminosäure ist in vielen Proteinen wie dem roten Blutfarbstoff und etlichen Enzymen sowie Antikörpern enthalten und daher lebenswichtig. Daneben ist Histidin indirekt an der Steuerung von Entzündungs-Prozessen beteiligt.

Da Erwachsene einen Histidin-Mangel über einige Zeit durch die eigene Produktion ausgleichen können, gilt die Aminosäure als semi-essenziell.
Die basische (alkalische) Aminosäure enthält einen aromatischen Ring im Molekül. Aufgrund dieses „Imidazol-Ringes“ hat Histidin eine hohe potenzielle chemische Energie inne.

So kann die Aminosäure beim Abbau viel Stoffwechsel-Energie liefern. Dabei kann Histidin Zucker ersetzen, wenn der physiologische Bedarf besteht. Mit seinem ringförmigen Aufbau aus Kohlenstoff und Stickstoff ist der Imidazol-Ring auch der funktionelle Bestandteil im Zentrum von Enzymen und dem Hämoglobin.

Bedarf und Quellen von Histidin

Der Tagesbedarf an Histidin kann nicht genau definiert werden, weil der Körper die Aminosäure auch aus anderen Nahrungsbestandteilen herstellen kann. Allerdings sind dazu Vorstufen erforderlich, die einen Imidazol-Ring enthalten, der im Säugerstoffwechsel nicht synthetisiert werden kann.

Der Histidin-Bedarf wird durch den Verzehr von empfohlenen Protein-Mengen gedeckt. Dies sind für einen erwachsenen Menschen 0,8 g pro kg Körpergewicht (0,8 g/kg KG). Babys brauchen hingegen 2,5 g/kg KG.

Im Laufe der weiteren Entwicklung sind dann bis zur Adoleszenz stetig weniger notwendig. Senioren sollten 1,0 g/kg KG Protein zu sich nehmen. Die reichhaltigste Quelle für Histidin ist Thunfisch, Schweinefleisch und Gouda mit rund 1 g/100 g Frischgewicht.

In vergleichbarer Größenordnung sind anderer Fisch- und Fleischsorten sowie diverse Schnittkäsesorten einzuordnen. Die besten pflanzlichen Quellen sind Soja- (0,8 g/100 g) und Limanohnen (0,7 g/100 g).

Histidin-Mangel

Histidin-Mangel kommt nur vor, wenn durch schlechte, eiweißarme Kost über längere Zeit verzehrt wird. Fehlen dem Körper auch die Vorstufen für Histidin, ist auch die Eigen-Synthese im Organismus unmöglich.

Wahrscheinlicher ist ein Histidin-Defizit dann, wenn zu ernährungsbedingten Ursachen noch ein erhöhter Bedarf hinzukommt. Das ist bei schweren Krankheiten oder starker körperlicher Beanspruchung der Fall.

Leit-Symptom des Histidin-Mangels ist Anämie (Blutarmut). Daneben sind Wachstums-Prozesse gestört, Epithelien (Haut und Schleimhäute) geschwächt und die Gelenke durch Arthritis geschädigt. Möglich ist auch eine Beeinträchtigung der Nerven, was sich in Fühlstörungen äußern kann. Ein absoluter Histidin-Mangel bringt den Stickstoff-Haushalt aus dem Gleichgewicht.

Eine solide Ernährung kann einen Histidin-Mangel schnell beseitigen. Supplementationen mit Histidin können zur Überbrückung durchaus herangezogen werden. Eine Überdosierung ist dabei wenig wahrscheinlich, weil die entsprechenden Präparate dafür zu wenig Histidin enthalten.

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Histidin-Überschuss

Ein Histidin-Überschuss kann durch Lebensmittel nicht verursacht werden. Nur ein extremer Missbrauch von Supplementationen kann durch zu hohe Aufnahme der Aminosäure Nebenwirkungen zeitigen. Die kritische Menge soll bei 4 g Histidin liegen. Präparate mit Histidin liefern Mengen im Bereich von 50 bis 100 mg.

Eine zu hohe Histidin-Einnahme kann zu Angststörungen, Stress und Schizophrenie führen, worauf die teilweise sehr hohen Histidin-Spiegel im Blut der betroffenen Patienten hindeuten. Deshalb sollten Patienten mit Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen auf Arzneimittel, die Histidin enthalten, verzichten.

Ursache eines hohen Histidin-Spiegels kann auch eine seltene Erbkrankheit sein. Bei dieser „Histidinämie“ ist die Aktivität desw Enzyms Histidase reduziert. Das Protein bewerkstelligt die Umwandlung von Histidin in Urocaninsäure. Diese Reaktion steht am Anfang der Bildung der Aminosäure Glutamat aus Histidin.

Die Akkumulation von Histidin im Körper kann schwere Folgen für die Entwicklung des Nervensystems haben. Dann kommt es zu Minderbegabung, Sprachbehinderungen und Krampfanfällen. Behandelt werden kann die Erbkrankheit mit einer Histidin-armen Diät. Bei einer Früherkennung der genetischen Störung sind bei Einhaltung der Spezial-Kost Spätschäden unwahrscheinlch.

Spezielle Funktionen von Histidin im Stoffwechsel

Besondere Bedeutung hat Histidin beim Aufbau eisenhaltiger Moleküle, so etwa beim Speicherprotein Ferritin und in verschiedenen Enzymen. Aufgrund seiner Struktur ist es aber nicht nur Baustein vieler Proteine, sondern auch an verschiedensten Stoffwechselvorgängen und Mechanismen beteiligt.

Da Histidin im roten Blutfarbstoff Hämoglobin und im muskulären Myoglobin Bindungsort für das Eisenatom ist, ist es für den Sauerstofftransport im Körper, aber auch für die Pufferung des pH-Werts im Blut von hoher Bedeutung.

In den Mitochondrien, den Kraftwerken unserer Zellen, bindet es ebenfalls Metallionen und ist dadurch an so wichtigen Stoffwechselvorgängen wie der für die Energiegewinnung nötigen Atmungskette beteiligt. Auch für die Wundheilung und Gewebereparatur ist Histidin entscheidend.
(Fitzpatrick D. W. & Fisher H.: Histamine synthesis, imidazole dipeptides, and wound healing; Surgery; 1982; S. 430-434).

Unser Körper stellt aus Histidin durch Abspaltung von Kohlendioxid das Gewebshormon Histamin her. Dieses spielt unter anderem eine zentrale Rolle bei der Abwehr unseres Immunsystems gegen Fremdstoffe.

Histamin bewirkt hierbei, dass Flüssigkeit in das betroffene Gewebe eintritt und es zu einer – oft juckenden und mit Hautrötung           verbundenen – Entzündungsreaktion kommt, um die Eindringlinge zu beseitigen. Gleichzeitig aktiviert die Ausschüttung von Histamin weitere Leukozyten, um die Abwehrreaktion zu verstärken.

Auch bei allergischen Reaktionen wird Histamin ausgeschüttet und setzt diese, in dem Fall unerwünschten, Abwehrmechanismen in Gang. Das Hormon reguliert darüber hinaus die Magensäurekonzentration und löst bei Übelkeit Erbrechen aus.

Auch unser Schlaf-Wach-Rhythmus wird durch Histamin geregelt, ebenso wie das Herz-Kreislaufsystem, wobei Histamin unter anderem die Erweiterung der Gefäße beeinflusst. Ebenso steigert Histamin das Lustempfinden.
(vgl. Chand N & Eyre P.: Classification and biological distribution of histamine receptor sub-types; Agents Actions; 1975; S. 277-295).

Medizinische Anwendungen von Histidin

Histidin ist in Präparaten zur enteralen (Magensonde) und parenteralen (Infusion) enthalten. Diese Maßnahme dient der reinen Versorgung mit Nährstoffen und richtet sich nicht auf eine Grunderkrankung.

Aufgrund seiner positiven Wirkung wird Histidin in der Medizin bei Rheumatismus recht erfolgreich eingesetzt, wenn die Patienten einen zu niedrigen Spiegel der Aminosäure aufweisen.

Weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Histidin auch bei allergischen Reaktionen und möglicherweise bei der Immunschwäche AIDS eine positive Wirkung hat.
(Morgan W.T.: Serum histidine-rich glycoprotein levels are decreased in acquired immune deficiency syndrome and by steroid therapy; Biochem Med Metab Biol; 1986; 210-213).

Weitere Indikationen für eine Histidin-Supplementierung sind Anämie, Allergien, Arteriosklerose und Wachstumsstörungen.

Da das essenzielle Spurenelement Zink im Körper fast immer an die Aminosäure gebunden vorliegt, enthalten viele Zinkpräparate bereits Verbindungen der Metallionen mit Histidin sogenanntem „Zink-Histidin“ oder „Zink-Histidin-Komplex“. Die Präparate sollen das Immunsystem stärken, das Hautbild verbessern und das Haarwachstum verbessern.

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