Folsäure und Folat: Vorkommen, Nutzen und
Mangel
Folsäure ist die biologisch inaktive Form von Folat.
Erst eine Umwandlung in der Leber durch das Enzym Dihydrofolatreduktase in Folat (Tetrahydrofolsäure) erzeugt
eine biologisch aktive Form, die der Körper auch nutzen kann.
Folat gehört zum sogenannten Vitamin-B-Komplex der Vitamine und wird auch Vitamin B9 genannt.

Funktion und Nutzen
Alle biologische Funktionen der Folsäure gehen von der Tetrahydrofolsäure und dessen Derivaten aus.
Die biologische Verfügbarkeit hängt einzig und alleine von der Aktivität der Dihydrofolatreduktase in der Leber
ab.
Die Umwandlung ist normalerweise sehr langsam aufgrund der geringen Aktivität der Dihydrofolatreduktase, so dass
man davon ausgehen kann, dass es wenig Sinn macht, mehr als 1 Milligramm pro Tag an Folsäure einzunehmen.
Dosierungen, die über diese 1 Milligramm-Grenze hinausgehen, haben zur Folge, dass sich die aufgenommene
Folsäure im Plasma anreichert.
Norwegische Forscher haben in einer Studie aus dem Jahr 2009 festgestellt, dass es einen Zusammenhang gibt
zwischen Folsäure Substitution und vermehrten Krebsaufkommen und einem erhöhten Mortalitätsrisiko bei ischämischen
Herzerkrankungen. Es wird nun diskutiert, welche Effekte die Anreicherung von Folsäure im Organismus ausüben
kann.
Die Problematik bei der zusätzlichen Einnahme von Folsäure ist, dass die Bioverfügbarkeit im Vergleich
zum natürlichen Folat sehr schwankt. Als "Daumenregel" kann man annehmen, dass 1 Mikrogramm Folat der Wirkung von
0,6 Mikrogram Folsäure entspricht. Der Tagesbedarf für Frauen liegt bei 400 Mikrogramm, bei schwangeren Frauen bei
600 Mikrogramm und bei Männern bei 400 Mikrogramm Folat.
Folat ist essentiell (notwendig) für eine große Anzahl an Körperfunktionen, beginnend bei der
Nukleotid-Biosynthese bis hin zur Remethylisierung von Homocystein.
So benötigt der menschliche Körper Folat um DNS und RNS zu synthetisieren und zu reparieren.
Besonders wichtig ist Folat während verstärkter Zellteilung und –wachstum, wie es während der Schwangerschaft
und im Kindesalter vorkommt. RNS Transkription und die damit verbundene Proteinsynthese sind weniger betroffen, da
die mRNS recycelt wird und wieder benutzbar ist, während bei der DNS Synthese eine vollkommen neue Kopie des Genoms
erstellt werden muss.
Die Produktion der Erythrozyten (rote Blutkörperchen) ist ebenfalls abhängig von einer ausreichenden
Folatzufuhr.
Weitere Folat-Funktionen sind die Umwandlung von Glycin in Serin, Einfluss auf den Histidinstoffwechsel und die
Cholinbiosynthese. Cholin selbst spielt eine bedeutsame Rolle im Phospholipidstoffwechsel, z.B. beim Aufbau von
Zellmembranen.
Folsäuremangel
Ein Folsäuremangel, beziehungsweise ein Folatmangel kann in einer Reihe von gesundheitlichen Problemen
münden.
Daraus resultierende, gravierende Fehlbildungen sind Neuralrohrdefekte bei Embryos.
Niedrige Folatkonzentrationen führen zur Akkumulation von Homocystein, welches mit Hilfe von Folat und
Vitamin B12 zu Methionin umgewandelt wird.
Hohe Homocystein-Spiegel gelten als Indikator für die Bildung von Arteriosklerose (Gefäßverkalkung).
Die DNS Synthese und Reparatur sind bei einem Folatmangel ebenso betroffen; eine Einschränkung in der Reparatur
von DNS Defekten erhöht die Wahrscheinlichkeit der Ausbildung von Krebserkrankungen.
Ein Folatmangel behindert nicht nur die DNS Synthese und Zellteilung, sondern beeinträchtigt die Funktion der
blutbildenden Zellen. Ursache für eine perniziöse Anämie kann oft auf einen Folatmangel zurückgeführt werden.
Vorkommen
Da der Körper nicht in der Lage ist, dieses Vitamin selbst herzustellen, muss Folat über die Nahrung (oder als
Nahrungsergänzung in Form von Folsäure) aufgenommen werden.
Kleine bis mittelmäßige Mengen an Folsäure kommen vor in grünem Blattgemüse, Vollkornprodukten, Brokkoli,
roter Beete, Spargel, Karotten, Tomaten, Nüssen, Obst (Orangensaft, Ananassaft, Honigmelonen, Grapefruit Saft,
Bananen, Erdbeeren), Fisch, Fleisch, Eigelb und Bier.
Zu den bedeutenderen Folsäureliferanten zählen Weizenkeime und –kleie mit ca. 400 Mikrogramm pro 100 Gramm
und Geflügel- und Kalbsleber mit ca. 100 Mikrogramm pro 100 Gramm.

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