Omega-3-Fettsäuren in der Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bedeutung, Vorkommen und Nutzen

Omega 3-Fettsäuren helfen (auf natürliche Weise) bei Rheuma. Aber diese Fettsäuren sind noch bei viel mehr Erkrankungen und Beschwerden wichtig...

Omega-3-Fettsäuren, die vornehmlich in Fischen (Eicosapen-taensäure) – wie Makrele, Lachs, Hering und Thunfisch – und pflanzlichen Ölen (α-Linolensäure) (besonders in Leinsamen, Leinöl und Rapsöl) vorkommen, gelten als entzündungshemmend und gefäßerweiternd.

Darüber hinaus halten sie die Arterien elastisch, verbessern die Fließeigenschaften des Blutes und fördern die Hirnleistung. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren können von unserem Körper nicht selber hergestellt werden und gelten daher als essentiell.

Gleiches trifft auf die Omega-6-Fettsäuren zu, die unter anderem für die Infektionsabwehr, das Wachstum und die Wundheilung nötig sind. Um ihre Wirkungen zu entfalten, werden die Omega-3-Fettsäure und die Omega-6-Fettsäure in unserem Körper jeweils in wichtige Botenstoffe mit hormonellen Eigenschaften (Neurotransmitter) umgewandelt. An diesem Prozess sind allerdings für beide Fettsäuretypen die gleichen Enzyme beteiligt.

Es kommt daher zu einem Konkurrenzdruck: Ist ein Enzym beispielsweise gerade damit beschäftigt, die Omega-6-Fettsäure in spezifische Eicosanoide umzuwandeln, so kann es natürlich nicht gleichzeitig noch eine Omega-3-Fettsäure aufnehmen. Deshalb ist das Verhältnis der beiden Fettsäuretypen zueinander entscheidend, um die hieraus entstehenden hormonellen Botenstoffe in dem gewünschten Gleichgewicht zu halten.
Quelle:(Fragiskos B. et al.: Competition of n-3 and n-6 polyunsaturated fatty acids in the isolated perfused rat heart; Ann Nutr Metab; 1986; 30(5)S. 331-334).

Schließlich konkurrieren die beiden ungesättigten Fettsäuren nicht nur um die gleichen Enzyme, sie gelten auch als Gegenspieler bei verschiedenen Prozessen in unserem Organismus. Während die Omega-6-Fettsäure die Blutgerinnung fördert, wirken Omega-3-Fettsäuren gerinnungshemmend. Die aus Omega-6-Fettsäure gebildete Arachidonsäure schützt vor Krankheitskeimen, indem sie Entzündungen auslöst. Gleiches geschieht allerdings auch bei Autoimmun-erkrankungen wie Rheuma, Neurodermitis oder Schuppenflechte.

Omega-3-Fettsäuren wirken hingegen entzündungshemmend und schmerzlindernd. Sie steuern auf diese Weise den oben genannten Erkrankungen wirkungsvoll entgegen.
Quelle: (Adam O. et al.: Anti-inflammatory effects of a low arachidonic acid diet and fish oil in patients with rheumatoid arthritis; Rheumatol Int; 2003; 23(1); S. 27-36).

Auf das Verhältnis kommt es an

Gesunde Menschen sollten bei der Ernährung auf ein ausgewogenes Verhältnis von Omega-6-Fettsäuren zu Omega-3-Fettsäuren von etwa 4:1 achten.
Quelle:(Booyens J. et al.: Chronic arachidonic acid eicosanoid imbalance: a common feature in coronary artery disease, hypercholesterolemia, cancer and other important diseases. Significance of desaturase enzyme inhibition and of the arachidonic acid desaturase-independent pathway; Med Hypotheses; 1985; 18(1); S. 53-60). 

Allerdings nehmen die Deutschen durchschnittlich etwa 10- bis 20-mal mehr Omega-6-Fettsäuren auf, da diese vor allem in tierischen Fetten (Milchprodukte und rotes Fleisch) vorkommen.

Personen, die an Rheuma und anderen schmerzhaft-entzündlichen Erkrankungen leiden, können durch eine vermehrte Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren bei gleichzeitiger Omega-6-Fettsäure-armer Ernährung die Krankheitssymptome stark abschwächen und lindern.

Besonders empfehlenswert ist Krill Öl, um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu decken. Denn das Öl der kleinen garnelenähnlichen Meerestiere enthält vor allem die Omega-3-Fettsäuren Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), die unser Körper direkt verwerten kann.

Gleiches gilt für Fischöl, das ebenfalls reich an EPA und DHA ist. Die in pflanzlichen Ölen hauptsächlich vorkommende Omega-3-Fettsäure ist hingegen Alpha-Linolensäure. Diese muss unser Organismus erst in die für uns nutzbaren Formen umwandeln. Das geschieht allerdings nur in geringem Maße, unter anderem deshalb, weil die dafür nötigen Enzyme auch bei der Umwandlung der Omega-6-Fettsäuren gebraucht werden.

Durch eine Verminderung der Omega-6-Fettsäuren in der Nahrung kann demzufolge auch die die Nutzbarkeit der Alpha-Linolensäure verbessert werden. Da aber beispielsweise erhöhte Insulinwerte die nötigen Enzyme ebenfalls hemmen, ist es sinnvoll, die Omega-3-Fettsäuren über die beschriebenen tierischen Öle aufzunehmen.

Beobachtungsstudien zeigen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den westlichen Ländern, in denen Milchprodukte und Fleisch von Landtieren auf dem täglichen Speiseplan stehen, wesentlich häufiger vorkommen als in ostasiatischen Ländern, in denen stattdessen wesentlich mehr Meeresfisch gegessen wird.

Der Omega-3-Index (Messbarer Anteil der Omega-3-Fettsäuren in den roten Blutkörperchen) beträgt beispielsweise in Japan 11 Prozent, während er in Deutschland lediglich um die 4 Prozent ausmacht.

Die Wahrscheinlich am plötzlichen Herztod zu sterben, ist demnach bei einem Omega-3-Index unter 4 Prozent etwa 10-facher höher als bei einem Index-Wert von über 8 Prozent.
Quelle: (Harris W. S. & von Schacky C.: The Omega-3 Index: a new risk factor for death from coronary heart disease? Prev Med; 2004; 39(1); S. 212-220).

Zurzeit untersuchen viele Forschergruppen weitere Effekte der Omega-3-Fettsäuren. Während die positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System und rheumatische Erkrankungen als "sehr gesichert" angenommen werden kann, sind positive Effekt der Omega-3-Fettsäuren bei bestimmten altersbedingten Augenproblemen (Makuladegeneration), Alzheimer und verschiedenen Krebserkrankungen wahrscheinlich.
Quelle: (unter anderem in Freund-Levi Y. et al.: ‘Omega-3 fatty acid treatment in 174 patients with mild to moderate Alzheimer disease: OmegAD study: a randomized double-blind trial; Arch Neurol., 2006; 63(10); S. 1402-1408 und Kuriki K. et al.: Breast cancer risk and erythrocyte compositions of n-3 highly unsaturated fatty acids in Japanese; Int J Cancer; 2007; 121(2); S. 377-385).

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Niedrige Omega 3 Werte könnten die Ursache für bipolare Störungen sein

Die bipolare Störung ist eine stark belastende Erkrankung. Bei den Patienten wechseln sich depressive Phasen mit euphorischen Episoden ab. Sogar manische (wahnhafte) Zustände können vorkommen. Eine ausgeglichene Stimmungslage tritt bei den Erkrankten kaum auf. Wie auch bei anderen psychischen Krankheiten diskutieren Ärzte über die Ursachen.

So untersuchten Psychiater der Pennsylvania State University (PSU) den Zusammenhang zwischen der bipolaren Störung und den mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Konkret bestimmten sie den Spiegel der Omega-3- und der Omega-6-Fettsäuren. Dazu untersuchten sie die Parameter von 27 Patienten mit bipolarer Störung und 31 gesunden Menschen. Mit einem Fragebogen ermittelten die Wissenschaftler die Ernährungsgewohnheiten der Studien-Teilnehmer, um die durchschnittliche Menge der Fettsäuren in der täglichen Nahrung der Freiwilligen ab zu schätzen.

Tatsächlich wiesen die Psychiater nach, dass die Patienten mit der psychischen Störung eine geringere Blut-Konzentration der Fettsäuren hatten als die Gesunden. Der chemische Nachweis richtete sich auf die freien Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren. Denn nur die können die Blut-Hirn-Schranke überwinden, nicht aber die an Proteine gebundene Form. Das untermauert die These der Forscher. Denn die untersuchten ungesättigten Fettsäuren spielen im Gehirn eine wichtige Rolle. Die langen Kohlenstoff-Ketten der Verbindungen sind Bestandteile der Zellmembranen, die im Zentral-Nerven-System großflächig vorkommen. Außerdem sind die biogenen Säuren wichtig für die Zell-Kommunikation im Nervengewebe. Diese Fakten passen mit den Untersuchungsergebnissen zusammen. Dem widerspricht allerdings, dass Therapien mit einer Supplementierung von Omega-3-Fettsäuren bei bipolarer Störung fehlschlugen. Ein weiterer Einwand lautet, dass Antidepressiva oft in den Fettsäurestoffwechsel eingreifen. Hier könnten also Ursache und Folge verwechselt werden.

Auch die Studien-Leiterin, Dr. Erika FH Saunders, räumt ein, dass es für Ernährungsempfehlungen für Patienten verfrüht ist. Dr. Saunders veröffentlichte die Ergebnisse ihres Teams im Oktober 2015 im Fachmagazin „Bipolar Disorders“.

Antioxidantien helfen bei Erkrankungen des Rheumatischen Formenkreises

Aber nicht nur Omega-3-Fettsäuren schützen vor den schmerzhaften Entzündungen. Darüber hinaus wirken sich Antioxidantien, wie etwa Selen, Vitamin C und Vitamin E positiv auf die Krankheitssymptome aus.
Quelle: Adam O. & Krämer K.: Antioxidanzientherapie bei chronischer Polyarthritis; Med Klein; 1995; 90(Suppl.I); S. 27-31).

Dies hängt unter anderem mit der Bildung der Eicosanoide zusammen. Schließlich entstehen sie aus der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure durch Oxidation. Die Antioxidantien hemmen deren Entstehung, schützen aber gleichzeitig die Membran in den entzündlichen Regionen vor gefährlichen freien Sauerstoffradikalen, die bei der immunologischen Stimulation entstehen.

Gesunde Ernährung bei Rheuma und anderen Autoimmunerkrankungen

Patienten, die an Rheuma oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, an Gürtelrose oder Neurodermitis leiden, müssen nicht direkt zu entzündungshemmenden Medikamenten greifen, die immer mit Nebenwirkungen verbunden sein können.

Um die Arachidonsäure zu reduzieren, sollten Sie Fleisch und Wurst von Ihrem Speiseplan streichen. Für die kalte Küche eignet sich neutrales Pflanzenöl, etwa Olivenöl, während Butter in geringem Maße ebenfalls erlaubt sind. (Fragen Sie mich bitte nicht, was ich von Margarine halte. Die Antwort würde ihnen nicht gefallen.)

Da chronisch Erkrankte das Verhältnis der ungesättigten Fettsäuren hin zu den Omega-3-Fettsäuren erstreben sollten, ist ein hoher Nahrungsanteil an α-Linolensäure besonders wichtig.

Diese Omega-3-Fettsäure ist vor allem in dem angenehm nussig schmeckenden Leinöl enthalten. Bereits bei der Herstellung des Leinöls gibt es große Unterschiede: In einer handgetriebenen Presse schonend gewonnen und frisch eingenommen, enthält es die meisten gesunden Fettsäuren. „Kalt gepresst“ gilt bei Ölen zwar als Gütesiegel, doch darf die Temperatur, die beim Druck des Pressens entsteht, bis zu 120 °C betragen. Omega-3-Fettsäuren werden allerdings bereits bei Temperaturen ab 40 °C zerstört. Selbst Leinsamenöl aus Biomärkten und Reformhäusern ist aber meist stärker erhitzt.

Auch werden fast alle Leinöle mithilfe von Lösungsmitteln gepresst, deren Rückstände wir später mit den Lebensmitteln aufnehmen. Bereits beim Produzenten sollte gutes Leinöl kühl und dunkel gelagert werden, um dann schnellstmöglich zu dem Endverbraucher zu gelangen. Sobald das Öl nicht mehr weich, sondern ranzig schmeckt, sind kaum noch Omega-3-Fettsäuren vorhanden. Daher empfiehlt es sich, das Leinsamenöl innerhalb weniger Wochen aufzubrauchen und nur geringe Mengen einzukaufen.

Sehr gute Anlaufstellen für frisches und schonend gewonnenes Leinöl

Angelika Klüssmann
Wulfsener Str. 1
21442 Tangendorf
Tel. und Fax: 04173-580210
AngelikaKluessmann@t-online.de

Ölmühle Dreyer
Schadeberg 4a
29413 Diesdorf
Tel.: 03902-950160
Fax: 03902-950161

KaVita (www.ka-vita.de)
Horst Gadilhe
Im Thal 4
82377 Penzberg
Tel.: 08856-8974
Fax: 08856-932228
post@ka-vita.de

Öl-Eiweiß-Kost nach Dr. Johanna Budwig

Die von Johanna Budwig zur Vorbeugung und bei bereits bestehenden Krankheiten empfohlene Öl-Eiweiß-Kost macht sich ebenfalls die gesunden Eigenschaften der Omega-3-Fettsäuren zunutze. Die 2003 verstorbene Chemikerin empfahl, Leinöl, Quark und Leinsamen auf den täglichen Speiseplan zu setzen. Denn die Bestandteile des Leinöls, allen voran die α-Linolensäure, verbinden sich ihrer Meinung nach mit schwefligen Aminosäuren, die beispielsweise in Quark enthalten sind, zu einem elektrischen Dipol. Dieser kann in die Zellen und die Mitochondrien (die Kraftwerke der Zellen) eindringen und dort die Zellatmung verbessern.
Quelle: (Budwig J.: Öl-Eiweiß-Kost, Hyperion-Verlag, Freiburg im Breisgau 1965).

Zwar hat Johanna Budwig ihre fleischlose Diät vornehmlich für Krebspatienten entwickelt. Doch zeigt sich, dass bei den meisten Krankheitsprozessen stoffwechselabbauende (katabole) Vorgänge im Körper überwiegen.

Die gebürtige Essenerin vertrat die Theorie, dass hochungesättigte Fettsäuren in Verbindung mit gutem Protein das Gleichgewicht wieder hin zu aufbauenden (anabolen) Stoffwechselvorgängen verschieben. Die Verbindung aus hochwertigem Leinöl und biologisch zertifiziertem Quark oder Joghurt verbessert nicht nur die Stoffwechselaktivität, sondern auch die Nervenfunktion.

Empfehlung, wie Sie Ihren Zellstoffwechsel stärken, um ein Gegengewicht zu chronischen Erkrankungen zu schaffen:

Ein- bis zweimal täglich ein Esslöffel Leinöl in Verbindung mit Magerquark. Eine schadstofffreie Herstellung und Naturbelassenheit sind sowohl beim Leinöl als auch beim Quark wichtig.