Aminosäuren

L-Tyrosin: Steiger deine Denkleistung und finde innere Ruhe

Informationen aus der Naturheilpraxis René Gräber

René Gräber
René Gräber

Die Aminosäure L-Tyrosin (kurz: Tyr oder Y, Summenformel C9H11NO3) spielt eine wichtige Rolle im Stoffwechsel der Hormone und Neurotransmitter. Und spätestens bei “Neurotransmitter” werden einige “hellhörig”. Denn es geht (auch) um Erhöhung der Denkleistung und noch ganz andere Dinge… Und genau darum geht es in diesem Beitrag.

Wofür brauchen wir Tyrosin?

Fast alle Eiweiße enthalten Tyrosin. Deswegen können wir unsere Gewebe nur dann aufrechterhalten, wenn der Stoffwechsel genug Tyrosin zur Verfügung hat. Wir brauchen die Aminosäure also unbedingt für unsere Muskeln, Bindegewebe, Knochen und Nerven.

Aber auch in Enzyme und Antikörper baut der Organismus Tyrosin ein. Das Nervensystem produziert aus der Aminosäure den Neurotransmitter Dopamin, das landläufig „Glückshormon“ genannt wird. Der Organismus wandelt Tyrosin auch in die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin und in Botenstoffe der Schilddrüse um.

Daneben ist Tyrosin die Ausgangsverbindung für die Biosynthese von Ubichinon. Dieses Coenzym ist funktioneller Bestandteil der Atmungskette in den Mitochondrien.

Weil die Aminosäure für das Nerven- und Hormonsystem so wichtig ist, hilft sie bei In Studien haben Forscher nachgewiesen, dass Tyrosin uns widerstandsfähiger gegen Stress macht. Laut den Untersuchungen können sich Menschen auch besser konzentrieren, wenn sie angemessene Mengen Tyrosin eingenommen haben.

Wie alle Aminosäuren kommt auch Tyrosin in mehreren Variationen vor. In Eiweiße wird aber nur eine Form eingebaut, und zwar das alpha-L-Tyrosin.

Tyrosin ist eine nicht essenzielle Aminosäure. Das heißt, Tyrosin muss nicht unbedingt in der Nahrung enthalten sein, denn der Stoffwechsel kann sie aus der Aminosäure Phenylalanin herstellen. Wie andere Aminosäuren auch kann Tyrosin wie Fett und Zucker verbrannt werden und uns so Energie liefern.

Entdeckt wurde Tyrosin im Käseprotein „Casein“. „Tyros“ bedeutet auf Griechisch „Käse“ und so nannte man die Aminosäure „Tyrosin“.

Tyrosin ist nur schwach in Wasser löslich. Grund dafür ist der von Chemikern „aromatischer Rest“ genannte Teil im Molekül. Dieser Sechserring aus Kohlenstoff ist lipophil („fettliebend“) und daher gleichzeitig „hydrophob“ („Wasser-abstoßend“).

In der Nahrung muss entweder genug Tyrosin oder Phenylalanin enthalten sein

Phenylalanin kann der Körper zu Tyrosin umwandeln. Die Empfehlung lautet daher, dass die verzehrte Tagesmenge der beiden Aminosäuren bei einem 70 kg schweren Menschen insgesamt 1 g betragen sollte.

Eine gute Quelle für Tyrosin ist Käse, der je nach Sorte zwischen 1,3 und 1,8 g/100 g enthält.

Hülsenfrüchte wie Erbsen und Sojabohnen enthalten 1,2 g/100 g Tyrosin.

Fleisch und Fisch liefern zwischen 0,5 und 1,0 g Tyrosin/100 g.

Tyrosin-Mangel ist nicht immer die Folge von Mangelernährung

Wenn wir zu wenig Eiweiß essen, nehmen wir auch zu wenig Tyrosin und Phenylalanin auf. Zu einem Tyrosin-Mangel kann es aber auch kommen, wenn wir zu wenig Vitamine und Spurenelemente zu uns nehmen. Denn die Vitalstoffe braucht der Stoffwechsel, um Phenylalanin in Tyrosin umzuwandeln.

Doch bei Mangelernährung mangelt es eben oft auch an Vitaminen. Ab einem Blutwert unter 100 µmol/l herrscht ein spürbarer Mangel an Tyrosin vor. Die Symptome treten eher, wenn der Körper besonders gefordert wird, wie zum Beispiel in der Schwangerschaft, bei Stress oder Erkrankungen.

Der Tyrosin-Mangel führt dann zu Nervenstörungen wie Lähmungen, Konzentrationsstörungen und sogar Depressionen. Zudem macht sich eine allgemeine Erschöpfung bemerkbar.

Herz-Kreislauf-Probleme treten auf, der Blutdruck und die Körpertemperatur sinken und auch der Blutzucker kann entgleisen. Denn die Hormonsteuerung läuft aus dem Ruder, sodass die Bauchspeicheldrüse Insulin nicht mehr korrekt ausschüttet.

Auch die Schilddrüse kann ihre Hormone nicht mehr im erforderlichen Maß produzieren. Die Melanin-Synthese ist ebenfalls reduziert, weil das Substrat dafür fehlt. Die Folgen sind grau werdende Haare und helle Hautflecken.

Es gibt Menschen, bei denen die Umwandlung von Phenylalanin zu Tyrosin nicht oder nicht richtig funktioniert. Diese Phenylketonurie ist eine Erbkrankheit, die auf einem Enzym-Defekt beruht.

Dann bleibt den Ärzten nur die Möglichkeit, Tyrosin als Medikament zu geben. Sonst leiden die Patienten an Albinismus, weil der Farbstoff Melanin nicht mehr gebildet werden kann.

Doch die helle Haut und die hellen Haare sind nicht das Schlimmste. Der Mangel am Schilddrüsenhormon Thyroxin kann Missbildungen, Minderwuchs und Sprachstörungen zur Folge haben.

(Boscott R.J. & Bickel H.: Phenylalanine and tyrosine metabolism in patients with phenylketonuria; Biochem J.; 1953 Oct 17;56).

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Zu viel Tyrosin ist auch nicht gut und kann schaden

Eine allgemein übliche Ernährung kann keinen schädlichen Tyrosin-Überschuss hervorrufen. Auch der Missbrauch von Nahrungsergänzungsmitteln, die im Fitness-Bereich verbreitet sind, führt höchstens zu einem kurzfristigen Anstieg von Tyrosin. Bemerkbar macht sich das durch einen übersäuerten Magen, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Gelenk-Probleme.

Tyrosinämien sind Stoffwechselerkrankungen, bei denen der Körper die Aminosäure nicht abbauen kann. Das kann 4 Enzyme betreffen, die an dem Stoffwechselweg beteiligt sind. Die Patienten müssen eine Diät einhalten, die arm an Tyrosin und Phenylalanin ist. Sonst drohen Leber- und Nierenschäden sowie Hyperkeratosen (Hornhautwucherungen).

Tyrosin ist für die Steuerung des Stoffwechsels wichtig

Tyrosin kommt besonders reichhaltig in Eiweißen vor, die Signale zwischen den Körperzellen übertragen.

Dass der Körper aus Tyrosin Dopamin herstellt, haben wir bereits erfahren. Der Neurotransmitter ist in allen Anteilen des Nervensystems zu finden, also im zentralen, vegetativen und peripheren Nervensystem. Die Reizleitung in der Nervenzelle funktioniert elektrisch, während Nervenzellen untereinander mit chemischen Signalen kommunizieren. Kontakt haben die Zellen an der Synapse, wo sich die Zellen berühren. Der Zwischenraum ist der sogenannte „synaptische“ Spalt“, in den eine Zelle Neurotransmitter abgibt, um der Nachbarzelle eine Information zu übermitteln. Eines dieser Neurotransmitter ist das Dopamin, also umgebautes Tyrosin.

Dopamin hält uns wach, leistungsfähig, hebt die Stimmung und sorgt für eine starke Konzentrationsfähigkeit. Doch Dopamin steuert auch unwillkürlichen Funktionen wie Verdauung und Kreislauf.

Zwei Schilddrüsenhormone bestehen aus umgewandeltem Tyrosin, das Triiodthyronin (T3) und das Thyroxin (T4). Beide Botenstoffe steuern das Zell- und Körperwachstum sowie den Energiehaushalt, der dem erforderlichen Bedarf angepasst wird. T3 und T4 beeinflussen die Ausschüttung weiterer Hormone. So kurbeln die Schilddrüsenhormone die Freisetzung von Insulin und vom Wachstumshormon STH an. (Dieterle, P. et al.: Die Stoffwechselwirkungen der Schilddrüsenhormone; Handbuch der Inneren Medizin. Bd. 7, Springer; 1975; S. 439-472)

Der Pigment-Farbstoff Melanin wird ebenfalls aus dem Ausgangsstoff Tyrosin synthetisiert. Melanin ist für die bräunlich-schwarze Färbung von Haaren, Haut und Augen verantwortlich. Die Aminosäure spielt auch eine Rolle bei “grauen Haaren”.

Tyrosin als Medikament und Nahrungsergänzungsmittel

Tyrosin ist in Infusionen für die künstliche Ernährung enthalten. Kraft- und Leistungssportler nehmen Präparate mit Tyrosin für den Muskelaufbau.

Tyrosin kann bei leichten Depressionen helfen, sollte aber unter ärztlicher Überwachung eingenommen werden.

Die Aminosäure kann auch den Entzug von Alkohol und Nikotin erleichtern.

Daneben kann Tyrosin die geistige Leistung steigern und uns länger durchhalten lassen.

Tyrosin kann bei Schilddrüsen-Problemen die Produktion von T3 und T4 steigern, wenn Iod alleine nicht ausreicht. Ohne die Thyroxin-Vorstufe Tyrosin nützt das Spurenelement gar nichts.

Viele Menschen nehmen Tyrosin ein, um Stress besser zu bewältigen oder vor Prüfungen effektiver lernen zu können. Wer nachts arbeitet, kann versuchen, mit Tyrosin länger fit zu bleiben. Daneben soll Tyrosin auch einen erhöhten Blutdruck senken können.

Gibt es wissenschaftliche Beweise für die Wirkungen?

Viele Hersteller werben für Tyrosin mit enormen Versprechungen. Deswegen lohnt sich ein Blick auf wissenschaftliche Studien, die sich mit dem Thema befassen. Und in der Tat: Interessant ist diese Substanz allemal!

In einem Experiment mussten Teilnehmer unter Schlafentzug Denkaufgaben lösen. Vorher nahmen die Probanden entweder Tyrosin oder Koffein oder Amphetamin ein. Dabei zeigte sich, dass Tyrosin die Folgen des fehlenden Schlafes abmildern konnte, wenn auch nicht in dem Maße wie das Amphetamin (Magill, R. A., et al., Effects of Tyrosine, Phentermine, Caffeine d-amphetamine, and Placebo on Cognitive and Motor Performance Deficits During Sleep Deprivation, Prev Next, Volume 6 Issue 4 [01 January 2003], S. 237 246).

In einer anderen Studie sollten die Teilnehmer unter Sauerstoffmangel und Kälte einen Intelligenztest absolvieren. Eine Hälfte der Gruppe erhielt Tyrosin, die andere ein Placebo. Die Tyrosin-Gruppe war den anderen Teilnehmern deutlich überlegen (Banderet, L. E., et al., Treatment with tyrosine, a neurotransmitter precursor, reduces environmental stress in humans, Brain Res Bull. 1989 Apr;22[4], S. 759).

Zwei weitere Studien belegen, dass Tyrosin die geistige Kapazität unter Kältebedingungen verbessern kann:

  • (OBrien, C., Dietary tyrosine benefits cognitive and psychomotor performance
    during body cooling, Physiol Behav. 2007 Feb 28;90[2-3], S. 301 07
  • (Mahoney, C. R., Tyrosine supplementation mitigates working memory decrements during cold exposure, Physiology & Behavior, Volume 92, Issue 4, 23 November 2007, S. 575 582)

In einer wissenschaftlichen Arbeit wollten Wissenschaftler die blutdrucksenkende Wirkung von Tyrosin ermitteln. Dabei mussten Probanden bei sehr lauter Musik Denkaufgaben erfüllen. Die Teilnehmer, die Tyrosin eingenommen hatten, schnitten im Vergleich zur Placebo-Gruppe besser ab. Daneben konnte Tyrosin den Blutdruck zumindest zeitweise senken (Deijen, J. B., et al., “Effect of tyrosine on cognitive function and blood pressure under stress”,Brain Research Bulletin, Volume 33, Issue 3, 1994, S. 319 323).

Tyrosin in Lebensmitteln

Tyrosingehalt in Lebensmitteln:

  • Emmentaler  Käse: 1,7 g / 100g
  • Mandeln: 0,6g / 100g
  • Thunfisch: 1,0g / 100g
  • Rindfleisch: 0,8g / 100g
  • Hühnerei: 0,6g / 100g (ein gekochtes Ei ohne Schale wiegt ungefähr 50g)

Wie dosiert man Tyrosin?

Der täglich Bedarf eines “gesunden” Erwachsenen liegt bei ca 33 mg pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag. Ein Mensch mit 70 Kilogramm Körpergewicht braucht pro Tag also ca. 2,3g Tyrosin.

Tyrosin kann man als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulver oder Kapseln kaufen. Die empfohlene Dosis beträgt laut Herstellerangaben 0,5 bis 3,0 g pro Tag und damit kommt man auch an die Tages-Dosis heran. Allerdings essen wir ja auch Lebensmittel (siehe oben). Für entsprechende Effekte (die ich oben beschrieben habe) würde ich mit 1000mg beginnen und diese auf jeden Fall zwischen den Mahlzeiten einnehmen.

Die Präparate sollten nur in Apotheken, Drogerien oder bei bekannten, seriösen Online-Händlern erworben werden. Bezugs-Quellen auf dem “grauen Markt” bieten die Mittel zwar billiger an, jedoch nicht in der Qualität, wie sie EU-Standards entspricht.

Warnhinweis!

Menschen, die Anti-Parkinson-Mittel (Levodopa) oder Schilddrüsen-Hormone einnehmen müssen, dürfen Tyrosin nicht anwenden. Ebenso sollte die Aminosäure Tyrosin und Phenylalanin nicht zusammen genommen werden.

Übrigens: Wenn Sie solche Informationen interessieren, dann fordern Sie unbedingt meinen kostenlosen Praxis-Newsletter “Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.” dazu an:

Beitragsbild: 123rf.com – PAPAN SAENKUTRUEANG

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 15.1.2023 aktualisiert.

René Gräber

René Gräber

Seit 1998 bin ich in eigener Naturheilpraxis tätig und begleite seitdem Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden und Erkrankungen. Dabei spielen zahlreiche Vitalstoffe in der Behandlung eine Rolle, die in zahlreichen Fällen enorm helfen können.

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