Aminosäuren

L-Tyrosin

Informationen aus der Naturheilpraxis René Gräber

René Gräber
René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Wie alle Aminosäuren kommt auch Tyrosin (Tyr oder Y, Summenformel C9H11NO3) in mehreren Variationen vor. In der Form von alpha-L-Tyrosin wird die organische Aminoverbindung in Eiweiße eingebaut und gehört damit zu den 20 „kanonischen“, proteinogenen (eiweißbildenden) Aminosäuren.

Weil L-Tyrosin in fast allen Proteinen vorkommt, ist sie Bestandteil von strukturellen Eiweißen der Muskeln, Bindegewebe, Knochen, Nerven und aller anderen Gewebe-Typen. Auch für die Bildung von Enzymen, Antikörpern und Membran-Proteinen ist die Aminosäure notwendig. Im Hormon-Stoffwechsel erfüllt die Aminosäure ebenfalls wichtige Aufgaben.

L-Tyrosin kann der menschliche Körper in ausreichender Menge selber herstellen und gilt deshalb als nicht essenziell. Aus L-Tyrosin kann unser Organismus auch andere Aminosäuren produzieren. Der Bereitstellung von Stoffwechsel-Energie und Energie-Reserven kann L-Tyrosin ebenfalls dienen.

Entdeckt wurde L-Tyrosin im Käseprotein „Casein“, wovon der Name abgeleitet ist („tyros“, griechisch: „Käse“ ).

L-Tyrosin ist nur schwach in Wasser löslich. Grund dafür ist der „organische Rest“ in dem Molekül, der jeder Aminosäure ihren „speziellen Charakter“ verleiht. Beim L-Tyrosin handelt es sich dabei um eine ringförmige Anordnung von 6 Kohlenstoff-Atomen, wobei der Chemiker von einer „aromatischen Verbindung“ spricht. Solche „Aromaten“ sind lipophil („fettliebend“) und daher gleichzeitig „hydrophob“ („Wasser-abstoßend“).

Bedarf und Quellen von L-Tyrosin

L-Tyrosin entsteht im Körper durch die Umwandlung der Aminosäure Phenylalanin. Die summierte Aufnahme beider Aminosäuren mit der täglichen Kost sollte rund 1 g betragen, bezogen auf einen 70 kg schweren Menschen.

Besonders reich an der L-Tyrosin sind Milchprodukte wie Käse, der je nach Sorte zwischen 1,3 und 1,8 g/100 g liefert. Hülsenfrüchten wie Erbsen und Sojabohnen enthalten 1,2 g/100 g L-Tyrosin. Fleisch und Fisch sind ebenfalls geeignete Quellen mit 0,5 und 1,0 g L-Tyrosin/100 g.

L-Tyrosin-Mangel

Wenn L-Tyrosin durch unzureichende, eiweißarme Ernährung nicht genügend aufgenommen wird, kann der Körper immer noch auf die Eigen-Produktion zurückgreifen. Dann müssen jedoch die Vorstufen der Aminosäure sowie alle Cofaktoren (Vitamine, Spurenelemente) für die Biosynthese verfügbar sein.

Dies ist bei einer Mangel-Kost aber meistens nicht der Fall, sodass ein Defizit entsteht. Begünstigt wird dieser Zustand bei erhöhtem Bedarf an Aminosäuren, wenn beispielsweise Schwangerschaften, Stress oder Erkrankungen dazu führen.

Zu den Beschwerden des Tyrosin-Mangels gehören nervliche Störungen mit reduzierter geistiger Leistungsfähigkeit, Bewegungseinschränkungen und Herz-Kreislauf-Probleme sowie Depressionen.

Oft sind auch sowohl der Blutdruck als auch die Körpertemperatur erniedrigt. Dies beruht auf einer Irritation des Hormon-Stoffwechsels, der auch die korrekte Insulin-Sekretion betrifft, die nicht mehr garantiert ist und zu Unter- oder Überzuckerungen führt.

Menschen, die an der Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie leiden, können die Aminosäure Phenylalanin nicht zu Tyrosin umbauen, wodurch es zu einem extremen Mangel kommen kann. Der genetische Enzym-Defekt ist angeboren und erfordert eine Phenylalanin-arme Diät oder die Injektion des fehlenden Stoffwechsel-Hormons.

Bei ungenügendem Behandlungserfolg muss Tyrosin supplementiert werden,  sonst kommt es wegen Melaninmangels zu Albinismus (wenig Pigmentierung von Haut und Haaren). Zudem produziert der Körper zu wenig Thyroxin. Das Schilddrüsen-Hormon wird im Organismus aus Tyrosin synthetisiert und hat im Mengel Missbildungen, Minderwuchs und Sprachstörungen zur Folge.

(Boscott R.J. & Bickel H.: Phenylalanine and tyrosine metabolism in patients with phenylketonuria; Biochem J.; 1953 Oct 17;56).

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L-Tyrosin-Überschuss

Eine konventionelle Ernährung kann kaum einen schädlichen Tyrosin-Überschuss hervorrufen. Auch der Missbrauch von Supplementen, wie im Fitness-Bereich gehandelt werden, führt höchstens zu kurzfristigen Überschüssen. Bemerkbar macht sich das durch  Übersäuerung des Magens, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Gelenk-Probleme.

Tyrosinämien sind Stoffwechselerkrankungen, bei denen der Körper die Aminosäure nicht abbauen kann. Davon betroffen sein können 4 Enzyme, die den mehrstufigen Katabolismus bewerkstelligen. Die Patienten müssen eine Diät einhalten, die arm an Tyrosin und Phenyalanin ist. Sonst drohen Leber- und Nierenschäden sowie Hyperkeratosen (Hornhautwucherungen).

Spezielle Funktionen von L-Tyrosin

Bei überschüssiger Versorgung mit L-Tyrosin kann die Aminosäure zur Energie-Gewinnung im Stoffwechsel dienen. Dann wird das Abbau-Produkt „Acetyl-Coenzym A“ dem Citrat-Zyklus in den Mitochondrien („Zellkraftwerke“) zugeführt oder zur Fett-Synthese verwendet.

Besondere Bedeutung hat die Aminosäure in Eiweißen, die an der Signalübertragung beteiligt sind. Dabei geben sogenannte Proteinkinasen eine Phosphatgruppe an das Tyrosin im Zielproteins weiter, wodurch sich beispielsweise dessen räumliche Struktur ändert.

Erst durch diese veränderte Anordnung des Proteins können bestimmte andere Proteine binden, wodurch wiederum weitere Prozesse in Gang kommen. Auf Grund dieser Signalübertragung können Zellen auf äußere Reize mit ganz spezifischen und unterschiedlichsten Reaktionen antworten.
(Vergleiche beispielsweise Ullrich A et al.: Protein kinases in cellular signal transduction: tyrosine kinase growth factor receptors and protein kinase C; Cold Spring Harb Symp Quant Biol; 1986; 51; S. 713-724).

Darüber hinaus ist Tyrosin Ausgangsstoff unterschiedlichster Hormone. So werden in den Nebennieren über mehrere Zwischenschritte aus der Aminosäure die Hormone Adrenalin und Noradrenalin gebildet.

Das bei Stress ausgeschüttete Adrenalin sorgt für eine erhöhte Herzfrequenz und eine Steigerung des Blutdrucks. Gleichzeitig können die Lungen mehr Atemluft aufnehmen und der Körper stellt sich auf die plötzliche Bereitstellung all seiner Energiereserven ein, während gerade nicht benötigte Prozesse, wie etwa die Verdauung, vorerst gestoppt werden.

Diese vielfältigen und schnellen Anpassungen an den Adrenalinanstieg im Blut sind evolutionär gesehen sehr wichtig, damit wir in Gefahrensituationen schnell mit Flucht oder Abwehr reagieren können.

(Rost W.: Emotionen; Springer; 2005; Part 5; S. 289-292).

Noradrenalin wirkt ähnlich wie Adrenalin: Es steigert den Blutdruck, indem es die Blutgefäße, vor allem die Arteriolen, verengt.

Tyrosin ist auch Ausgangsstoff für die Synthese von  Dopamin. Der Neurotransmitter im zentralen, vegetativen und peripheren Nervensystyem wird in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und bewerkstelligt so für eine Reizübertragung von einer Zelle zur anderen.

Dabei sorgt Dopamin für eine gesteigerte Leistungsbereitschaft, macht uns wach und aufmerksam, sodass wir bei Stress schnell reagieren können. Auch die unwillkürlichen physiologischen Funktion wie Verdauung und Kreislauf erfordern Dopamin als Neurotransmitter.

Ebenso bauen die beiden Schilddrüsenhormone Triiodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) auf Tyrosin-Untereinheiten auf. Beide sind lebensnotwendig für das Zellen- und Körperwachstum, aber auch für unseren Energiehaushalt, indem sie dafür sorgen, dass der Stoffwechsel immer dem gerade vorliegendem Bedarf angepasst wird. Sie haben dabei einen entscheidenden Einfluss auf die Hormonausschüttung anderer Drüsen.
So steigern sie etwa die Freisetzung von Insulin und dem Wachstumshormon STH.

(Dieterle, P. et al.: Die Stoffwechselwirkungen der Schilddrüsenhormone; Handbuch der Inneren Medizin. Bd. 7, Springer; 1975; S. 439-472).
Der Pigment-Farbstoff Melanin wird ebenfalls aus dem Ausgangsstoff Tyrosin synthetisiert. Melanin ist für die bräunlich-schwarze Färbung von Haaren, Haut und Augen verantwortlich.

Anwendungen von L-Tyrosin

L-Tyrosin ist in Infusionen für die parenterale (künstliche) Ernährung sowie die orale und enterale (Magensonde) Supplementierung enthalten. Für Kraft- und Leistungssportler werden Präparate mit L-Tyrosin für den Muskelaufbau und deren Erhalt angeboten.

Medikamente, die Tyrosin enthalten, zeigen bei leichten Depressionen gute Erfolge, sollten aber nur unter fachkundiger Anleitung zur Stimmungssteigerung eingesetzt werden, da die Dosierung genau abgeschätzt werden muss. Darüber hinaus helfen Nahrungsergänzungsmittel mit Tyrosin beim Alkohol- und Zigarettenentzug. Sie werden aber auch oft eingesetzt, um die Leistungsbereitschaft und Motivation zu steigern.

Beitragsbild: 123rf.com – PAPAN SAENKUTRUEANG

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