Coenzym Q10 (Ubiquinon) – Wichtiges Coenzym für
Energiegewinnung
Coenzym Q10 (C59H90O4), kurz Q10 genannt, ist ein organisches Molekül mit Ringstruktur, das als Elektronen-
und Protonengeber in unseren Zellen aktiv ist. Dies ist wichtig, da durch den stufenweisen Protonen- und
Elektronentransfer während des Stoffwechsels die Energie aus der Nahrung in körpereigene Energie (ATP =
Adenosintriphosphat) umgewandelt wird. Erst durch diesen Prozess wird sie für uns nutzbar.
Unser Organismus kann Coenzym Q10 selbst herstellen, außerdem nehmen wir es über die Nahrung auf.
Beispielsweise ist Q10 in Leber, Pflanzenölen, Hülsenfrüchten und öligen Fischen in großem Maße vorhanden.
Ubiquinon-10 ist fettlöslich, nicht aber wasserlöslich. Daher können wir es besser verwerten, wenn wir es
gleichzeitig mit Ölen aufnehmen (Hahn A.: Nahrungsergänzungsmittel;
Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart; 2001; S. 187-190).

Q10 wichtig für Energiegewinnung
Die Umwandlung der Energie erfolgt in den Mitochondrien. Diese „Kraftwerke“ kommen in allen menschlichen Zellen
vor, besonders gehäuft finden sie sich allerdings dort, wo viel Energie bereitgestellt werden muss. So enthalten
die stoffwechselaktiven Leberzellen etwa 6.000 Mitochondrien, aber auch Muskel-, Nerven- und Eizellen sind reich an
den lebenswichtigen Zellorganellen. Ubiquinon-10 wirkt dabei als sogenannter Cofaktor bei der oxidativen
Phosphorylierung mit, durch die etwa 95 Prozent der gesamten Körperenergie gewonnen werden. Der Biochemiker Peter
Dennis Mitchell erhielt 1978 den Nobelpreis für Chemie, weil er unter anderem die Funktion von Ubiquinon-10 bei der
Energieumwandlung in den Zellen aufklärte (Mitchell P.: Coupling of
phosphorylation to electron and hydrogen transfer by a chemi-osmotic type of mechanism; Nature; 191; 1961; S.
144-148).
Ist in den Zellen genügend Sauerstoff vorhanden, so wird ATP über die aerobe Atmung – und damit über die
Q-10-abhängige oxidative Phosphorylierung – gebildet. Insgesamt entstehen bei diesem Prozess in unseren Zellen aus
einem Molekül Glukose (Traubenzucker) bis zu 32 ATP, die unserem Organismus als Energie zur Verfügung stehen. Ist
hingegen nicht genügend Sauerstoff vorhanden, so schaltet die Zelle auf Milchsäuregärung um, bei der aus einem
Molekül Glukose lediglich zwei ATP gebildet werden. Bei diesem Prozess wird die Energie zwar rasch zur Verfügung
gestellt, doch ermüden die Zellen nach kurzer Zeit, weil sich Milchsäure (Laktat) dort anhäuft.
Auch bei einem Q-10-Mangel können die Zellen nicht ökonomisch arbeiten. Schließlich müssen sie, wenn der
wichtige Cofaktor für die oxidative Phosphorylierung fehlt, ebenfalls auf Milchsäuregärung umstellen. Hierdurch
kann unser Körper schnell ermüden. Auch lässt unsere Leistungsfähigkeit nach.
Q-10-Mangel kann unterschiedliche Ursachen haben
Ein Ubiquinon-10-Mangel ist recht selten. Leiden wir allerdings an einem Mangel der Aminosäuren Phenylalanin oder Tyrosin – als Vorstufen von Q-10
– so sinkt die körpereigene Synthese, was auf Dauer zu einem Ubiquinon-Mangel führen kann (Lang K.: Biochemie der Ernährung; Dietrich Steinkopff Verlag; 1974). Vor allem
bei Patienten mit verschiedenen Muskelerkrankungen ist der Q-10-Wert oft dauerhaft erniedrigt.
Auch im Alter nimmt der Ubiquinon-Gehalt in der Muskulatur stark ab. Da allerdings auch die Mitochondrienzahl
mit zunehmendem Alter absinkt, resultiert die verminderte Q-10-Zahl möglicherweise hierauf. Andere Wissenschaftler
gehen davon aus, dass mit zunehmendem Alter die Fähigkeit nachlässt, Ubiquinon selber herzustellen. Ob dies
ebenfalls der Fall ist, konnte bisher noch nicht abschließend geklärt werden.
Personen, die – infolge erhöhter
Cholesterinwerte – Statine einnehmen, stören dadurch die Synthese von Q-10. Die Plasmawerte von Ubiquinon-10
gehen in der Folge stark zurück. Wissenschaftler gehen davon aus, dass ebenso die Q-10-Anzahl innerhalb der
Mitochondrien durch die Medikamenten-Einnahme absinkt und hieraus resultierend die Energieumwandlung nicht mehr
optimal funktioniert. Die Forscher raten den betroffenen Patienten daher, sich besonders Q-10-reich zu
ernähren.
Ubiquinon-10 hat viele Aufgaben
Vor allem Organe, die viel Energie benötigen, sind, laut Gian Paolo Littarru, dem Vorsitzenden der
Internationalen Coenzyme Q10 Assoziation (IQA), bei einem Q-10-Mangel betroffen. Hierzu zählen das Herz, die Leber
und die Nieren. Der am Institut für Biochemie der italienischen Universität Ancona beschäftigte Professor stellte
2002 in einem Bericht über Q-10 fest, dass eine ausgewogene Energiebilanz das Immunsystem und die Abwehrkräfte
stärkt. Demzufolge macht Q-10 den menschlichen Organismus widerstandsfähig gegenüber Krankheitserreger.
Ubiquinon-10 kann darüber hinaus freie Radikale binden und besitzt daher zusätzlich eine wichtige Funktion als
Antioxidans. Hierdurch schützt Q-10 die Zellen vor Schädigungen (James A. M. et
al.: Antioxidant and prooxidant properties of mitochondrial Coenzyme Q; Arch. Biochem. Biophys; 423; 2004; S.
47-56). Ubiquinon schirmt dabei – als Bestandteil der Lipidmembran – Fette, vor allem LDL-Cholesterin,
vor einer oxidativen Veränderung durch freie Radikale ab (Biesalski, H. K. et al.:
Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe; Georg Thieme Verlag; 2002; S. 50-56).
Bei verschiedenen Herzerkrankungen ist nicht nur der ATP-Spiegel erniedrigt. Auch scheint Ubiquinon-10 in
verminderter Zahl vorzuliegen. Die Gabe von Q-10 kann die Herzleistung der Betroffenen verbessern, wohingegen das
Absetzten von Ubiquinon-10 wieder zu einer Verschlechterung der Herzleistung führt (Folkers K. et al.:
The biomedical and clinical aspects of Coenzym Q; Clin Investig 71 (Suppl); 1992; S. 51-176).
Aufgrund seiner lipophilen (fettlöslich) Eigenschaften stabilisiert Q-10 die Membranen, steigert deren
Beweglichkeit und erhöht die Durchlässigkeit für lebenswichtige Stoffe (Hötzel D.: Ubichinon. Zur Bedeutung von
Ubichinon (Coenzym Q10) in der Ernährung; Deutsche Apotheker Zeitung 135; 1995; S.
2501-2510).
Das Bundesinstitut für Risikobewertung kam 2001 nach Sichtung der bis dato vorliegenden Studien dennoch zu dem
Schluss, dass für Q-10 als Nahrungsergänzungsmittel (bis 30 mg täglich) keinerlei positive Wirkungen in Bezug auf
Leistungsfähigkeit und körpereigene Abwehr wissenschaftlich erwiesen sind. Werbeaussagen, die eine Verbesserung der
Gesundheit durch die Einnahme von Ubiquinon-haltigen Nahrungsergänzungsmitteln postulieren, sind daher in
Deutschland nicht zulässig.
(www.bfr.bund.de/cm/208/ernaehrungsmedizinische_beurteilung
_von_werbeaussagen_zu_coenzym_q_10.pdf)

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