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Phenylalanin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Die zugleich in Wasser als auch in Öl lösliche Aminosäure Phenylalanin (Phe oder F) mit der Summenformel C9H11NO2 kann vom menschlichen Organismus nicht selber hergestellt werden.

Wie bei allen biogenen Aminosäuren existiert Phenylalanin in Organismen nur in der linksdrehenden L-Form. L-Phenylalanin dreht die Polarisations-Ebene polarisierten Lichtes unter definierten Bedingungen nach links, also gegen den Uhrzeigersinn. Die rechtsdrehende Aminosäure D-Phenylalanin wird technisch synthetisiert und hat medizinische Bedeutung.

Aminosäuren in Kapseln

Da wir die Aminosäure über die Nahrung aufnehmen müssen, gilt sie als essentiell. Die Aminosäure enthält einen aromatischen Ring, wodurch sie äußerst energiereich ist. Phenylalanin ist Baustein sehr vieler Proteine, so dass die Aminosäure in fast allen eiweißhaltigen Lebensmitteln zu finden ist.

Besonders häufig kommt Phenylalanin in Gemüse (allen voran Soja, Karotten und Tomaten), in Nüssen und Weizenkeimen vor, aber auch Milchprodukte, Fleisch und Fisch sind reich an Phenylalanin. Ein Phenylalanin-Mangel, der durch Fehlernährung oder lang anhaltenden Stress ausgelöst wird, kann zu einer erhöhten Infektanfälligkeit führen.

Ein Stress-bedingter Mangel an der Aminosäure hängt damit zusammen, dass Phenylalanin Ausgangsstoff vieler Substanzen ist, die bei körperlicher und seelischer Belastung vermehrt gebildet werden. Dazu wird aus Phenylalanin in unserer Leber die Aminosäure Tyrosin synthetisiert, die der Körper nicht selbst herstellen kann.

Der Tagesbedarf an Phenylalanin beträgt bei gesunden Menschen 14 mg pro kg Körpergewicht. Erhöht ist der Bedarf bei Belastungen durch unterschiedliche Lebensumstände. Zu diesen Stress-Faktoren gehören intensive körperliche Aktivität, starke Schmerzen und Krankheiten wie Morbus Parkinson.

Auch bei Alkoholentzug und Depressionen braucht der Körper ebenfalls größere Mengen Phenylalanin. Bei den neurologischen Störungen besteht ein Zusammenhang zwischen der Versorgung mit Phenylalanin und der Neurotransmitter-Synthese.

Tyrosin ist ebenfalls mit einem aromatischem Ring ausgestattet und wird unter anderem zur Bildung unterschiedlicher Hormone benötigt. So ist die Aminosäure Ausgangs-Substrat für die Synthese der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin. (Lerner A.B.: Metabolism of phenylalanine and tyrosine; Adv Enzymol Relat Subj Biochem; 1953; 14; S. 73-128).

Diese Botenstoffe steuern Wachstum und Entwicklung sowie die Stoffwechsel-Aktivität. Andere Stoffwechselwege generieren aus Tyrosin und Phenylalanin die Katecholamine Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin. Sie haben für den Organismus eine wichtige Funktion für die Leistungsfähigkeit , den Blutdruck und den Blutzucker sowie die Gefühlswahrnehmung. Daneben kann der Körper aus den beiden verwandten Aminosäuren das dunkle Farb-Pigment Melanin bilden.
(Lerner A.B.: Metabolism of phenylalanine and tyrosine; Adv Enzymol Relat Subj Biochem; 1953; 14; S. 73-128).

Patienten, die an der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie (PKU) leiden, können kein Tyrosin aus der Aminosäure Phenylalanin synthetisieren, da ihnen hierfür nötige Enzyme fehlen. Bei der typischen Form der Erkrankung ist dies die Phenylalaninhydroxylase, die Phenylalanin in Tyrosin umwandelt.

Die Stoffwechselerkrankung PKU wird autosomal-rezessiv vererbt und betrifft etwa einen von 8000 Säuglingen. Erhalten die Kinder keine besondere eiweißarme Diät, so reichern sich Phenylalanin und deren Abbau-Produkte im Körper an, die schwere Entwicklungsstörungen verursachen. Durch die Akkumulation von Phenylalanin hilft sich der Organismus beispielsweise mit der Umwandlung der Aminosäure zu Phenylbrenztraubensäure. Daher stammt die Bezeichnung des Krankheitsbildes. Wird die PKU hingegen rechtzeitig diagnostiziert, so ist, bei strenger Einhaltung des Ernährungsplans, die geistige Entwicklung und Lebenserwartung nicht beeinträchtigt. 
(Woolfe L.I. et al.: Treatment of phenylketonuria with a diet low in phenylalanine; Br Med J; 1955; 1(4905); S. 57-64).

Der synthetisch hergestellte Süßstoff Aspartam, der vielen Diätprodukten, aber auch zuckerfreien Kaugummis, zugesetzt ist, wird unter anderem aus der Aminosäure Phenylalanin hergestellt. Unser Körper zersetzt den umstrittenen Süßstoff, der nicht nur abführend wirkt, sondern zusätzlich für Befindlichkeitsstörungen und ein erhöhtes Krebsrisiko verantwortlich gemacht wird, in seine Bestandteile: 50 Prozent Phenylalanin, 40 Prozent Asparaginsäure und 10 Prozent Methanol. Mehr dazu auch in meinem Beitrag: Krank durch Süßstoff Aspartam.

Da Patienten mit PKU (die ja auf jeden Fall eine phenylalaninarme Diät einhalten müssen) in Light-Limonaden und Hustenbonbons nicht unbedingt Proteine vermuten, ist es laut EU-Verordnung vorgeschrieben, alle Nahrungsmittel, die Aspartam enthalten, mit einem Warnhinweis zu kennzeichnen. Dadurch erklärt sich der Satz auf vielen Verpackungen von Diät-Produkten: „Enthält eine Phenylalaninquelle“(vergleiche unter anderem Wenz E.: Aspartame and PKU; J Am Diet Assoc; 1984 Jan; S. 101).

Therapie mit DL-Phenylalanin

Therapeutische Anwendung findet die Aminosäure als DL-Phenylalanin.

Dabei handelt es sich um ein Racemat, das die linksdrehende und rechtsdrehende Variante des Moleküls zu etwa gleichen Anteilen enthält. Darstellbar ist diese Mischung nur durch die technische Synthese.

DL-Phenylalanin blockiert den Abbau einiger Botenstoffe im Gehirn, wodurch der Spiegel dieser Hormone im oberen Bereich gehalten wird. Dazu gehören die Opiodpeptide aus den Klassen der Enkephaline und Endorphine.

Die schmerzstillenden und entzündungshemmenden Eigenschaften dieser Hormone werden durch die Gabe von DL-Phenylalanin indirekt genutzt. Als Nebenwirkungen von Phenylalanin können Kopfschmerzen, Bluthochdruck und Angstzustände auftreten.

In diesen Fällen ist die Dosis zu reduzieren oder zu unterlassen. Bei Phenylketonurie ist Phenylalanin in jeder Form kontraindiziert.