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Leucin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Leucin (Leu oder L) mit der Summenformel C6H13NO2 gilt als essentielle Aminosäure, da unser Körper sie nicht selber herstellen kann.

Aufgrund ihrer Struktur, fasst man Leucin zusammen mit Isoleucin und Valin zu den verzweigtkettigen Aminosäuren zusammen (BCAAs = Branched Chain Amino Acids).

Weizenkeime und Erdnüsse sind ebenso reich an Leucin wie Thunfisch und Rinderfilets.

Ein Mangel an der lebensnotwendigen Aminosäure kann Abgeschlagenheit und Müdigkeit zur Folge haben.

Eine ausreichende Vitamin B6-Zufuhr ist für die optimale Leucin-Nutzung ebenfalls nötig, da die Aminosäure sonst nicht verstoffwechselt werden kann und es in der Folge, trotz ausreichender Leucin-Zufuhr, zu einem Mangel kommt.

Hohe Dosierung von Leucin durch die zusätzliche Aufnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann den Transport wichtiger Aminosäuren zum Gehirn behindern. Personen, die an Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder Migräne leiden, sollten daher keine BCAA-Präparate einnehmen.

Leucin ist am Aufbau neuer Gewebe beteiligt, vor allem der Proteinstoffwechsel in Muskulatur und Leber ist von den BCAAs abhängig. Gleichzeitig hemmt die essentielle Aminosäure Leucin auch den Abbau des Muskelgewebes und fördert Heilungsprozesse.

Bei einem erhöhten Bedarf, etwa während einer Fastenkur oder bei extremer sportlicher Anstrengung, kann freies Leucin rasch zur Energiegewinnung genutzt werden. Diese Bereitstellung von Energiereserven beugt einer zu starken Abnahme von Glukose vor, damit dem Gehirn und den Muskeln weiterhin für Notfälle genügend Traubenzucker zur Verfügung stehen.
 (Arndt K. & Albers T.: Handbuch Protein und Aminosäuren; Novagenics Verlag; 2004).

Leucin stimuliert die Ausschüttung von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse, wodurch nicht nur der Blutzuckerspiegel reguliert, sondern auch die Aufnahme von Aminosäuren in die Muskelzellen beschleunigt wird. Dies hat ebenfalls positive Auswirkungen auf den Muskelaufbau und senkt zusätzlich die Freisetzung des Stresshormons Cortisol.
(Nair K. S. & Short K. R.: Hormonal and signaling role of branched-chain amino acids; J Nutr; 2005; 135(6 Suppl); S.1547S-1552S).

Leucin wirkt sich, ebenso wie die beiden anderen BCAAs, positiv auf die Somatotropin-Ausschüttung aus. Dieses Wachstumshormon, auch STH genannt, fördert während der Kindheit und Jugend das Längenwachstum und hat dabei positive Wirkungen auf alle Organe, vor allem aber auf die Muskulatur und die Knochen. Auch in Zeiten nach Verletzungen, bei psychischem Stress oder in Trainingsphasen wird vermehrt Somatotropin ausgeschüttet, um den erhöhten Energieumsatz auszugleichen.

Bei Erwachsenen reguliert das Wachstumshormon in der Regel das Verhältnis zwischen Muskelmasse und Fettanteil, indem es die Bereitstellung freie Fettsäuren (aus den körpereigenen Depots) zur Energiegewinnung fördert.
(Chromiak J.A. & Antonio J.: Use of amino acids as growth hormone-releasing agents by athletes; Nutrition 18, 7-8; 2002; S. 657-661).

Diät-bewusste Personen sollten möglichst auf eine ausreichende Leucin-Aufnahme achten, da hierdurch gleichzeitig der Muskelabbau verhindert und der Fettabbau gefördert wird. Der Grundumsatz wird außerdem insgesamt gesteigert. Nehmen Betroffenen während der Diäten und Fastenkuren zu wenig BCAAs zu sich, so ist das Gegenteil der Fall: Sie verlieren an Muskelmasse, während der Fettanteil nur langsam sinkt.

Wichtig ist eine ausreichende Leucin-Aufnahme darüber hinaus bei unterschiedlichsten Krankheiten, die die Muskulatur, die Leber oder die Gelenke betreffen. Hier kann eine optimal angepasste BCAA-Gabe die Heilung beschleunigen und Symptome lindern.

Leucin ist Ausgangsbaustein der nicht essentiellen Aminosäure Glutaminsäure, die ihrerseits ebenfalls an vielen lebenswichtigen Stoffwechselreaktionen beteiligt ist.

Professionelle Kraft- und Ausdauersportler, die durch die gezielte Aufnahme von Leucin beziehungsweise den drei BCAAs ihren Muskelaufbau und die Energieleistung steigern möchten, sollten immer auf eine ausgewogene protein- und kohlenhydratreiche Ernährung achten. Wird nämlich Leucin isoliert von anderen Aminosäuren aufgenommen, so kann dies den Muskelaufbau sogar zeitweilig stoppen. Werden dem Körper vor dem Training ausschließlich BCAAs zugeführt, so kann die Harnstoffkonzentration empfindlich ansteigen. Deshalb ist immer auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten.