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Glycin

Aminosäuren in Kapseln

Erfahrungen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Glycin (Gly oder G) mit der Summenformel C2H5NO2 ist die einfachste aller stabilen Aminosäuren. Wir können Glycin selber herstellen, es ist also nicht essenziell.

Glycin kann auf verschiedene Art gebildet werden, unter anderem aus der Aminosäure Serin. Hierbei entstehen zusätzlich zum Glycin auch Vorstufen für Thymin, einen Baustein unserer Erbsubsubstanz (DNA). An der Bildung der Purine, bei denen es sich ebenfalls um Basen unserer Erbsubstanz handelt, ist Glycin direkt beteiligt.

Im Kollagen der Bindegewebe ist der Anteil der Aminosäure besonders hoch, wo Glycin für die Stabillität der Molekülgestalt sorgt. Kollagen hat eine Spiral-Gestalt und ist aus 3 Eiweißketten zusammengesetzt, die ineinander verdrillt sind (Trippelhelix).

Vorkommen in Lebensmitteln und Verwendung

Die Aminosäure ist ein häufiger Baustein nahezu aller Proteine und kommt dementsprechend in allen eiweißreichen Lebensmitteln vor. Aufgrund seiner geringen Größe wird es dabei meist in Bereichen eingebaut, die durch die spezifische Faltung des jeweiligen Proteins und die damit verbundene dreidimensionale Struktur wenig Platz für größere Aminosäuren lassen.

Mit etwa 33 Prozent ist Glycin außerdem die am häufigsten vertretene Aminosäure des Kollagens. Dieses Strukturprotein des Bindegewebes ist wichtiger Bestandteil von Knochen, Zähnen, Haut und Sehnen. Bei einem Mangel an Glycin werden daher auch als erstes Kollagene abgebaut. Betroffenen Personen fühlen sich dann oft erschöpft.

Da Glycin süßlich schmeckt und bisher keinerlei Nebenwirkungen bekannt sind, darf es als Geschmacksverstärker ohne Höchstmengenbeschränkung in Lebensmitteln verwendet werden. Unter der Nummer E 640 wird es etwa in Süßstofftabletten verwendet, Marzipan hält sich durch Glycinzugabe länger feucht, und Schinken wird oft zusätzlich mit Glycin überzogen.

Glycin ist in Infusionslösungen für die parenterale („künstliche“) Ernährung enthalten. Daneben ist die Aminosäure in Pulverform als Nahrungsergänzungsmittel für den Muskelaufbau erhältlich.

Glycin-Mangel

Ein Glycin-Magel (Hypoglycämie) kann sehr verschiedene Ursachen haben. Dazu zählt eine extreme Mangelernährung mit einem Defizit an Eiweißen. Dabei ist oft die Eigen-Produktion ebenfalls eingeschränkt, weil die zur Biosynthese erforderlichen Vitamine nicht ausreichend verfügbar sind.

Damerkrankungen wie chronische Darmentzündungen können zu Resorptionsstörungen führen, die auch die Aminosäuren betreffen und so die Glycinversorgung gefährden. Aber auch genetisch bedingte Stoffwechselstörungen können einen Glycin-Mangel zur Folge haben. Einige Verbindungen können den Glycin-Stoffwechsel stören. Bekannt ist dieser Effekt für Strychnin, Alkohol und Tetanus-Toxinen.

Symptome wie Konditions- und Leberschwäche sowie Bindegewebsabbau und Muskelstörungen können auf Glycin-Mangel hindeuten. Zusätzlich zeigen sich Störungen des Nerven- und Immunsystems sowie Bronchial-Beschwerden.

Der Arzt erkennt die Hypoglycämie anhand einer Blutuntersuchung. Dann wird er zu einer eiweißreicheren Kost raten oder auch Glycin mit Nahrungsergänzungsmitteln veranlassen. Eventuell bestehende Grunderkrankungen müssen erkannt und behandelt werden.

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Glycin-Überschuss

Ein Glycin-Überschuss (Hyperglycinämie) kommt auch bei zu eiweißreicher Kost praktisch nicht vor. Die Aminosäure wird im Körper schnell um- oder abgebaut. Dies sieht bei genetischen Stoffwechselstörungen jedoch anders aus.

Dazu gehört die Glycin-Enzephalopathie, bei der Enzyme des Glycin-Stoffwechsels defekt sind. Die Akkumulation der Aminosäure führt dann zu gravierenden Beschwerden wie Bewusstseinseintrübungen bis zur Bewusstlosigkeit, verlangsamte Reaktionen, Muskelerschlaffung, Atemnot, Krampfanfällen und Sehstörungen.

Die Diagnose erfolgt zunächst mit einer Ermittlung des Glycinwertes im Blut und Nervenwasser. Ein genetischer Test (Polymerasekettenreaktion, PCR und DNA-Sequenzierung) kann die Diagnose bestätigen.

Die Behandlung zielt dann auf eine medikamentöse Absenkung des Glycin-Spiegels ab. Infrage kommen hier Benzoat, Strychnin und Dextromethorphan. Krampfanfälle sollen durch Carbamacepin verhindert werden.

Parallel sind diätetische Maßnahmen angezeigt. Die Ernährung soll dann nur wenig Eiweiß, aber auch nur geringe Zuckermengen beinhalten.

Spezielle Funktionen von Glycin im Stoffwechsel

Glycin kann auf verschiedene Art gebildet werden, unter anderem aus der Aminosäure Serin. Hierbei entstehen zusätzlich zum Glycin auch Vorstufen für Thymin, einen Baustein unserer Erbsubsubstanz (DNA). An der Bildung der Purine, bei denen es sich ebenfalls um Basen unserer Erbsubstanz handelt, ist Glycin direkt beteiligt.

Glycin ist wichtiger Bestandteil des Proteins Glutathion, das im Körper als Radikalfänger arbeitet und so reaktive Stoffe unschädlich macht, bevor diese empfindliche Zellbestandteile schädigen können.

Auch spielt das Glycin eine wichtige Rolle bei der Synthese von Häm, dem eisenhaltigen Farbstoff der roten Blutkörperchen, das der Sauerstoffbindung dient (siehe auch: Hämoglobinwert im Blut).

Die organische Säure Kreatin wird ebenfalls aus Glycin gebildet. Sie versorgt die Muskelzellen mit Energie und ist hier vor allem für die Kontraktion nötig. Für diesen Umstand interessieren sich vor allem Kraftsportler. Und die Sache mit dem Kreatin (auch Creatin geschrieben), ist hochinteressant, weswegen ich dazu einen mehrseitigen Report verfasst habe: Kreatin - Fakten für Sportler und Patienten.

Der Körper kann aus Glycin Traubenzucker herstellen. Diese „glucogene Funktion“ der Aminosäure ist für den Energiestoffwechsel dann wichtig, wenn bei Kohlenhydratmangel die Eiweißspeicher angezapft werden.
Darüber hinaus wirkt Glycin als Neurotransmitter.

Glycin-Rezeptoren sind vor allem im Hirnstamm und Rückenmark angesiedelt. Die Aminosäure zählt zu den inhibitorischen Transmittern, blockiert also die Weiterleitung von Signalen.

Die Leber braucht Glycin für Entgiftung-Reaktionen. Dabei wird Glycin an toxische Verbindungen gekoppelt, die auf diese Weise wasserlöslich werden. In dieser Form können die Gifte über die Nieren ausgeschieden werden.

Wissenschaftliche Studien zu Glycin

Wissenschaftler haben festgestellt, dass Glycin zur Aufrechterhaltung der Muskelsubstanz beiträgt. Besonders Krebspatienten sollten daher auf eine ausreichende Glycin-Versorgung achten, weil der Körper in dieser Situation stark auszuzehren droht.

Zudem hemmt die Aminosäure das Tumorwachstum, weil die Angiogenese blockiert wird. Darunter versteht man die Invasion neuer Blutgefäße in den Tumor, der diesen Prozess hormonell anregt.

(Yamashina, Shunhei et al. „Glycine as a potent anti‐angiogenic nutrient for tumor growth.“ Journal of gastroenterology and hepatology 22.s1, 2007: S62-S64.)

Glycin fördert die Ausschüttung des Wachstums-Hormons Somatotropin Auch dadurch erhält der Körper den Bestand seiner normalen Gewebs-Proportionen.

(Kasai, Kikuo et al. „Glycine stimulates growth hormone release in man.“ Acta endocrinologica 93.3, 1980: 283¬286.)

Glycin ist außerdem an der Synthese von Gallensäure beteiligt, die der Fettverdauung dient. Weiterhin regt die Aminosäure das Immunsystem an und kann Infektionen des Darms und anderer Organe abschwächen. Unterschiedliche Untersuchungen haben gezeigt, dass auch durch Alkoholmissbrauch verursachte Leberschäden durch Glycin gemildert werden können.

(Kugler H. G.: Entgiftung und Mikronährstoffe; CO`MED; 4; 2004;)

Auch der nicht alkoholischen Fettleber kann Glycin vorbeugen. Die Aminosäure steigert die Sezernierung des Hormons GLP-1, das Fettsäuren aus Fettzellen freisetzt. Der Botenstoff steigert auch die Wirkung von Insulin. Dadurch werden Blutzuckerspitzen nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten verhindert.

(Gameiro, A et al. „The neurotransmitters glycine and GABA stimulate glucagon‐like peptide‐1 release from the GLUTag cell line.“ The Journal of physiology 569.3, 2005: 761-772.)

(Lee, Jinmi et al. „GLP-1 receptor agonist and non-alcoholic fatty liver disease.“ Diabetes & metabolism journal 36.4, 2012: 262-267.)

(Villanueva-Penacarrillo, ML et al. „Effect of GLP-1 on lipid metabolism in human adipocytes.“ Hormone and metabolic research 33.2, 2001: 73-77.)

Glycin greift in den Stoffwechsel von Stickstoffmonoxid ein. Dieses einfachste aller Hormone reguliert den Blutdruck und erhöht den Fettsäureabbau. Die Aminosäure steigert auch die Bereitstellung von Stoffwechselenergie in den Mitochondrien.

(El Hafidi, Mohammed, Israel Pérez, and Guadalupe Baños. „Is glycine effective against elevated blood pressure?.“ Current Opinion in Clinical Nutrition & Metabolic Care 9.1, 2006: 26-31.)

(El Hafidi, Mohammed et al. „Glycine intake decreases plasma free fatty acids, adipose cell size, and blood pressure in sucrose¬fed rats.“ American Journal of Physiology¬Regulatory, Integrative and Comparative Physiology 287.6,2004: R1387¬R1393.)

Im Zentralnervensystem dient Glycin als Neurotransmitter, also als Botenstoff, der Informationen von einer Zelle auf die andere weiterleitet. Dabei wirkt die Aminosäure inhibitorisch, das heißt, sie hemmt die nachgeschaltete Nervenzelle in ihrer Aktivität. Hierbei wirkt sich Glycin vor allem auf die Bewegung aus und verringert die Muskelkontraktion.

Beim Wundstarrkrampf (Tetanus) verhindert ein Giftstoff des Bakteriums Clostridium, dass Glycin im Zentralnervensystem ausgeschüttet wird. Hierdurch können die Muskeln nicht mehr erregt werden und es kommt in der Folge zu starken Krämpfen, die unbehandelt zum Tode führen. Ähnlich wirkt Strychnin, ein natürlich vorkommendes Gift der Brechnuss, das früher als Rattengift verwendet wurde.
(Schütt-Gerowitt H.: Clostridium tetani; Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen; Springer-Verlag; 2009; S. 177-179)

Doch das Glycin des Zentralnervensystems, das sowohl im Hirnstamm als auch im Rückenmark der mengenmäßig überwiegende Botenstoff ist, hat nicht nur für die Muskelaktivität entscheidende Bedeutung, sondern wirkt sich auch positiv auf das Gedächtnis, den Schlaf, Sinneseindrücke und das Schmerzempfinden aus.
(Hevers W. et al.: Neurotransmitter und Modulatoren; Handbuch der Psychopharmakotherapie; Springer-Verlag; 2008; S. 149-199)

Den erstaunlichsten Befund zur Wirkung von Glycin erbrachten Untersuchungen an Zellkulturen. Hier konnte Glycin die Genaktivität beeinflussen. Gene, die in gealterten Zellen nich mehr aktiv waren, konnten mit Glycin-Gaben "wiedererweckt" werden. Das führt beispielweise zur Regeneration von Mitochondrien in älteren Zellen.

(Hashizume, Osamu et al. „Epigenetic regulation of the nuclear-coded GCAT and SHMT2 genes confers human age-associated mitochondrial respiration defects.“

Auch die Medizin nutzt die unterschiedlichen positiven Wirkungen von Glycin. So wird die Aminosäure erfolgreich gegen Arteriosklerose, Arthritis, Herzinfarkt und Gicht eingesetzt. Da Glycin die Ausschüttung von Glucagon fördert, kann es außerdem bei einem zu geringen Blutzuckerspiegel hilfreich sein.

Darüber hinaus wird Glycin bei Panikattacken und Schlafstörungen empfohlen. Patienten mit Osteoporose oder Arthrose können ebenfalls mit Glycin behandelt werden, wodurch sich ihr Zustand merklich verbessert. (prensa.ugr.es/prensa/research/verNota/prensa.php?nota=468)

Newletter: 5 Wundermittel René Gräber


 

Wer schreibt hier?

Rene Gräber

Mein Name ist René Gräber. Seit 1998 bin ich in eigener Naturheilpraxis tätig und begleite seitdem Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden und Erkrankungen. Dabei spielen zahlreiche Vitalstoffe in der Behandlung eine Rolle, die in zahlreichen Fällen enorm helfen können.

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Bücher mit Bezug zu Vitalstoffen von mir, die ich ihnen empfehlen kann:

Heilung der Gelenke - von Rene Gräber 

 Vitamin D - Therapie - Buch von Rene Gräber