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Vitamin B12

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Vorkommen, Anwendung, Wirkung und Nutzen

Das Vitamin B12 wird zu Gruppe der B-Vitamine gezählt.

Vitamin B12 ist der medizinische Sammelbegriff für Cobalamine, die das Spurenelement Cobald (Co) enthalten. Das schwer in Wasser lösliche Vitamin mit der Summenformel C63H88N14O14PCo wird ausschließlich von Mikroorganismen hergestellt, nicht von höheren Pflanzen und Tieren.

Die Reaktionen, an denen Cobalamine beteiligt sind, schaffen Voraussetzungen für viele andere Funktionen des Stoffwechsels der Fett-, Nuklein- und Aminosäuren. Damit ist das Vitamin für die Zellteilung erforderlich und so ist der Bedarf der Schleimhäute besonders hoch, die sich rasch regenerieren.

Daneben ist die Blutbildung von dem Vitalstoff abhängig. Auch das Nervensystem profitiert von Vitamin B12, weil es für die Bildung der Myelinscheiden der Nervenzellen benötigt wird. Daneben wandelt Cobalamin die Folsäure in eine aktive Form um.

Pflanzen benötigen für ihren Stoffwechsel kein Vitamin B12, fleischfressende Säugetiere nehmen es über die Nahrung auf, während Pflanzenfresser höchstwahrscheinlich ihren Bedarf größtenteils durch die in ihrem Darm lebenden Bakterien decken können.

Zwar produzieren auch einige im menschlichen Verdauungstrakt vorkommende Mikroorganismen Vitamin B12, doch geschieht dies größtenteils im Dickdarm, während Cobalamin aber nur über den letzten Abschnitt des davor liegenden Dünndarms in den Blutkreislauf aufgenommen werden kann.

(Bässler K.-H. et al: Vitamin-Lexikon für Ärzte, Apotheker und Ernährungswissenschaftler; 2002; 3. Auflage; Urban & Fischer, München)

Es ist deshalb wichtig, Vitamin B12 mit der Nahrung oder als Nahrungsergänzungsmittel von außen zuzuführen.

Die Aufnahme von Vitamin B12 – ein Zusammenspiel vieler Proteine

Damit das Vitamin optimal von uns genutzt werden kann, sind viele körpereigene Eiweiße nötig: Um das komplexe Vitamin B12 etwa vor der Zersetzung im Magen zu schützen, besitzen wir ein Trägerprotein mit Namen Intrinsic Factor, das Cobalamin bindet und im Dünndarm für die Aufnahme in die Zellen sorgt.

Hier wird das Vitamin B12 an ein spezifisches Transportprotein gebunden (Transcobalamin II) und in den Blutkreislauf geschleust.

An der Aufnahme in die Zelle sind außerdem winzige Menbranbläschen, die Lysosomen, beteiligt, die das Vitamin B12 einschließen. Von dort aus wandert das Vitamin mithilfe der Transport-Proteine CblF und ABCD4 in die Zellen ein (Coelho D. et al: Mutations in ABCD4 cause a new inborn error of vitamin B(12) metabolism; Nat Genet. 2012 Aug 26; http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22922874).

In der Leber, als größtem Speicherort des Vitamins, liegt es wiederum an ein anderes Eiweiß gebunden vor, nämlich ans Transcobalamin I (Gräsbeck R.: Intrinsic factor and transcobalamins as membranous transport factors and their phylogenesis; Nord Med; 1966;75(24); S. 685-686).

Auf eine ausreichende Zufuhr an Vitamin B12 achten

Reich an Vitamin B12 sind Innereien wie Leber und Niere, aber auch Hering, Austern und Muscheln. Während Eier und Milchprodukte ebenfalls das lebenswichtige Vitamin enthalten, ist es für Veganer schwierig, den Bedarf über die rein pflanzliche Nahrung zu decken.

Der tägliche Bedarf liegt für Babys bei 0,4 µg (Mikrogramm), für Kinder bei 1,0 µg bis 2,0 µg und für Erwachsene bei 3,0 µg. Schwangere und Stillende brauchen am Tag zwischen 3,5 µg und 4,0 µg. 100 g Thunfisch enthalten rund 4,0 µg Vitamin B12 und 100 g Edamer etwa 2,00  µg.

Während sich auf unbehandeltem, ungewaschenem Obst und Getreide ebenfalls viele Mikroorganismen aufhalten, sind durch die besseren Hygienebedingungen diese Vitamin B-12-Quellen verschwindend gering geworden.

Vergorenes Gemüse, wie etwa Sauerkraut, ist, durch die an der Fermentierung beteiligten Mikroorganismen, mit geringen Mengen Vitamin B12 angereichert, gleiches gilt für Bier, fermentierte Sojaprodukte oder Algen-Produkte. Allerdings ist bisher ungeklärt, ob die in pflanzlichen Lebensmitteln vorkommenden Vitamin-B12-Formen überhaupt aufgenommen werden oder im Menschen aktiv sind. 

Veganer können einem Vitamin B12-Mangel am besten vorbeugen, indem sie bewusst mit Cobalamin angereicherte Lebensmittel essen oder Zusatzpräparate einnehmen.

Störungen der Cobalamin-Aufnahme

Neben einer falschen Ernährung und Medikamenten-Nebenwirkungen können auch körperliche Störungen zu einem Vitamin-B12-Mangel führen:

In seltenen Fällen stellt der Organismus nicht genügend Intrinsic Factor oder Transcobalamin her, was dann einen Vitamin B12-Mangel zur Folge hat. Auch die anderen oben angesprochenen Transportproteine CblF und ABCD4 können – bedingt durch eine Mutation auf den entsprechenden Genen – defekt sein.

Diese erblich bedingte Stoffwechselerkrankung führt zu einem Vitamin-B12-Mangel bereits im Kindesalter. Ebenso ist ein fehlerhaftes Protein, das für den Transport in die Dünndarmzellen verantwortlich ist, möglich (Imerslund- Gräsbeck-Syndrom).

Auch nach einer medizinisch notwendigen vollständigen Entfernung des Magens oder des Dünndarmabschnitts, der die Aufnahme von Vitamin B12 übernimmt (Ileum), kann es in der Folge zu einem Cobalamin-Mangel kommen.

Darüber hinaus kann eine Störung der Verdauungsfunktion ursächlich für einen Vitamin-B12-Mangel sein, etwa, wenn zu wenig Salzsäure gebildet wird (Hypochlorhydrie), bei einer Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut), einer Helicobacter pylori-Infektion oder einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse.

Auch bei Multiple Sklerose ist die Vitamin-B12-Aufnahme herabgesetzt. Ebenso können unterschiedliche Medikamente die Aufnahme von Cobalamin negativ beeinflussen: Protonenpumpenhemmer (gegen Magensäure), Kontrazeptiva (die "Pille"), Antibiotika oder verschiedene Diabetes-Mittel.

Neben Veganern leiden vor allem ältere Menschen an einem Vitamin B12-Mangel, was meistens auf eine der hier beschriebenen Störungen der Aufnahme (und nicht auf eine Fehlernährung) zurückzuführen ist.

Ein starker Fischbandwurm-Befall kann ebenfalls zu einem Vitamin B12-Mangel führen, da die Darm-Parasiten – allerdings nur in sehr großer Anzahl – das Cobalamin selber völlig aufbrauchen, noch bevor es in den menschlichen Blutkreislauf gelangen kann.

Funktion im menschlichen Organismus

Vitamin B12 dient im Körper als Coenzym, ist also für die Beschleunigung bestimmter chemischer Reaktionen nötig. Obwohl das Cobalamin nur an zwei bekannten Stoffwechselreaktionen beteiligt ist, sind diese für viele Körperfunktionen nötig: So hilft es beispielsweise als Cofaktor bei der Umwandlung der Aminosäure Homocystein in Methionin, wozu zusätzlich Folsäure (Vitamin B9) benötigt wird.

Während Homocystein selber nicht in Proteine eingebaut wird, ist die Aminosäure Methionin Baustoff vieler Eiweißmoleküle. (Neve J.: The nutritional importance and pharmacologic effects of cobalt and vitamin B 12 in man; J Pharm Belg. 1991; 46(4); S. 271-280). Vitamin B12 hilft also, den Homocysteinspiegel zu senken und ist dadurch ein guter Herzschützer.

Ebenfalls ist Vitamin B12 als Cofaktor der Methylmalonyl-CoA-Mutase am Abbau von Fettsäuren, Cholesterin und verschiedener Aminosäuren beteiligt (Forth W. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie; 8. Auflage; 2001; Urban & Fischer Verlag). Auch für die Senkung des Cholesterinspiegels ist Vitamin B12 also von höchster Bedeutung.

Die Funktion von Vitamin B12 als Coenzym ist dabei nicht nur für die Blutbildung und das Nervensystem wichtig, sondern auch für den Aufbau der Erbsubstanz, die Zellteilung und die Regeneration der Schleimhäute. Darüber hinaus schützt Vitamin B12 vor Blutkreislauferkrankungen, wie etwa vor Schlaganfällen.

Vitamin B12-Mangelerscheinungen

Da das Vitamin im menschlichen Körper über Jahre gespeichert werden kann, zeigt sich eine unzureichende Cobalamin-Zufuhr oft erst nach einer sehr langen Zeitspanne.

Ein Mangel an Vitamin B12 kann zu verschiedenen Symptomen führen, zum Beispiel zu Anämie, Appetitlosigkeit, Verdauungspobleme, allgemeiner Apathie, Atemprobleme, Schleimhaut-Läsionen mit Blutungen, Schwächegefühlen, Infektanfälligkeit, Schlafstörungen, Depressionen und Angstzuständen.

Auch schmerzende Nerven, kribbelnde Hände, Konzentrationsschwierigkeiten und ein eingeschränkter Tastsinn können Folgen eines Vitamin-B12-Mangels sein.

Sogar Lähmungen und Demenz-ähnliche Symptome können auftreten. Dagegen sind bei einer sehr Vitamin-B12-reichen Ernährung bisher keinerlei Nebenwirkungen bekannt, da überschüssiges Cobalamin mit dem Harn ausgeschieden wird.

Hohe Dosen des Vitamins hingegen, die während einer Therapie intravenös verabreicht werden, können zu Akne und allergischen Reaktionen führen. Neben den oben genannten Mangelerscheinungen werden auch Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), Demenz, Herzinfarkt, Schlaganfall und Osteoporose im Zusammenhang mit einem Vitamin-B12-Mangel diskutiert.

Anhand eines veränderten Blutbilds kann ein Vitamin B12-Mangel vermutet werden, so etwa durch eine Blutarmut (Anämie) mit gleichzeitiger Vergrößerung der roten Blutkörperchen.

Allerdings kann dies ebenso auf einen Folsäure-Mangel hinweisen und ist nicht zwingend auf zu wenig gespeichertes Cobalamin zurückzuführen. Auch der Homocysteinwert ist bei einem Mangel der beiden Vitamine erhöht.

Diagnose eines Vitamin B12 Mangels

Um Aussage über einen möglichen Vitamin-B12-Mangel zu erhalten, sollten das aktive Vitamin B12 (HoloTC) überprüft werden, eventuell auch mittels MMS-Test (Methyl-Malonsäure). Beide Tests zeigen meines Erachtens relativ sicher, ob ein Mangel vorliegt. Die herkömmlichen B12-Tests verschleiern möglicherweise bereits vorhandene Mängel.

Sollte sich der Verdacht eines Mangels bestätigen, halte ich die Zufuhr von B12 für wichtig. Manchmal vergehen einige Mangelsymptome innerhalb einiger Wochen wie von selbst.

Oft hilft auch eine Ernährung mit mehr tierischen Lebensmitteln. Eine eventuelle Erkrankung, die eine gestörte Resorption zur Folge hat, muss einer Therapie zugeführt werden.

Mangelt es an dem Intrinsic Factor, kann dieser medikamentös zusammen mit der Nahrung aufgenommen werden. Liegen Resorptions-Störungen unbekannter oder unbehandelbarer Ursache vor, muss Vitamin-B12 injiziert werden.

So nehmen Sie Vitamin B12 ein

In vielen Fällen kann es sinnvoll sein, Vitamin B12 als Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen. Zum Beispiel ist es in Kombination mit anderen B-Vitaminen ein wirksamer Schutz für das Herz. Hierfür sollten Sie einen Komplex mit 15 µg Vitamin B12, 100 Milligramm Vitamin B6 und 400 bis 1000 µg (nicht mehr!) Folsäure einnehmen.

Wichtig bei allen B-Vitaminen ist der Einnahmezeitpunkt. Da sie auch gegen Müdigkeit und Antriebslosigkeit wirken, können die B-Vitamine zu Schlafstörungen führen, wenn Sie sie nachmittags oder abends einnehmen. Der optimale Einnahmezeitpunkt ist morgens nach dem Frühstück.



Dieser Beitrag wurde letztmalig am 13.4.2019 aktualisiert.

 

Wer schreibt hier?

Rene Gräber

Mein Name ist René Gräber. Seit 1998 bin ich in eigener Naturheilpraxis tätig und begleite seitdem Patienten mit den unterschiedlichsten Beschwerden und Erkrankungen. Dabei spielen zahlreiche Vitalstoffe in der Behandlung eine Rolle, die in zahlreichen Fällen enorm helfen können.

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