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Aminosäure Tryptophan - Anwendung, Wirkung und Nutzen

Informationen und Erfahrungen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bevor ich zu den Erfahrungen und Wirkungen des Tryptophan komme, vorab ein wenig "chemisches"...

Tryptophan (Trp oder W) mit der Summenformel C11H12N2O2 wird aufgrund seines sehr energiereichen Ringsystems zu den aromatischen Aminosäuren gezählt.

Da unser Körper es nicht selber herstellen kann, sondern über die Nahrung aufnehmen muss, bezeichnet man Tryptophan als essentiell. Fleisch, Milchprodukte und Fisch, aber auch Nüsse, Hülsenfrüchten, Schokolade und Bananen sind sehr reich an Tryptophan.

Aminosäuren in Kapseln

Tryptophan wird für den Aufbau vieler menschlicher Proteine benötigt. So ist es Bestandteil der Muskulatur, aber auch unterschiedlichster Enzyme.

Daneben ist Tryptophan die Vorstufe (Provitamin) von Vitamin B3, der Nicotinsäure. Diese ist sowohl am Eiweiß- und Kohlenhydrat- als auch am Fettstoffwechsel beteiligt. Auch bei der Neubildung von Haaren und Muskeln spielt Vitamin B3 eine wichtige Rolle. Als NAD (Nicotinsäureamid-Adenin-Dinukleotid) ist es ein wichtiges Coenzym, das im Stoffwechsel an vielen Redox-Reaktionen beteiligt ist. Daneben hat der Vitalstoff Bedeutung für die kognitive Leistungsfähigkeit und erhöht die physische Kondition.

Ausgangsstoff für Serotonin

Darüber hinaus ist diese Aminosäure Ausgangsstoff für Serotonin. Dieses Gewebshormon reguliert viele Funktionen des Herz-Kreislauf-Systems, vor allem den Blutdruck.

In verschiedenen Geweben kann Serotonin aber unterschiedliche Wirkungen auf die Blutgefäße haben. Dies hängt mit den dort vorkommenden Rezeptoren zusammen, an die das Hormon bindet, um dadurch bestimmte Signalprozesse auszulösen.

In Niere und Lunge fördert Serotonin auf diese Weise die Verengung der Blutgefäße, während es diese in der Muskulatur weitet.

Tryptophan beschleunigt daher indirekt die Wundheilung und die Blutgerinnung, ebenso hat das Hormon positive Wirkung auf die Darmbewegung. Über den hormonellen Effekt fördert die Aminosäure die Sexualfunktion und die Fettverbrennung. Die Produktion von Stress-Hormonen wird über den Serotonin-Weg herabgesetzt.

Auch als Botenstoff im Gehirn hat Serotonin vielfältige Aufgaben. Da es stimmungsaufhellend wirkt und Emotionen positiv beeinflusst, wird es auch als Glückshormon bezeichnet. Es hat nicht nur einen antidepressiven Effekt, sondern dämpft auch das Hungergefühl, insbesondere den Heißhunger auf Zucker. (1)

Umgekehrt kann ein Mangel zu Niedergeschlagenheit, in extremen Fällen möglicherweise auch zu Depression führen.

Tryptophan im Übermaß kann zu Schläfrigkeit führen, weshalb es auch als (leichtes) Schlafmittel anerkannt ist.

Da die Aminosäure ihren Abbau selber reguliert, ist eine Überdosierung kaum möglich.

Da auch das Hormon Melatonin aus Serotonin gebildet wird, ist Tryptophan auch Ausgangsstoff dieses wichtigen Hormons. Die Produktion von Melatonin wird durch Tageslicht gehemmt, sodass es nachts in etwa zehnmal höheren Konzentrationen gebildet wird. Dementsprechend ist seine wichtigste Aufgabe, unseren Schlaf-Wach-Rhythmus zu regulieren. (2)

Erstes Zwischen-Produkt der Biosynthese von Serotonin und Melatonin aus Tryptophan ist zunächst das L-5-Hydroxytryptophan (5-HTP).

Therapeutisch wird eher 5-HTP verwendet als die proteinogene Aminosäure und zwar vorwiegend bei psychischen Problemen und den damit zusammenhängenden Beschwerden. Vor allem bei Schlafstörungen kann 5-HTP hilfreich sein und sogar eine Schlaf-Apnoe lindern.

Auch nächtliches Zähneknirschen (Bruxismus) geht unter der Medikation zurück.

Daneben sind Angststörungen und Depression bekannte Indikationen. Dabei hat sich die Aminosäure gegenüber einigen Antidepressiva als vorteilhaft erwiesen. Bei gleicher Wirkung hat 5-HTP weniger bis gar keine Nebenwirkungen. Besonders bei psychischen Problemen, die mit einem Reizdarm und Herzkrankheiten einhergehen, wird 5-HTP eingesetzt. Die Aminosäure kann auch die Beschwerden im Rahmen der prämenstruellen dysphorischen Störung lindern.

Aber auch bei Spannungskopfschmerzen, Migräne, ADHS, Wechseljahrsbeschwerden und Muskel-Rheuma (Fibromyalgie) können mit 5-HTP gute Erfolge erzielt werden.

Eine Entwöhnung bei Suchterkrankungen kann mit der Aminosäure ebenfalls unterstützt werden, weil das Verlangen nach dem Rauschmittel reduziert wird. Die Kombination mit Johanniskraut verbessert diese Wirkung und reduziert auch die im Entwöhnungs-Prozess auftretenden Depressionen. Eingesetzt wird 5-HTP daher auch bei Nikotin-Entzug, weil eine emotionale Stabilisierung eintritt. Bei Bulimie kann 5-HTP dazu beitragen, die Ess-Attacken durch Senkung des Hungergefühls zu bekämpfen. Deswegen wird das Mittel auch als Präparat bei Reduktions-Diäten eingesetzt.

Eine Supplementierung mit L-Tryptophan gilt zwar als weniger effektiv, kann aber bei den genannten Indikationen ebenfalls nützlich sein. Bei Schlafstörungen erweist sich diese Aminosäure im Vergleich zu Melatonin als überlegen, weil zusätzlich das Immunsystem und die Verdauung unterstützt werden.

Dosierung

Empfohlen wird hier eine Dosis von 1 bis 6 Gramm pro Tag. Bei Schlafstörungen nimmt ein durchschnittlicher Erwachsener 1 bis 2 Gramm vor dem Schlafengehen ein. Migräne oder andere chronische Schmerzen erfordern 2 bis 4 Gramm pro Tag.

Menschen mit Depressionen oder Angstzuständen sollten zwischen 2 und 6 Gramm am Tag einnehmen. Beim prämenstruellen Syndrom und der prämenstruellen dysphorischen Störung sollten 2 bis 4 Gramm täglich zugeführt werden. Zur Senkung eines gesteigerten Appetites ist eine Dosierung von 0,5 bis 2 Gramm empfehlenswert.

Tryptophan im Zusammenwirken mit Sedativa und Antidepressiva kann zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen. Dazu zählt das lebensbedrohliche Serotonin-Syndrom. Daher sollte der Arzt gefragt werden, ob bei entsprechenden Medikationen Tryptophan eingenommen werden kann. Auch Menschen mit Leber- oder Nierenschädigungen sowie werdende oder stillende Mütter sollten mit der Einnahme vorsichtig sein.

Tryptophan in der Ernährung

Eine Alternative zu Tryptophan-Kapseln, bzw. Tabletten, sind tryptophanreiche Lebensmittel. Der Vorteil besteht darin, dass zusätzlich andere Aminosäuren und gesunde Fette sowie weitere Vitalstoffe aufgenommen werden. Jede Mahlzeit sollte 20 bis 30 Gramm Protein enthalten. Dabei liefern tierische Lebensmittel meistens nicht nur mehr Eiweiß, sondern auch die vollständige Palette der Aminosäuren.

Gleichzeitig sind naturbelassene Gemüse und Obst wichtig, weil die darin enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe den Tryptophan-Transport über die Blut-Hirn-Schranke fördern. Meinungen, denen zufolge der Nährstoff-Mix zu einer verringerten Aufnahme über die Hirnhäute führt, sollen hier einmal dahin gestellt sein. Nach dieser Ansicht kommt es zur „Überlastung“ der Transport-Wege (Protein-Kanäle), wodurch die verschiedenen Nährstoffe quasi in Konkurrenz stehen.

Zu den tryptophanreichen Lebensmitteln zählen vor allem Fleisch vom Rind, Lamm und Geflügel, sowie Eier und Milch oder deren Produkte. Dabei rate ich zu Bioprodukten. Von Milch als Nahrungsmittel rate ich aber generell ab. Die Begründung finden Sie in meinem Milch-Beitrag.

Auch Seefisch wie Lachs und Kabeljau sind gute Quellen. Vegetarische Tryptophan-Lieferanten sind Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen, Vollkornhafer, Sesam, Cashew-Kerne und Walnüsse. Daneben enthalten Vollkornreis, Quinoa und Mais zureichende Mengen der Aminosäure. Hohe Konzentrationen Tryptophan sind auch in der Blaualge Spirulina enthalten.  

Fazit

Tryptophan ist ein Baustein für das Serotonin (eines der wichtigsten Glückshormone). Das Serotonin ist auch an der Regulation des Schlafs beteiligt. Richtig eingesetzt kann es helfen, jedoch kommt es auch immer auf den Fall (=Patient) an.



Quellen:

(1) Marino A. G. & Russo I. C.: Serotonin: New Research; Nova Science Publishers Inc; 2009.

(2) Melatonin in Humans. Proceedings of the First International Conference on Melatonin in Humans, Springer Verlag, 1985