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Omega-6-Fettsäuren

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bedeutung, Vorkommen und Nutzen

Die mehrfach ungesättigten Omega-6-Fettsäuren sind wichtige Nahrungsbestandteile, die sich vor allem in Distel-, Sonnenblumen- und Sojaöl finden.

Die bekanntesten Vertreter sind die Linolsäure und die Gamma-Linolensäure (GLA), nicht zu verwechseln mit der zu den Omega-3-Fettsäuren zählende Alpha-Linolensäure.

Charakteristisch für alle Omega-6-Fettsäuren ist, dass die erste Doppelbindung zwischen dem sechsten und dem siebten Kohlenstoffatom auf der gegenüberliegenden Seite der Carboxygruppe (-COOH) liegt. Die Alternativmedizin setzt Omega-6-Fettsäuren gezielt beispielsweise gegen Allergien, Akne und Neurodermitis, aber auch gegen Hyperaktivität und Fettstoffwechsel-Störungen ein.

Linolsäure ist essentiell für uns Menschen, da wir sie nicht selber herstellen können, sie aber für den Aufbau aller Zellmembranen benötigen. Der tägliche Bedarf an Linolsäure liegt bei Erwachsenen bei etwa zehn Gramm pro Tag. Ein Mangel führt zu unterschiedlichen Krankheitsbildern, so können Hautentzündungen, Wachstumsverzögerungen, eingeschränkte Fortpflanzungsfähigkeit, aber auch Nierenanomalien die Folge sein.

Weiterhin kann ein Linolsäure-Mangel in der Kindheit die visuelle (Sehen) und kognitive (Erkennen und Wahrnehmen) Entwicklung verzögern (Belkind-Gerson J. et al.: Fatty acids and neurodevelopment; J Pediatr Gastroenterol Nutr; 2008; 47 Suppl 1; S. S7-S9).

Aus Linolsäure können wir GLA oder in einem weiteren Syntheseschritt die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure herstellen. Aus ihr wiederum werden die hormonähnlichen Eicosanoide synthetisiert. Diese lassen sich in Prostaglandine der Serie 2 (PGE 2) und Leukotriene einteilen. Die Prostaglandine aktivieren beispielsweise das Immunsystem, um Fremdstoffe zu bekämpfen.

Es kommt infolge der Prostaglandin-Ausschüttung oft zu Hautrötungen und Schwellungen des entzündeten Gewebes. Gleichzeitig senden die Prostaglandine Schmerzsignale an das Gehirn. Was für die Immunabwehr wichtig ist, kann sich aber auch negativ auf unseren Körper auswirken: Bei Allergien und verschiedenen chronischen Krankheiten werden ebenfalls vermehrt Prostaglandine ausgeschüttet, wodurch es auch zu den schmerzhaften Reaktionen kommt. Ähnliches gilt für die Leukotriene: Sie sind wichtiger Bestandteil des Immunsystems zur Bekämpfung von Krankheitserregern, spielen aber auch bei Asthmareaktionen eine große Rolle.

Aus Gamma-Linolensäure baut unser Körper aber nicht nur die Arachidonsäure auf, sondern auch die Prostaglandine der Serie 1 (PGE 1). Diese wirken, im Gegensatz zu den PGE 2 entzündungshemmend und gefäßerweiternd. Ein Mangel an PGE 1 kann Neurodermitis und das prämenstruelle Syndrom (PMS) auslösen (Koshikawa N. et al.: Prostaglandins and premenstrual syndrome; Prostaglandins Leukot Essent Fatty Acids; 1992; 45(1); S. 33-36).

Ein Gamma-Linolensäure-Mangel wiederum wird mit einer allgemein erhöhten Allergierate, Wundheilungsstörungen und Blutarmut, mit Infektanfälligkeit und Erkrankungen des peripheren Nervensystems (Neuropathien) in Verbindung gebracht. Während der Schwangerschaft, der Stillzeit und des Wachstums ist der Bedarf an Gamma-Linolensäure erhöht. Zu einem Mangel kann es aber auch durch einen Enzymdefekt der Delta-6-Desaturase kommen, die an der Verlängerung von Fettsäuren beteiligt ist. Ihre Funktion ist bei Diabetes, Multiple Sklerose und Neurodermitis ebenfalls stark eingeschränkt (Horrobin D. F.: Fatty acid metabolism in health and disease: the role of delta-6-desaturase; Am J Clin Nutr; 1993; 57 (5 Suppl); S. 732S-736S).

Obwohl die Omega-6-Fettsäuren in unserem Körper wichtige Funktionen übernehmen, ist das Verhältnis zu den ebenfalls essentiellen Omega-3-Fettsäuren sehr wichtig. Denn während das Verhältnis bei unseren frühen Vorfahren noch bei etwa 4:1 (Omega-6-Fettsäuren:Omega-3-Fettsäuren) lag, ist es durch die sesshafte Lebensweise, die Industrialisierung und die damit verbundene Änderung der Essgewohnheit auf etwa 20:1 angestiegen.

Die Inuit, die sich in der arktischen Umgebung vor allem mit fettreichen Fischen und Robben ernähren, weisen hingegen ein Verhältnis von 1:1 auf. Bei ihnen treten entzündliche Krankheiten, wie Neurodermitis oder Rheuma, kaum auf, weshalb ein Zusammenhang zu den verschiedenen Fettsäuren wahrscheinlich ist (Bang H. O. et Al.: The composition of the Eskimo food in north western Greenland; Am J Clin Nutr 1980; 33: S. 2657 - 2661).

Ernährungsberater empfehlen daher für Deutschland seit langem eine Ernährung bei der das Verhältnis von 5:1 auf Dauer nicht überschritten wird.