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Lysin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Die Aminosäure Lysin (Lys oder K) mit der Summenformel C6H14N2O2 ist eine essentielle Aminosäure.

Das bedeutet, dass sie vom menschlichen Körper nicht selber hergestellt werden kann und deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden muss.

Die basische Aminosäure ist wichtiger Baustein unterschiedlichster Proteine. Enzyme, Transportproteine im Blutplasma, Antikörper und Hormone zählen ebenso dazu wie Strukturproteine von Knochen, Haut und Sehnen oder die für die Muskulatur charakteristischen Eiweiße Aktin und Myosin.

Lysin in Lebensmitteln

Lysin kommt besonders häufig in tierischen Lebensmitteln vor, aber auch Sojabohnen und Linsen enthalten die Aminosäure in großen Mengen.

Bedarf

Der tägliche Bedarf eines gesunden Erwachsenen liegt bei etwa 15 mg Lysin pro Kilogramm Körpergewicht. In der Wachstums-Phase braucht der Mensch viel mehr, weil die Aminosäure ein Bestandteil vieler Eiweiße ist.

So müssen Babies sogar bis zu 100 mg/kg Lysin am Tag aufnehmen und Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren 60 mg/kg. 10- bis 12-Jährige sollten immerhin noch 45 mg/kg Lysin mit der Nahrung erhalten.

Eine Lysin-Mangelernährung führt verstärkt zu Infektionen, kann aber auch Haarausfall und Wachstumsstörungen zur Folge haben. In den Industrie-Ländern tritt eher eine Überdosierung auf, die allerdings nicht bedrohlich ist. Im Extrem-Fall kommt es zu Magen-Darm-Störungen. Dies ist aber erst der Fall bei Mengen von 15 bis 40 g pro Person und Tag.

Lysin für das Bindegewebe

Unentbehrlich ist Lysin unter anderem für die Stabilität von Kollagen im Bindegewebe. Denn: die Aminosäure liegt in diesen Strukturporteinen hydroxyliert vor, sie ist also an speziellen Stellen mit OH-Resten ausgestattet. Diese wiederum sind über Zuckermoleküle miteinander vernetzt, wodurch die für das Kollagen charakteristischen sehr stabilen Glykoproteine entstehen (1).

Aber nicht nur im Kollagen wird Lysin nach dem Einbau mit zusätzlichen funktionellen Gruppen ausgestattet: Innerhalb der Proteine, um die sich die Erbsubstanz wickelt, liegen spezifische Lysine methyliert vor. Diese zusätzlichen CH3-Reste sind dafür verantwortlich, dass in jedem Entwicklungsstadium der Zelle nur die in dieser Zeit gewünschten Gene abgelesen und die benötigten Proteine gebildet werden (2).

Lysin in der Therapie

Wissenschaftler sind sich außerdem darüber einig, dass solch veränderte Lysine innerhalb unterschiedlichster Proteine eine weitaus größere Rolle spielen, als dies bisher erforscht ist.

Energiestoffwechsel und Fettverbrennung

Der Körper kann darüber hinaus aus Lysin im Zusammenspiel mit anderen Stoffen das vitaminähnliche L-Carnitin selber herstellen. Dieses wiederum hat eine Schlüsselfunktion bei dem Energiestoffwechsel und der Fettverbrennung (3).

Lysin, das über den gleichen Transporter vom Blut in die Zellen gelangt wie Arginin, kann die Aufnahme dieser ebenfalls basischen Aminosäure in die Zellen hemmen. Dadurch ist es dem Organismus möglich, das frei im Plasma vorliegende Arginin bei Bedarf sehr rasch in den Botenstoff Stickstoffmonoxid umzuwandeln (4). Über die Sache mit dem Stickstoffmonoxid hatte ich in einem anderen Beitrag geschrieben, weil sich manche (vor allem Sportler) diesen Effekt nutzbar machen wollen in Form von NO-Boostern.

Kalzium Aufnahme

Darüber hinaus beeinflusst Lysin die Aufnahme von Kalzium in Zähne und Knochen positiv. Eine lysinreiche Ernährung kann daher für Patienten mit Osteoporose-Risiko von Vorteil sein.

Herpes

Forscher setzen Lysin auch bei der Behandlung gegen Herpes-Viren ein. Die Aminosäure beschleunigt die Heilung der Lippenbläschen, wie eine kalifornische Studie von 1978 eindrucksvoll beweist (5).

Lysin in Kombination mit Medikamenten

Pharmakologisch hat Lysin noch eine weitere Bedeutung. So verknüpfen Pharma-Hersteller die Moleküle des Schmerzmittels Ibuprofen mit der Aminosäure. Dadurch ist die Wirk-Substanz viel besser wasserlöslich und die Resorption im Darm beschleunigt. Laut Herstellerangaben soll die Wirkung schon 15 Minuten nach der Einnahme eintreten und dann auch länger bestehen bleiben als ohne Lysin. Eine weitere Einnahme des Medikamentes wäre demnach seltener erforderlich.

Arteriosklerose

Nächster Punkt: Das Lipoprotein a transportiert wasserunlösliche Stoffe im Blut, kann aber (in zu hoher Konzentration), die Gefäßwände "verkleben" (Arteriosklerose) und so zu Herz-Kreislaufproblemen führen. Lysin wirkt dem entgegen, indem es die Anheftung an die Arterienwände verhindert und bereits bestehende Lipoprotein-Plaques entfernt. So gilt Lysin als wirksames Mittel gegen Arterienverkalkung, was in unterschiedlichen Studien nachgewiesen wurde, so etwa 1996 durch die an alternativen Heilmethoden interessierten Wissenschaftler Dr. Matthias Rath und Dr. Aleksandra Niedzwiecki.

Da bleibt mir an dieser Stelle nur zu Fragen, was die Therapie mit Statinen (Cholesterinsenker) zu bedeuten hat, wenn solch einfache "Maßnahmen" wie eine simple Aminosäure zur Verfügung stehen?

Liegt es vielleicht mal wieder daran, dass man auf Lysin kein Patent anmelden kann um damit grosse Kasse zu machen?

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 17.7.2017 überarbeitet.

Quellen:

(1) Sinex F. M., van Slyke D. D.: The source and state of the hydroxylysine of collagen; J Biol Chem 216; 1955; S. 245-250.

(2) Sims R. J.: Histone lysine methylation: a signature for chromatin function; Trends Genet 19; 2003; S. 629-639.

(3) Löster L.: Biochemical fundamentals of the effects of Carnitine; Carnitine and Cardiovascular Diseases; 2003; S. 3–48.

(4) Endres S., Eigler A.: Hemmung der NO-Synthase im septischen Schock; Der Internist 38; 1997; S. 466-469.

(5) Griffith R. S.: A multicentered study of lysine therapy in Herpes simplex infection; Dermatologica 156; 1978; 257-267.