Aminosäuren
Aminosäure Lysin: Wirkung und Anwendung
Lysin (Lys oder K) mit der Summenformel C6H14N2O2 ist eine essentielle Aminosäure. Das
bedeutet, dass sie vom menschlichen Körper nicht selber hergestellt werden kann und deshalb mit der Nahrung
aufgenommen werden muss. Die basische Aminosäure ist wichtiger Baustein unterschiedlichster Proteine. Enzyme,
Transportproteine im Blutplasma, Antikörper und Hormone zählen ebenso dazu wie Strukturproteine von Knochen, Haut
und Sehnen oder die für die Muskulatur charakteristischen Eiweiße Aktin und Myosin.
Lysin kommt besonders häufig in tierischen Lebensmitteln vor, aber auch Sojabohnen und Linsen enthalten die
Aminosäure in großen Mengen. Eine Lysin-Mangelernährung führt verstärkt zu Infektionen, kann aber auch Haarausfall
und Wachstumsstörungen zur Folge haben.

Unentbehrlich ist Lysin unter anderem für die Stabilität von Kollagen im Bindegewebe.
Denn die Aminosäure liegt in diesen Strukturporteinen hydroxyliert vor, sie ist also an speziellen Stellen mit
OH-Resten ausgestattet. Diese wiederum sind über Zuckermoleküle miteinander vernetzt, wodurch die für das Kollagen
charakteristischen sehr stabilen Glykoproteine entstehen.
(Sinex F. M., van Slyke D. D.: The source and state of the hydroxylysine of
collagen; J Biol Chem 216; 1955; S. 245-250).
Aber nicht nur im Kollagen wird Lysin nach dem Einbau mit zusätzlichen funktionellen Gruppen ausgestattet.
Innerhalb der Proteine, um die sich die Erbsubstanz wickelt, liegen spezifische Lysine methyliert vor. Diese
zusätzlichen CH3-Reste sind dafür verantwortlich, dass in jedem Entwicklungsstadium der Zelle nur die in dieser
Zeit gewünschten Gene abgelesen und die benötigten Proteine gebildet werden.
(Sims R. J.: Histone lysine methylation: a signature for chromatin function; Trends
Genet 19; 2003; S. 629-639).
Wissenschaftler sind sich außerdem darüber einig, dass solch veränderte Lysine innerhalb unterschiedlichster
Proteine eine weitaus größere Rolle spielen, als dies bisher erforscht ist.
Der Körper kann darüber hinaus aus Lysin im Zusammenspiel mit anderen Stoffen das vitaminähnliche L-Carnitin selber herstellen. Dieses wiederum hat eine Schlüsselfunktion bei dem
Energiestoffwechsel und der Fettverbrennung.
(Löster L.: Biochemical fundamentals of the effects of Carnitine; Carnitine and
Cardiovascular Diseases; 2003; S. 3–48).
Lysin, das über den gleichen Transporter vom Blut in die Zellen gelangt wie Arginin, kann die Aufnahme dieser
ebenfalls basischen Aminosäure in die Zellen hemmen.
Dadurch ist es dem Organismus möglich, das frei im Plasma vorliegende Arginin bei Bedarf sehr rasch in den Botenstoff Stickstoffmonoxid umzuwandeln.
(Endres S., Eigler A.: Hemmung der NO-Synthase im septischen Schock; Der
Internist 38; 1997; S. 466-469).
Darüber hinaus beeinflusst Lysin die Aufnahme von Kalzium in Zähne und Knochen positiv. Eine lysinreiche
Ernährung kann daher für Patienten mit Osteoporose-Risiko von Vorteil sein.
Forscher setzen Lysin auch bei der Behandlung gegen Herpes-Viren ein. Die Aminosäure beschleunigt die Heilung
der Lippenbläschen, wie eine kalifornische Studie von 1978 eindrucksvoll beweist.
(Griffith R. S.: A multicentered study of lysine therapy in Herpes simplex
infection; Dermatologica 156; 1978; 257-267).
Das Lipoprotein a transportiert wasserunlösliche Stoffe im Blut, kann aber – in zu hoher Konzentration – die
Gefäßwände verkleben und so zu Herz-Kreislaufproblemen führen.
Lysin wirkt dem entgegen, indem es die Anheftung an die Arterienwände verhindert und bereits bestehende
Lipoprotein-Plaques entfernt.
So gilt Lysin als wirksames Mittel gegen Arterienverkalkung, was in unterschiedlichen Studien nachgewiesen
wurde, so etwa 1996 durch die an alternativen Heilmethoden interessierten Wissenschaftler Dr. Matthias Rath und Dr.
Aleksandra Niedzwiecki.
|