Vitamine

Vitamin E - Vorkommen, Bedarf, Mangelerscheinungen

Unter Vitamin E versteht man eine Gruppierung von sechzehn fettlöslichen Substanzen mit antioxidativen und non-antioxidativen Eigenschaften. Das Vitamin ist Bestandteil aller tierischen Zellmembranen. Gebildet wird es ausschließlich von photosynthetisch aktiven Organismen wie Cyanobakterien und Pflanzen.

Formen von Vitamin E

Allen Vitamin-E-Formen gemeinsam ist ein Chromanring, der an der Position 6 hydroxyliert ist. Die Methylierung des Rings wiederum ergibt die Differenzierung in α-, β-, γ- oder δ-Form. Es werden vier Familien unterschieden, die sich durch unterschiedlich ungesättigte Seitenketten unterscheiden:

  1. Tocopherole mit nur einer gesättigten Seitenkette
  2. Tocomonoenole (T1) und marine Tocopherole (MDT) mit einer einfach ungesättigten Seitenkette
  3. Tocotrienole (T3) mit einer dreifach ungesättigten Seitenkette
  4. Die natürlich vorkommenden 5,7-Dimethyltocol und 7-Methyltocol.

Funktionen

Vitamin E hat starke antioxidative Kompetenzen. Deshalb ist er in der Lage, mehrfach ungesättigte Fettsäuren in Lipoproteinen, Membranlipiden und Depotfett vor Lipidperoxidation und damit vor Zerstörung zu bewahren.

Ohne seine Präsenz zerstören freie Radikale die Doppelbindungen der Fettsäuren in den Zellmembranen und damit die Zelle selbst im Verlaufe der destruktiven Reaktionen. Tocopherol entfaltet hier seine Wirkung als „scavenger“ (Radikalenfänger), indem es ein Elektron an das Radikal abgibt, welches das Radikal neutralisiert, aber dadurch selbst zum Radikal wird. Vitamin E als Radikal ist allerdings mesomerie-bedingt reaktionsträge. Es wird in der Folge von Vitamin C reduziert. Durch Rückführung in einen lipophilen Zustand wird es in seinen Originalzustand zurückversetzt und ist in diesem wieder als Antioxidans verfügbar.

Vitamin E hat einen Einfluss auf die Steuerung der Keimdrüsen. Daher kommt sein Ruf als Anitsterilitätsvitamin. Für Speicherung und Transport im menschlichen Körper eignet sich RRR-α-Tocopherol am besten. Das α-Tocopherol-Transfer-Protein ist das für den Transport verantwortliche Protein in der Leber, welches die höchste Affinität zum natürlichen α-Tocopherol hat. Daher kann eine einmalige Gabe über einen längeren Zeitraum wirksam sein.

Vorkommen und Bedarf

Besonders hohe Konzentrationen an Vitamin E kommen in pflanzlichen Ölenvir, wie zum Beispiel in Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, Olivenöl und Palmöl. Die Absorptionsrate liegt bei 30%.

Der Mindestbedarf wird angesetzt auf 4 mg pro Tag, plus 0,4 mg per Gramm Zusatz an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Protektiv wirksame Plasmaspiegel werden bei Dosierungen von 20 – 35 mg pro Tag erreicht. Da Vitamin E eine äußerst geringe Toxizität aufweist, gibt es Empfehlungen bis zu fast 270 mg pro Tag.

Wegen seiner Prostaglandin-Interaktion kommt es durch Vitamin E zu einer erhöhten Blutungsneigung. Bei Neurodermitis hat eine Vitamin-E-Supplementierung über acht Monate bei einer Dosierung von 268 mg pro Tag zu einer signifikanten Verbesserung der Symptome geführt.

Mangelerscheinung und Überdosierung

Mangelerscheinungen sind extrem selten, da Vitamin E gut speicherfähig ist. Im Zusammenhang mit Krankheiten, die eine gleichzeitige Fettresorptionsstörung bedingen, kann eine Hypovitaminose auftreten, die auffällig wird durch Konzentrationsstörungen, trockene, faltige Haut, Müdigkeit, Leistungsschwäche, schlecht heilende Wunden, Reizbarkeit und Begünstigung von Arteriosklerose.

Vitamin E wird unproblematisch über Leber und Nieren ausgeschieden. Daher ist eine Überdosierung fast auszuschließen.

Zusätzliche praktische Verwendung

Vitamin E ist ein Antioxidationsmittel in der Lebensmittelindustrie. Es fungiert als Lebensmittelzusatzstoff in verschiedenen Formen und ist Zusatz in Kosmetika wie Sonnenschutzmitteln. Eine Vitamin E Beschichtung von Kondomen soll zudem deren Reißfestigkeit verstärken.

Allerdings gehen Untersuchungen davon aus, dass das alpha-Tocopherol, das meist für Nahrungsergänzungsmittel und als Lebensmittelzusatz benutzt wird, Krebs auslösen kann – im Gegensatz zu den gesunden Formen gamma-Tocopherol und delta-Tocopherol.

Diese schützen aufgrund ihrer antioxidativen Eigenschaften vor der Entstehung von Krebs, beispielsweise vor einem Leberkarzinom (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22490437).

Vitamin E – schädlich für die Gesundheit?

In den letzten Jahren waren immer wieder Horrormeldungen zu lesen, die Vitamin E in Zusammenhang mit Krebs, Herzinfarkten und anderen schweren Krankheiten brachten. Einige Medien schlossen daraus sogar, man solle auf Nahrungsmittel komplett verzichten. Dazu muss man aber wissen, dass fast alle Untersuchungen zu Vitamin E mit dem alpha-Tocopherol gemacht wurden, das ja nur einen Teil der Vitamin-E-Familie ausmacht, und nicht den gesündesten. Viel besser sind gamma-Tocopherol und delta-Tocopherol, die wie erwähnt sogar vor Krebs schützen können. Auch die Tocotrienole haben sich in verschiedenen Studien als guter Schutz vor Krebs gezeigt.

Möglicherweise können sie sogar das Wachstum von Tumoren deutlich verlangsamen und die Rückfallquote nach einer überstandenen Krebserkrankung senken. Tocotrienole helfen außerdem, Herzkrankheiten vorzubeugen. Sogar bereits bestehende Herzprobleme können durch diese Form von Vitamin E stabilisiert oder verringert werden.

Und noch einen wichtigen gesundheitlichen Nutzen hat Vitamin E: Es schützt das Gehirn und verringert das Risiko für die Alzheimerkrankheit.

Wie kommt nun aber der negative Ruf zustande?

Zum einen wurde in erster Linie das alpha-Tocopherol untersucht. Zum Zweiten wurde meistens synthetisch erzeugtes Vitamin E in den Studien verwendet, nur selten natürliches Vitamin E. Zum Dritten stand oft gar nicht Vitamin E alleine auf dem Prüfstand, sondern eine Kombination aus verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen. Und schließlich wurden die Studien oft mit Patienten durchgeführt, die schwere Vorerkrankungen und damit schon per se ein höheres Sterberisiko hatten.

Nimmt man all diese Voraussetzungen zusammen, lässt sich die Behauptung, Vitamin E sei gefährlich, kaum mehr halten.

Mein Tipp: Achten Sie unbedingt darauf, dass das Vitamin E, das Sie einnehmen, natürlichen Ursprungs ist. Dann können Sie sicher sein, dass Sie Ihrer Gesundheit nicht schaden, sondern nützen.