B- Vitamine

Vitamin B12: Vorkommen, Anwendung, Wirkung und Nutzen

Das Vitamin B12 wird zu Gruppe der B-Vitamine gezählt.

Vitamin B12 ist der medizinische Sammelbegriff für Cobalamine, die das Spurenelement Cobald (Co) enthalten. Das schwer in Wasser lösliche Vitamin mit der Summenformel C63H88N14O14PCo wird ausschließlich von Mikroorganismen hergestellt, nicht von höheren Pflanzen und Tieren.

Pflanzen benötigen für ihren Stoffwechsel kein Vitamin B12, fleischfressende Säugetiere nehmen es über die Nahrung auf, während Pflanzenfresser höchstwahrscheinlich ihren Bedarf größtenteils durch die in ihrem Darm lebenden Bakterien decken können.

Zwar produzieren auch einige im menschlichen Verdauungstrakt vorkommende Mikroorganismen Vitamin B12, doch geschieht dies größtenteils im Dickdarm, während Cobalamin aber nur über den letzten Abschnitt des davor liegenden Dünndarms in den Blutkreislauf aufgenommen werden kann.
(Bässler K.-H. et al: Vitamin-Lexikon für Ärzte, Apotheker und Ernährungswissenschaftler; 2002; 3. Auflage; Urban & Fischer, München)

Die Aufnahme von Vitamin B12 – ein Zusammenspiel vieler Proteine

Damit das Vitamin optimal von uns genutzt werden kann, sind viele körpereigene Eiweiße nötig: Um das komplexe Vitamin B12 etwa vor der Zersetzung im Magen zu schützen, besitzen wir ein Trägerprotein mit Namen Intrinsic Factor, das Cobalamin bindet und im Dünndarm für die Aufnahme in die Zellen sorgt. Hier wird das Vitamin B12 an ein spezifisches Transportprotein gebunden (Transcobalamin II) und in den Blutkreislauf geschleust.

In der Leber, als größtem Speicherort des Vitamins, liegt es wiederum an ein anderes Eiweiß gebunden vor, nämlich ans Transcobalamin I (Gräsbeck R.: Intrinsic factor and transcobalamins as membranous transport factors and their phylogenesis; Nord Med; 1966;75(24); S. 685-686).

Auf eine ausreichende Zufuhr an Vitamin B12 achten

Reich an Vitamin B12 sind Innereien wie Leber und Niere, aber auch Hering, Austern und Muscheln. Während Eier und Milchprodukte ebenfalls das lebenswichtige Vitamin enthalten, ist es für Veganer schwierig, den Bedarf über die rein pflanzliche Nahrung zu decken.

Während sich auf unbehandeltem, ungewaschenem Obst und Getreide ebenfalls viele Mikroorganismen aufhalten, sind durch die besseren Hygienebedingungen diese Vitamin B12-Quellen verschwindend gering geworden. Vergorenes Gemüse, wie etwa Sauerkraut, ist, durch die an der Fermentierung beteiligten Mikroorganismen, mit geringen Mengen Vitamin B12 angereichert, gleiches gilt für Bier.

Veganer können einem Vitamin B12-Mangel am besten vorbeugen, indem sie bewusst mit Cobalamin angereicherte Lebensmittel essen oder Zusatzpräparate einnehmen.

Störungen der Cobalamin-Aufnahme

In seltenen Fällen stellt der Organismus nicht genügend Intrinsic Factor oder Transcobalamin her, was dann einen Vitamin B12-Mangel zur Folge hat. Ebenso ist ein fehlerhaftes Protein, das für den Transport in die Dünndarmzellen verantwortlich ist, möglich (Imerslund- Gräsbeck-Syndrom). Auch nach einer medizinisch notwendigen vollständigen Entfernung des Magens oder des Dünndarmabschnitts, der die Aufnahme von Vitamin B12 übernimmt (Ileum), kann es in der Folge zu einem Cobalamin-Mangel kommen.

Darüber hinaus kann eine Störung der Verdauungsfunktion ursächlich für einen Vitamin B12-Mangel sein, etwa, wenn zu wenig Salzsäure gebildet wird (Hypochlorhydrie), bei einer Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut), einer Helicobacter pylori-Infektion oder einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse. Auch bei Multiple Sklerose ist die Vitamin B12-Aufnahme herabgesetzt. Ebenso können unterschiedliche Medikamente die Aufnahme von Cobalamin negativ beeinflussen.

Neben Veganern leiden vor allem ältere Menschen an einem Vitamin B12-Mangel, was meistens auf eine der hier beschriebenen Störungen der Aufnahme – und nicht auf eine Fehlernährung – zurückzuführen ist.

Ein starker Fischbandwurm-Befall kann ebenfalls zu einem Vitamin B12-Mangel führen, da die Darm-Parasiten – allerdings nur in sehr großer Anzahl – das Cobalamin selber völlig aufbrauchen, noch bevor es in den menschlichen Blutkreislauf gelangen kann.

Funktion im menschlichen Organismus

Vitamin B12 dient im Körper als Coenzym, ist also für die Beschleunigung bestimmter chemischer Reaktionen nötig. Obwohl das Cobalamin nur an zwei bekannten Stoffwechselreaktionen beteiligt ist, sind diese für viele Körperfunktionen nötig: So hilft es beispielsweise als Cofaktor bei der Umwandlung der Aminosäure Homocystein in Methionin, wozu zusätzlich Folsäure (Vitamin B9) benötigt wird. Während Homocystein selber nicht in Proteine eingebaut wird, ist die Aminosäure Methionin Baustoff vieler Eiweißmoleküle (Neve J.: The nutritional importance and pharmacologic effects of cobalt and vitamin B 12 in man; J Pharm Belg. 1991; 46(4); S. 271-280).

Ebenfalls ist Vitamin B12 als Cofaktor der Methylmalonyl-CoA-Mutase am Abbau von Fettsäuren, Cholesterin und verschiedener Aminosäuren beteiligt (Forth W. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie; 8. Auflage; 2001; Urban & Fischer Verlag).

Die Funktion von Vitamin B12 als Coenzym ist dabei nicht nur für die Blutbildung und das Nervensystem wichtig, sondern auch für den Aufbau der Erbsubstanz, die Zellteilung und die Regeneration der Schleimhäute. Darüber hinaus schützt Vitamin B12 vor Blutkreislauferkrankungen, so etwa vor Schlaganfällen.

Vitamin B12 Mangelerscheinungen

Da das Vitamin im menschlichen Körper über Jahre gespeichert werden kann, zeigt sich eine unzureichende Cobalamin-Zufuhr oft erst nach einer sehr langen Zeitspanne. Während ein Mangel an Vitamin B12 zu verschiedensten Symptomen – wie allgemeine Apathie, Depression und Angstzuständen, aber auch zu schmerzenden Nerven und kribbelnde Hände, Konzentrationsschwäche und eingeschränktem Tastsinn – führen kann, sind bei einer sehr Vitamin B12-reichen Ernährung bisher keinerlei Nebenwirkungen bekannt, da überschüssiges Cobalamin mit dem Harn ausgeschieden wird. Hohe Dosen des Vitamins hingegen, die während einer Therapie intravenös verabreicht werden, können zu Akne und allergischen Reaktionen führen.

Anhand eines veränderten Blutbilds kann ein Vitamin B12-Mangel vermutet werden, so etwa durch eine Blutarmut (Anämie) mit gleichzeitiger Vergrößerung der roten Blutkörperchen. Allerdings kann dies ebenso auf einen Folsäure-Mangel hinweisen und ist nicht zwingend auf zu wenig gespeichertes Cobalamin zurückzuführen. Auch der Homocysteinwert ist bei einem Mangel der beiden Vitamine erhöht.