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Lactococcus lactis

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Lactococcus lactis ist eine Bakterienart aus der Ordnung der Milchsäurebakterien (Lactobacillales), die unter anderem im Verdauungstrakt und in der Scheide des Menschen vorkommt. Darüber hinaus finden sich die Mikroorganismen auch im Verdauungstrakt anderer Tiere sowie auf den Oberflächen von Pflanzen.

Wie andere Laktobazillen auch, verwandelt Lactococcus lactis als Stoffwechselreaktion Zucker in Milchsäure um. Mithilfe dieser sogenannten Homofermentation säuert L. lactis die Umgebung an und schützt sich hierdurch vor Nahrungskonkurrenten, die bei den niedrigen pH-Werten nicht überleben können. Für uns Menschen hat diese Ansäuerung ebenfalls einen positiven Effekt: Denn auf diese Weise verhindert das Milchsäurebakterium, so wie viele andere Mikroorganismen unserer natürlichen Darmflora auch, eine Vermehrung von Krankheitserregern.

Lactococcus lactis stellt außerdem das Peptid Nisin her, dass wie ein Antibiotikum wirkt und hierdurch ebenfalls vor Krankheitskeimen schützt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21460077).

Nisin aus L. lactis ist als Konservierungsmittel für Lebensmittel, etwa Käse oder Pudding, zugelassen (Zusatzstoff E 234) und wird auch in der Humanmedizin als Arzneistoff zum Abtöten spezifischer Bakterien verwendet.

Doch L. lactis, dessen gesamte Erbgutsequenz bekannt ist, schützt nicht nur direkt unseren Darm vor eindringenden Krankheitskeimen. Darüber hinaus interagiert das Bakterium über einen bisher nicht in allen Einzelheiten verstandenen Signalweg mit den Zellen unseres Immunsystems (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21134696).

So ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Mikroorganismen unser Immunsystem anregen, eindringende Keime schnell und effizient zu bekämpfen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10967260).

Gleichzeitig scheint Lactococcus lactis vor Allergien zu schützen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15481740).

L. lactis gehört zu den am häufigsten anzutreffenden Bakterien der Darmflora von Neugeborenen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16145549).

Allerdings ändert sich die Zusammensetzung je nach Ernährungsweise der Kinder recht rasch. Flaschennahrung führt beispielsweise bereits nach kurzer Zeit zu einer Verschiebung der Darmflora mit einem höheren Anteil an Escherichia coli -Zellen und vergleichsweise weniger Laktobazillen.

Normalerweise stellt Lactococcus lactis ausschließlich rechtsdrehende Milchsäure her, die vom menschlichen Körper leicht verwertet werden kann. Nur bei sehr niedrigen pH-Werten produziert das Bakterium auch linksdrehende Milchsäure, die bei gesunden Erwachsenen zwar langsamer, aber ebenfalls völlig problemlos abgebaut wird (www.springerlink.com/content/1mwgbegph3plrklw).

L. lactis gilt gemeinhin als sehr sicher und wirkt sich selbst bei Säuglingen und Kleinkindern positiv auf die Gesundheit aus. Allerdings wurden einige Fälle beschrieben, in denen es durch L. lactis zu Infektionen bei Menschen oder Tieren kommt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2125626).

Bis zum Jahre 1985 wurde Lactococcus lactis als Streptococcus lactis bezeichnet (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2504115).

Lactococcus lactis in Lebensmitteln und Medikamenten

Lactococcus lactis zählt zu den wichtigsten Mikroorganismen der Milchindustrie, denn durch die Umwandlung von Zucker in Milchsäure sorgt es für die Gerinnung der Milch. Die Gerinnung wiederum ist Voraussetzung für die Entstehung von Joghurt, Käse und Buttermilch. In Rohmilch kommt L. lactis natürlicherweise vor. Da das Bakterium außerdem sehr leicht zu kultivieren ist, wird es in der modernen Lebensmittelindustrie gezielt als Starterkultur während der frühen Produktion von unterschiedlichsten Käsesorten eingesetzt (beispielsweise Roquefort, Brie, Camembert, Cheddar und Parmesan).

Aber auch andere fermentierte Lebensmittel, etwa Sojamilch oder Kefir, können mithilfe von L. lactis hergestellt werden. Für die Lebensmittelindustrie sind zwei Untergruppen des Milchsäurebakteriums entscheidend, wobei Lactococcus lactis subsp. lactis für die Produktion von Weichkäse und Lactococcus lactis subsp. cremoris für die Herstellung von Hartkäse genutzt wird.

L. lactis wird aufgrund seiner positiven Eigenschaften auch als Probiotikum eingesetzt. Meist liegen in den probiotischen Lebensmitteln und Medikamenten L. lactis-Stämme in Kombination mit anderen Bakterienarten vor. Da L. lactis natürlicherweise im Darm von Säuglingen in sehr großer Anzahl auftritt, wird es auch als Probiotikum bei Babys und Kleinkindern genutzt. In der Tierzucht wird L. lactis ebenfalls zur Prophylaxe vor Infektionen eingesetzt, vor allem bei Ferkeln.

Wie oben beschrieben, nutzen die Pharma- und die Lebensmittelindustrie das von L. lactis hergestellte Nisin als Antibiotikum beziehungsweise als Konservierungsmittel.

Zurzeit untersuchen Wissenschaftler an Tieren, ob Lactococcus lactis gezielt als Arzneimittel gegen pathogene Bakterien eingesetzt werden kann. Hierzu fügen sie bestimmte Erbgutsequenzen der Krankheitserreger in die DNA von L. lactis ein.

Die Milchsäurebakterien produzieren nun das spezifische Protein der Krankheitskeime, das von den Immunzellen des Wirtes als gefährlicher Fremdkörper erkannt wird. Das Immunsystem beginnt deshalb, die Krankheitskeime gezielt zu bekämpfen.

Erste Ergebnisse zeigen gute Erfolge (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20532816).

Lactococcus lactis schützt Kleinkinder vor Allergien und Hautekzemen

Während einer randomisierten, placebo-kontrollierten Studie erhielten Schwangere, deren Kinder ein erblich erhöhtes Risiko für allergische Ekzemerkrankungen aufwiesen, ein probiotisches Mittel mit lebenden Bakterienkulturen von Lactococcus lactis, Bifidobacterium bifidum und Bifidobacterium lactis. Nach der Geburt wurde auch den Kindern zwölf Monate lang das Probiotikum verabreicht. Bereits in den ersten drei Lebensmonaten zeigte sich ein deutlicher Unterschied. So litten nur sechs der 50 Kinder (Placebogruppe: 15 von 52) an Ekzemen der Haut.

Dieser positive Effekt hielt sich auch bis zum zweiten Lebensjahr. Besonders auffällig war der hohe Anteil von Lactococcus lactis in der Darmflora der behandelten Kinder (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19392993).

Die Studie zeigt, dass Lactococcus lactis, in Kombination mit anderen probiotischen Bakterien, die Entwicklung von Allergien im Kindesalter vermindern kann.

Untersuchungen an Kaninchen zeigen außerdem, dass die Gabe probiotischer Lactococcus lactis-Stämme neugeborene Tiere vor der Besiedlung von Krankheitserregern in der Lunge und im Darm schützt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18206450).