Bifidobacterium bifidum
Bifidobacterium bifidum ist eine der vielen Bakterienarten,
die natürlicherweise unseren Verdauungstrakt und die Scheide besiedeln.

Dort sorgt B. bifidum für die Ansäuerung der Umgebung, wodurch das Bakterium Krankheitskeime am Wachstum und an der
Vermehrung hindert. Hierdurch schützt es sich selber vor Nahrungskonkurrenten und uns Menschen beispielsweise vor
bakteriellen Durchfallerkrankungen oder Scheidenpilzen. Die Erniedrigung des pH-Wertes gelingt allen
Bifidobakterien, indem sie Zucker über einen ganz spezifischen Stoffwechselweg in Essigsäure und Milchsäure
umwandeln.
Bifidobacterium bifidum, das bereits im Jahre 1900 beschrieben wurde, hilft außerdem bei der Verdauung und regt
gleichzeitig unser Immunsystem an.(1)
Im Verdauungstrakt von Säuglingen kommt B. bifidum in sehr hoher Zahl vor. Denn durch den Geburtsvorgangs gelangen
die Bakterien der mütterlichen Scheidenflora über den Kontakt mit dem Mund und der Haut in den vorher noch sterilen
Verdauungstrakt der Babys. Da die Bifidobakterien im Darm der Säuglinge optimale
Bedingungen vorfinden, vermehren sie sich hier sehr schnell. So stellen sie bei den Babys von Anfang an ein
gesundes Gleichgewicht der Darmflora her. Untersuchungen zeigen, dass Neugeborene, die per Kaiserschnitt zur Welt
kommen, oft nur sehr wenige B. bifidum-Zellen im Darm aufweisen, wohingegen die Zahl an Krankheitskeimen stark
erhöht ist.(2)
Doch auch in der Muttermilch kommt Bifidobacterium bifidum vor, so dass die gesunden Mikroorganismen mit dem
Stillen in den Verdauungstrakt der Kinder gelangen. Auf diese Weise erhalten die Säuglinge zusätzlich einen
umfassenden Schutz vor Krankheitskeimen. Studien belegen immer wieder, dass gestillte Kinder seltener an
Durchfallerkrankungen leiden als solche, die ausschließlich mit industrieller Säuglingsnahrung ernährt
werden.(3)
Bifidobacterium bifidum gilt gemeinhin als sehr sicher und gesundheitsförderlich. Es lässt sich leicht im
Labor kultivieren und ist wissenschaftlich recht gut untersucht. Das Genom (Erbgut) des Bakteriums ist vollständig
aufgeklärt.(4)
B. bifidum kann sehr stark an den Zellen der Scheiden- und Darmschleimhaut anhaften, um dort seine probiotischen
Wirkungen zu entfalten. Außerdem sind seine entzündungshemmenden Eigenschaften nachgewiesen. Darüber hinaus konnte
gezeigt werden, dass das Bifidobacterium sehr tolerant gegenüber Magensäure und Gallenflüssigkeit
ist.(5) Dies ist wichtig, damit das Bakterium den Darm überhaupt lebend erreicht. Denn natürlich
kann es nur so seine gesundheitsfördernde Wirkung entfalten.
Bifidobacterium bifidum in Lebensmitteln und Medikamenten
Bifidobakterium bifidum wird zur Fermentation von Milchprodukten und anderen Lebensmitteln verwendet. Da es, wie
viele andere Bifidobakterien und Laktobazillen, natürlicherweise in der Umgebung der Nahrungsmittel vorkommt, ist
es an der Herstellung von Joghurt, Buttermilch, Sauerkraut und Sauerteig beteiligt. Denn durch die Umwandlung von
Zucker in Milch- und Essigsäure konserviert es die Lebensmittel und sorgt gleichzeitig für den typisch säuerlichen
Geschmack.
Die moderne Lebensmittelindustrie setzt allerdings nicht mehr auf die natürliche Besiedlung von Milch und Co,
sondern gibt gezielt spezielle Bakterienarten zu den Ausgangsstoffen, um eine gleichbleibende Qualität der Produkte
zu gewährleisten. Dabei spielt auch Bifidobakterium bifidum eine große Rolle, vor allem bei Joghurt, aber auch
beispielsweise bei veganem Sojajoghurt.
Aufgrund der hervorragenden Eigenschaften für die Gesundheit wird Bifidobacterium bifidum aber auch vielen
probiotischen Lebensmitteln zugesetzt. Denn es verbessert nachweislich das Gleichgewicht der Darmflora, regt das
Immunsystem an und schützt vor unterschiedlichen Infektionen.
Ebenso ist Bifidobacterium bifidum als Nahrungsergänzungsmittel beliebt, wobei es oft in Kombination mit anderen
probiotischen Bakterienarten zum Einsatz kommt. Medikamente und Arzneimittel mit lebenden Bifidobakterium
bifidum-Kulturen sind ebenso zugelassen wie Säuglingsnahrung, die die Mikroorgansimen in großer Anzahl
enthalten.
Bifidobacterium bifidum schützt Frühchen vor Darmerkrankungen
Bei sehr früh geborenen Kindern zählt die nekrotisierende Enterokolitis, eine sehr schwere Darmerkrankung, zu
den häufigsten Komplikationen, die in vielen Fällen zum Tode führen. Mediziner konnten jetzt an Ratten zeigen, dass
die Gabe von Bifidobacterium bifidum der Erkrankung vorbeugt. Schließlich ging die Anzahl der Tiere mit einer
nekrotisierenden Enterokolitis von 57 Prozent in der Kontrollgruppe auf 17 Prozent der behandelten Ratten
zurück.(6) Die Forscher gehen davon aus, dass Bifidobakterien bei den Frühchen Entzündungen des
Darmes vorbeugen und gleichzeitig die Schleimhäute des Verdauungstraktes stärken. Dies könnte, ähnlich wie bei den
Ratten, die gefährliche Erkrankung abwehren.
In einigen Familien kommen Allergien gehäuft vor. Eine Studie untersuchte nun, ob die Gabe von Probiotika, die
unter anderem Bifidobacterium bifidum enthielten, genetisch bedingten Ekzemen und allergischen Reaktionen vorbeugen
kann. Hierzu erhielten Schwangere die probiotische Mixtur. Auch die Kinder bekamen für zwölf Monate das
probiotische Medikament, das eine Kombination unterschiedlicher Mikroorganismen enthielt. Bereits in den ersten
Lebensmonaten zeigte sich eine deutlich verringerte Anzahl an Kindern mit Ekzemen gegenüber der Placebogruppe.
Dieser positive Effekt hielt auch bis ins zweite Lebensjahr an.(7)
Auch andere Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass Bifidobacterium bifidum Allergien vorbeugen kann.
Untersuchungen an Mäusen zeigen zum Beispiel, dass die Gabe eines Probiotikums die Menge an Immunoglobulin E stark
reduzieren kann. Das Immunglobulin E hilft normalerweise bei der Abwehr von Würmern und anderen Parasiten, ist aber
auch für eine Reihe von Allergien verantwortlich.(8)
(1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15942432
(2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21515397
(3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7934445
(4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21037011
(5) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20492180
(6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20501441
(7) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19392993
(8) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16079493

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