Bifidobacterium bifidum

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Bifidobacterium bifidum ist eine der vielen Bakterienarten, die natürlicherweise unseren Verdauungstrakt und die Scheide besiedeln.

Dort sorgt B. bifidum für die Ansäuerung der Umgebung, wodurch das Bakterium Krankheitskeime am Wachstum und an der Vermehrung hindert. Hierdurch schützt es sich selber vor Nahrungskonkurrenten und uns Menschen beispielsweise vor bakteriellen Durchfallerkrankungen oder Scheidenpilzen. Die Erniedrigung des pH-Wertes gelingt allen Bifidobakterien, indem sie Zucker über einen ganz spezifischen Stoffwechselweg in Essigsäure und Milchsäure umwandeln.

Bifidobacterium bifidum, das bereits im Jahre 1900 beschrieben wurde, hilft außerdem bei der Verdauung und regt gleichzeitig unser Immunsystem an.(1) 

Im Verdauungstrakt von Säuglingen kommt B. bifidum in sehr hoher Zahl vor. Denn durch den Geburtsvorgangs gelangen die Bakterien der mütterlichen Scheidenflora über den Kontakt mit dem Mund und der Haut in den vorher noch sterilen Verdauungstrakt der Babys. Da die
Bifidobakterien im Darm der Säuglinge optimale Bedingungen vorfinden, vermehren sie sich hier sehr schnell. So stellen sie bei den Babys von Anfang an ein gesundes Gleichgewicht der Darmflora her. Untersuchungen zeigen, dass Neugeborene, die per Kaiserschnitt zur Welt kommen, oft nur sehr wenige B. bifidum-Zellen im Darm aufweisen, wohingegen die Zahl an Krankheitskeimen stark erhöht ist.(2) 

Doch auch in der Muttermilch kommt Bifidobacterium bifidum vor, so dass die gesunden Mikroorganismen mit dem Stillen in den Verdauungstrakt der Kinder gelangen. Auf diese Weise erhalten die Säuglinge zusätzlich einen umfassenden Schutz vor Krankheitskeimen. Studien belegen immer wieder, dass gestillte Kinder seltener an Durchfallerkrankungen leiden als solche, die ausschließlich mit industrieller Säuglingsnahrung ernährt werden.(3)

Bifidobacterium bifidum gilt gemeinhin als sehr sicher und gesundheitsförderlich. Es lässt sich leicht im Labor kultivieren und ist wissenschaftlich recht gut untersucht. Das Genom (Erbgut) des Bakteriums ist vollständig aufgeklärt.(4) 

B. bifidum kann sehr stark an den Zellen der Scheiden- und Darmschleimhaut anhaften, um dort seine probiotischen Wirkungen zu entfalten. Außerdem sind seine entzündungshemmenden Eigenschaften nachgewiesen. Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass das Bifidobacterium sehr tolerant gegenüber Magensäure und Gallenflüssigkeit ist.(5) Dies ist wichtig, damit das Bakterium den Darm überhaupt lebend erreicht. Denn natürlich kann es nur so seine gesundheitsfördernde Wirkung entfalten.

Bifidobacterium bifidum in Lebensmitteln und Medikamenten

Bifidobakterium bifidum wird zur Fermentation von Milchprodukten und anderen Lebensmitteln verwendet. Da es, wie viele andere Bifidobakterien und Laktobazillen, natürlicherweise in der Umgebung der Nahrungsmittel vorkommt, ist es an der Herstellung von Joghurt, Buttermilch, Sauerkraut und Sauerteig beteiligt. Denn durch die Umwandlung von Zucker in Milch- und Essigsäure konserviert es die Lebensmittel und sorgt gleichzeitig für den typisch säuerlichen Geschmack.

Die moderne Lebensmittelindustrie setzt allerdings nicht mehr auf die natürliche Besiedlung von Milch und Co, sondern gibt gezielt spezielle Bakterienarten zu den Ausgangsstoffen, um eine gleichbleibende Qualität der Produkte zu gewährleisten. Dabei spielt auch Bifidobakterium bifidum eine große Rolle, vor allem bei Joghurt, aber auch beispielsweise bei veganem Sojajoghurt.

Aufgrund der hervorragenden Eigenschaften für die Gesundheit wird Bifidobacterium bifidum aber auch vielen probiotischen Lebensmitteln zugesetzt. Denn es verbessert nachweislich das Gleichgewicht der Darmflora, regt das Immunsystem an und schützt vor unterschiedlichen Infektionen.

Ebenso ist Bifidobacterium bifidum als Nahrungsergänzungsmittel beliebt, wobei es oft in Kombination mit anderen probiotischen Bakterienarten zum Einsatz kommt. Medikamente und Arzneimittel mit lebenden Bifidobakterium bifidum-Kulturen sind ebenso zugelassen wie Säuglingsnahrung, die die Mikroorgansimen in großer Anzahl enthalten.

Bifidobacterium bifidum schützt Frühchen vor Darmerkrankungen

Bei sehr früh geborenen Kindern zählt die nekrotisierende Enterokolitis, eine sehr schwere Darmerkrankung, zu den häufigsten Komplikationen, die in vielen Fällen zum Tode führen. Mediziner konnten jetzt an Ratten zeigen, dass die Gabe von Bifidobacterium bifidum der Erkrankung vorbeugt. Schließlich ging die Anzahl der Tiere mit einer nekrotisierenden Enterokolitis von 57 Prozent in der Kontrollgruppe auf 17 Prozent der behandelten Ratten zurück.(6) Die Forscher gehen davon aus, dass Bifidobakterien bei den Frühchen Entzündungen des Darmes vorbeugen und gleichzeitig die Schleimhäute des Verdauungstraktes stärken. Dies könnte, ähnlich wie bei den Ratten, die gefährliche Erkrankung abwehren.

In einigen Familien kommen Allergien gehäuft vor. Eine Studie untersuchte nun, ob die Gabe von Probiotika, die unter anderem Bifidobacterium bifidum enthielten, genetisch bedingten Ekzemen und allergischen Reaktionen vorbeugen kann. Hierzu erhielten Schwangere die probiotische Mixtur. Auch die Kinder bekamen für zwölf Monate das probiotische Medikament, das eine Kombination unterschiedlicher Mikroorganismen enthielt. Bereits in den ersten Lebensmonaten zeigte sich eine deutlich verringerte Anzahl an Kindern mit Ekzemen gegenüber der Placebogruppe. Dieser positive Effekt hielt auch bis ins zweite Lebensjahr an.(7) 

Auch andere Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass Bifidobacterium bifidum Allergien vorbeugen kann. Untersuchungen an Mäusen zeigen zum Beispiel, dass die Gabe eines Probiotikums die Menge an Immunoglobulin E stark reduzieren kann. Das Immunglobulin E hilft normalerweise bei der Abwehr von Würmern und anderen Parasiten, ist aber auch für eine Reihe von Allergien verantwortlich.(8) 

(1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15942432

(2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21515397

(3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7934445

(4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21037011

(5) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20492180

(6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20501441

(7) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19392993

(8) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16079493