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Bifidobacterium lactis

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Das Bakterium B. lactis, wirkt sich, als natürlicher Bewohner des menschlichen Darmes, positiv auf unseren Organismus aus.

Denn das Bifidobakterium produziert Milch- und Essigsäure, wodurch es die Umgebung des Verdauungstraktes ansäuert. Viele andere Mikroorgansimen können sich bei solch niedrigen pH-Werten nicht vermehren, so dass beispielsweise gefährliche Krankheitskeime in der Umgebung der Bifidobakterien nicht wachsen. Aber nicht nur der Mensch profitiert von diesem Effekt, auch für B. lactis hat dies einen Vorteil. Denn auf diese Weise schaltet das Bakterium Nahrungskonkurrenten gezielt aus, um sich selber besser ausbreiten zu können.

Doch B. lactis schützt unseren Organismus nicht nur direkt vor Krankheitserregern, sondern scheint auch über einen sehr komplexen Signalweg unser Immunsystem zu beeinflussen.

So zeigt beispielsweise eine Studie an frühgeborenen Säuglingen, dass B. lactis die Durchlässigkeit der Darmschleimhäute für Makromoleküle verringert.(1)

Die noch nicht ausgereifte Barriere der Darmschleimhaut von Frühgeborenen und jungen Säuglingen gilt als eine der Hauptgründe für frühkindliche Infektionen und Darmentzündungen. Sind die Bifidobakterien also in ausreichender Zahl im Darm der Kinder vorhanden, so schließen sich diese Lücken rasch. Hierdurch wird das Risiko für schwerwiegende Erkrankungen verringert.

Daneben stimuliert B. lactis die Immunzellen von Säuglingen, Immunglobulin A zu produzieren – das bei der Abwehr von Krankheitskeimen im Darm eine zentrale Rolle übernimmt.(2) 

Auch die Symptome allergischer Entzündungen werden durch B. lactis verringert.(3) 

Dies scheint ebenfalls auf dem komplexen Zusammenspiel von B. lactis mit dem menschlichen Immunsystem zu basieren. Versuche an Ratten zeigen außerdem, dass B. lactis einen positiven Einfluss auf die Ausprägung (Expression) bestimmter, für die Immunantwort nötiger Wirts-Gene hat.(4) 

Wie alle Bifidobakterien, so produziert auch B. lactis bei der Verwertung von Zuckern Essigsäure und Milchsäure in einem Verhältnis von 3:2. Dies geschieht über einen recht komplizierten Stoffwechselweg, der für Bifidobakterien charakteristisch ist. B. lactis stellt dabei fast ausschließlich rechtsdrehende und nur zu einem sehr geringen Teil linksdrehende Milchsäure her. Da unser Körper die rechtsdrehende Milchsäure abbauen und weiterverarbeiten kann, gilt diese gemeinhin als besonders wertvoll für den menschlichen Organismus.

Das Erbgut von B. lactis ist vollständig entschlüsselt. Dies hilft Wissenschaftlern dabei, Vergleiche zu anderen Mikroorganismen anzustellen, die Aufgaben verschiedener DNA-Sequenzen (Erbmaterial) einzuschätzen oder mögliche Funktionen von Proteinen vorherzusagen. Hierdurch wissen die Forscher beispielsweise, dass Bifidobacterium lactis lediglich ein, bei Darmbakterien weit verbreitetes Antibiotika-Resistenz-Gen besitzt, das die Sicherheit des probiotischen Bakteriums nicht beeinträchtigt.

Die Entschlüsselung des Erbguts hat auch dazu geführt, dass die Verwandtschaftsverhältnisse einzelner Bifidobakterien genauer untersucht werden konnte. Galt B. lactis nämlich bis vor Kurzem als eigenständige Bakterienart, so wird es nach dem neuesten Stand der Wissenschaft, aufgrund der Ähnlichkeit in der Erbanlage, als Subspezies der Art Bifidobacterium animalis angesehen. In der Nomenklatur ist dies folgendermaßen angegeben: B. animalis subsp. lactis.

Bisher sind keine Krankheiten bekannt, die durch Bifidobacterium lactis ausgelöst werden. Auch für Risikogruppen mit schwachem Immunsystem – etwa Neugeborene und junge Säuglinge – stellt B. lactis, nach heutigem Wissensstand, keinerlei Gefahr dar. Auch sind keine unerwünschten Nebenwirkungen bei Frühgeborenen und Babys bekannt, wenn diese B. lactis oral einnehmen.

Untersuchungen zeigen hingegen, dass die Gabe von Probiotika die Sterblichkeitsrate von Frühgeborenen signifikant senken kann.(5) 

B. lactis ist sehr tolerant gegenüber Gallensalzen und der Magensäure. So ist gewährleistet, dass es den Dickdarm unbeschadet erreicht, um dort zu siedeln. Untersuchungen an Kindern zeigen, dass oral verabreichte lebende B. lactis-Stämme im Kot der Probanden nachweisbar sind.(6) Das Überleben der Bakterien ist, neben den positiven Eigenschaften für unsere Gesundheit, eines der Hauptkriterien für ein Probiotikum. Denn nur ein Mikroorganismus, der die Magen-Darm-Passage übersteht, kann seine Wirkung überhaupt entfalten.

Obwohl das Bifidobakterium für seinen Stoffwechsel keinen Sauerstoff benötigt – im Dickdarm ist das für uns lebensnotwendige Molekül Mangelware – kann B. lactis auch an der Luft gut bestehen. Da sich das Bifidobakterium außerdem recht lange und unkompliziert lagern lässt und dabei auch Gefriertrocknung gut übersteht, ist es für die industrielle Lebensmittel-, ebenso wie für die Arnzeimittelindustrie von besonderer Bedeutung.

Bifidobacterium lactis in Lebensmitteln und Medikamenten

Seine oben beschriebenen Vorzüge machen B. lactis zu einem beliebten Bakterium der Industrie. Da es auch bei Säuglingen als ungefährlich gilt, wird es besonders gerne für Baby-Produkte eingesetzt. Während Säuglinge beim Stillen nämlich mit vielen Bifidobakterien versorgt werden, ist Flaschennahrung normalerweise extrem steril. Daher beobachten Wissenschaftler immer wieder, dass die Darmflora der ausschließlich mit Säuglingsnahrung gefütterten Babys deutlich von der natürlichen Darmflora anderer Kleinkinder abweicht. Und auch das Infektionsrisiko ist bei den Flaschenkindern erhöht. Probiotische Lebensmittel sollen dabei helfen, das natürliche Gleichgewicht der Darmflora von Anfang an aufzubauen.

So bietet beispielsweise Nestlé® bereits seit 1991 Säuglingsnahrung mit probiotischen B. lactis-Kulturen an. Mithilfe dieser Produkte möchte das Unternehmen den Darm von Flaschenkindern ebenso schnell mit Bifidobakterien anreichern, wie dies bei gestillten Kindern der Fall ist. Laborstudien zeigen dabei sogar, dass B. lactis bestimmte infektiöse Mikroorganismen hemmen kann, die durch unsachgemäße Zubereitung oder zu lange Lagerung der Säuglingsnahrung den Babys manchmal Probleme bereiten.(7)

Auch der Lebensmittelproduzent Danone® reichert viele Milchprodukte mit einem gut untersuchten Stamm von Bifidobakterium animalis subsp. lactis (mit dem Stammnamen DN 173 010) an. Eine groß angelegte Studie bescheinigt dem Produkt eine positive Wirkung auf die Verdauung.(8)

Das dänische Biotechnologie-Unternehmen Chr. Hansen arbeitet ebenfalls mit einem gut erforschten B. lactis-Stamm, der dort unter dem Namen BB-12 vermarktet wird. Aber auch weitere Milchprodukte, Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel sind mit lebenden B. lactis-Kulturen angereichert.

Bifidobacterium lactis schützt Kinder vor bakteriellen Infektionen

Langzeitstudien an Kindern zeigen, dass B. lactis auch bei einer durchschnittlichen Einnahmedauer von sieben Monaten keine unerwünschten Nebenwirkungen zur Folge hat. Stattdessen klagen die Kinder sogar seltener über Koliken und Bauchweh. Da die Probanden außerdem seltener Antibiotika einnehmen mussten als die Kinder, die ein Placebo erhielten, scheint das Bifidobakterium vor Infektionen zu schützen oder diese abzuschwächen.(9) 

Bei regelmäßigem Verzehr senkt B. lactis sowohl die Dauer als auch die Häufigkeit akuter Durchfallerkrankungen bei Kindern. Zu diesem Schluss kommen auch mehrere Studien, die an gesunden bzw. chronisch kranken Probanden durchgeführt wurde.(10)

Die Einnahme von Antibiotika führt nicht selten zu damit verbundenen Durchfällen. Denn durch die Medikamente werden auch Bakterien der Darmflora getötet oder am Wachstum gehemmt. Gerade bei Säuglingen und Kleinkindern kann eine Diarrhö durch den hohen Wasserverlust aber schnell gefährlich werden. Untersuchungen zeigen, dass die Einnahme lebender B. lactis-Kulturen ab dem Zeitpunkt der Antibiotika-Gabe zu einem stark verminderten Risiko für assoziierte Durchfälle führt.(11) 

Untersuchungen an Kindern weisen außerdem darauf hin, dass B. lactis sich besser im Darm ansiedeln kann, wenn gleichzeitig Milchprodukte auf dem Speiseplan stehen. Bei Sojanahrung hingegen konnte in Versuchen nur bei etwa 40 Prozent der Kinder das Bakterium im Stuhl nachgewiesen werden. Auch ist eine proteinarme Kost günstiger für das Wachstum von Bifidobacterium lactis. Wird B. lactis als Probiotikum verabreicht, so siedelt es sich nur vorübergehend im Darm an. Eine regelmäßige Einnahme scheint als nötig, um die positiven Effekte des Bifidobakteriums dauerhaft zu erzielen. Auf der anderen Seite beeinflusst B. lactis die Darmflora positiv, so dass sich dort nachhaltig ein gesundes Gleichgewicht einstellen kann.

Eine Verlangsamung der Darmtätigkeit kann zu Völlegefühlen und Blähungen, zur Bildung giftiger Substanzen und zu Verstopfung führen. Daher gilt es allgemein als positiv, wenn sich der Kot nicht zu lange im Darm befindet. Das Bakterium hilft dabei, die Dauer, die der Verdauungsbrei im Darm verbringt, zu verkürzen. Dies zeigen Studien an gesunden Frauen.(12)

Diese Wirkung von B. lactis wird durch eine Studie bekräftigt, die an Personen mit Reizdarm und Verstopfung durchgeführt wurde. Hier konnte die Einnahme des Probiotikums nicht nur die Darm-Durchquerung verbessern, sondern auch die Symptome lindern.(13)

Untersuchungen an 58 Erwachsenen zeigen außerdem, dass B. lactis den Cholesterinspiegel im Blut senken kann.(14)

Obwohl die Wirksamkeit von B. lactis als Probiotikum sicherlich unumstritten ist, so muss dennoch erwähnt werden, dass viele der hier genannten Forschergruppen im Auftrag der Lebensmittel- und Pharmaunternehmen aktiv sind. Es ist also fraglich, wie neutral die Wissenschaftler die Resultate wirklich bewerten. Die hier aufgeführten Artikel wurden aber alle in angesehenen Fachzeitschriften veröffentlicht, so dass man wahrscheinlich davon ausgehen kann, dass die Ergebnisse wissenschaftlich fundiert sind.

 

1)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17229535

2)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18552710

3)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11069570

4)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16011513

5)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19707025

6)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9706796

7)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18503543

8)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19236549

9)  www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14749232

10) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15076628

11) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15815206

12) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11876714

13) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18801055

14) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21296446