Fettsäuren: Bedeutung, Vorkommen und Nutzen
Fettsäuren sind Bestandteile von Fetten und Ölen.
Aber was sind Fettsäuren genau?
Achtung: jetzt wird es "chemisch". Aber zu einer vollständigen Informationsseite gehört sowas - meiner Meinung
nach...
Also: Fettsäuren sind biochemische Verbindungen einer Kohlenwasserstoffkette, die meist unverzweigt ist, mit
einer –COOH Gruppe (Carboxygruppe), die den organischen Säurecharakter ausmacht. Sie zählen zu den Lipiden.
Die Kettenlänge der Fettsäuren wird durch die Anzahl der C-Atome bestimmt:
- "Niedere Fettsäuren" enthalten bis zu sieben C-Atome,
- "mittlere Fettsäuren" acht bis zwölf und
- "höhere Fettsäuren" dreizehn und mehr C-Atome.
Ein weiteres Unterscheidungskriterium für Fettsäuren ist die Zahl der Doppelbindungen zwischen diesen
C-Atomen.
Natürlich vorkommende Fettsäuren besitzen eine gerade Zahl von Kohlenstoffatomen, und ihre Ketten sind
unverzweigt.
Die Buttersäure ist die einfachste natürliche Fettsäure mit vier C-Atomen. Sie entsteht im Dickdarm durch den
Abbau von präbiotischen Kohlehydraten durch Darmbakterien. Durch den Aufbau der Buttersäure sinkt der pH-Wert im
Darm und verschlechtert die Lebensbedingungen von Salmonellen und anderen krankmachenden Keimen. Die Säure
beeinflusst die Darmmotilität (Darmbewegung) und ist auch eine Energiequelle für die Epithelzellen des
Dickdarms.
Fettsäuren, die Doppelbindungen zwischen ihren Kohlenstoffatomen aufweisen, werden als ungesättigte
Fettsäuren bezeichnet. Mehrfach ungesättigt werden die Fettsäuren genannt, die zwei und mehrere
Doppelbindungen aufweisen. Aufgrund der chemischen Konfiguration gibt es mehr als 400 verschiedene Variationen der
Fettsäuren-Grundstruktur, aber nur etwa 10 treten wirklich gehäuft auf. Für die menschliche Gesundheit unabdingbar
sind die mehrfach ungesättigten Fettsäuren - davon haben Sie vielleicht schon einmal gehört. Dazu aber weiter unten
mehr.
Ein weiterer Begriff ist der der essentiellen Fettsäure. Dies sind Fettsäuren, die der
Organismus selbst nicht herstellen kann. Alle Fettsäuren, die mindestens eine Doppelbindung distal vom neunten
C-Atom besitzen, sind für den menschlichen Organismus essentiell.

Fettsäurestoffwechsel
Fettsäuren werden in Form von Triglyceriden im Fettgewebe gespeichert. Die Fettspeicher können geleert werden
durch den Einsatz von Katecholaminen, Glucagon oder ACTH, die eine Lipolyse einleiten.
Die daraufhin entstehenden freien Fettsäuren werden über den Blutkreislauf zu den Zielzellen transportiert. Dort
werden sie an das Coenzym A gebunden, ein Vorgang der ATP verbraucht.
In weiteren Zwischenschritten wird die gebundene Fettsäure in die Mitochondrien transportiert.
Hier wird die Fettsäure oxidiert zu Acetyl-CoA, das im Citratzyklus zum Einsatz kommt, um ATP zu gewinnen.
In langen und extremen Hungerperioden jedoch erfolgt eine Metabolisierung der Fettsäuren zu Ketonkörpern, die
mitverantwortlich sind für eine Übersäuerung des Organismus (Ketoazidose).
Intrazelluläre Peroxisomen verwerten ebenfalls Fettsäuren. Besonders die langkettigen Fettsäuren werden hier
verkürzt und zur Weiterverwertung an die Mitochondrien weitergereicht. Eine Fehlfunktion in diesem Bereich führt
zur Einlagerung von langkettigen Fettsäuren in die Nebennierenrinde, der weißen Gehirnsubstanz und generell in
Zellmembranen. Die damit verbundene Veränderung der Membranstruktur des Myelins wird als Ursache für eine oft
beobachtete Demyelisierung von Nervenzellverbänden angesehen. Resultat ist eine eingeschränkte Leitung von
Nervimpulsen und damit ein geistiger und motorischer Verfall des Betroffenen. Die Erkrankung ist eine x-chromosomal
rezessiv vererbte Anomalie, die meist bei Männern auftritt. Sie wird Adrenoleukodystrophie (X-ALD) oder
Addison-Schilder-Syndrom genannt.
Physiologische Bedeutung von Fettsäuren
Alle Fettsäuren, gesättigte und ungesättigte, sind von Bedeutung als Energielieferant. Sie unterstützen das
Immunsystem und verhindern Depressionen.
Ungesättigte Fettsäuren sind inzwischen dafür bekannt, dass sie das Risiko für koronare
Herzerkrankungen signifikant senken. Ungesättigte trans-Fettsäuren zeigen einen ungünstigen Einfluss auf den
Cholesterinspiegel, ohne dabei das Infarktrisiko zu erhöhen.
Omega-6-Fettsäuren, wie Linolsäure, und Omega-3-Fettsäuren sind
essentielle Fettsäuren.
Linolsäure kommt in Sonnenblumenöl, Sojaöl, Maiskeimöl, Leinöl, Hanföl etc. in hohen
Konzentrationen von bis zu 70 Prozent vor. Die essentiellen Fettsäuren sind wichtige Blutfett- und Cholesterinspiegelsenker. Sie spielen eine bedeutsame Rolle beim Aufbau aller
Zellmembranen.
Zu den wichtigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren zählen Omega-3-Fettsäuren und die Omega-6-Fettsäuren. Diese müssen in
ausreichender Menge über die Nahrung zugeführt werden, was sich bei den Omega-3-Fettsäuren oft als schwierig
erweist. Sie sind v.a. in fettem Seefisch wie Lachs oder Makrele enthalten, die leider nicht oft genug auf unserem
Speiseplan stehen.
Omega-6-Fettsäuren finden sich vor allem in pflanzlichen Ölen wie Sonnenblumenöl, Weizenkeimöl oder auch in
Pflanzen- und Diätmargarine.
Ernährungsphysiologisch besitzt das Verhältnis von Omega-3- zu
Omega-6-Fettsäuren eine besondere Bedeutung, nicht die absolute Menge ist entscheidend.
Mit unserer heutigen Ernährung erreichen wir ein durchschnittliches Verhältnis von Omega-3- zu
Omega-6-Fettsäuren von etwa 1:20-25. Auf Dauer sollte jedoch ein Verhältnis Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren von 1:5
angestrebt werden.
Warum?
Besonders die Omega-6-Fettsäure wird über die Arachidonsäure zu entzündungsfördernden
Prostaglandinen (Serie 2) metabolisiert, die Omega-3-Fettsäuren dagegen zu entzündungshemmenden
Prostaglandinen (Serie 1).
Eine Erhöhung der Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren und eine gleichzeitige Reduktion von Omega-6-Fettsäuren kann
sich positiv auf die Gesundheit und Gesunderhaltung auswirken.
Empfehlungen für die Zufuhr von Fettsäuren
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 30 Prozent des Energiebedarfs über Fette abzudecken. Etwa 10
Prozent dieser Fette sollten gesättigte Fettsäuren sein, ca. 13 Prozent einfach gesättigte Fettsäuren und der
überwiegende Rest mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Eine Minimierung der Herzkreislauf Erkrankungen wird erreicht
durch ein Verhältnis von 5:1 für Omega-6-Fettsäuren gegenüber Omega-3-Fettsäuren.
Für einen heranwachsenden Fetus sind laut Professor Koleztko (Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit)
langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren besonders wichtig. Insbesondere sind dies Arachidonsäure
(Omega-6-Fettsäure) und die Docosahexaensäure (Omega-3-Fettsäure). Diese
sind in besonderem Maße in fetten Seefischen, wie dem Hering, der Makrele und dem Lachs zu finden.
Einige Fettsäuren sind giftig für den menschlichen Organismus. Verdorbene Öle bilden substituierte Fettsäuren
mit Keto- und Hydroxygruppen aus, die das betroffene Öl nicht nur ungenießbar machen, sondern auch ein gewisses
toxisches Potential mit sich bringen. Rizinusöl enthält eine solche substituierte Fettsäure, die Ricinolsäure, zu
80 Prozent. Bei geringeren Dosen wirkt das Öl abführend, in höheren Dosen dagegen ist es toxisch (giftig).
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