Lactobacillus rhamnosus
Die Milchsäurebakterien-Art Lactobacillus rhamnosus unterstützt, als natürlicher Bewohner des menschlichen
Darmes, die Verdauung von Nahrungsbestandteilen und die Abwehr vor gefährlichen Mikroorganismen. Das
Milchsäurebakterium hemmt außerdem im Urogenitalsystem (Harn- und Geschlechtsapparat) das Wachstum von
Krankheitserregern und scheint bei Kindern vor Infektionen der Atemwege zu schützen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11387176). Aufgrund seiner positiven
Wirkung, unter anderem bei Durchfallerkrankungen, wird L. rhamnosus häufig als Probiotikum
in Arzneistoffen und Lebensmitteln eingesetzt.

Lebensweise von L. rhamnosus
Das Milchsäurebakterium L. rhamnosus kommt zwar in unserem Darm vor, allerdings ist es kein „ständiger Bewohner“
unseres Verdauungstrakts, sondern tritt dort nur vorrübergehend auf. Dies konnte anhand regelmäßiger Stuhlproben
von Probanden nachgewiesen werden (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11375166).
Normalerweise ist Lactobacillus rhamnosus ein ungefährlicher und hilfreicher Bewohner des menschlichen Darmes.
Allerdings können Lactobacillus rhamnosus-Stämme in einzelnen Fällen eine Entzündung der Herzinnenhaut
(Endokarditis) hervorrufen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11545575).
Mausmodelle zeigen aber, dass (mögliche) probitoische L. rhamnosus-Stämme selbst unter Laborbedingungen eine
wesentlich geringere Infektionsrate aufweisen als bekannte Endokarditis-auslösende Milchsäurebakterien (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17644707).
Lactobacillus rhamnosus kann auch in sehr saurem Milieu überleben, so dass das Milchsäurebakterium den extremen
Bedingungen im Darm standhalten kann. Auch Gallenflüssigkeit schadet dem Bakterium nicht (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21078892). L. rhamnosus gilt insgesamt als sehr widerstandsfähig.
Darüber hinaus produziert das Bakterium vergleichsweise viel Milchsäure, weshalb es gerne in der
Lebensmittelindustrie genutzt wird.
Lebensmittel und Probiotika
Lactobacillus rhamnosus zählt zu den Milchsäurebakterien,
die bei der spontanen Säuerung vieler Lebensmittel, etwa Sauerkraut, Joghurt, Kefir oder Sauerteig, eine Rolle
spielen.
Sowohl seine besonderen Eigenschaften gegenüber Krankheitserregern als auch die hohe Widerstandsfähigkeit
gegenüber Säuren macht Lactobacillus rhamnosus darüber hinaus zu einem beliebten Kulturstamm für probiotische
Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente.
Aufgrund der oben bereits beschriebenen selten vorkommenden Infektionen durch Lactobacillus rhamnosus-Stämme,
müssen diese in Deutschland bei der Nutzung für probiotische Lebensmittel immer einer stammspezifischen
Identifizierung und Unbedenklichkeitsprüfung unterzogen werden (www.bfr.bund.de/cm/208/gesundheitliche_bewertung
_isolierter_bakterienst_mme_als_konzentrierte_probiotische.pdf).
Lactobacillus rhamnosus hilft bei Durchfall und Atemwegserkrankungen
Das Milchsäurebakterium L. rhamnosus kann bei verschiedenen Durchfallerkrankungen hilfreich sein. Die von dem
Bakterium produziert Milchsäure hemmt dabei ebenso wie das zellschädigende Stoffwechselprodukt Wasserstoffperoxid
das Wachstum anderer Mikroorganismen. Außerdem ist von L. rhamnosus – ebenso wie von vielen anderen Bakterienarten
– bekannt, dass es unterschiedliche Bacteriocine produziert, um Nahrungskonkurrenten an der Vermehrung zu hindern.
Auf diese Weise schützt es aber nicht nur sich, sondern ebenso den menschlichen Darm vor gefährlichen
Krankheitserregern.
So berichten viele wissenschaftliche Texte von positiven Wirkungen probiotischer Lebensmittel und Medikamente,
die lebende L. rhamnosus-Kulturen enthalten, sowohl bei an Diarrhö erkrankten Kindern als auch bei
Erwachsenen. L. rhamnosus senkt beispielsweise die Durchfallerkrankungsrate (häufige Nebenwirkung der
Medikamente) bei Patienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17895895). Mehrere groß angelegte
Studien zeigen, dass Probiotika, die Lactobacillus rhamnosus enthalten, Kinder vor einer
Infektion mit Rotaviren schützen können (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17690340). Diese Viren lösen
schwerwiegenden Durchfall aus, der vor allem in ärmeren Ländern, aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung,
oft zum Tode führt.
Kinder, die regelmäßig probiotischen Joghurt mit lebenden Lactobacillus rhamnosus GG-Kulturen zu sich nehmen,
scheinen nicht nur seltener an Diarrhö zu erkranken, sondern auch weniger Atemwegsinfektionen aufzuweisen. Zu
diesem Ergebnis kam eine Studie, die drei Monate lang insgesamt 281 Kinder in Tagesstätten untersuchten
(www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19896252).
Besondere Beachtung unter Medizinern erlangte der 1983 isolierte Kulturstamm Lactobacillus rhamnosus GG.
Schließlich gelang es mithilfe eines probiotischen Joghurts erstmals, Patienten, die von dem gefürchteten
Krankenhauskeim VRE (Vancomycinresistente Enterokokken) befallen waren, hiervon zu befreien (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17484706).
Lactobacillus rhamnosus kann bei Kleinkindern vor Hautausschlag und Ekzemen schützen. Bei einer Studie erhielten
Säuglinge, die ein erhöhtes Allergierisiko aufwiesen, in ihren ersten Lebensmonaten täglich L. rhamnosus-Kulturen.
Auch die Mütter nahmen die Probiotika während der Schwangerschaft und den ersten sechs Monaten des Stillens ein. Es
zeigte sich, dass hierdurch das Risiko für die Bildung von Ekzemen bei den Kleinkindern stark gesenkt werden
konnte.
Die Neigung zu allergischen Reaktionen (Atopie) konnte hingegen nicht vermindert werden (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18762327). Nehmen nur die schwangeren
Mütter lebende L. rhamnosus-Kulturen ein, ohne dass auch die Kinder Probiotika bekommen, so verhindert dies keine
Ekzembildung bei den Nachkommen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21121927). Hieraus schließen die
Wissenschaftler, dass Komponenten für den Schutz vor Hautausschlag nötig sind, die erst nach der Geburt wirken
können.
Auch helfen die probiotischen Kulturen nur bei Kindern vor den Ekzemen, während bei Jugendlichen und jungen
Erwachsenen keine Heilwirkung zu erkennen ist (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11906339). Es scheinen also noch
nicht näher erforschte Mechanismen für diesen Schutz verantwortlich zu sein, die lediglich in der Entwicklungsphase
der Darmflora wirken.
L. rhamnosus schützt mit seinen Stoffwechselprodukten das menschliche Urogenitalsystem vor Krankheitserregern.
Auch Probiotika mit den Milchsäurebakterien scheinen sich positiv auf den Harn- und Geschlechtsapparat auszuwirken.
Zwar sind viele der Untersuchungen an einer recht kleinen Probandengruppe durchgeführt worden, doch zeigt sich hier
vor allem bei bakteriellen Entzündungen der Scheide (Vaginosis) durch Lactobacillus rhamnosus eine deutliche
Besserung der Symptome (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19567343).

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