Lactobacillus reuteri
Das Milchsäurebakterium L.
reuteri kommt im Darm von Säugetieren und Vögeln vor, ist aber auch in vielen fermentierten
Lebensmitteln, vor allem in Fleisch und Milchprodukten zu finden. Das Milchsäurebakterium ist nach Gerhard
Reuter, der es in den 1960er Jahren erstmals aus menschlichen Stuhlproben isolierte, benannt worden. Es
produziert die Substanz Reuterin, die eine Vielzahl gefährlicher Bakterien, Hefen und Pilze am Wachstum hindert
(www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2751282).
Auf diese Weise schützt sich L. reuteri vor Nahrungskonkurrenten, hemmt aber gleichzeitig einen Befall unseres
Verdauungstrakts durch Krankheitskeime. Nützliche Bewohner des Darmes (L. reuteri und andere Milchsäurebakterien) können hingegen die übliche Reuterin-Dosis gut
überstehen. Untersuchungen zeigen, dass vor allem krankheitserregende E. Coli-Bakterien im Darm durch Reuterin
gehemmt werden (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18028400).

Da es im Kot von fast allen untersuchten Säugern nachgewiesen werden kann, gilt L. reuteri als eine der
universellsten Bakterienarten der natürlichen Darmflora. Interessant ist dabei, dass der Verdauungstrakt jeder
Tierart einen ganz spezifischen Lactobacillus reuteri-Stamm aufzuweisen scheint. So unterscheidet sich das
Erbgut der untersuchten L. reuteri-Zellen aus Schweinen stark von dem Erbgut der Laktobazillen aus Ratten. Innerhalb einer Art kommt es hingegen kaum
zu Variationen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1325752).
Dies weist darauf hin, dass das Milchsäurebakterium sehr
genau an den jeweiligen Wirt angepasst sein muss und es zwischen den beiden Organismen höchstwahrscheinlich
zu besonders spezifischen Wechselwirkungen kommt.
Das Milchsäurebakterium überlebt die Magen- und Gallensäure, so dass es über die Nahrung bis in den Darm gelangen
kann, um sich dort anzusiedeln. Es ist nicht nur im Verdauungstrakt vorhanden, sondern kommt ebenso in der
Muttermilch vor, um auf diese Weise schnell und effizient den Darm eines Säuglings zu besiedeln. Eine gezielte
Einnahme lebender L. reuteri-Kulturen erhöht gleichfalls die Zellzahl dieser Milchsäurebakterien in der
Muttermilch.
Untersuchungen haben gezeigt, dass die orale Aufnahme von L. reuteri die Zahl dieser Milchsäurebakterien im Darm
sehr schnell stark erhöht. Wird die gezielte Zufuhr großer Mengen von L. reuteri aber gestoppt, so reduziert sich
die Zellzahl im Darm nach einigen Monaten wieder auf einen ähnlichen Wert wie vor der Einnahme.
L. reuteri gilt als ein sehr verträgliches und sicheres Bakterium. Probiotika mit
lebenden Lactobacillus reuteri-Kulturen wurden an Kleinkindern und Säuglingen, an gesunden Erwachsenen und an
HIV-Patienten getestet. Während einige Personen nach der Einnahme über leichte Blähungen klagten, kam es teilweise
bei den HIV-Patienten zu Übelkeit und Brechreiz. Weitere Nebenwirkungen wurden nicht beobachtet.
L. reuteri in Lebensmitteln
Wie bereits beschrieben, zählt das Milchsäurebakterium
zu den universell vorkommenden Laktobazillen. So ist es in vielen Milchprodukten natürlicherweise vorhanden. Soll
die Milch, etwa bei der Produktion von Joghurt oder Käse, vergoren werden, so muss L. reuteri nicht extra zugesetzt
werden.
Aufgrund der zahlreichen, wissenschaftlich erwiesenen Vorzüge für die Gesundheit, enthalten verschiedene
Probiotika Lactobacillus reuteri. Viele unterschiedliche Stämme sind bekannt, die sich positiv auf die Darm- und
Mundflora sowie auf das Immunsystem auswirken. In probiotischen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln
werden beispielsweise L. reuteri DSM 12246, L. reuteri SD2112 und L. reuteri RC-14 eingesetzt, deren
Wirksamkeit und Unbedenklichkeit jeweils gut untersucht sind.
Lactobacillus reuteri findet auch in der Tierzucht immer mehr Verwendung. So zeigen Studien, dass das
Milchsäurebakterium das Wachstum und die Gewichtszunahme von Puten in konventioneller, für die Tiere sehr
stressiger Haltung verbessert. Eine Untersuchung an Schweinen deutet sogar darauf hin, dass die Gabe von L. reuteri
sich ebenso positiv auf das Gewicht auswirkt, wie die Verabreichung von Antibiotika. Möglicherweise hilft das
Milchsäurebakterium vor allem dabei, die Futtermittel besser
zu verwerten. Viele Forscher gehen allerdings davon aus, dass es die Tiere außerdem vor den Krankheitserregern
schützt, die bei einer Massentierhaltung in sehr großer Menge auftreten. Möglicherweise sind die Tiere durch L.
reuteri seltener krank und können dementsprechend schneller wachsen und gedeihen.
L. reuteri hilft bei Dreimonatskoliken, Zahnfleischentzündungen und Durchfall
L. reuteri scheint unsere Gesundheit allgemein positiv zu beeinflussen. So fanden Wissenschaftler heraus, dass
Säuglinge, die Probiotika mit den Milchsäurebakterien erhielten, weniger krank und seltener beim Arzt waren als
Kleinkinder, die ein Placebo beziehungsweise das Probiotikum Bifidobacterium lactis erhielten (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15629974).
Untersuchungen an Erwachsenen kommen zu ähnlichen Ergebnissen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16274475).
Wenn Neugeborene an den so genannten Dreimonatskoliken leiden, sind Eltern oft hilflos. Ablenkungsmanöver und
Beruhigungsversuche schlagen bei den Schreiattacken oft ebenso fehl wie die Gabe von Anti-Gas-Mitteln und anderen
Medikamenten. Zwei Studien weisen nun darauf hin, dass probiotische L. reuteri-Stämme die Bauchkrämpfe der
Säuglinge minimieren können. So zeigte sich bei gestillten Babys, die täglich das Probiotikum erhielten, eine
deutliche Verringerung der Schreiattacken gegenüber einer Placebo-Gruppe bzw. gegenüber Säuglingen, die ein
Anti-Gas-Medikament einnahmen. Bereits nach einer Woche war die mittlere tägliche Schreizeit signifikant
erniedrigt.
Nach vier Wochen sprachen sogar 95 Prozent der Kinder positiv auf L. reuteri an. Auch kam es in keinem Fall zu
unerwünschten Nebenwirkungen durch die Einnahme des Probiotikums.
Quelle: www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17200238 und
www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20713478
Das Nahrungsergänzungsmittel Dropchen® mit Lactobacillus reuteri-Kulturen wurde speziell für Säuglinge und
Kleinkinder entwickelt, um dabei zu helfen, eine gesunde Darmflora aufzubauen, das Immunsystem zu unterstützen und
die Dreimonatskoliken zu verhindern.
Lactobacillus reuteri hilft ebenso wirkungsvoll bei Zahnfleischentzündungen, Parodontose und Zahnbelag
(www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16878680).
Die Laktobazillen scheinen die Bakterien, die für die
Entzündungen des Zahnbettes und für die Entstehung von Karies verantwortlich sind, sehr wirkungsvoll zu hemmen. Die
regelmäßige Einnahme der Probiotika führt außerdem dazu, dass sich die Mikroflora im Mundraum deutlich verbessert.
L. reuteri ist das bisher einzige Milchsäurebakterium, für das bewiesen werden konnte, dass es den Karies-Erreger
Streptococcus mutans abtötet.
Eine durch Rotaviren verursachte Durchfallerkrankung gilt – aufgrund der unzureichenden medizinischen Versorgung
– besonders in ärmeren Ländern als eine häufige Todesursache, vor allem bei Kindern. Die Einnahme von Probiotika
mit L. reuteri verkürzt die Zeit bis zur Genesung signifikant gegenüber einem Placebo. Bei einer Studie stellten
die Wissenschaftler fest, dass die Wirkung Dosis-abhängig ist: Je mehr lebende L. reuteri-Zellen die kleinen
Patienten aufnehmen, desto schneller ist der Durchfall überwunden(www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9427453).
Aber auch zur Prophylaxe ist das Milchsäurebakterium empfehlenswert. Denn die regelmäßige Einnahme verringert das
Risiko, an der durch Rotaviren ausgelösten Diarrhö zu erkranken. Insgesamt weisen wissenschaftliche Tests darauf
hin, dass L. reuteri (auch im Vergleich zu vielen anderen probiotischen Bakterien) besonders effektiv vor
Darminfektionen schützt.
Das Bakterium Helicobacter pylori ist für viele Magenerkrankungen, etwa Magengeschwüre oder Typ B-Gastritis,
verantwortlich. Studien weisen darauf hin, dass Lactobacillus reuteri eine Infektion eindämmen kann. Allerdings
sind die Ergebnisse widersprüchlich. So zeigt eine Studie, dass durch L. reuteri das Auftreten von H. pylori im
Verdauungstrakt zwar reduziert, allerdings nicht gänzlich unterdrückt wird (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17695792).
Bei einer anderen Untersuchung bewirkte die Gabe von Lactobacillus reuteri, in Verbindung mit dem Medikament
Omeprazol, eine deutliche Verbesserung gegenüber der alleinigen Einnahme des Arzneistoffs. Eine anschließende
Studie zeigte hingegen keinerlei Verbesserung zur traditionellen Antibiotika-Therapie durch eine zusätzliche
Einnahme von L. reuteri (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18321302).
Viele positive Wirkungen von L. reuteri konnten bisher am Menschen, aufgrund schwieriger Versuchsbedingungen,
nicht nachgewiesen werden, sind aber anhand von Tierversuchen wahrscheinlich. Wie oben beschrieben, gibt es
allerdings L. reuteri-Stämme, die sehr spezifisch für den jeweiligen Wirt sind. Daher sind diese Untersuchungen mit
den jeweils Art-typischen Stämmen gemacht worden, die in unserem Organismus normalerweise nicht siedeln. Obwohl die
Laborversuche also gute Hinweise auf die gesunden Effekte von L. reuteri geben, müssen sie abschließend durch
Studien an Menschen belegt werden.
In Mäusen bewirkt L. reuteri einen sehr guten Schutz vor Salmonellen-Infektionen und reduziert die
Sterblichkeitsrate der infizierten Tiere um die Hälfte. Gleiche Resultate liefern Untersuchungen an Hühnern und
Puten. Auch andere Infektionskrankheiten von Säugern und Vögeln werden durch L. reuteri reduziert.
Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung Colitis ulcerosa führt bei Menschen zu häufigen Durchfällen mit
schmerzhaften Darmblutungen und Bauchkrämpfen. Eine ähnliche, bei Ratten durch Essigsäure induzierte Erkrankung,
heilt durch die Behandlung mit L. reuteri ab. Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass das Milchsäurebakterium
auch für Colitis-Patienten nützlich sein kann (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8382837).
Die Zellen des Darmes sorgen dafür, dass keine Bakterien aus dem Verdauungstrakt in den Blutkreislauf gelangen.
Geschieht dies dennoch, so können durch diese so genannte Translokation die normalerweise nützlichen Bakterien zum
Beispiel eine gefährliche Blutvergiftung auslösen. Versuche an Ratten zeigen, dass die Einnahme von L. reuteri das
Risiko einer Translokation, wie sie etwa vermehrt nach akutem Leberversagen auftritt, stark verringert (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7732342).

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