Vitamin C und Demenz: Was ist an der „Ulmer Studie“ dran?
Im Jahr 2012 verfasste ich folgenden Beitrag zu einer Studie, die ich aus heutiger Sicht nochmal neu bewerten will…
Also:
Eine Studie aus Ulm brachte es an den Tag: Die Wahrscheinlichkeit, im Alter vergesslich zu werden oder sogar an Demenz zu erkranken, wird durch eine rege Einnahme von Vitamin C und Beta-Carotin gesenkt – und das anscheinend deutlich.
Allerdings sollte man damit schon zeitig anfangen, da es sich hier um einen prophylaktischen Effekt zu handeln scheint. Die anderen Power-Vitamine für eine mentale und geistige Schärfe sind Vitamin E, Lycopin und Ubichinon-10 (Coenzym Q10). Patienten mit Morbus Alzheimer weisen im Vergleich zu gesunden Menschen bei allen diesen Vitaminen einen signifikant niedrigen Spiegel auf, besonders aber bei Vitamin C und Beta-Carotin.
Aber, so vermuten die Forscher aus Ulm, können die Vitamine auch vor den milderen Symptomen von Alzheimer und Demenz schützen, wie z. B. Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme und dem allgemeinen Verlust von kognitiven Fähigkeiten. Sie entdeckten diesen Sachverhalt als sie bei 74 Alzheimer Patienten eine Blutanalyse vornahmen und deren Ergebnisse mit denen von 158 gesunden Probanden verglichen.
Die Wissenschaftler berücksichtigen dabei auch andere Faktoren, die einen möglichen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten haben können, wie Ausbildung, Alkoholgenuss, Rauchen und Gewicht. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren blieben die Vitamine bzw. deren Mangel immer noch der Hauptgrund für das Entstehen von Alzheimer und Demenz.
Quelle
Arnim et al.
Department of Neurology, Ulm University, Ulm, Germany.
Dietary antioxidants and dementia in a population-based case-control study among older people in south Germany.
J Alzheimers Dis. 2012;31(4):717-24. doi: 10.3233/JAD-2012-120634.
Soweit diese Studie. Der heutige Stand (2026) ist differenzierter. Neuere Übersichtsarbeiten und Fachgesellschaften sehen zwar Hinweise, dass eine antioxidantienreiche Ernährung günstig sein kann (sehe ich ebenso — immer noch), aber gerade für einzelne Vitaminpräparate ist die Evidenz inkonsistent. Der stärkere Effekt zeigt sich eher bei Ernährungsmustern und multidomain Ansätzen als bei der Jagd auf ein einzelnes „Demenz Vitamin“. Aber auch das war und ist eigentlich klar – vor allem wenn man solche Patienten behandelt.
Denn: Alzheimer beginnt nicht an dem Tag, an dem jemand den Haustürschlüssel verlegt. Der Prozess läuft oft über Jahre, wahrscheinlich eher Jahrzehnte. Genau deshalb lohnt sich der Blick auf Faktoren, die das Gehirn langfristig schützen könnten. Und dazu gehört sicher auch die Ernährung.
Die Ulmer Studie zeigte nicht, dass Vitamin C oder Beta Carotin Alzheimer „verhindern“ oder ein Mangel die eigentliche Ursache der Erkrankung sei. Sie zeigt einen Zusammenhang, aber keinen Beweis für Ursache und Wirkung. Das ist in der Medizin sowieso immer sehr schwer herzustellen. Denkbar ist aber, dass Betroffene generell „schlechter essen“, Nährstoffe schlechter aufnehmen oder insgesamt stärker unter oxidativem Stress stehen. Hier spielen viele Faktoren rein, über die ich ja immer wieder rede.
Trotzdem ist das Thema damit nicht erledigt. Eine neuere systematische Übersichtsarbeit mit Dosis Antwort Analyse aus prospektiven Kohorten fand 2025, dass eine höhere Zufuhr von Vitamin C über die Ernährung mit einem geringeren Alzheimer Risiko assoziiert war. Für Beta Carotin, Vitamin E sowie Vitamin C oder E als Supplemente zeigte sich dagegen kein konsistenter signifikanter Schutz. Genau da liegt der Unterschied, den man sauber benennen muss: Gemüse, Obst und insgesamt gute Ernährung sind nicht zu ersetzen. Allerdings müsste man auch beachten WELCHE Mittel an Vitamin C etc. genau gegeben wurden (Marke etc.) Dazu fand ich keine Aussage in der Studie – aber das ist ja immer ein Grundsatzproblem.
Die Alzheimer’s Association empfiehlt derzeit keine Vitamin oder Nahrungsergänzungsmittel zur Vorbeugung oder Behandlung von Demenz, weil die klinische Evidenz dafür nicht konsistent genug sei – aber das ist ja eh „klar“. Gleichzeitig wird betont, dass ausgewogene Ernährungsmuster und ein insgesamt gesunder Lebensstil für die Hirngesundheit relevanter seien als einzelne isolierte Nährstoffe. Ja… auch das könnte ich jetzt wieder breit diskutieren, spare mir das aber, sonst heißt es wieder meine Artikel seien zu lang.
Der Lancet Bericht zur Demenzprävention von 2024 und neuere Arbeiten zu MIND und mediterraner Ernährung sprechen eher für einen Verbundeffekt: gute Gefäßgesundheit, Bewegung, Blutdruckkontrolle, wenig Rauchen, gute Stoffwechsellage, soziale und geistige Aktivität sowie eine pflanzenbetonte, nährstoffreiche Kost. Klar ist auch: das Gehirn ist kein Organ, das man mit einem Einzelstoff repariert. Es lebt von Milieu, Durchblutung, Energieversorgung und Reizoffenheit.
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