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Hydroxyprolin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Die Aminosäure Hydroxyprolin (Hyp) mit der Summenformel C5H9NO3 kommt vor allem im Kollagen des Bindegewebes und im flexibel dehnbaren Elastin des menschlichen Körpers vor, in diesen beiden Proteinen allerdings zu einem recht hohen Anteil. Da es nur in wenigen Proteinen eingebaut ist, gibt es keinen genetischen Code (drei Nukleotide werden in eine spezifische Aminosäure übersetzt) für Hydroxyprolin. Es wird stattdessen erst ein Prolin in die Polypeptidkette eingebaut, das dann enzymatisch in Hydroxyprolin umgewandelt wird. Diese Reaktion wird “posttranlationale Modifikation“ genannt, weil die Abwandlung des Prolins nach der Translation, der Proteinbiosynthese, stattfindet.  

Da wir die Aminosäure also selber aus Prolin herstellen können, gilt sie als nicht-essentiell. Für die Umwandlung zu Hydroxyprolin in der Protein-Kette benötigt unser Körper Vitamin C als Coenzym. Ein Mangel an Vitamin C führt nach kurzer Zeit zu Zahnfleischproblemen und brüchigen Haaren (Skorbut). Dies lässt sich darauf zurückführen, dass das Prolin des Kollagens nicht mehr in Hydroxyprolin umgewandelt werden kann. (Gould B.S. & Woessner J.F.: Biosynthesis of collagen; the influence of ascorbic acid on the proline, hydroxyproline, glycine, and collagen content of regenerating guinea pig skin; J Biol Chem; 1957; 226(1); S. 289-300).

Ein Mangel an Hydroxyprolin resultiert daneben aus einer zu niedrigen Zufuhr von Prolin. Diese Aminosäure kann bei Störungen des Bindegewebes, des Knorpels und der Knochen supplementiert werden. Parallel dazu ist eine Medikation von Vitamin C sinnvoll. Die  Lebensmittel mit dem höchsten Prolin-Gehalt sind Erdnüsse, Hülsenfrüchte, Rind- und Schweinefleisch. Gute Lieferanten sind daneben Geflügel, Fisch, Eier und Milch.

Das Kollagen besteht zu etwa 14 Prozent aus Hydroxyprolin, die Ausgangs-Aminosäure Prolin ist ebenso wichtiger Bestandteil des Bindegewebes wie die andere Aminosäure Glycin. Dabei wirkt Hydroxyprolin stabilisierend auf die Tripelhelix (dreifache Schraubenstruktur) des Proteins (Nelson, D. L. & Cox, M. M.: Lehninger's Principles of Biochemistry, W. H. Freeman and Company; 4; 2005). Als wichtiger Bestandteil des Bindegewebes spielt Hydroxyprolin, genau wie sein Ausgangsstoff Prolin, eine entscheidende Rolle beim Gelenkaufbau, aber auch bei der Heilung von Knochen- und Knorpelentzündungen.

Hydroxyprolin kommt vor allem in Sehnen, Knorpel, Knochen und der Haut von Tieren vor. Dies machen sich Lebensmittelkontrolleure zunutze, um bei Fleisch- und Wurstwaren den Anteil des minderwertigen Bindegewebes zu dem qualitativ hochwertigen reinen Muskelfleisch zu testen, das selber kein Hydroxyprolin enthält (Benger H. et al.: Genauigkeit der Bestimmung von 4-Hydroxyprolin in Fleisch-und Wurstwaren; Springer Verlag; 139; 4; 1969; S. 201-204).

Ein erhöhter Hydroxyprolin-Wert im Harn eines Menschen weist auf einen verstärkten Abbau des Kollagens hin. Dies kann etwa durch eine Funktionsstörung der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus) oder durch Tumorerkrankungen, die das Skelett betreffen, hervorgerufen werden.

Erhöhte Hydroxyprolin-Werte im Urin sind auch für Morbus Paget (Osteodystrophia deformans) symptomatisch. Die entzündliche Knochenerkrankung wird wahrscheinlich durch ein Virus ausgelöst und ist durch schwere Skelett-Verformungen beim Erwachsenen gekennzeichnet. Während akuter Krankheitsschübe setzt der Knochen große Mengen Hydroxyprolin frei.

Hydroxyprolin-Derivate werden therapeutisch zur Verbesserung des Hautbildes und der Hautstärkung eingesetzt. Die Applikation erfolgt dabei äußerlich mit einer Emulsion. Dipalmitoyl-Hydroxyprolin soll eine Regeneration der Epidermis erzielen und die Hautdicke erhöhen. Acetyl-Hydroxyprolin wird bei entzündlichen Erscheinungen im Narbengewebe angewandt. Hydroxyprolin kann zwar nicht in Kollagen und Elastin eingebaut werden, doch soll die Aminosäure die Synthese von Kollagen steigern. Darüber hinaus wird vermutet, dass Hydroxyprolin die Produktion von Ceramiden in der Haut fördert. Die Lipide sind Bestandteil der Zellmembran und kommen besonders in der Haut vor.