Omega-3-Fischöl bei Dialyse: Studie halbiert Herzereignisse

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Was wäre, wenn ein Naturstoff bei Dialysepatienten schwere Herzereignisse nahezu halbiert – und dennoch nicht als therapeutischer Fortschritt gefeiert wird? Tja.. nicht Neues. Meine Leser wissen das bereits.

Und genau das zeigt eine randomisierte, doppelblinde Multizenterstudie mit über 1.100 Dialysepatienten: 4 Gramm Fischöl täglich reduzierten Herzinfarkt, Schlaganfall, Herztod und Amputationen signifikant. Hazard Ratio 0,57. 110 verhinderte Ereignisse pro 1.000 Patienten und Jahr. Zahlen, bei denen man bei einem neuen Medikament vermutlich von einem „Meilenstein“ sprechen würde.

Doch statt Applaus folgt Skepsis. Das „Arznei-Telegramm“ greift vor allem einen Punkt auf: Die Gesamtmortalität blieb unverändert. Reicht das aus, um die gesamte Studie infrage zu stellen? Oder wird hier mit zweierlei Maß gemessen?

Diese Frage lohnt eine nüchterne, sachliche Betrachtung. Denn Dialysepatienten gehören zu den Hochrisikogruppen mit der höchsten kardiovaskulären Sterblichkeit überhaupt. Wenn in dieser Population relevante Endpunkte sinken, ist das kein Nebenaspekt, sondern klinisch bedeutsam. Gleichzeitig bleibt die Diskrepanz zwischen Ereignisreduktion und Gesamtmortalität erklärungsbedürftig.

Genau hier beginnt die eigentliche Diskussion.

Ach ja: Die folgenden Ausführungen verstehen sich als fachliche Analyse und persönliche Bewertung der vorliegenden Studiendaten.

Also: es geht wieder einmal um Omega-3-Fettsäuren. Genauer gesagt um Omega-3-Fettsäuren im Fischöl. Die Diskussion wurde angefacht durch einen Beitrag im „Arznei-Telegramm“ vom Dezember 2025. [1]

Wie der Titel verrät, ging es um den kardiovaskulären Nutzen bei Dialysepatienten. Warum diese spezifische Betrachtung? Weil Herzkreislauferkrankungen bei Dialysepatienten mit bis zu 50 % die häufigste Todesursache sind, so das „Arznei-Telegramm“.

Interessant und überraschend ist die darauf folgende Aussage:

„Für Arzneimittel, die die kardiovaskuläre Sterblichkeit bei anderen Patienten senken, ist in dieser schwerkranken und schwer therapierbaren Gruppe kein vergleichbarer Nutzen belegt.“

Wie? Statine, Betablocker, Impfungen etc., die sonst sogar Tote wieder auferstehen lassen, versagen bei diesen Patienten? Dieses Eingeständnis ist erstaunlich. Noch erstaunlicher der nächste Satz:

„So haben z.B. Statine in randomisierten Studien die Mortalität aufgrund von Herzkreislauferkrankungen bei Dialysepatienten nicht reduziert.“

Ähnliche Behauptungen hatte ich allgemein für die Statine in die Welt gesetzt: [2]

Und jetzt soll Fischöl, bzw. das in ihm enthaltene Omega-3 die Wende bringen? Hier ein paar Gedanken zur Frage, was Omega-3-Fettsäuren sind und was sie leisten: [3] [4]

So schön die Welt der Omega-3-Fettsäuren zu sein scheint, es gibt vor allem in der Schulmedizin einen gewaltigen Berg an Skepsis. Denn hier glaubt man, dass nur Medikamente einen Nutzen für den Patienten bringen: [5] [6]

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Was sagt die Dialyse-Studie?

Es handelt sich hier um eine doppelblinde Multizenterstudie, die Fischöl einsetzte und als Placebo Maisöl benutzte („Omega-3-Fettsäuregemisch mit 1,6 g Eicosapentaensäure (EPA) und 0,8 g Docosahexaensäure (DHA)“).

Insgesamt nahmen 1128 erwachsene Dialysepatienten mit einem Durchschnittsalter von 64 Jahren teil, die durchschnittlich 3,7 Jahre dialysepflichtig waren.

Es zeigte sich, dass während der Nachbeobachtungszeit von 2,3 Jahren das Fischöl den primären Endpunkt (= eine Kombination schwerwiegender kardiovaskulärer, auch rezidivierender Ereignisse, wie Myokardinfarkt, Schlaganfall, Amputation wegen peripherer Gefäßerkrankung, plötzlicher oder nicht-plötzlicher Herztod) gegenüber Placebo signifikant hatte verringern können. Genau gesagt, wurde die Zahl der Ereignisse fast halbiert. Oder: 110 verhinderte Ereignisse pro 1000 Patienten und Jahr.

Auch nach Betrachtung der sekundären Einzelereignisse konnten die Autoren eine signifikant gesenkte Ereignisrate feststellen, nämlich für Herztod, Herzinfarkt, Schlaganfall und Amputation. Allerdings hatte das alles keinen allzu großen Einfluss auf die Gesamtmortalität.

Letzteres wurde natürlich sofort von den Kritikern aufgenommen. Da wurde sofort die Plausibilität der Ergebnisse in Zweifel gezogen, weil zwar die Ereignisse des primären Endpunkts deutlich gesenkt wurden, nicht aber die Mortalität, was eigentlich eine notwendige Konsequenz hätte sein sollen.

An dieser Überlegung ist etwas dran, ohne Frage. Eine Erklärung gibt es nicht. Und die Kritiker sind ebenfalls nicht interessiert, diesen Widerspruch zu erklären. Sie sehen ihn als willkommenen Anlass, die gesamte Studie infrage zu stellen. [7]

Dieser Beitrag moniert, dass es sich bei der Reduktion der beschriebenen Ereignisse nur um eine relative Risikoreduktion handele.

Aha? Bei Fischöl ist das von Bedeutung – bei Studien zu Corona-Geninjektionen überhaupt nicht. Da wurde die relative Risikoreduktion als „Effektivität von 95 %“ verkauft. [8]

Wenn pharmazeutische Produkte derartige Studienergebnisse erzielen würden, dann würde die gesamte „Expertenwelt“ der Schulmedizin von einem ihrer beliebten „Durchbrüche“ jubeln. Unglücklicherweise trifft so ein „Durchbruch-Ergebnis“ nachgewiesenermaßen nicht auf die beliebten Statine zu. Da kann und darf dann alles andere auch nicht besser abschneiden. Und wenn es doch besser abschneidet, dann wird das Ergebnis schlecht diskutiert.

Warum das gute Ergebnis nicht in einer signifikanten Senkung der Gesamtmortalität resultiert, bleibt ein Geheimnis. Könnte es damit zu tun haben, dass auch Fischöl inzwischen nicht mehr so unbedenklich ist, wie man es von früher gewohnt war? [9]

Da würden sich Studien mit Krillöl anbieten, das deutlich weniger mit Schadstoffen belastet ist als Fischöl (Ausnahmen bestätigen in beiden Richtungen die Regel).

Auf der anderen Seite – selbst wenn aus unerfindlichen Gründen die Mortalität konstant bleibt, statt zu sinken, wäre es nicht eine Überlegung wert, Fischöl vermehrt einzusetzen, um die anderen Ereignisse zu reduzieren, ohne die Nebenwirkungen, die von Medikamenten ausgehen, die ebenfalls keine Reduktion von Mortalität nachweisen können, dafür aber durch besagte Nebenwirkungen die Lebensqualität der Patienten schmälern?

Nein, natürlich nicht. Hier wird plötzlich eine Schlussfolgerung getätigt, die für nebenwirkungsträchtige Medikamente richtig wäre, aber natürlich nicht infrage kommt. Denn das würde dem Geschäft schaden. Wie auch der Einsatz von Fischöl oder andere Formen von Omega-3-Fettsäuren Konkurrenz für das Medizingeschäft bedeutet. Und wenn dann noch gute Studienergebnisse dazu kommen, die man für die eigenen Pillchen nicht vorweisen kann, dann ist Holland in Not.

Und weil es dann noch eine Leitlinie gibt, die KDIGO (Kidney Disease Improving Global Outcomes), die sich gegen den Einsatz von Omega-3-Fettsäuren ausspricht, um Mortalität und kardiovaskuläre Ereignisse zu senken, bleibt alles beim Alten. Es sieht fast so aus, als ob Leitlinien heute bestimmen können, wann die Mortalität abnimmt und wann nicht.

Fazit

Es gibt eine randomisierte, doppelblinde klinische Studie, die zeigte, dass 4 Gramm Fischöl bei über 1100 Dialysepatienten die Zahl schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse gegenüber Placebo deutlich und signifikant (Hazard Ratio 0,57) senkt. Für jedes Medikament mit solchen Studienergebnissen gäbe es Jubelschreie im Lager der Schulmedizin. Aber Fischöl…. Bähhh, kann nicht sein, darf nicht sein. Die Mortalität geht ja nicht zurück, was bei Medizinprodukten auch gegeben ist, aber seltsamerweise kein Kriterium darstellt. Oder gab es einen Rückgang der infektionsbedingten Sterblichkeit dank der Covid-Geninjektionen? Trotzdem sprach man von einer Wirksamkeit von 95 %, obwohl die Mortalität aufgrund der monströsen Nebenwirkungen signifikant zugenommen hatte.

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Kleine Anmerkung: Die Sache mit den „5 Wundermitteln“ ist mit Abstand der beliebteste Newsletter, den meine Patienten gerne lesen…

Quellen: