Header Vitalstoffe
 

Vitamin K

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Vorkommen, Bedarf, Mangelerscheinungen

Vitamin K lässt sich aufteilen in Vitamin K1 und Vitamin K2. Der chemische Name für das Vitamin K1 ist Phyllochinon, während der für das Vitamin K2 Menachinon lautet. Beide Formen sind fettlöslich (lipophil). Für den menschlichen Organismus sind sie für die Blutgerinnung von Bedeutung und ebenso für den Knochenstoffwechsel.

Phyllochinon – Vitamin K1

Phyllochinon ist in erster Linie in Chloroplasten von Grünpflanzen zu finden und in begrenztem Maße auch in Mikroorganismen. Es stellt einen natürlichen Bestandteil des Photosyntheseapparates dar. Hier dient es als Elektronencarrier in der Elektronenübertragungskette der Pflanzenzelle. Bei Raumtemperatur liegt es in Form einer viskosen Flüssigkeit vor.

Bei dem Namen „Vitamin K1“ handelt es sich um eine triviale Bezeichnung, die uns geläufiger sein sollte als der chemische Name, der 2-Methyl-3-phytyl-1,4-naphthochinon lautet. In der Literatur taucht auch der Name „α-Phyllochinon“ auf. Die Bezeichnung „Phyllochinon“ entstammt dem Wort Phyllos = Blatt. Der Buchstabe „K“ fand Einzug in die Namensgebung nachdem der dänische Wissenschaftler Henrik Dam 1935 eine Substanz aus Luzerne-Blättern isolierte, die sich als fettlöslich erwies und einen Einfluss auf die Blutgerinnung („K“oagulation) zeigte. So wurde diese Substanz Vitamin K genannt. Biochemisch gesehen handelt es sich hier um ein Terpenoid.

Bei Terpenoiden handelt es sich um Naturstoffe bzw. verwandte organische Verbindungen, die sich von Isopren ableiten lassen. Isopren bildet das Grundgerüst für Terpene und Terpenoide ohne selbst zu dieser Klasse zugehörig zu sein. Terpenoide unterscheiden sich von Terpenen durch funktionelle Gruppen, während Terpene reine Kohlenwasserstoffe sind. Es gibt mehr als 30.000 Terpenoide, wobei jede Pflanze ihr charakteristisches Terpenoid besitzt. Dies erlaubt eine Bestimmung von Pflanzen auf Basis der in ihr gefundenen Terpenoide. Eine Reihe von Terpenoiden besitzt einen hohen gesundheitlichen Wert für den Menschen mit einer Vielfalt an gesundheitsfördernden Funktionen, was sich besonders bei den Heilpilzen hat zeigen können. Vitamin K ist ein weiteres Beispiel für die Wichtigkeit dieser Substanzklasse für den menschlichen Organismus.

Physiologie

Zur Resorption des Vitamins ist unbedingt Gallensäure notwendig. Dies ist bedingt durch seine stark lipophilen Eigenschaften. Eine Resorptionssteigerung lässt sich von daher durch eine zeitgleiche Einnahme von Fetten erzielen. Dies steigert die Resorptionsrate auf fast 80 Prozent. Nach erfolgter Resorption gelangt das Vitamin in die Leber, Nieren und das Knochenmark und kann hier fast 2 Wochen gespeichert werden. Seine Ausscheidung erfolgt über die Galle und zu einem geringen Teil über die Niere.

In der Leber beteiligt sich das Vitamin an der Herstellung verschiedener Blutgerinnungsfaktoren, z.B. Prothrombin. Prothrombin ist eines der Proteine, die für die Blutgerinnung von wesentlicher Bedeutung sind. Die Substanz wird kontinuierlich ins Blut abgegeben, um im Fall einer Verletzung zur Verfügung zu stehen. In einem solchen Fall erfolgt dann die Umwandlung von Prothrombin in Thrombin am Ort der Verletzung. Thrombin selbst kommt im Blut in nur sehr geringen Konzentrationen vor.

Vitamin K ist weitestgehend hitzebeständig. Damit kommt es beim Kochen, besonders beim Garen zu fast keinem Verlust. Das Vitamin ist allerdings lichtempfindlich. Hier verliert es schnell an Bioverfügbarkeit durch Inaktivierung.

Vorkommen und Bedarf

Vitamin K1 ist vorzugsweise in den Membranen der Chloroplasten von grünen Pflanzen zu finden. Im Organismus wird es in Leber, Niere, Milz und Knochenmark kurzfristig gespeichert. Pflanzen, die besonders reich an Vitamin K1 sind, sind im wesentlichen die grünen Gemüsesorten wie Grünkohl, Rosenkohl, Spinat, grüne Tomaten, Broccoli usw. Aber auch grüner Tee, Kartoffeln, Hagebutten, Salate, Milch, Muskelfleisch enthalten ausreichende Mengen des Vitamins. Allerdings kann der Gehalt mit der Jahreszeit unterschiedlich hoch ausfallen.

Die empfohlene Tagesdosis von ca. 65 µg(1 µg = 0,001 mg) ist leicht zu erreichen durch den Verzehr von...
... 15 g Schnittlauch, oder
... 25 g Rosenkohl, oder
... 50 g Kalbsleber, oder
... 3 Eiern, oder
... 220 g Speisequark, oder
... 400 g Champignons oder
... 500 g Erdbeeren

Hier ein paar Daten zum Vitamin K1 Gehalt einiger Nahrungsmittel:

200 g Rosenkohl 1,14 mg
200 g Blumenkohl 0,60 mg
200 g Kohlrabi 1,00 mg
300 g Vollkornbrot 37 μg
30 g Müsli 15 μg
100 g Spirulina 40 bis 80 μg

Es bestehen unterschiedliche Bewertungen hinsichtlich des täglichen Vitamin K1 Bedarfs. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 65 µg für Frauen und 80 µg für Männer täglich. Da die Muttermilch nur einen geringen Vitamin K1 Gehalt aufweist, besteht die Möglichkeit einer Vitamin K1 Mangelversorgung beim Säugling. Allerdings gibt es augenscheinlich keine Daten für einen optimalen Vitamin K1 Bedarf für Säuglinge, so dass ein Ruf nach einer Prophylaxe keine (wissenschaftliche) Basis hat. In den Niederlanden z.B. bekommen Säuglinge ca. 25 µg täglich als Prophylaxe. 1 Allerdings bemerken die Autoren, dass eine ernsthafte Mangelversorgung nicht unbedingt in den niedrigen Konzentrationen in der Muttermilch zu suchen ist, sondern dass hier Cholestasen (Stau von Gallensaft) und Schwierigkeiten bei der Fettresorption die größeren Faktoren für einen Mangel darstellen.

Mangelerscheinungen (Hypovitaminose)

Da der tägliche Bedarf relativ problemlos durch eine einfache und gesunde Ernährung abgedeckt werden kann, sind Mangelerscheinungen eher die Seltenheit. Dazu kommt noch, dass das Vitamin fettlöslich ist und damit gespeichert werden kann, so dass bei einer kurzfristigen Mangelzufuhr noch genug Reserven in den Speichern vorliegen. Bei Leber-, Magen- und Darmerkrankungen allerdings kann es zu Resorptionsdefiziten kommen, die dann für einen Vitamin Mangel verantwortlich sind. Wie bereits weiter oben erwähnt, können Staus von Gallensekreten (z.B. bei Gallengangsverschluss) nicht nur beim Säugling für ein Resorptionsdefizit sorgen, da der Gallensaft für eine funktionierende Vitamin Resorption unerlässlich ist.

Ein Vitamin K1 Mangel geht einher mit einer herabgesetzten Blutgerinnung. Diese kann bei Säuglingen zu Hirnblutungen führen. Beim Erwachsenen kann es zu Blutungen in verschiedenen Organen kommen, z.B. im Magen-Darm-Trakt, der Muskulatur, den Schleimhäuten (besonders in der Nase) etc.

Überdosierung (Hypervitaminose)

Vitamin K1 hat keinerlei toxische Wirkung. Selbst eine 500-fache „Überdosierung“ zeitigte keinerlei Nebenwirkungen. Eine Injektion mit hohen Dosen von Vitamin K1 kann allerdings zu allergischen Reaktionen führen. Es können auch Veränderungen im Blutbild auftreten. Ein zu hoher Vitamin K1 Gehalt bedingt durch einen Gendefekt kann die Thromboseneigung fördern.

Antagonisten

Verdorbener Klee enthält eine hohe Konzentration an Dicumarol, einem potenten Antagonisten des Vitamin K1. Dies führt bei Rindern, die einen solchen Klee verzehren, zu lebensgefährlichen Blutungen. Ein weiterer Antagonist ist das Warfarin, dass als Rattengift eingesetzt wird. Für therapeutische Zwecke, bei starker Thromboseneigung z.B., kommt Phenprocoumon (Marcumar), ein Wirkstoff der Coumarin-Klasse, als Vitamin K1 Antagonist zum Einsatz.

Menachinon - Vitamin K2

Menachinon ist ebenfalls ein fettlösliches Vitamin und gehört zur Gruppe der Phyllochinon-ähnlichen Substanzen. Aus historischen Gründen wird es zusammen mit Phyllochinon als Vitamin K bezeichnet. Im Gegensatz zu Phyllochinon, das in den Chloroplasten der Grünpflanzen vornehmlich vorkommt, wird Menachinon durch die Bakterien der Darmflora produziert. Die Produktion seitens der Bakterien ist in einem gesunden Organismus so ergiebig, dass etwa 50 Prozent des täglichen Vitamin K Bedarfs erzeugt werden können. Außerhalb des Darms kommt Menachinon in Natto (siehe auch Nattokinase) vor. Hier handelt es sich um eine japanische Speise, die aus fermentiertem Soja besteht. Hier hat der Fermentierungsprozess (der bakteriell abläuft), für eine Vitamin K2 Produktion außerhalb des Darms gesorgt. Das Wirkspektrum von Vitamin K2 ist mit dem des Vitamin K1 nicht ganz vergleichbar.

Beide Formen, Vitamin K1 und K2, sind in etwa gleichem Maße an der Synthese von Blutgerinnungsfaktoren beteiligt. Grund für diese Vermutung liegt in der Tatsache, dass Gerinnungshemmer, wie zum Beispiel Warfarin, beide Varianten von Vitamin K blockieren und damit beim Einsatz zu einer erhöhten Blutungsneigung führen.

Anders sieht es jedoch bei anderen Wirkungen seitens des Vitamins aus. Das findet bereits seinen Ausdruck in der Art und Weise, wie diese beiden Varianten für den Organismus bereitgestellt werden. Während K1, wie oben beschrieben, im grünen Blattgemüse und so weiter vorhanden ist und so über die entsprechende Nahrung zugeführt werden kann, befindet sich K2 in fettigen und fermentierten Nahrungsmitteln und wird zudem von den Darmbakterien synthetisiert.
Für die Resorption von K1 werden „Resorptionshilfen“ benötigt. Hierbei handelt es sich um die Gallensäuren und die Pankreaslipase. Mit der Hilfe eines aktiven Transports in die Mukosazellen des oberen Dünndarms als primäres „Resorptionsfenster“ für das Vitamin K1 werden hier zwischen 20 und 70 Prozent resorbiert. Das Vitamin K2 dagegen braucht keine „Resorptionshilfen“, sondern ist in der Lage, über die Diffusion die Mukosabarriere des Darms zu überwinden.

Da beide Formen fettlöslich sind, müssen sie nach der Resorption „verpackt“ werden, damit sie im Blut transportiert werden können, ohne für das System gefährlich zu werden. Wenn dies nicht der Fall wäre, dann würde unser Blut in etwa so aussehen wie die Sonntagssuppe (Wasser) mit den typischen „Fettaugen“ (in Wasser nicht lösliches Fett), das alles nur in Rot. Um dies zu vermeiden, werden die beiden Formen in den Mukosazellen des Jejunums (Bereich des Dünndarms) an Chylomikronen und andere Lipoproteine gebunden und dadurch wasserlöslich gemacht. Über die Lymphe gelangen die so entstandenen Komplexe dann in die Blutbahn und in die Leber.

Im Gegensatz zum K1 spielt das K2 für die Gesundheit der Knochen die bedeutendere Rolle: Denn das K2 ist hauptverantwortlich für die Aktivierung von Osteocalcin, einem Peptidhormon, das von den Osteoblasten synthetisiert wird. Die Aktivierung durch das Vitamin K2 erfolgt durch die γ-Carboxylierung von Glutamylresten von Osteocalcin. Erst nach der Aktivierung kann das Hormon im Knochen aktiv Kalzium einbauen und binden. Oder mit anderen Worten: Würde bei einem Menschen ein Vitamin-K1-Mangel vorliegen, aber kein K2-Mangel, dann hätte dies kaum einen Einfluss auf die Gesundheit des Knochenapparats. Umgekehrt jedoch käme es zu osteoporoseähnlichen Erscheinungen. Damit wird auch klar, dass bei der Vermeidung von Osteoporose zum Beispiel nicht nur genügend Kalzium im Organismus vorhanden sein sollte und auch ein genügend hoher Vitamin-D-Spiegel nicht ausreichen wird. Vielmehr ist mit dem Vitamin K2 ein Dritter im Bunde, ohne den es keinen gesunden Knochen geben wird.

Aber ähnlich wie das Vitamin D hat auch das Vitamin K2 mehr als nur eine Aufgabe. Denn dieses Vitamin aktiviert nicht nur Osteocalcin, sondern ist für die Aktivierung einer Reihe von weiteren Proteinen verantwortlich, die durch die Aktivitäten von Vitamin D zustande gekommen sind. Diese Proteine sind in ihrem aktivierten Zustand für die Zuführung von Kalzium hin zu den Knochen zuständig. Oder mit anderen Worten: Ohne die Aktivierung durch K2 sind diese Proteine nicht in der Lage, Kalzium zu binden und zu den Knochen zu transportieren. Das resorbierte Kalzium dagegen würde beziehungsweise wird „orientierungslos“ durch den Blutkreislauf geschleust und setzt sich zu schlechter Letzt an Orten ab, wo es niemand haben will. Ein „beliebter“ Ort sind zum Beispiel die Arterien selbst, was dann im Laufe der Zeit zu der allseits bekannten Arteriosklerose führt.

Ein chronischer Mangel oder auch nur partieller Mangel an Vitamin K2 ist mit einer doppelten Schädigung verbunden. Zum Einen fehlt es an Kalzium an der „Baustelle“ Knochenapparat; zum Anderen blockiert das „Baumaterial“ Kalzium die physiologischen Vorgänge an der falschen Stelle, was eine weitere Erkrankung zur Folge hat.

Und diese Erkrankungen, Osteoporose und Arteriosklerose, sind bezeichnenderweise in Ländern üblich, wo das Gesundheitswesen dafür Sorge trägt, dass es zu keinem Kalziummangel kommt, sei es in der Bewerbung von kalziumhaltigen Nahrungsmitteln oder der Anreicherung von zum Beispiel  Milch etc. mit Kalzium und so weiter.

Aber die gleichzeitige Verdammung von „gefährlichen“ Sonnenstrahlen und/oder Sonnenstudios sorgt für einen nachhaltigen Vitamin-D-Mangel, der einer Osteoporose Vorschub leistet. Mehr zum Problemkreis mit dem Vitamin D etc. beschreibe ich ausführlich in meinem Buch: Die Vitamin D Therapie.

Ein Vitamin-K2-Mangel sorgt dafür, dass das reichhaltige Kalzium aus der besonders "gesunden", angereicherten Milch in die Arterien und nicht in die Knochen befördert wird, wo es zur Popularisierung einer weiteren Volkserkrankung beiträgt... Aber...

Gibt es überhaupt einen K2 Mangel?

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gäbe es einen K2-Mangel, wenn es keine Darmbakterien gäbe, die für die Produktion von circa 50 Prozent des Tagesbedarfs sorgen. Allerdings werden nur dann 50 Prozent produziert, wenn die Darmflora intakt ist. Mit der Einnahme von Antibiotika und dem Verzehr von mit Antibiotika belasteten Fleischwaren nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, dass die gesunde Darmflora ins Wanken gerät und damit auch die Versorgung mit K2 zu wünschen übrig lässt. Eine dementsprechende Studie aus dem Jahr 1989 an Patienten mit Leukämie bestätigt diesen Zusammenhang (Dietary deficiency of phylloquinone and reduced serum levels in febrile neutropenic cancer patients). Wenn man dann noch "modern Essen" geht (d. h. Fastfood, Imbiss und so weiter), dann ist auch von dieser Seite sichergestellt, dass kein Vitamin K2 oder auch K1 in den Organismus gelangen.

Der Organismus ist zwar im begrenzten Rahmen in der Lage, K1 zu K2 umzuwandeln. Dazu muss er aber einen ausreichenden Vorrat an K1 haben. Und dieser Vorrat kommt praktisch ausschließlich aus den Nahrungsmitteln. Fehlt eine ausreichende Zufuhr an K1, dann ist auch dieser Weg blockiert.

Wie wirksam dieser Vitamin-K-Mangel ist, zeigen nicht nur die Erkrankungen, die mit dem Mangel einhergehen, sondern auch epidemiologische Untersuchungen, denen zufolge circa 50 Prozent der amerikanischen Kinder unter 5 Jahren einen solchen Mangel aufweisen. Diese Kinder haben natürlich noch keine Arteriosklerose oder Knochenschwund, da beide Erkrankungen erst nach Jahren auftreten. Aber diese Kinder sind prädestiniert für diese Erkrankungen, falls hier nicht Abhilfe erfolgt.

Tabellarische Übersicht zu den Unterschieden zwischen den Vitaminen K1 und K2

   K1  K2
Quellen, die das Vitamin enthalten Grünes Blattgemüse Käse, tierische Fette, Eigelb, Natto, Produkt von Darmbakterien
Bedeutung für die Knochengesundheit  Nur eine geringe Fähigkeit, Osteocalcin zu aktivieren  Primärer Aktivator von Osteocalin und damit hauptverantwortlich für die Fähigkeit des Organismus, stabile Knochen zu bilden 
Verweildauer im Organismus  Einige Tage Stunden bis Tage 
Wiederverwertung im Organismus  Ja – daher liegt kein hoher Bedarf vor und Mangelerscheinungen sind selten  Kann nicht wiederverwertet werden 
Die Fähigkeit, MGP (Matrix-Gla-Protein) zu aktivieren und arterielle Plaques zu reduzieren  Nur begrenzt  Besonders stark 
Gesundheitlich notwendige Mengen  65 µg, besser 90 µg  Noch nicht spezifiziert
die Angaben liegen zwischen 90 und 1000 µg
in Japan werden zur Therapie der Osteoporose täglich 45.000 µg gegeben 
Einfluss auf die Blutgerinnung  Hoch Hoch 

Interessanterweise wurden 2009 beide Vitamin-Varianten von der europäischen Aufsichtsbehörde EFSA zur „Verwendung in europäischen Lebensmittel- und Nahrungsergänzungszubereitungen zugelassen“ (Wikipedia). Menachinon-7 wurde vor allem in Veröffentlichungen zur Knochengesundheit als effektiv beschrieben (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18374202).

Vitamin K2 – Zweimal „K“ wie „Krebs-Killer“

Haben Sie schon einmal von einem medizinischen Durchbruch gehört, bei dem das Vitamin K eine Rolle gespielt hat? Oder sei es auch nur am Rande in einer Statistenrolle?

Selbst unter den Vitaminen ist die K-Version eine eher exotisch anmutende Variante. Vitamin C, Vitamin D oder Vitamin E sind die wesentlich bekannteren Formen.

Wie es aber den Anschein hat, spielt das Vitamin K eine deutlich größere Rolle für den Organismus als zum Beispiel das Vitamin C. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: ALLE Vitamine sind wichtig für den Menschen (und auch Tiere). Es gibt hier kein „nicht so notwendig“ und „besonders notwendig“. Was die Vitamine aber unterscheidet, das ist ihre Funktionsvielfalt. Beim Vitamin D haben wir eine Fülle von Funktionen, die in den hormonellen Bereich hineinreichen. Und eine ähnlich große Fülle scheint es auch für das Vitamin K zu geben.

Nachdem wir schon gesehen haben, dass das Vitamin K mit seinen beiden Varianten für die Blutgerinnung, für den Einbau von Kalzium in die Knochen und für den zielgerechten Transport von Kalzium zu den Knochen zuständig ist, tauchen jetzt seit einiger Zeit Hinweise auf, dass dieses Vitamin einen nachhaltigen Einfluss auf eine Reihe von Krebsformen zu haben scheint. Deswegen versuche ich im Folgenden einmal eine Übersicht zur derzeitigen Studienlage zu geben.

Studien zu Vitamin K

Im Jahr 2003 erschien eine erste Arbeit, die im Labor den Hinweis erbrachte, dass das Vitamin K2 bei Krebszellen im Reagenzglas eine Apoptose (natürlicher Zelltod) auslöst: Apoptosis induction of vitamin K2 in lung carcinoma cell lines: the possibility of vitamin K2 therapy for lung cancer. 

In dieser Arbeit wurden eine Reihe von Zellkulturen von verschiedenen Krebszellen (Lungenkrebs, Drüsenkrebs, Hautkrebs und so weiter) untersucht, wie diese auf eine Behandlung mit Vitamin K2 ansprechen würden. Es zeigte sich, dass eine Behandlung von 48 und 96 Stunden mit dem Vitamin in einer ausgesprochenen Suppression des Zellwachstums endete. Dies war für alle untersuchten Krebszellen gegeben. Und zudem erfolgte die Wachstumshemmung in einer dosisabhängigen Art und Weise. Die morphologischen Veränderungen, die durch die Gabe von Vitamin K2 erzielt wurden, entsprachen denen einer typischen Apoptose und der entsprechenden Aktivierung von Apoptose-Faktoren in den Krebszellen. Eine zusätzliche Gabe eines Chemotherapeutikums (Cisplatin) resultierte in einem zusätzlichen zytotoxischen Effekt.

Die Autoren empfahlen aufgrund ihrer Beobachtungen, Vitamin K2 als Behandlungsalternative beziehungsweise -zusatz bei Lungenkrebs in die nähere Auswahl zu nehmen.

Zwei Jahre später veröffentlichte das gleiche Team von Wissenschaftlern eine weitere in vitro Untersuchung: Combination of vitamin K2 plus imatinib mesylate enhances induction of apoptosis in small cell lung cancer cell lines.

In dieser Arbeit bemängelten sie die klinische Wirksamkeit von Imatinib (Glivec, Gleevec), einem Chemotherapeutikum zur Behandlung von Leukämie und anderen Krebsformen. In der vorliegenden Arbeit konzentrierten sich die Forscher auf die kombinierte Gabe von Imatinib und Vitamin K2 bei kleinzelligem Lungenkrebs. Die Behandlung zeigte nach 96 Stunden eine dosisabhängige Unterdrückung des Zellwachstums bei allen getesteten Zellkulturen. Auch hier zeigten die morphologischen Veränderungen der behandelten Krebszellen alle Symptome einer Apoptose.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass eine kombinierte Gabe von Chemotherapeutikum plus Vitamin K2 erfolgversprechender zu sein scheint als eine Monotherapie mit Imatinib allein. Zudem betrachten die Forscher Vitamin K2 als praktisch nebenwirkungsfrei und sicher bei der Verwendung.

Ebenfalls aus Japan kommt die nächste Arbeit aus dem Jahr 2006: Vitamin K2-induced antitumor effects via cell-cycle arrest and apoptosis in gastric cancer cell lines.

Was wir bereits von den beiden zuvor diskutierten Arbeiten wissen, wiederholt sich in dieser Arbeit für die Austestung von Magenkrebszellen. Die Reaktion auf eine Behandlung dieser Zellen mit Vitamin K2 ist praktisch identisch mit den Ergebnissen der zuvor genannten Studien. Oder mit anderen Worten: Was für Lungenkrebszellen, Drüsenkrebszellen und so weiter gilt, gilt in genau der gleichen Art und Weise auch für Magenkrebszellen.
Mit dieser Arbeit konnten die Autoren zeigen, dass das anti-kanzerogene Wirkspektrum von Vitamin K2 sich nicht nur auf einige wenige Krebsformen beschränkt, sondern dass dieses Vitamin über die Fähigkeit, bei Krebszellen in eine Apoptose zu führen, einen fundamentalen Zugang zu praktisch allen entarteten Zellen zu haben scheint. Eine solche generalisierte und zugleich klinisch relevante Wirksamkeit ist für die bislang auf dem Markt befindlichen synthetischen Chemotherapeutika nicht bekannt. Oder mit einfachen Worten: Vitamin K2 scheint das besser wirksame Krebsmittel zu sein, dass zudem bei weitem weniger Nebenwirkungen – wenn überhaupt – mit sich bringt.

Aber Versuche im Reagenzglas tragen immer den Makel an sich, dass sie, falls die Ergebnisse zu gut für die Kritiker und Bezweifler von natürlichen Alternativen in der Behandlung von Erkrankungen ausfallen, schnell als unrealistisch und hypothetisch abgetan werden können. Und in der Tat sind in vitro Studien eigentlich nur ein Mittel, um feststellen zu können, ob bestimmte Vermutungen zu bestimmten Sachverhalten gerechtfertigt sind und eine weitere Forschung in diese Richtung sinnvoll ist oder nicht. Gibt es, wie in diesem Fall, nachhaltige Hinweise auf eine interessante Wirksamkeit im Reagenzglas, dann stehen alle Signale auf „grün“, um die Wirksamkeit auch in der „Realität“ zu erforschen.

Dieser Aufgabe sind Forscher aus dem Krebszentrum in Heidelberg im Jahr 2008 nachgegangen: Dietary intake of vitamin K and risk of prostate cancer in the Heidelberg cohort of the European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC-Heidelberg).

Auch sie bemerken in ihrer Einleitung, dass die anti-kanzerogenen Wirksamkeiten des Vitamin K2 bis zu diesem Zeitpunkt „nur“ im Reagenzglas zu beobachten waren, und dass es an der Zeit sei, diese unter in vivo Bedingungen zu überprüfen. Dazu untersuchten die Autoren die Ernährungsgewohnheiten von Patienten. Die Mengen an verzehrten Vitamin K1 und K2 wurden mit Hilfe von bestehendem Datenmaterial errechnet. Danach wurde eine statistische Korrelation von eingenommenen Konzentrationen an Vitamin K1 und K2 und Prostatakrebs bei 11.319 männlichen Patienten errechnet.

Es zeigte sich, dass während einer Beobachtungszeit von 8,6 Jahren 268 Fälle von Prostatakrebs, davon 113 fortgeschrittene Fälle, zu verzeichnen waren. Bei einer erhöhten Zufuhr von Vitamin K2 ging die Häufigkeit von Prostatakrebs zurück. Bei den fortgeschrittenen Fällen war dieser Trend sogar so stark, dass man von einer statistischen Signifikanz sprechen kann. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Vitamin K2 von Milchprodukten einen besseren anti-kanzerogen Effekt zu haben scheint als Vitamin K2 aus Fleischwaren. Vitamin K1 dagegen scheint keinen Effekt auf die Genese von Prostatakrebs zu haben.

Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass es eine invertierte Assoziation zwischen Vitamin K2 und Prostatakrebs gibt. Diese Verbindung lässt sich für Vitamin K1 nicht nachweisen.

Serum undercarboxylated osteocalcin as biomarker of vitamin K intake and risk of prostate cancer: a nested case-control study in the Heidelberg cohort of the European prospective investigation into cancer and nutrition.

Diese Arbeit kommt von der gleichen Forschergruppe wie aus der zuvor diskutierten Arbeit. In dieser Arbeit wurden keine „alten“ Daten nachverfolgt und ausgewertet. Vielmehr wurden 250 Patienten mit Prostatakrebs und 494 vergleichbare Kontrollen beobachtet. Gemessen wurde bei diesen Patienten die Konzentrationen von untercarboxyliertem Osteocalcin. Diese Form von Osteocalcin ist eine inaktive Form und ist für den Einbau von Kalzium in den Knochen unbrauchbar. Erst die Anwesenheit von Vitamin K2 aktiviert dieses Osteocalcin durch Carboxylierung in seine brauchbare Form. Damit deuten hohe Konzentrationen an unter- beziehungsweise decarboxyliertem Osteocalcin auf eine mangelhafte Zufuhr an Vitamin K2 hin.

Auch in dieser Arbeit zeigte sich der Trend, der in der vorherigen aus dem Datenmaterial errechnet worden war: Je höher die Konzentrationen an aktiviertem Osteocalcin waren, desto geringer fiel das Risiko für Prostatakrebs aus.

Eine Studie aus dem Jahr 2009 bestätigte in vitro die Wirksamkeit von Vitamin K2 gegen Dickdarmkrebszellen: Growth inhibitory effects of vitamin K2 on colon cancer cell lines via different types of cell death including autophagy and apoptosis.

Die Mechanismen, die hier beobachtet worden waren, glichen im Wesentlichen denen aus den beiden zuvor diskutierten in vitro Studien. Zusätzlich sahen die Autoren noch Zeichen einer Autophagozytose, also einer Selbstvernichtung der Krebszellen durch die „Selbstverdauung“.

Im Jahr 2012 erschien eine zusammenfassende Arbeit aus den Niederlanden: Vitamin K: the effect on health beyond coagulation - an overview.

Das Interessante an dieser Arbeit ist, dass hier die ansonsten geleugnete Unterversorgung mit Vitaminen für das Vitamin K eine Relativierung erfährt. Wir wissen, dass die Gesundheitsbehörden und deren angeschlossenen wissenschaftlichen Gremien und Institute in Deutschland für keines der Vitamine einen Mangel ausmachen können. Selbst beim Vitamin D gibt es keinen Mangen, obwohl die Sonne kaum scheint und die Sonnenbänke und -studios als gefährlich und vermeidenswürdig „beworben“ werden. Erreicht wird dieses Ergebnis, indem man die Grenzwerte nur niedrig genug herab definiert.
Der Autor der vorliegenden Arbeit dagegen interpretiert den Vitaminmangel (in Bezug auf Vitamin K) als ein Zusammenspiel notwendiger Komponenten des Organismus. Vitamin K hat mehr als nur eine Aufgabe im Organismus und wird sich, so der Autor, wie viele andere organische Vorgänge auch erst einmal auf den unmittelbaren Erhalt des Organismus konzentrieren. Das heißt, dass bei suboptimalen Konzentrationen an Vitamin K erst einmal die wichtigen Funktionen unterstützt werden. Für die grenzwertgläubigen Vitaminleugner sieht es dann so aus, als ob der Organismus mit dem Vitamin voll oder sogar überversorgt ist. In Wahrheit jedoch werden die spärlichen Reserven an Vitamin K dazu benötigt, die situativ wichtigste Funktion für den Erhalt des Organismus zu unterstützen – die Aufrechterhaltung der Koagulation, ohne die bei der kleinsten Verletzung der Betroffene verbluten würde. Was dann noch übrig bleibt, geht an die Aktivierung von Osteocalcin und an die Mechanismen, über die die Erzeugung von Krebszellen verhindert und die Eliminierung von bestehenden Krebszellen gefördert werden. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in Japan zur Behandlung der Osteoporose nicht grenzwertige 60 oder 95 µg, sondern über 45.000 µg pro Tag den Patienten verabreicht werden. Es steht zu erwarten, dass solche Dosierungen unter Umständen auch bei der Behandlung von Krebserkrankungen zum Einsatz kommen werden, wenn sich der „Verdacht“ auf eine durchschlagende Wirksamkeit auch in den Randgebieten der Schulmedizin breitgemacht hat. Die Logik aus Holland jedenfalls ist beeindruckend und sehr gut nachvollziehbar. Gleichzeitig zeigt dieses Beispiel auch, welchen unzuverlässigen Stellenwert die offiziellen „Grenzwerte“ haben, da sie in der Regel die Tatsache außer Acht lassen, dass viele Vitamine mehr als nur eine Aufgabe ausüben.

Dietary intake of vitamin k is inversely associated with mortality risk.

Diese Arbeit untersuchte und beobachtete 7216 Probanden über den Zeitraum von 4,8 Jahren. Es wurden Ernährungsgewohnheiten untersucht und festgehalten und die Vitamin-K-Zufuhr daraus berechnet. Eine andere Gruppe von Forschern, die mit der Untersuchung der Ernährungsgewohnheiten nichts zu tun hatte, beobachtete den Gesundheitsstatus und die Todesraten der Probanden und dokumentierte diese. Am Ende der Beobachtungszeit wurde errechnet, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Zufuhr an Vitamin K und der beobachteten Mortalität und Morbidität in der Probandengruppe.
Es zeigte sich, dass die Einnahme von Vitamin K1 signifikant mit einem verringerten Risiko für Krebserkrankungen und allgemeiner Mortalität verbunden war. Die Teilnehmer, die während der Studie ihre Zufuhr an Vitamin K1 und Vitamin K2 erhöhten, zeigten ein reduziertes Risiko für Krebserkrankungen und Mortalität im Vergleich mit denen, die zur gleichen Zeit die Zufuhr drosselten oder nicht erhöhten. Es zeigte sich auch, dass eine Erhöhung der Zufuhr von Vitamin K1 eine Reduzierung von kardiovaskulären Komplikationen beziehungsweise Mortalität mit sich brachte. Eine Erhöhung der Zufuhr von Vitamin K2 zeigte keinen Zusammenhang mit einer veränderten kardiovaskulären Mortalität.
Die Autoren schlossen aus ihren Beobachtungen, dass die Einnahme von Vitamin K verbunden ist mit einem geringeren Risiko für kardiovaskuläre Mortalität, Krebserkrankungen und allgemeiner Mortalität in der Mittelmeerpopulation mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko.

Fazit

Vitamin K, und hier vor allem das Vitamin K2, scheint so etwas wie der noch unscheinbare David unter den Chemo-Riesen der Pharmaindustrie zu sein, wenn es um die Wirksamkeit bei der Krebsbehandlung geht. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass ausreichend hohe tägliche Zufuhren von wichtigen Vitaminen, zu denen ich jetzt mehr als zuvor das Vitamin K zähle, Krebserkrankungen verhindern oder sogar therapieren können, dann könnte diese Erkrankung fast schlagartig der Vergangenheit angehören. Denn die Einnahme von ausreichend Vitaminen tut nicht weh, hat keine Nebenwirkungen und ist bei weitem nicht so gefährlich, wie einige Studien herausgefunden haben wollen. Zumindest gibt es für das Vitamin K noch keine solche Studie, die die Leichtgläubigen verunsichern könnte. Aber an dieses „zu vernachlässigende“ Vitamin hat ja von den Kritikern noch niemand gedacht.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 10.03.2015 aktualisiert.