Vitamin K - Vorkommen, Bedarf,
Mangelerscheinungen
Vitamin K
Vitamin K lässt sich aufteilen in Vitamin K1 und Vitamin K2. Der chemische Name für das Vitamin K1 ist
Phyllochinon, während der für das Vitamin K2 Menachinon lautet. Beide Formen sind fettlöslich (lipophil). Für den
menschlichen Organismus sind sie für die Blutgerinnung von Bedeutung und ebenso für den Knochenstoffwechsel.
Phyllochinon – Vitamin K1
Phyllochinon ist in erster Linie in Chloroplasten von Grünpflanzen zu finden und in begrenztem Maße auch in
Mikroorganismen. Es stellt einen natürlichen Bestandteil des Photosyntheseapparates dar. Hier dient es als
Elektronencarrier in der Elektronenübertragungskette der Pflanzenzelle. Bei Raumtemperatur liegt es in Form einer
viskosen Flüssigkeit vor.

Bei dem Namen „Vitamin K1“ handelt es sich um eine triviale Bezeichnung, die uns geläufiger sein sollte als der
chemische Name, der 2-Methyl-3-phytyl-1,4-naphthochinon lautet. In der Literatur taucht auch der Name
„α-Phyllochinon“ auf. Die Bezeichnung „Phyllochinon“ entstammt dem Wort Phyllos = Blatt. Der Buchstabe „K“ fand
Einzug in die Namensgebung nachdem der dänische Wissenschaftler Henrik Dam 1935 eine Substanz aus Luzerne-Blättern
isolierte, die sich als fettlöslich erwies und einen Einfluss auf die Blutgerinnung („K“oagulation) zeigte. So
wurde diese Substanz Vitamin K genannt. Biochemisch gesehen handelt es sich hier um ein Terpenoid.
Bei Terpenoiden handelt es sich um Naturstoffe bzw. verwandte organische Verbindungen, die sich von Isopren
ableiten lassen. Isopren bildet das Grundgerüst für Terpene und Terpenoide ohne selbst zu dieser Klasse zugehörig
zu sein. Terpenoide unterscheiden sich von Terpenen durch funktionelle Gruppen, während Terpene reine
Kohlenwasserstoffe sind. Es gibt mehr als 30.000 Terpenoide, wobei jede Pflanze ihr charakteristisches Terpenoid
besitzt. Dies erlaubt eine Bestimmung von Pflanzen auf Basis der in ihr gefundenen Terpenoide. Eine Reihe von
Terpenoiden besitzt einen hohen gesundheitlichen Wert für den Menschen mit einer Vielfalt an gesundheitsfördernden
Funktionen, was sich besonders bei den Heilpilzen hat zeigen können. Vitamin K ist ein weiteres Beispiel für die
Wichtigkeit dieser Substanzklasse für den menschlichen Organismus.
Physiologie
Zur Resorption des Vitamins ist unbedingt Gallensäure notwendig. Dies ist bedingt durch seine stark lipophilen
Eigenschaften. Eine Resorptionssteigerung lässt sich von daher durch eine zeitgleiche Einnahme von Fetten erzielen.
Dies steigert die Resorptionsrate auf fast 80 Prozent. Nach erfolgter Resorption gelangt das Vitamin in die Leber,
Nieren und das Knochenmark und kann hier fast 2 Wochen gespeichert werden. Seine Ausscheidung erfolgt über die
Galle und zu einem geringen Teil über die Niere.
In der Leber beteiligt sich das Vitamin an der Herstellung verschiedener Blutgerinnungsfaktoren, z.B.
Prothrombin. Prothrombin ist eines der Proteine, die für die Blutgerinnung von wesentlicher Bedeutung sind. Die
Substanz wird kontinuierlich ins Blut abgegeben, um im Fall einer Verletzung zur Verfügung zu stehen. In einem
solchen Fall erfolgt dann die Umwandlung von Prothrombin in Thrombin am Ort der Verletzung. Thrombin selbst kommt
im Blut in nur sehr geringen Konzentrationen vor.
Phyllochinon ist direkt am Knochenaufbau beteiligt. Osteocalcin ist ein Peptidhormon, das am Calciumstoffwechsel
des Knochens beteiligt ist. Seine Aktivierung und damit die Fähigkeit, aktiv Calcium im Knochen zu binden, hängt
von der Präsenz von Vitamin K ab, welches hier als Kofaktor notwendig ist.
Vitamin K ist weitestgehend hitzebeständig. Damit kommt es beim Kochen, besonders beim Garen zu fast keinem
Verlust. Das Vitamin ist allerdings lichtempfindlich. Hier verliert es schnell an Bioverfügbarkeit durch
Inaktivierung.
Vorkommen und Bedarf
Vitamin K1 ist vorzugsweise in den Membranen der Chloroplasten von grünen Pflanzen zu finden. Im Organismus wird
es in Leber, Niere, Milz und Knochenmark kurzfristig gespeichert. Pflanzen, die besonders reich an Vitamin K1 sind,
sind im wesentlichen die grünen Gemüsesorten wie Grünkohl, Rosenkohl, Spinat, grüne Tomaten, Broccoli usw. Aber
auch grüner Tee, Kartoffeln, Hagebutten, Salate, Milch, Muskelfleisch enthalten ausreichende Mengen des Vitamins.
Allerdings kann der Gehalt mit der Jahreszeit unterschiedlich hoch ausfallen.
Die empfohlene Tagesdosis von ca. 65 µg(1 µg = 0,001 mg) ist leicht zu erreichen durch den Verzehr von...
... 15 g Schnittlauch, oder
... 25 g Rosenkohl, oder
... 50 g Kalbsleber, oder
... 3 Eiern, oder
... 220 g Speisequark, oder
... 400 g Champignons oder
... 500 g Erdbeeren
Hier ein paar Daten zum Vitamin K1 Gehalt einiger
Nahrungsmittel:
200 g Rosenkohl 1,14 mg
200 g Blumenkohl 0,60 mg
200 g Kohlrabi 1,00 mg
300 g Vollkornbrot 37 μg
30 g Müsli 15 μg
100 g Spirulina 40 bis 80 μg
Es bestehen unterschiedliche Bewertungen hinsichtlich des täglichen Vitamin K1 Bedarfs. Die Deutsche
Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 65 µg für Frauen und 80 µg für Männer täglich. Da die Muttermilch nur einen
geringen Vitamin K1 Gehalt aufweist, besteht die Möglichkeit einer Vitamin K1 Mangelversorgung beim Säugling.
Allerdings gibt es augenscheinlich keine Daten für einen optimalen Vitamin K1 Bedarf für Säuglinge, so dass ein Ruf
nach einer Prophylaxe keine (wissenschaftliche) Basis hat. In den Niederlanden z.B. bekommen Säuglinge ca. 25 µg
täglich als Prophylaxe. 1 Allerdings bemerken die Autoren, dass eine ernsthafte Mangelversorgung nicht unbedingt in
den niedrigen Konzentrationen in der Muttermilch zu suchen ist, sondern dass hier Cholestasen (Stau von Gallensaft)
und Schwierigkeiten bei der Fettresorption die größeren Faktoren für einen Mangel darstellen.
Mangelerscheinungen (Hypovitaminose)
Da der tägliche Bedarf relativ problemlos durch eine einfache und gesunde Ernährung abgedeckt werden kann, sind
Mangelerscheinungen eher die Seltenheit. Dazu kommt noch, dass das Vitamin fettlöslich ist und damit gespeichert
werden kann, so dass bei einer kurzfristigen Mangelzufuhr noch genug Reserven in den Speichern vorliegen. Bei
Leber-, Magen- und Darmerkrankungen allerdings kann es zu Resorptionsdefiziten kommen, die dann für einen Vitamin
Mangel verantwortlich sind. Wie bereits weiter oben erwähnt, können Staus von Gallensekreten (z.B. bei
Gallengangsverschluss) nicht nur beim Säugling für ein Resorptionsdefizit sorgen, da der Gallensaft für eine
funktionierende Vitamin Resorption unerlässlich ist.
Ein Vitamin K1 Mangel geht einher mit einer herabgesetzten Blutgerinnung. Diese kann bei Säuglingen zu
Hirnblutungen führen. Beim Erwachsenen kann es zu Blutungen in verschiedenen Organen kommen, z.B. im
Magen-Darm-Trakt, der Muskulatur, den Schleimhäuten (besonders in der Nase) etc.
Überdosierung (Hypervitaminose)
Vitamin K1 hat keinerlei toxische Wirkung. Selbst eine 500-fache „Überdosierung“ zeitigte keinerlei
Nebenwirkungen. Eine Injektion mit hohen Dosen von Vitamin K1 kann allerdings zu allergischen Reaktionen führen. Es
können auch Veränderungen im Blutbild auftreten. Ein zu hoher Vitamin K1 Gehalt bedingt durch einen Gendefekt kann
die Thromboseneigung fördern.
Antagonisten
Verdorbener Klee enthält eine hohe Konzentration an Dicumarol, einem potenten Antagonisten des Vitamin K1. Dies
führt bei Rindern, die einen solchen Klee verzehren, zu lebensgefährlichen Blutungen. Ein weiterer Antagonist ist
das Warfarin, dass als Rattengift eingesetzt wird. Für therapeutische Zwecke, bei starker Thromboseneigung z.B.,
kommt Phenprocoumon (Marcumar), ein Wirkstoff der Coumarin-Klasse, als Vitamin K1 Antagonist zum Einsatz.
Menachinon - Vitamin K2
Menachinon ist ebenfalls ein fettlösliches Vitamin und gehört zur Gruppe der Phyllochinon-ähnlichen Substanzen.
Aus historischen Gründen wird es zusammen mit Phyllochinon als Vitamin K bezeichnet. Im Gegensatz zu Phyllochinon,
das in den Chloroplasten der Grünpflanzen vornehmlich vorkommt, wird Menachinon durch die Bakterien der Darmflora
produziert. Die Produktion seitens der Bakterien ist in einem gesunden Organismus so ergiebig, dass etwa 50 Prozent
des täglichen Vitamin K Bedarfs erzeugt werden können. Außerhalb des Darms kommt Menachinon in Natto vor. Hier
handelt es sich um eine japanische Speise, die aus fermentierter Soja besteht. Hier hat der Fermentierungsprozess,
der bakteriell abläuft, für eine Vitamin K2 Produktion außerhalb des Darms gesorgt. Die Resorption von Menachinon
erfolgt wie beim Phyllochinon mit Hilfe von Gallensäuren. Das Wirkspektrum von Vitamin K2 ist mit dem des Vitamin
K1 vergleichbar.
Interessanterweise wurden 2009 beide Vitamin-Varianten von der europäischen Aufsichtsbehörde EFSA zur
„Verwendung in europäischen Lebensmittel- und Nahrungsergänzungszubereitungen zugelassen“ (Wikipedia). Menachinon-7
wurde vor allem in Veröffentlichungen zur Knochengesundheit als effektiv beschrieben2.
1 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12731461
2 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18374202
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