Grenzwerte für Vitamine – Deutschland macht sich lächerlich

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Vitamine sind wichtig. Daraus könnte man ableiten, dass je mehr Vitamine wir zu uns nehmen, desto weniger wir uns mit gesundheitlichen Problemen zu plagen haben. Es gibt eine Menge verschiedener Vitamine, wovon jedes seinen spezifischen Charakter hat. Und die meisten sind so unentbehrlich für ein reibungsloses Funktionieren unserer körpereigenen Biochemie wie Wasser und Nährstoffe es ebenfalls sind: Vitamintabelle.

Bei einer derart geballten Wucht an Argumenten für die Wichtigkeit der Vitamine für unsere Gesundheit ist es verwunderlich, dass die offiziellen und beamteten Gesundheitsapostel der Republik vor einem „Zuviel“ an Vitaminen warnen – und immer schon gewarnt hatten. Oberwarner ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), die daraus sogar explizite „Leitlinien“ geschnitzt haben.

Grenzwerte für Vitamine in Obst nd Gemüse?

Aber nicht nur das BfR warnt. Es gibt sogar grün angereicherte Organisationen, die vor zu vielen Vitaminen warnen. Im Vitamin D - Präparate im Test ist es der „Öko-Test“, der eine Reihe von Vitamin-D-Präparaten getestet hatte und zu dem Schluss kam, dass die getesteten „Medikamente“ und Nahrungsergänzungsmittel alle mit mangelhaft zu bewerten sind, da sie zu viel an Vitamin D enthalten. Sehr häufig beziehen sich die Öko-Tester hier auf die Empfehlungen des BfR.

Das BfR selbst sieht in Deutschland keinen Vitaminmangel. Deutschland ist ein vitaminmangelfreies Land, Dank eines vorbildlichen Gesundheitssystems.

Und jetzt (liebe Kinder, gebt fein acht!), fängt das Märchen erst richtig an.

Deutschland gegen Europa

Auf ihrer Webseite berichten die Risikoermittler voller Stolz nicht nur, dass es keinen Vitaminmangel in Deutschland gibt, sondern ebenfalls, dass deshalb die sich daraus ergebenden „Höchstmengenvorschläge für die Verwendung von Vitaminen und Mineralstoffen in Lebensmitteln“ die von der „Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA)  festgelegten tolerierbaren Obergrenzen für die Tageszufuhr des jeweiligen Nährstoffs“ berücksichtigt hat (bfr.bund.de/de/bewertung_von_vitaminen_und_mineralstoffen_in_lebensmitteln-54416.html).

Hat sie aber nicht. Denn das Märchenhafte an dieser Aussage ist, dass die Sache mit der guten bundesdeutschen Versorgung mit Vitaminen nicht stimmt und dazu die Europäischen Richtlinien in keinster Weise eine Berücksichtigung fanden.

Ein gewisser Dr. Strunz hatte sich einmal die Mühe gemacht und diese Empfehlungen zusammenzustellen und zu vergleichen. Es gibt eine Veröffentlichung seitens des BfR unter bfr.bund.de/cm/350/verwendung_von_vitaminen_in_lebensmitteln.pdf, wo auf Seite 24 die höchst zulässigen Tagesmengen als „BfR-Wissenschaft“ vertickt werden. Auf Seite 23 werden die Vitamine sogar in „Risiko-Kategorien“ eingeteilt. Das Vitamine A, Vitamin D, das beta-Karotin und die Nicotinsäure gelten als „hoch“ (riskant). Da, liebe Kinder, müsst ihr aber ganz schön aufpassen, damit ihr nicht zu heftig in die Möhren beißt und zu lange in der bösen Sonne bleibt. Denn die macht Hautkrebs und vergiftet den Körper mit Vitagift D!

Leider hat meine Recherche keine tabellarische Übersicht zu den Empfehlungen seitens der EFSA ergeben. Auf der Webseite von Dr. Strunz sieht der Vergleich so aus: Vitamine? Europa blamiert Deutschland.
Auf einer weiteren Seite wird der Vergleich ebenfalls abgebildet, zusammen mit einigen Kommentaren, die sich auf das Interesse beziehen, uns so geringe Mengen an Vitaminen als gesundheitsfördernd zu verkaufen: Die Sport, Glück und Gesundheitskolumne von Dr. Ulrich Strunz.
Demzufolge gibt es eine Reihe von Studien, die man geflissentlich beim BfR hat ausblenden müssen, die das genaue Gegenteil für die BfR-Empfehlungen darstellen. Dr. Strunz erwähnt die MONICA-Studie, die zu niedrige Werte für die Vitamine C und E mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte zusammenbrachte.

Eine 2015 erschienene Arbeit (Intake of Vitamin and Mineral Supplements and Longitudinal Association with HbA1c Levels in the General Non-Diabetic Population--Results from the MONICA/KORA S3/F3 Study.) zeigte, dass Carotinoide langfristig den HbA1c Wert senken können, was sich günstig auf die Entwicklung von kardiovaskulären Komplikationen auswirkt.
Eine ältere Arbeit von 1993, die sich ebenfalls auf die MONICA-Studie bezieht (Increased risk of cardiovascular disease at suboptimal plasma concentrations of essential antioxidants: an epidemiological update with special attention to carotene and vitamin C.), kommt zu dem Schluss, dass eine Senkung von Antioxidantien in Form von subakuten Vitamin-Konzentrationen mit einem höheren Risiko für ischämische Herzerkrankungen und Schlaganfall einhergeht.

Dr. Strunz erwähnt des Weiteren zwei Studien aus Harvard mit über 120 Tausend Ärzten und Krankenpflegepersonal als Probanden, die gezeigt haben, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als 40 Prozent gesenkt werden kann, wenn man täglich 100 bis 200 mg Vitamin E zu sich nimmt. Es zeigte sich sogar eine Senkung der Mortalität von knapp 35 Prozent.

Und es scheint sogar Berechnungen seitens der amerikanischen Regierung zu geben, die in einer Studie (Practon-Studie) unter der Leitung von Prof. Practon haben zeigen können, dass „allein durch die Einnahme von Vitamin C und E in niedrigen  Dosierungen die Kosten für Krankenhausaufenthalte wegen Magenkrebs, Koronarer Herzerkrankung und Linsentrübung um mehrere Milliarden Dollar zu reduzieren wären“ (http://www.dr-kersten.com/downloads/Der_Goetze_Wirtschaftswachstum.pdf).

Angesichts dieser Aussagen klingen die Empfehlungen des BfR wie der blanke Hohn. Weiter unten die tabellarische Darstellung von Dr. Strunz (Link weiter oben), die zeigt, dass es sich hier bei den unterschiedlichen Werten nicht um wenige Milliliter oder weniger handelt. Da könnte man vielleicht sogar noch sagen, dass es sich um eine „Ansichtssache“ handelt. Aber die Unterschiede zwischen den Werten von EFSA und BfR sind derartig hoch, dass man diese nicht mehr als „Geschmackssache“ abtun kann.

Vitamin Europa (ESFA):
Oberer sicherer Bereich 
Deutschland (BfR):
Obergrenze
A 3000 ug 400 ug
D 50 ug 20 ug
E 300 mg 15 mg
Beta Carotin zu wenige Daten 2 mg
Vitamin C Keine Obergrenze 225 mg
B1 Keine Obergrenze 4 mg
B2 Keine Obergrenze 4,4 mg
B3 Nicotinamid 900 mg 17 mg
B6 25 mg 5,4 mg
B7 (Biotin) Keine Obergrenze 18 mg
B9 (Folsäure) 1000 ug 400 ug
B12 bis 5000 ug 3-9 ug

Der Vitamin-A-Wert des BfR macht nur etwas mehr als 10 Prozent des EFSA-Werts aus. Das Gleiche gilt für Vitamin D. Die EFSA empfiehlt die 20-fache Dosierung als Obergrenze von Vitamin E im Vergleich zum BfR. Bei einigen Vitaminen gibt die EFSA überhaupt keine Empfehlungen, da es keine Daten für diese Vitamine gibt. Das scheint allerdings das BfR nicht davon abgehalten  zu haben, sich selbst eigene Daten zu schnitzen, die aufgrund ihrer geringen Größe ins Märchen von den sieben Zwergen passen. Für Nicotiamid, dem Vitamin mit dem hohen BfR-Vitamin-Gefährdungspotential, wird sogar nur der 53. Teil der EFSA-Empfehlung als ungefährlich bewertet.

Fazit

Dr. Strunz hat vollkommen Recht, wenn er behauptet, dass die Welt uns auslacht aufgrund unserer Oberlehrerhaftigkeit in Sachen Vitaminen und der damit verbundenen Angst vor „Mammut-Konzentrationen“.

Und das bundesdeutsche Risiko-Institut liefert dazu den Elefanten, der vor wenigen Monaten nur eine Mücke war. Dieser ganze Wahnsinn wird vollends klar, wenn man sich die Mühe macht zu vergleichen, wie viele Patienten durch Vitamine ums Leben gekommen sind und wie viele durch Avandia, Vioxx und noch auf dem Markt befindliche Arzneimittel. Aber hier hört man keine Warnrufe seitens des BfR. Kann ja auch keiner kommen, denn spätestens hier ist das Märchen zu Ende und das BfR nicht mehr zuständig.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 07.03.2016 aktualisiert.

Bild: fotolia - seralex