Glucosamin und Demenz: Erhöht Glucosamin das Alzheimer-Risiko?

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Glucosamin und Demenz – Studienlage zu Risiko, Sicherheit und Nutzen bei Gelenkbeschwerden

Ein Leser stellte mir kürzlich eine Frage, die vermutlich auch andere verunsichern dürfte. Er nimmt wegen seiner Kniebeschwerden täglich 1.500 mg Glucosamin, 1.200 mg Chondroitin und 1.500 mg MSM. Nun sei er auf die Aussage gestoßen, Glucosamin könne eine Demenz beschleunigen.

Meine kurze Antwort: Für eine demenzfördernde Wirkung von Glucosamin sehe ich nach der derzeitigen Studienlage keinen überzeugenden Beleg.

Interessanterweise gibt es sogar mehrere große Untersuchungen, die eher in die entgegengesetzte Richtung weisen.

Wer zunächst grundsätzlich wissen möchte, was Glucosamin eigentlich ist, wie es eingesetzt wird und welche Rolle Glucosaminsulfat und Chondroitin bei Gelenkbeschwerden spielen, findet dazu meinen ausführlichen Beitrag: Glucosamin und Glucosaminsulfat: Anwendung und Wirkung.

Was zeigen die Studien zu Glucosamin und Demenz?

Eine große Auswertung der britischen UK Biobank untersuchte fast 496.000 Menschen über einen Zeitraum von im Mittel rund elf Jahren. Teilnehmer, die regelmäßig Glucosamin einnahmen, hatten in dieser Untersuchung ein niedrigeres Risiko, später an Demenz zu erkranken. Die Studie finden Sie übrigens hier: Glucosamin und Demenzrisiko – PubMed.

Eine weitere Analyse der UK-Biobank-Daten kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Bei regelmäßiger Glucosamin-Einnahme lag das statistische Risiko für Demenz insgesamt, Alzheimer und vaskuläre Demenz niedriger. Für Demenz insgesamt wurde eine Hazard Ratio von 0,84 ermittelt. Das entspricht statistisch einem um etwa 16 Prozent niedrigeren Risiko. Auch diese Untersuchung ist öffentlich zugänglich: Glucosamin, Alzheimer und vaskuläre Demenz – PubMed.

Das klingt zunächst erstaunlich gut. Daraus würde ich allerdings noch keine Empfehlung ableiten, Glucosamin zur Vorbeugung einer Demenz einzunehmen.

Denn hierbei handelt es sich überwiegend um Beobachtungsdaten. Menschen, die regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel verwenden, können sich in mehreren Punkten von anderen Studienteilnehmern unterscheiden. Ernährung, Bewegung, Körpergewicht, Rauchen und generell ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein können solche Ergebnisse beeinflussen.

Die Studien zeigen also keinen Beweis für einen Schutz vor Demenz. Sie liefern aber erst recht keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass Glucosamin Demenz beschleunigt.

Gerade bei Vitalstoffen erlebe ich immer wieder, wie einzelne Studien oder Meldungen plötzlich als allgemeine Warnung durch das Internet wandern. Wer meine Einschätzungen zu Vitalstoffen, Dosierungen und Studien regelmäßig erhalten möchte, kann sich hier in meinen kostenlosen Newsletter eintragen:

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Eine weitere große Studie findet keinen Demenzschutz

Es gibt nämlich auch eine Untersuchung mit rund 290.000 Teilnehmern, die keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Glucosamin und Demenz fand.

Entscheidend für unsere Ausgangsfrage ist aber: Auch dort zeigte sich kein statistisch gesichertes erhöhtes Demenzrisiko durch Glucosamin.

Die entsprechende Untersuchung finden Sie hier: Glucosamin und Demenz – weitere UK-Biobank-Analyse.

Besonders interessant ist außerdem eine Untersuchung mit mehr als 214.000 Menschen über 60 Jahren. Regelmäßige Glucosamin-Einnahme war dort nicht mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko verbunden. Für die vaskuläre Demenz zeigte sich sogar ein niedrigeres Risiko. Quelle: Glucosamin bei Menschen über 60 Jahren – PubMed.

Beschleunigt Glucosamin also eine Demenz?

Nach diesen Daten kann ich diese Behauptung nicht nachvollziehen.

Wir haben große Humanstudien mit mehreren hunderttausend Teilnehmern. Manche finden einen möglichen Zusammenhang mit einem niedrigeren Demenzrisiko, andere finden keinen relevanten Zusammenhang. Ein überzeugendes Signal dafür, dass Glucosamin Demenz oder Alzheimer fördert, ergibt sich daraus nicht.

Natürlich beweist das umgekehrt auch nicht, dass Glucosamin vor Alzheimer schützt.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Wie bewerte ich 1.500 mg Glucosamin täglich?

Die vom Leser genannten 1.500 mg Glucosamin pro Tag sind keine ungewöhnlich hohe Dosierung. Diese Größenordnung wird seit Jahren in Untersuchungen und Präparaten bei Arthrose und Gelenkbeschwerden verwendet.

Auch die Kombination mit Chondroitin ist seit Langem gebräuchlich. Mehr dazu finden Sie in meinem ausführlichen Beitrag über Glucosamin und Glucosaminsulfat.

Ein weiteres Mittel, das bei Gelenkbeschwerden immer wieder zur Sprache kommt, ist die Grünlippmuschel. Sie enthält unter anderem Glykosaminoglykane und besondere Lipidfraktionen und wird vor allem bei degenerativen und entzündlichen Gelenkbeschwerden eingesetzt.

Auch das Thema Ernährung und Stoffwechsel sollte man bei Arthrose nicht ausblenden. In meinem Beitrag Fasten gegen Arthrose gehe ich auf einen ganz anderen Ansatz ein, der nicht nur versucht, einzelne Baustoffe für den Knorpel zuzuführen.

Ich würde die Einnahme von 1.500 mg Glucosamin daher nicht allein aufgrund der Behauptung abbrechen, Glucosamin sei ein „Beschleuniger für Demenz“.

Woher kommt die Warnung vor Glucosamin und Demenz?

Was mich bei solchen Meldungen immer zuerst interessiert, ist die ursprüngliche Quelle.

Stammt die Aussage tatsächlich aus einer Humanstudie? Wurde nur ein statistischer Zusammenhang gefunden? Geht es um einen Tierversuch, einen Zellversuch oder lediglich um einen theoretisch denkbaren Stoffwechselmechanismus?

Aus solchen Befunden entstehen im Internet erstaunlich schnell Sätze wie „Glucosamin verursacht Demenz“ oder „Glucosamin beschleunigt Alzheimer“. Wenn man anschließend die eigentliche Untersuchung liest, bleibt von dieser Gewissheit häufig wenig übrig.

Im konkreten Fall wäre deshalb interessant zu wissen, auf welche Studie sich die Behauptung überhaupt bezieht. Die großen verfügbaren Humanstudien sprechen jedenfalls nicht dafür, dass Menschen durch die Einnahme von Glucosamin häufiger an Demenz erkranken.

Mein Fazit

Wer Glucosamin wegen Arthrose oder Gelenkbeschwerden einnimmt, muss nach der gegenwärtigen Datenlage nicht davon ausgehen, dadurch sein Demenzrisiko zu erhöhen.

Die vorhandenen Humanstudien zeigen entweder keinen Zusammenhang oder sogar ein statistisch niedrigeres Demenzrisiko bei regelmäßiger Glucosamin-Einnahme. Ob Glucosamin tatsächlich einen schützenden Effekt auf das Gehirn besitzt, ist dagegen nicht geklärt.

Die Behauptung „Glucosamin beschleunigt Demenz“ halte ich aufgrund der derzeit verfügbaren Daten für nicht belegt.

Solche Meldungen sind übrigens ein gutes Beispiel dafür, warum ich mir Studien, Warnungen und vermeintliche neue Gesundheitsrisiken regelmäßig selbst ansehe. Wenn Sie solche Einschätzungen interessieren, können Sie meinen kostenlosen Praxis-Newsletter „Unabhängig. Natürlich. Klare Kante.“ anfordern:

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