Coenzym Q10 im Realitätscheck: Warum 200 mg nicht automatisch besser sind
Coenzym Q10 gehört inzwischen zum festen Inventar der Nahrungsergänzungsmittel. Wer danach sucht, wird mit Angeboten geradezu erschlagen: 100 mg, 200 mg, 400 mg, Ubiquinon, Ubiquinol, „hoch bioverfügbar“, „Premium“, „fermentiert“, „laborgeprüft“ — und natürlich jede Menge Produkte mit hervorragenden Kundenbewertungen.
Je länger ich mich mit den Präparaten, den Studien und inzwischen auch mit Käuferberichten beschäftige, desto klarer wird:
Die Zahl auf der Vorderseite einer Dose sagt wenig bis nichts darüber aus, was am Ende im Organismus ankommt — und vor allem noch weniger darüber, ob der Mensch davon tatsächlich etwas merkt.
Genau das entspricht auch meiner Erfahrung aus der Praxis.
Ich arbeite seit vielen Jahren mit Coenzym Q10. Ich habe Patienten erlebt, bei denen sich hinsichtlich Energie, Müdigkeit und Belastbarkeit deutlich etwas verändert hat. Ich kenne aber auch die andere Seite: Man nimmt irgendein vermeintlich hochdosiertes Präparat, wartet wochenlang und es passiert praktisch: nichts.
Das muss nicht immer daran liegen, dass Q10 nichts bringt. Manchmal liegt es schlicht am Präparat. Oder an der Art, wie es eingenommen wird.
Wer zunächst die biochemischen Grundlagen nachlesen möchte, findet diese ausführlich in meinem Beitrag Coenzym Q10 – der Powerstoff für die Mitochondrien. In diesem Beitrag soll es um eine andere Frage gehen: Was macht ein Q10-Präparat in der Praxis eigentlich zu einem guten Präparat?
Warum Q10 überhaupt so interessant ist
Coenzym Q10 ist ein wichtiger Bestandteil der mitochondrialen Atmungskette. Vereinfacht gesagt: Es arbeitet dort mit, wo aus den Energieträgern unserer Nahrung ATP entsteht – also jene Energieform, mit der unsere Zellen tatsächlich etwas anfangen können.
Wer sich näher mit diesen Zusammenhängen beschäftigen möchte, dem empfehle ich meinen ausführlichen Beitrag über die Mitochondrien und ihre Bedeutung für Energie, Gesundheit und Alterung.
Besonders interessant ist Q10 natürlich in Geweben mit hohem Energiebedarf. Dazu gehören unter anderem Herz und Muskulatur. Der Körper kann Q10 grundsätzlich selbst herstellen, und deshalb handelt es sich nicht um einen essentiellen Nährstoff im klassischen Sinne.
Damit könnte man die Sache bequem abhaken: Der Körper stellt es selbst her, also brauchen wir nichts zusätzlich. Stimmt aber so nicht. Alter, Erkrankungen, Stoffwechselsituation und bestimmte Medikamente können die Q10-Versorgung beeinflussen. Besonders bekannt sind in diesem Zusammenhang Statine, auf die ich weiter unten noch zurückkomme.
Müdigkeit und Erschöpfung: Hier wird es interessant
Ein Punkt interessiert mich in der Praxis ganz besonders: Müdigkeit und Erschöpfung.
2022 erschien dazu eine systematische Übersichtsarbeit mit Meta-Analyse von 13 randomisierten kontrollierten Studien und insgesamt 1.126 Teilnehmern. Unter Q10 zeigte sich gegenüber Placebo eine statistisch signifikante Verminderung der Fatigue-Beschwerden.
Noch interessanter fand ich die Dosis-Wirkungs-Beziehung: Mit steigender Tagesdosis und längerer Einnahmedauer war in der Meta-Regressionsanalyse eine stärkere Reduktion der Müdigkeit verbunden. Wer es sich ansehen will: Tsai et al., Frontiers in Pharmacology 2022.
Das passt ziemlich genau zu dem, was ich seit Jahren bei Patienten beobachte. Q10 ist für mich kein klassisches „Heute genommen – morgen neuer Mensch“-Mittel. Wenn es passt, sehe ich die interessanteren Effekte häufig bei konsequenter Einnahme über einen längeren Zeitraum.
Aber ich würde sofort zwei Voraussetzungen hinzufügen:
- Das Mittel muss stimmen.
- Und es muss aufgenommen werden.
Gerade bei chronischer Müdigkeit sollte man sich natürlich ohnehin nicht auf Q10 versteifen. Hinter Erschöpfung können zahlreiche Ursachen stecken. Dazu habe ich einen eigenen Beitrag verfasst: Müdigkeit und Erschöpfung – mögliche Ursachen und naturheilkundliche Ansätze.
Genau solche Zusammenhänge interessieren mich in der Praxis
Ein einzelner Laborwert, ein einzelner Vitalstoff oder ein einzelnes Medikament erzählt selten die ganze Geschichte. In meinem kostenlosen Praxis-Newsletter gehe ich regelmäßig solchen Zusammenhängen nach – mit Studien, Erfahrungen aus der Naturheilpraxis und gelegentlich auch mit Themen, bei denen ich zu deutlich anderen Schlüssen komme als die üblichen Gesundheitsratgeber.
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Die Milligramm-Falle: 200 mg sind zunächst nur 200 mg auf dem Etikett
Nehmen wir zwei Präparate. Auf dem ersten steht: 200 mg Coenzym Q10. Auf dem zweiten: 30 mg. Welches ist besser?
Die spontane Antwort dürfte für viele Menschen klar sein. Natürlich das mit 200 mg.
Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
Denn Coenzym Q10 ist fettlöslich und seine Aufnahme aus dem Darm ist grundsätzlich begrenzt. Deshalb spielt die Formulierung des Präparates eine erhebliche Rolle. Trockenes Q10-Pulver in einer Kapsel verhält sich dabei anders als Q10, das in Öl gelöst oder mit einer speziellen galenischen Technik aufbereitet wurde.
In Humanstudien zeigten unterschiedliche Q10-Formulierungen teilweise erhebliche Unterschiede bei den erreichten Blutspiegeln. Ölbasierte Zubereitungen können gegenüber einfachem trockenem Pulver die Aufnahme deutlich verbessern. Und genau deshalb halte ich die Frage „Wie viele Milligramm?“ alleine für ziemlich unbrauchbar.
Q10 ist fettlöslich – warum wird es dann teilweise einfach mit Wasser empfohlen?
Dieser Punkt hat mich beim Vergleich verschiedener Präparate tatsächlich erstaunt. Auf dem Markt finden sich hochdosierte trockene Ubiquinon-Kapseln, bei denen die Einnahme schlicht mit einem Glas Wasser empfohlen wird. Teilweise soll die Einnahme sogar vor dem Essen erfolgen.
Nun ist Ubiquinon aber fettlöslich. Das beschreibe ich übrigens schon seit Jahren in meinem grundlegenden Q10-Beitrag.
Wenn ich trockenes Ubiquinon einsetzen würde, würde ich es deshalb nicht einfach nüchtern mit Wasser hinunterspülen, sondern zu einer Mahlzeit einnehmen, die auch eine vernünftige Menge Fett enthält.
Das klingt banal, aber kann für die tatsächliche Aufnahme aber wichtiger sein als manches werbewirksame Detail auf dem Etikett.
„Clean Label“ ist nicht dasselbe wie gute Galenik
Das führt zu einem grundsätzlichen Problem, das ich mittlerweile bei zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln sehe. Viele Käufer achten inzwischen sehr stark darauf, dass eine Kapsel möglichst „sauber“ aussieht: vegan, ohne Magnesiumstearat, ohne Farbstoffe, ohne Konservierungsmittel und möglichst nur zwei Zutaten.
Dagegen ist zunächst überhaupt nichts einzuwenden. Nur sagt eine möglichst kurze Zutatenliste noch nicht automatisch etwas darüber aus, wie gut ein Wirkstoff aufgenommen wird. Bei Q10 ist die Galenik geradezu ein Musterbeispiel dafür.
Ein technisch gut formuliertes Präparat kann zusätzliche Hilfsstoffe oder eine Ölmatrix enthalten und trotzdem – oder gerade deshalb – physiologisch sinnvoller sein als die puristischste trockene Pulverkapsel.
Wir sollten bei Nahrungsergänzungsmitteln deshalb nicht nur fragen:
„Was ist alles nicht drin?“
Sondern viel häufiger:
„Was kommt von dem, was drin ist, tatsächlich an?“
Ubiquinon oder Ubiquinol?
Damit sind wir bei der nächsten großen Q10-Frage. Ubiquinon ist die oxidierte Form des Coenzyms Q10, Ubiquinol die reduzierte Form. Beide bilden ein Redoxpaar und werden im Organismus ineinander umgewandelt.
Die Unterschiede und die Frage der Bioverfügbarkeit habe ich bereits ausführlicher in meinem Beitrag Ubiquinon oder Ubiquinol – was ist der Unterschied? beschrieben.
Ubiquinol kann in direkten Vergleichsuntersuchungen höhere Q10-Plasmaspiegel erzeugen als herkömmliches Ubiquinon. Daraus entstand das Marketingargument, Ubiquinol sei grundsätzlich das „bessere“ Q10.
Mir ist das zu pauschal, denn ein höherer Blutspiegel ist zunächst einmal ein pharmakokinetischer Befund. Er bedeutet nicht automatisch, dass eine zwei- oder dreifach höhere Konzentration im Blut auch zu einem zwei- oder dreifach größeren klinischen Nutzen führt.
Dazu kommt der Preis! Denn Ubiquinol ist häufig erheblich teurer. Deshalb würde ich niemals nur nach der Frage entscheiden: Ubiquinon oder Ubiquinol?
Ich möchte wissen, welches Ausgangsmaterial verwendet wurde, wie das Präparat formuliert ist, wie die tatsächliche Bioverfügbarkeit aussieht, welche Dosierung sinnvoll erscheint und für wen ich das Mittel überhaupt einsetzen möchte.
Warum ich spezielle Q10-Formulierungen interessant finde
An dieser Stelle wird ein Vergleich interessant, der die Milligramm-Diskussion geradezu auf den Kopf stellt. Es gibt beispielsweise spezielle flüssige Ubiquinon-Zubereitungen, bei denen der Wirkstoff in sehr kleinen dispergierten Tröpfchen vorliegt. Ein Beispiel dafür ist SanoMit Q10 aus dem Umfeld von Dr. Franz Enzmann.
Die angegebene Q10-Menge ist dort erheblich niedriger als bei den heute üblichen 200-mg-Kapseln. Der Hersteller gibt für diese spezielle Formulierung allerdings eine deutlich bessere Aufnahme gegenüber herkömmlichen Pulverkapseln an.
Genau solche Präparate interessieren mich mehr als der nächste Anbieter, der einfach 300 oder 400 mg trockenes Pulver in eine möglichst große Kapsel steckt.
Ob sich der höhere technische Aufwand lohnt, muss man natürlich trotzdem prüfen. Herstellerangaben zur Bioverfügbarkeit sind nicht dasselbe wie unabhängige klinische Wirksamkeitsdaten. Aber das Beispiel zeigt sehr schön: 30 mg einer guten Formulierung und 200 mg einer einfachen Pulverkapsel lassen sich nicht vernünftig vergleichen, indem man 200 durch 30 teilt.
Was Käufer über Q10 berichten
Der Ausgangspunkt für diesen Beitrag waren übrigens Kundenrezensionen, als ich mir mal wieder bestimmte Mittel und Hersteller angesehen habe. Denn Rezensionen enthalten Informationen, die man in PubMed häufig nicht findet.
Warum hat jemand das Mittel überhaupt gekauft? Wie lange hat er es genommen? Hat er etwas bemerkt? Was störte ihn? Wurde es wegen Müdigkeit gekauft, wegen Muskelschmerzen unter Statinen oder schlicht, weil irgendwo stand, Q10 sei gut fürs Herz?
Bei der Sichtung von Käuferberichten und zusammengefassten Bewertungsdaten tauchen „bestimmte Muster“ immer wieder auf. Ein Teil der Anwender berichtet über mehr Energie und bessere Belastbarkeit. Andere schreiben auch nach Wochen oder Monaten sinngemäß: Ich merke überhaupt nichts. Einige Anwender nehmen Q10 gezielt wegen Muskelbeschwerden unter Statinen und beschreiben Verbesserungen.
Daneben finden sich Berichte über Magenbeschwerden, Unruhe oder Probleme mit dem Schlaf.
Ich denke mir dann immer wieder: Tja Leute… ihr habt einfach das falsche Mittel gekauft. Das lässt sich auch leicht sagen nach über 20 Jahren Erfahrung mit solchen Mitteln.
Aber es war der Punkt an dem ich mir sagte: Dazu sollte ich einen Artikel schreiben…
Das Problem mit den „Sternen“
Ein weiteres „Problem“ welches mir aufgefallen ist, als ich zahlreiche Kundenrezensionen genauer gelesen hatte: Fünf Sterne bedeuten nicht zwangsläufig:
„Das Präparat hat bei mir hervorragend gewirkt.“
Fünf Sterne können genauso gut bedeuten:
„Schnell geliefert.“
„Kapsel lässt sich gut schlucken.“
„Schöne Verpackung.“
„Günstiger Preis.“
„Keine Zusatzstoffe.“
Das liest man gerade bei Amazon sehr oft.
Kann man alles machen, nur hat das mit der physiologischen Wirkung von Q10 herzlich wenig zu tun. Bei künftigen Produktanalysen werde ich deshalb zwei Dinge bewusst auseinanderhalten: die allgemeine Produktzufriedenheit und die tatsächlich berichtete Wirkung.
Das dürfte nicht nur bei Q10 interessant werden.
Statine und Q10: Ein besonders spannendes Kapitel
Bei Statinen wird das Thema Q10 ebenfalls sehr interessant. Statine hemmen die HMG-CoA-Reduktase. Dadurch wird die Cholesterinsynthese gebremst – gleichzeitig wird aber ein Stoffwechselweg beeinflusst, der auch für die körpereigene Q10-Synthese von Bedeutung ist.
Diesen Zusammenhang beschreibe ich bereits ausführlicher in meinem Beitrag Statine und Muskelschmerzen sowie in meinem Beitrag darüber, wie Medikamente die Versorgung mit Vitalstoffen beeinflussen können.
Die entscheidende Frage lautet allerdings: Wenn Q10 unter Statinen sinkt – verschwinden dann auch die Muskelbeschwerden, wenn man Q10 zuführt?
Und genau hier wird die Studienlage interessant, denn diese ist nicht vollkommen einheitlich. Eine Meta-Analyse von 2018 fand Verbesserungen bei mehreren statinassoziierten Muskelsymptomen. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2020 fand dagegen keinen signifikanten Vorteil gegenüber Placebo.
2025 wurde die Frage erneut untersucht. Sieben randomisierte Studien mit insgesamt 389 Teilnehmern wurden ausgewertet. Vier Studien zeigten eine signifikante Verringerung der Muskelbeschwerden, drei nicht. Insgesamt ergab sich ein knapp signifikanter Vorteil, die Autoren fordern aber selbst weitere Forschung. Quelle: Kovacic et al., Journal of Nutritional Science 2025.
Das ist eine Studienlage, mit der man leben kann, wenn man nicht versucht, sie ideologisch passend zu machen. Man kann daraus nicht seriös behaupten, Q10 beseitige bei jedem Patienten die Statinbeschwerden. Aber ebenso wenig kann man behaupten, die Sache sei längst als wirkungslos erledigt.
Meine praktische Konsequenz ist deshalb eine andere: Wenn ein Patient unter einem Statin entsprechende Beschwerden entwickelt, interessiert mich Q10 durchaus – aber eben nicht losgelöst von Medikament, Dosis, Laborwerten, Muskulatur, Belastung, Ernährung und der übrigen Situation.
Medikamente, Vitalstoffe und die Folgen werden oft getrennt betrachtet
Genau das halte ich für einen Fehler. Ein Medikament wirkt nicht in einem luftleeren Raum. Es greift in Stoffwechselwege ein – und damit können sich auch Vitalstoffbedarf, Verträglichkeit und andere Prozesse verändern.
Solche Zusammenhänge greife ich regelmäßig in meinem kostenlosen Praxis-Newsletter auf. Nicht als pauschale Medikamentenschelte, sondern mit der Frage: Was passiert im Organismus tatsächlich?
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Q10 am Abend? Meine klare Empfehlung: lieber nicht
Eine praktische Empfehlung gebe ich meinen Patienten seit Jahren: Q10 nicht am Abend einnehmen.
Gerade Menschen, die gut auf das Präparat reagieren, können eine gewisse Aktivierung bemerken. Die möchte ich nicht ausgerechnet zu einem Zeitpunkt provozieren, an dem der Organismus herunterfahren soll. Auch in klinischen Berichten und Sicherheitsauswertungen werden bei einem Teil der Anwender Schlafprobleme beschrieben, insbesondere bei höheren Dosierungen beziehungsweise später Einnahme.
Meine Praxisregel ist deshalb einfach: Morgens und / oder mittags.
Bei höheren Tagesmengen kann eine Aufteilung auf mehrere Einnahmen sinnvoll sein, die letzte Portion würde ich dennoch nicht in den späten Abend legen. Wer grundsätzlich unter schlechtem Schlaf leidet, findet dazu auch meinen ausführlichen Beitrag Schlafstörungen und Schlafprobleme – Ursachen und naturheilkundliche Möglichkeiten.
Mehr ist nicht automatisch besser
Die Entwicklung bei Nahrungsergänzungsmitteln ist ziemlich rasant – um es mit einem Wort zu formulieren. Was vor einigen Jahren noch als therapeutische Dosierung galt, wird irgendwann zur normalen Kapselgröße. Dann kommt der nächste Anbieter und verdoppelt die Menge. Schließlich verkauft jemand 400 oder 500 mg und schreibt „extra hochdosiert“ auf die Packung.
Die Frage lautet nur: Wofür? Eine Dosierung sollte sich aus dem Einsatzzweck ergeben und nicht daraus, welche Zahl auf Amazon am besten aussieht. Das Bundesinstitut für Risikobewertung weist darauf hin, dass bei Q10-Dosierungen bis 300 mg täglich gelegentlich unter anderem Übelkeit, Sodbrennen, Magen- und Oberbauchbeschwerden sowie Durchfall beobachtet wurden. Für höhere langfristige Zufuhren bestehen nach Auffassung des BfR weiterhin Datenlücken. Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung: Coenzym Q10.
Ja, ich weiß. Das BfR. Aber der Vollständigkeit halber erwähne ich das in diesem Artikel… Meine Leser wissen: die sogenannten Faktenchecker lesen hier längst mit. Da hat man so einen Hinweis besser im Artikel drin.
Aber zum Q10… es spricht gegen das simple Prinzip: Wenn 100 mg gut sind, müssen 500 mg fünfmal besser sein.
Q10 und Medikamente: Auch hier sollte man nicht einfach drauflos supplementieren
Besondere Aufmerksamkeit ist bei Menschen angebracht, die gleichzeitig Medikamente einnehmen. Das BfR weist insbesondere auf Unsicherheiten hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen mit blutdrucksenkenden Arzneimitteln sowie Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ hin. Bei Tagesdosierungen über 100 mg empfiehlt das Institut in solchen Fällen, die Einnahme vorher ärztlich abzuklären.
Das halte ich durchaus für vernünftig. Tatsächlich beobachte ich in der Praxis keine Probleme, aber bei Hochrisiko-Patienten bin auch ich vorsichtig.
Dann stieß ich auf Q10-Produkte, in denen fast kein Q10 steckte
Bei meiner Recherche wurde es an einer Stelle besonders interessant. Der amerikanische Hersteller NOW Foods ließ bereits 2020 mehrere über Amazon angebotene Q10-Präparate mittels HPLC untersuchen. Die Resultate waren teilweise grotesk.
Bei einem mit 200 mg Q10 pro Kapsel ausgezeichneten Produkt wurden 0,46 mg gefunden. Ein als 400-mg-Präparat verkauftes Produkt enthielt 11 mg. Bei zwei mit jeweils 200 mg deklarierten Produkten war überhaupt kein Q10 nachweisbar. Quelle: NOW Foods: CoQ10-Test von Online-Produkten.
Dazu muss man auch wissen: NOW Foods ist selbst Hersteller und damit kein neutraler Verbraucherschutzverein. Die Ergebnisse sind deshalb interessant, aber nicht sakrosankt. Nur ist die Geschichte damit leider nicht beendet.
2025 und 2026 tauchte dasselbe Problem bei Ubiquinol wieder auf
Kaneka, einer der bedeutendsten Hersteller von Ubiquinol-Rohstoff, begann 2025 mit eigenen Marktüberwachungen von Ubiquinol-Präparaten, die über Amazon verkauft wurden.
Auch Kaneka hat selbstverständlich ein wirtschaftliches Interesse an dieser Frage. Entscheidend ist deshalb, wie getestet wurde.
Nach Angaben des Unternehmens wurden die Produkte direkt über Amazon an externe Prüflabore geschickt. Bei mehreren Produkten, die teilweise hohe Ubiquinol-Mengen auf dem Etikett angaben, fanden die Labore lediglich Spuren oder gar kein nachweisbares Ubiquinol.
Bis 2026 waren nach mehreren Testrunden insgesamt zwei Dutzend Produkte auffällig geworden. Quelle: Kaneka Nutrients – Ergebnisse der Marktüberwachung.
Das ist für mich einer der wichtigsten Befunde der gesamten Recherche. Denn bevor wir uns darüber unterhalten, ob Ubiquinol besser ist als Ubiquinon, wie hoch eine Dosis sein sollte oder welche Form am besten aufgenommen wird, gibt es eine noch grundsätzlichere Frage:
Ist in der Kapsel überhaupt das drin, was auf der Packung steht?
Und deshalb haben Laboranalysen für mich bei Nahrungsergänzungsmitteln einen erheblich höheren Stellenwert bekommen.
Herz, Migräne und andere Einsatzgebiete
Q10 wurde im Laufe der Jahre bei zahlreichen Erkrankungen untersucht. Besonders interessant ist die Forschung bei Herzinsuffizienz, wobei Q10 selbstverständlich nicht als Ersatz einer notwendigen kardiologischen Behandlung verstanden werden darf.
Wer sich für naturheilkundliche Begleitmöglichkeiten interessiert, findet dazu meinen Beitrag Herzschwäche und Herzinsuffizienz – naturheilkundliche und ergänzende Ansätze.
Auch bei Migräne gibt es klinische Untersuchungen mit Q10. Die Effekte sind nicht spektakulär bei jedem Patienten, aber interessant genug, dass der Vitalstoff in diesem Zusammenhang immer wieder untersucht wurde. Mehr zu meinem grundsätzlichen Vorgehen bei Migräne finden Sie unter Migräne – Naturheilkunde und Naturheilmittel.
Worauf ich bei einem Q10-Präparat inzwischen besonders achte
Nach der Sichtung der Produkte, Studien, Labordaten und Käuferberichte sind es für mich vor allem einige Fragen, die vor dem Kauf beantwortet werden sollten:
- Handelt es sich um Ubiquinon oder Ubiquinol?
- Wie ist das Q10 formuliert – trockenes Pulver, Öl, Dispersion oder eine andere spezielle Zubereitung?
- Ist der verwendete Rohstoff und seine Herkunft nachvollziehbar?
- Gibt es belastbare Analysen des Endproduktes beziehungsweise chargenbezogene Qualitätsnachweise?
- Passt die Einnahmeempfehlung überhaupt zur Physiologie des Wirkstoffes?
- Ist die Dosis für den geplanten Einsatzzweck sinnvoll?
- Steht der Mehrpreis eines vermeintlichen Premiumproduktes in einem vernünftigen Verhältnis zu einem nachweisbaren Vorteil?
Damit fallen erstaunlich viele Produkte durch ein Raster, obwohl auf den Verkaufsseiten praktisch alle hervorragend aussehen.
Mein Fazit: Bei Q10 interessiert mich nicht die größte Zahl auf der Dose
Coenzym Q10 ist für mich zwar nicht direkt ein Wundermittel, aber wenn Patienten einen Mangel haben ist es deutlich was dann passiert.
Gerade bei Erschöpfung sehe ich in der Praxis immer wieder interessante Effekte. Dass die Meta-Analyse mit 1.126 Teilnehmern eine stärkere Reduktion der Müdigkeit bei längerer Einnahme und höheren Dosierungen fand, passt zu meinen Beobachtungen.
Aber dabei gibt es für mich eine entscheidende Voraussetzung:
- Das Präparat muss stimmen.
- Es muss vernünftig aufgenommen werden.
- Und seine Dosierung muss zur Situation passen.
Wer einfach die Dose mit der größten Milligrammzahl kauft, hat Q10 noch nicht verstanden.
Welches Q10 empfehle ich selbst?
Das ist natürlich die Frage, die nach einem solchen Beitrag übrig bleibt.
Ich habe inzwischen eine ganze Reihe von Q10-Präparaten genauer angesehen: günstige 200-mg-Ubiquinon-Kapseln, ölbasierte Produkte, Kaneka-Ubiquinol, spezielle flüssige Q10-Formulierungen und Präparate, mit denen ich selbst seit Jahren in der Praxis arbeite.
Die Unterschiede sind teilweise erheblich.
Deshalb bereite ich dazu einen ausführlichen Q10-Report vor. Darin werde ich deutlich konkreter als in diesem öffentlichen Beitrag: mit Produktvergleich, Galenik, Dosierungen, Kosten und meinen persönlichen Empfehlungen aus der Praxis.
Außerdem möchte ich dort beantworten, wann ich eher Ubiquinon verwende, wann Ubiquinol für mich interessanter ist, welche Q10-Präparate ich selbst bevorzuge und welche Dosierungen ich in unterschiedlichen Situationen für sinnvoll halte.
Wenn Sie den Q10-Report und meine weiteren Vitalstoff-Analysen nicht verpassen möchten:
Tragen Sie sich in meinen kostenlosen Vitalstoff-Newsletter mit den „5 Wundermitteln“ ein. Dort informiere ich meine Leser auch über neue ausführliche Analysen und Praxisberichte.
Kleine Anmerkung: Die „5 Wundermittel“ sind seit Jahren eines der beliebtesten Themen bei meinen Patienten und Lesern. Vielleicht auch deshalb, weil ich dort nicht nur schreibe, was man alles nehmen könnte – sondern vor allem, worauf ich bei solchen Mitteln tatsächlich achte.
Quellen und weiterführende Informationen
- Tsai IC et al.: Effectiveness of Coenzyme Q10 Supplementation for Reducing Fatigue. Front Pharmacol. 2022.
- Kovacic S et al.: Effects of Coenzyme Q10 supplementation on myopathy in statin-treated patients. J Nutr Sci. 2025.
- Kennedy C et al.: Effect of Coenzyme Q10 on statin-associated myalgia. Atherosclerosis. 2020.
- Bundesinstitut für Risikobewertung: Coenzym Q10 – gesundheitliche Risiken und offene Fragen.
- NOW Foods: Analytische Untersuchung von online angebotenen CoQ10-Präparaten.
- Kaneka Nutrients: Ubiquinol Market Surveillance.
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