Wenn Parkinson-Medikamente Vitamin B6 rauben
Parkinson-Medikamente gelten als Standardtherapie. Jahrzehntelang im Einsatz, millionenfach verordnet. Man könnte also annehmen, dass über diese Präparate längst alles bekannt ist.
Nun verlangt die US-Behörde U.S. Food and Drug Administration neue Warnhinweise für Carbidopa/Levodopa Präparate wegen Vitamin-B6-Mangel und damit assoziierter Krampfanfälle. Und genau hier wird es biochemisch interessant.
Denn Vitamin B6 ist nicht irgendein „Vitaminchen“, das man halt zusätzlich nehmen kann oder auch nicht. Die aktive Form von Vitamin B6, Pyridoxal-5-Phosphat (PLP), ist zentral für die Umwandlung von Levodopa zu Dopamin.
Vereinfacht gesagt läuft die Reaktion so:
Das Enzym DOPA-Decarboxylase benötigt Vitamin B6 als Cofaktor. Ohne ausreichend B6 funktioniert diese Umwandlung schlechter.
Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Carbidopa wurde genau deshalb entwickelt, um die Umwandlung von Levodopa außerhalb des Gehirns zu blockieren. Sonst würde zu viel Dopamin bereits im Körper entstehen und nicht dort, wo man es haben will: im Gehirn.
Das Problem dabei scheint zu sein (soweit ich das verstanden habe): Carbidopa bindet die aktive Form von Vitamin B6 chemisch. Dadurch kann langfristig ein funktioneller Vitamin-B6-Mangel entstehen. Und Vitamin B6 ist eben nicht nur für Dopamin wichtig.
B6 wird unter anderem gebraucht für:
- Neurotransmitterbildung
- Nervenfunktion
- GABA-Synthese
- Homocystein-Abbau
- Energiestoffwechsel
- Blutbildung
Ausführlicher zum Vitamin B6 hatte ich hier geschrieben: Vitamin B6 – Nutzen, Mangel und Nebenwirkungen
Sinkt B6 zu stark ab, kann das neurologische Folgen haben. Genau darauf weist die FDA jetzt hin. In mehreren Fällen traten Krampfanfälle auf, die teilweise erst auf Vitamin-B6-Gaben ansprachen. Nicht auf klassische Antiepileptika. Das ist bemerkenswert, denn es zeigt erneut ein Grundproblem moderner Pharmakotherapie: man schaut oft nur auf den Wirkstoff und seine Hauptwirkung. Der Stoffwechsel dahinter wird erstaunlich häufig ignoriert! Ich weise seit Jahren darauf hin… Und genau deshalb spreche ich auch seit Jahren von „Vitaminfressern“ bei sehr vielen Medikamenten. Ich hatte dazu u.a. hier geschrieben: Welche Medikamente führen zu Vitamin-Mangel?
Nicht weil Medikamente grundsätzlich „böse“ wären. Sondern weil viele Arzneimittel biochemische Folgekosten erzeugen, die im Alltag zu selten kontrolliert werden. Und: viele Ärzte wissen nichts davon oder ignorieren es einfach. Und viele Patienten erfahren davon nie etwas.
Fazit
Die FDA-Warnung ist deshalb mehr als eine Randnotiz für Parkinson-Patienten. Sie ist ein Lehrstück darüber, wie eng Pharmakologie und Mikronährstoffmedizin eigentlich zusammengehören.
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