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Histamin-Intoleranz: Welche Probiotika sind sinnvoll?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Histamin ist ein biogenes Amin, also eine bioorganische Sickstoffverbindung. Der Körper bildet das Gewebs-Hormon  in fast allen Organen und Geweben. Histamin ist an der Steuerung vieler physiologischer Funktionen beteilig. Der Botenstoff gibt das Signal zur Erweiterung der Blutgefäße und zur Verengung der Bronchien. Die Sekretion der Magensäure wird angeregt und unter Umständen das Erbrechen ausgelöst. Im Zentral-Nerven-System versetzt das Hormon spezielle Neuronen in Alarmstimmung. Histamin fungiert damit auch als Mediator für Entzündungs-Reaktionen, die sich in Juckreiz und Schwellungen äußern.

Bei Histamin-Intoleranz ist der Abbau des Hormons durch eine Enzym-Störung im Körper reduziert. Daher dürfen die Patienten nicht zu viel Histamin mit der Nahrung aufnehmen und auch keine Lebensmittel verzehren, die den Abbau des Histamins behindern (zum Beispiel verboten: fermentierte und geräucherte Lebensmittel, Hülsenfrüchte, viele Obstsorten, Tee, Kakao).

Die Freisetzung von Histamin in Lebensmitteln resultiert häufig aus den darin enthaltenen Bakterien. Für Menschen mit Histamin-Intoleranz ist daher Vorsicht geboten bei probiotischen Produkten. Auf der anderen Seite können Probiotika die Behandlung der Erkrankung unterstützen. Denn einige Bakterien-Linien senken die Freisetzung von Histamin (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18544899). Ob ein Probiotikum die Histamin-Intoleranz bessert oder verschlimmert, hängt von der Zusammensetzung der Keime im Produkt ab. Einige Kulturen haben auf die Histamin-Freisetzung auch gar keinen Einfluss.

Gänzlich unbedenklich sind hier alle Bifidobacterium-Stämme, die keinen Anstieg des Histamin-Spiegels  bewirken. Die Spezies B. infantis und B. longum reduzieren sogar die Entstehung von Histamin (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18544899). Keine Erhöhung der Histamin-Konzentration  generieren 3 Arten von Lactobacillus: L. gasseri, L. rhamnosus und L. salivarius (Beutling, Dorothea M et al., „Biogene Amine in der Ernährung“, Berlin, 1996, ISBN: 3540603980 / 3-540-60398-0). 

Bei Histamin-Intoleranz sollten solche Kulturen gemieden werden, für die eine Histamin-Freisetzung belegt ist oder stark vermutet wird. Dies sind Lactobacillus-Stämme der Spezies L. casei, L. delbrueckii subspecies bulgaricus, L. fermentii, L. lactis, L. plantarum und L. reuteri. Zu den Histamin-Produzenten gehören auch Escherichia coli und Enterococcus faecialis und ihre Schwesterart E. faecium  (http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1365-2621.2011.02717.x/abstract).

Das biogene Amin Tyramin hemmt den Abbau von Histamin. Leider gibt es auch probiotische Bakterien-Stämme, die Tyramin freisetzen und dadurch indirekt die Histamin-Intoleranz fördern. Dazu sollen Lactobacillus helveticus und L. thermophilus gehören. Die Datenlage ist hier aber noch recht dürftig.

Menschen mit Histamin-Intoleranz können die Therapie mit probiotischen Präparaten unterstützen. Empfehlenswert ist derzeit die Beschränkung auf Bifidobacterium infantis und B. longum.