Nattokinase gegen Spike-Proteine und Mikrogerinnsel – Illustration eines Blutgefäßes mit Fibrinnetzen, roten Blutkörperchen und Enzymwirkung.

Nattokinase gegen Spike-Proteine und Mikrogerinnsel?

Nattokinase ist vor allem für ihre fibrinolytische Wirkung bekannt. Das Enzym kann den körpereigenen Abbau von Fibrin unterstützen, beeinflusst verschiedene Gerinnungsprozesse und könnte damit einer unerwünschten Gerinnselbildung entgegenwirken.Interessant wird diese Wirkung im Zusammenhang mit Covid-19, Long Covid und Beschwerden nach den sogenannten Corona-Impfungen. Seit Jahren gibt es Hinweise auf Störungen der Blutgerinnung, Schäden am Gefäßendothel und ungewöhnliche fibrinreiche Ablagerungen. Vieles davon wurde anfangs als Spekulation abgetan. Inzwischen ist die Forschung einige Schritte weiter.

Eine japanisch-taiwanische Laborstudie aus dem Jahr 2022 zeigte zudem, dass Nattokinase das Spike-Protein von SARS-CoV-2 abbauen kann. Die entscheidende Frage lautet:

Kann oral eingenommene Nattokinase auch im menschlichen Körper Spike-Proteine und fibrinreiche Mikrogerinnsel beseitigen?

Aus meiner Sicht ja. Der Ansatz ist biochemisch plausibel. Klinisch „bewiesen“ ist er bisher nicht. Aber wer hat daran schon ein Interesse?

Übrigens: grundlegende Informationen über Herkunft, Wirkung, Dosierung und mögliche Einsatzgebiete finden Sie in meinem ausführlichen Beitrag: Nattokinase – Schlüssel zur Blutreinigung, Biofilmauflösung und Arteriosklerose?

Was die Nattokinase-Studie tatsächlich zeigte

Im August 2022 veröffentlichten Takashi Tanikawa und seine Kollegen eine Studie mit dem Titel „Degradative Effect of Nattokinase on Spike Protein of SARS-CoV-2“.

Die Forscher verwendeten Zellkulturen, die zur Produktion des SARS-CoV-2-Spike-Proteins veranlasst worden waren. Anschließend brachten sie Zelllysate und spikeproduzierende Zellen mit Nattokinase in Kontakt.

Das Ergebnis:

Das Spike-Protein wurde durch Nattokinase abgebaut. Der Effekt war sowohl dosisabhängig als auch zeitabhängig. Je höher die eingesetzte Enzymmenge und je länger die Einwirkzeit, desto stärker fiel der Abbau aus. Auch Spike-Protein auf der Oberfläche der untersuchten Zellen wurde reduziert.

Nattokinase kann unter Laborbedingungen das Spike-Protein von SARS-CoV-2 enzymatisch abbauen.

Die Dosis- und Zeitabhängigkeit ist bedeutsam. Sie spricht dafür, dass tatsächlich die enzymatische Wirkung der Nattokinase beobachtet wurde und kein zufälliges Verschwinden des Proteins.

Mehr beweist die Untersuchung zunächst nicht.

Untersucht wurden weder Patienten noch Impfgeschädigte. Die Forscher verwendeten auch keine Blut- oder Gewebeproben von Geimpften. Die Studie zeigt daher nicht, dass eine Kapsel Nattokinase beim Menschen automatisch Spike-Proteine aus Organen, Gefäßen und Geweben entfernt.

Sie zeigt jedoch, dass der Mechanismus grundsätzlich möglich ist. Und genau das macht die Arbeit so interessant. Die Originalstudie ist zu finden unter: Degradative Effect of Nattokinase on Spike Protein of SARS-CoV-2

Spike-Protein und Blutgerinnung: Der Zusammenhang wird konkreter

Zu Beginn der Impfkampagne warnten verschiedene Wissenschaftler davor, dass die künstlich angeregte Spike-Produktion Auswirkungen auf Gefäßwände, Blutplättchen und Gerinnungsprozesse haben könnte.

Solche Warnungen galten damals schnell als „Desinformation“. Inzwischen lässt sich die Wechselwirkung zwischen Spike-Protein und Blutgerinnung kaum noch bestreiten – zumindest im Zusammenhang mit SARS-CoV-2.

Eine 2024 in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Arbeit zeigte, dass das Spike-Protein direkt an Fibrin beziehungsweise Fibrinogen binden kann. Dabei entstanden veränderte, entzündungsfördernde Gerinnsel, die schlechter abgebaut wurden und in den Versuchsmodellen Immunaktivierung, oxidativen Stress und neurologische Schäden förderten.

Damit erhält eine ältere Beobachtung erheblich mehr Gewicht: Das Spike-Protein ist offenbar mehr als ein bloßer Türöffner, mit dem das Virus an den ACE2-Rezeptor bindet. Es kann mit einem zentralen Bestandteil der Blutgerinnung interagieren und die Struktur sowie die entzündliche Wirkung von Fibrin verändern.

Die Autoren der Nature-Arbeit untersuchten vor allem SARS-CoV-2-Infektionen und experimentelle Modelle. Daraus folgt noch kein direkter Beweis, dass jedes nach einer Impfung produzierte Spike-Protein dieselben Folgen verursacht. Die molekulare Verbindung zwischen Spike und Fibrin ist damit allerdings dokumentiert.

Originalstudie: Fibrin drives thromboinflammation and neuropathology in COVID-19

Was Professor Burkhardt früh beschrieben hatte

In der ursprünglichen Fassung dieses Beitrags schrieb ich:

Laut Aussagen von Professor Burkhardt macht das Spike-Protein genau das, was man von ihm vor gut zwei Jahren „erwartet“ hatte. Mehr Informationen darüber auf der Webseite der Pathologie-Konferenz: „Pathologie der Impftoten und Impfschäden: Nach der Evidenz erste Beweise“.

Professor Arne Burkhardt und seine Kollegen berichteten über histopathologische Veränderungen in Gewebeproben von Menschen, die nach einer Covid-19-Impfung verstorben waren oder schwere gesundheitliche Probleme entwickelt hatten.

Dazu gehörten unter anderem entzündliche Gefäßveränderungen, lymphozytäre Infiltrate und der immunhistochemische Nachweis von Spike-Protein in auffälligen Gewebestrukturen. Die Ergebnisse, Vorträge und Präsentationen sind weiterhin auf der Seite der Pathologie-Konferenz dokumentiert: Pathologie der Impftoten und Impfschäden: Nach der Evidenz erste Beweise

Natürlich waren diese Untersuchungen keine repräsentative Bevölkerungsstudie. Es handelte sich um ausgewählte Verdachtsfälle, bei denen ein Zusammenhang mit der Impfung geprüft werden sollte. Damit lassen sich keine allgemeinen Häufigkeiten berechnen.

Kritiker und vor allem „die Zeugen Coronas“ bemängelten unter anderem die Fallauswahl, fehlende Kontrollgruppen und die Interpretation der immunhistochemischen Befunde. Das ändert nichts daran, dass auffällige pathologische Befunde untersucht und wissenschaftlich diskutiert werden müssen. Man widerlegt eine Gewebeveränderung nicht dadurch, dass man den Pathologen, der darauf hinweist, zum Problem erklärt.

Gerade bei neuartigen Arzneimitteltechnologien wäre eine systematische, unabhängige Nachuntersuchung solcher Fälle selbstverständlich gewesen. Stattdessen entstand häufig der Eindruck, dass ein möglicher Zusammenhang möglichst schon vor der Untersuchung ausgeschlossen werden sollte. Wissenschaft funktioniert eigentlich umgekehrt – aber wen interessierte das (vor allem) im Zuge von Corona wirklich?

Wie lange bleiben modRNA und Spike-Produktion im Körper?

In der alten Fassung meines Beitrags sprach ich von einem Nachweis der modRNA über drei Monate… Diese Aussage würde ich heute präziser formulieren. Die oft verbreitete Vorstellung, die Impf-mRNA werde innerhalb weniger Stunden oder weniger Tage vollständig abgebaut und bleibe weitgehend am Injektionsort, ist in dieser Einfachheit nicht haltbar. In einer kleinen Untersuchung ließ sich impfstoffbezogene synthetische mRNA bis zu 15 Tage nach der Impfung im Blut nachweisen: Vaccine mRNA Can Be Detected in Blood at 15 Days Post-Vaccination

Andere Forscher fanden Impf-mRNA und Spike-Protein bis zu 60 Tage nach der Impfung in Keimzentren von Lymphknoten. In einer Autopsiestudie wurde Impf-mRNA außerdem bei einigen kurz zuvor geimpften Personen im Herzgewebe nachgewiesen. In dieser Arbeit war Impf-mRNA in einem Teil der untersuchten Gewebeproben innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen nach der Impfung nachweisbar: Duration of SARS-CoV-2 mRNA vaccine persistence and factors associated with cardiac involvement

Das zeigt, dass die biologische Verweildauer variabler und teilweise erheblich länger sein kann, als zu Beginn öffentlich vermittelt wurde. Für Patienten mit anhaltenden Beschwerden bleibt daher die Frage berechtigt, ob bei ihnen weiterhin Spike-Protein, Spike-Fragmente, veränderte Fibrinstrukturen oder fortbestehende Immunreaktionen eine Rolle spielen.

Diese Frage ist durch ein gewöhnliches Blutbild nicht beantwortet und schon gar nicht durch den vorschnellen Hinweis, die Beschwerden seien wahrscheinlich psychosomatisch. Ich kontrolliere und sehe die Probleme der Patienten übrigens im Dunkelfeldmikroskop. Mehr dazu hier: Dunkelfeldmikroskopie: Entzündungen, Ghosts & deformierte Blutkörperchen erklärt und hier: Dunkelfeldtherapie – Was ist das?

Mikrogerinnsel bei Long Covid

Bereits 2021 beschrieb die Arbeitsgruppe um Resia Pretorius ungewöhnliche fibrinreiche Ablagerungen im Plasma von Long-Covid-Patienten. Diese Strukturen wiesen amyloidartige Eigenschaften auf und waren gegenüber der normalen Fibrinolyse auffallend widerstandsfähig. In ihnen fanden sich zudem verschiedene entzündungsrelevante Proteine: Persistent clotting protein pathology in Long COVID

In einer weiteren Untersuchung wurden bei Long-Covid-Patienten deutliche fibrinamyloide Mikrostrukturen und Veränderungen der Blutplättchen beschrieben: Combined triple treatment of fibrin amyloid microclots and platelet pathology in Long COVID

Eine 2025 veröffentlichte Arbeit bestätigte, dass solche zirkulierenden Mikrostrukturen bei Long-Covid-Patienten vermehrt vorkamen. Darüber hinaus waren sie strukturell mit sogenannten neutrophilen extrazellulären Netzen, kurz NETs, verbunden.

NETs sind netzartige Strukturen, die von aktivierten Immunzellen freigesetzt werden und Entzündung sowie Gerinnungsprozesse weiter antreiben können: Circulating Microclots Are Structurally Associated With Neutrophil Extracellular Traps

Damit ergibt sich ein schlüssiges Modell:

Spike-Protein, Entzündung und Endothelschäden fördern eine veränderte Fibrinbildung. Die entstehenden Ablagerungen sind schwer abbaubar, behindern möglicherweise die Mikrozirkulation und halten gleichzeitig Immun- und Entzündungsprozesse am Laufen.

Das könnte Beschwerden wie chronische Erschöpfung, Brain Fog, Belastungsintoleranz, Atemnot, Muskelschmerzen, Kreislaufprobleme und neurologische Symptome zumindest teilweise erklären.

Zu den Kreislaufproblemen, die nach Infektionen und Impfungen auftreten können, gehört auch das posturale Tachykardiesyndrom. Mehr dazu lesen Sie hier: POTS: Ursachen, Symptome und naturheilkundliche Möglichkeiten

Noch fehlt allerdings ein standardisiertes diagnostisches Verfahren. Die verwendeten Fluoreszenz- und Mikroskopiemethoden sind bislang keine etablierte Routinediagnostik. Auch die genaue biologische und klinische Bedeutung der sichtbaren Strukturen wird weiterhin kontrovers diskutiert.

Warum Nattokinase gleich an zwei Stellen ansetzen könnte…

Nattokinase ist in diesem Zusammenhang aus zwei Gründen interessant.

1. Unterstützung der Fibrinolyse

Nattokinase kann Fibrin abbauen und die körpereigene Fibrinolyse unterstützen.

Eine kleine doppelblinde Cross-over-Studie mit zwölf gesunden Männern zeigte, dass bereits eine einzelne orale Dosis von 2.000 FU verschiedene Marker der Fibrinolyse und Gerinnung über mehrere Stunden beeinflusste.

Die Untersuchung beweist keine Wirkung bei Long Covid. Sie zeigt aber, dass oral eingenommene Nattokinase systemische Effekte entfalten kann.

A single-dose of oral nattokinase potentiates thrombolysis and anti-coagulation profiles

In einer weiteren Pilotstudie wurden nach einer oralen Dosis von 2.000 FU messbare Nattokinase-Spiegel im Serum beschrieben. Die höchsten Werte traten im Durchschnitt erst nach rund 13 Stunden auf.

A pilot study on the serum pharmacokinetics of nattokinase in humans

2. Proteolytische Wirkung

Nattokinase besitzt außerdem eine proteolytische Wirkung. Im Labor konnte sie das Spike-Protein direkt abbauen.

Theoretisch könnte sie daher sowohl auf ungewöhnliche Fibrinstrukturen als auch auf frei zugängliches Spike-Protein oder bestimmte Proteinfragmente wirken.

Das klingt vielversprechend. Zwischen einem schlüssigen Mechanismus und einer klinisch bewiesenen Therapie liegt allerdings ein weiter Weg.

Das sogenannte Mikrogerinnsel- oder Spike-Protokoll

Im Internet kursieren inzwischen verschiedene Protokolle, die Nattokinase mit Bromelain und Curcumin kombinieren.

Ein 2023 veröffentlichter Fachartikel schlug beispielsweise folgende Kombination vor:

  • Nattokinase: 2.000 FU zweimal täglich
  • Bromelain: 500 mg einmal täglich
  • Curcumin: 500 mg zweimal täglich
  • Anwendungsdauer: drei bis zwölf Monate

Die Autoren bezeichneten dies als vorgeschlagenes Basisprotokoll zum Abbau von Spike-Protein, zur Verminderung von Entzündungen und zur Unterstützung beim Abbau von Mikrothromben: Clinical Approach to Post-acute Sequelae After COVID-19 Infection and Vaccination

Der Artikel beschreibt einen vorgeschlagenen klinischen Ansatz. Es handelt sich nicht um eine randomisierte, placebokontrollierte Wirksamkeitsstudie des gesamten Protokolls. Offiziell gilt es als nicht bewiesen, dass diese Kombination Spike-Proteine bei Patienten zuverlässig aus dem Körper entfernt. Ebenso wenig gibt es einen festen Zeitraum, nach dem eine angenommene Spike-Belastung verschwunden sein müsste. Offiziell halt…

Die Kombination ist trotzdem nachvollziehbar:

  • Nattokinase zielt vor allem auf Fibrinolyse und Proteolyse.
  • Bromelain besitzt ebenfalls eiweißspaltende und entzündungsmodulierende Eigenschaften.
  • Curcumin wirkt auf verschiedene entzündliche Signalwege und kann das Gefäßendothel unterstützen.

Weitere Informationen zu Bromelain und systemischen Enzymkombinationen finden Sie in meinem Beitrag: Phlogenzym im Faktencheck: Bromelain, Enzyme und Studienlage

Curcumin besitzt eine notorisch schlechte Bioverfügbarkeit. Welche Darreichungsformen sinnvoll sein können, erläutere ich hier: Curcumin, Kurkuma und das Problem der Bioverfügbarkeit

Durch die Kombination werden mehrere mögliche Problemfelder gleichzeitig angesprochen. Genau das macht ein solches Protokoll interessant und zugleich schwer wissenschaftlich zu beurteilen. Verbessert sich ein Patient, lässt sich kaum feststellen, welcher Bestandteil dafür verantwortlich war.

Fasten, Autophagie und Stoffwechsel

In verschiedenen Mikrogerinnsel-Protokollen werden zusätzlich intermittierendes Fasten oder zeitlich begrenzte Essensfenster empfohlen.

Die Überlegung dahinter ist nachvollziehbar: Nahrungskarenz beeinflusst Insulin, Entzündungsprozesse, den Fettstoffwechsel und die zelluläre Autophagie.

Bei der Autophagie baut die Zelle beschädigte Zellbestandteile, fehlgefaltete Proteine und defekte Mitochondrien ab. Sie ist damit ein zentraler Bestandteil der zellulären Reinigung und Wiederverwertung.

Ausführlich beschreibe ich diesen Mechanismus hier: Autophagie: Wie Fasten die zelluläre Selbstreinigung aktiviert

Ein direkter klinischer Nachweis, dass Fasten die bei Long Covid diskutierten fibrinamyloiden Mikrostrukturen beseitigt, fehlt bislang. Fasten sollte daher nicht als bewiesener „Mikrogerinnsel-Auflöser“ bezeichnet werden.

Als metabolische und entzündungsregulierende Begleitmaßnahme kann es dennoch sinnvoll sein – vorausgesetzt, der Patient ist dafür geeignet. Menschen mit starker Erschöpfung, Untergewicht, Kreislaufinstabilität oder komplexen Vorerkrankungen benötigen eine individuelle Begleitung.

Zur Wirkung des Fastens auf Gefäßentzündung und Arteriosklerose lesen Sie auch: Arteriosklerose umkehren? Wie Fasten die Gefäße schützt

Praktische Überlegungen zur Anwendung

Nattokinase sollte bei einer systemischen Anwendung in der Regel nüchtern eingenommen werden. Wird das Enzym zusammen mit einer eiweißreichen Mahlzeit verzehrt, besteht die Gefahr, dass ein größerer Teil seiner Aktivität bereits im Verdauungstrakt verbraucht wird.

Entscheidend ist außerdem die Angabe der Enzymaktivität in FU – Fibrinolytic Units. Eine reine Milligrammangabe sagt wenig darüber aus, wie aktiv das jeweilige Präparat tatsächlich ist.

2.000 FU gelten bei vielen Präparaten als übliche Tages- beziehungsweise Einzeldosis. Höhere Dosierungen werden in verschiedenen Protokollen verwendet, sind aber nicht automatisch besser.

Die ursprüngliche Fassung dieses Beitrags enthielt sinngemäß die Aussage, Nattokinase sei ungiftig und könne daher bei Bedarf einfach höher dosiert werden. Das war zu großzügig formuliert.

Nattokinase ist zwar kein klassisches Antikoagulans. Sie beeinflusst dennoch Fibrinolyse, Gerinnungsfaktoren und möglicherweise die Blutplättchenfunktion. Damit besitzt sie ein reales Blutungs- und Wechselwirkungspotenzial.

Eine höhere Dosis ist deshalb keine harmlose Spielerei.

Wann besondere Vorsicht erforderlich ist

Nattokinase sollte nicht eigenmächtig mit gerinnungshemmenden Medikamenten kombiniert werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Phenprocoumon beziehungsweise Marcumar
  • Warfarin
  • Heparin
  • Apixaban
  • Rivaroxaban
  • Dabigatran
  • Edoxaban
  • Clopidogrel
  • Acetylsalicylsäure

Auch Bromelain, Curcumin, hoch dosierte Omega-3-Fettsäuren, Ginkgo und verschiedene andere Naturstoffe können die Blutgerinnung zusätzlich beeinflussen.

Mehr zu Wirkung, Qualität, Dosierung und möglichen Wechselwirkungen von Fischöl lesen Sie hier: Omega-3-Fettsäuren: Wirkung, Dosierung und Kaufkriterien

Besondere Vorsicht gilt bei:

  • bekannter Blutungsneigung,
  • Magengeschwüren,
  • häufigem oder starkem Nasenbluten,
  • ausgeprägter Regelblutung,
  • Lebererkrankungen,
  • sehr niedrigem Blutdruck,
  • geplanten Operationen und invasiven Eingriffen,
  • einem vorausgegangenen hämorrhagischen Schlaganfall.

Vor Operationen und invasiven Eingriffen muss Nattokinase rechtzeitig abgesetzt werden. Der konkrete Zeitraum sollte mit dem behandelnden Arzt beziehungsweise Operateur abgestimmt werden.

Warnzeichen sind ungewöhnlich große blaue Flecken, Zahnfleischbluten, Blut im Urin, schwarzer Stuhl, anhaltendes Nasenbluten oder plötzlich auftretende starke Kopfschmerzen.

Kann Nattokinase bereits entstandene Schäden reparieren?

Hier muss man nüchtern bleiben.

Selbst wenn Nattokinase vorhandenes Spike-Protein, bestimmte Proteinfragmente oder fibrinreiche Ablagerungen abbauen sollte, sind damit bereits entstandene Gewebeschäden nicht automatisch behoben.

Eine Myokarditis, geschädigte Nerven, Autoimmunreaktionen, anhaltende Mastzellaktivierung oder mitochondriale Störungen benötigen zusätzliche therapeutische Maßnahmen.

Auch eine fortbestehende Virusreaktivierung oder ein verborgenes Infektionsgeschehen lässt sich nicht allein mit einem fibrinolytischen Enzym behandeln.

Reaktivierte Herpesviren wie das Epstein-Barr-Virus werden als möglicher Teil komplexer Long-Covid-Verläufe diskutiert. Hintergründe zum Epstein-Barr-Virus finden Sie hier: Pfeiffersches Drüsenfieber und Epstein-Barr-Virus: Ursachen und naturheilkundliche Therapie

Nattokinase wäre in solchen Fällen ein Baustein – kein vollständiges Therapiekonzept.

Weitere interessante Substanzen sind N-Acetylcystein und Glutathion. N-Acetylcystein unterstützt die Glutathionbildung und wird unter anderem wegen seiner antioxidativen, schleimlösenden und möglicherweise gerinnungsmodulierenden Eigenschaften untersucht. Mehr dazu:

Ist Nattokinase antiviral?

Die alte Fassung dieses Beitrags ging noch einen Schritt weiter und bezeichnete Nattokinase aufgrund des Spike-Abbaus als antiviral.

Das ist als Hypothese denkbar: Ohne funktionsfähiges Spike-Protein kann SARS-CoV-2 nicht über diesen Mechanismus an seine Zielstrukturen binden und in Zellen eindringen.

Die Laborstudie untersuchte jedoch weder eine Virusinfektion im Menschen noch die orale Behandlung einer akuten Covid-Erkrankung. Sie beweist daher keine klinisch antivirale Wirkung.

Die korrekte Aussage lautet:

Nattokinase kann im Labor Spike-Protein abbauen. Ob daraus beim Menschen eine relevante antivirale Wirkung entsteht, ist nicht geklärt.

Das ist weniger spektakulär als die Behauptung eines bewiesenen Medikaments. Wissenschaftlich ist diese Formulierung wesentlich belastbarer.

Warum fehlen die klinischen Studien?

Für eine vernünftige klinische Studie wären mehrere Gruppen notwendig:

  • Nattokinase allein,
  • Nattokinase in Kombination mit Bromelain und Curcumin,
  • unterschiedliche Dosierungen,
  • eine Placebogruppe,
  • klar definierte Patienten- und Symptomgruppen.

Zusätzlich bräuchte man geeignete Marker. Genau hier beginnt das Problem. Routinelabore können weder eine angenommene Spike-Belastung noch fibrinamyloide Mikrostrukturen zuverlässig und standardisiert erfassen.

D-Dimere helfen nur begrenzt. Sie zeigen den Abbau von quervernetztem Fibrin an, sind aber unspezifisch und können trotz entsprechender Beschwerden normal ausfallen. Sie eignen sich nicht als bewiesener Verlaufsmarker für die hier diskutierten Mikrostrukturen.

Hinzu kommt das geringe wirtschaftliche Interesse. Ein Enzym aus fermentierten Sojabohnen lässt sich nicht mit denselben Gewinnspannen vermarkten wie ein patentgeschützter Arzneistoff.

Das erklärt einen Teil der Forschungslücke. Es beweist allerdings nicht automatisch, dass jedes vorgeschlagene Naturstoffprotokoll funktioniert.

Fazit

Nattokinase ist gegenwärtig eine der interessantesten natürlichen Substanzen im Zusammenhang mit Fibrin, Mikrogerinnseln, Long Covid und Beschwerden nach Covid-19-Impfungen.

Gesichert ist:

  • Nattokinase besitzt fibrinolytische Eigenschaften.
  • Nach oraler Einnahme lassen sich systemische Effekte auf Gerinnung und Fibrinolyse messen.
  • Im Labor baut das Enzym das Spike-Protein von SARS-CoV-2 dosis- und zeitabhängig ab.
  • Spike-Protein kann mit Fibrin interagieren und entzündungsfördernde, schlechter abbaubare Gerinnselstrukturen begünstigen.

Bisher nicht gesichert ist:

  • dass oral eingenommene Nattokinase bei Patienten vorhandene Spike-Proteine zuverlässig aus dem Körper entfernt,
  • dass damit bereits entstandene Organ- oder Nervenschäden repariert werden,
  • dass das verbreitete Kombinationsprotokoll aus Nattokinase, Bromelain und Curcumin ein klinisch bewiesenes Heilverfahren ist.

Trotzdem wäre es kurzsichtig, den Ansatz einfach abzutun.

Jahrelang wurden Patienten mit Erschöpfung, Brain Fog, Herzrasen, Belastungsintoleranz und zahlreichen weiteren Beschwerden erklärt, ihre Blutwerte seien normal. Inzwischen zeigt sich, dass möglicherweise nach den falschen Dingen gesucht wurde.

Die Strukturen, um die es geht, erscheinen in keinem gewöhnlichen Blutbild. Das ist kein Beweis dafür, dass sie nicht existieren.

Nattokinase ist kein Wundermittel. Sie ist aber ein biologisch plausibles Werkzeug mit einem ungewöhnlich passenden Wirkprofil: fibrinolytisch, proteolytisch und möglicherweise hilfreich bei Störungen der Mikrozirkulation.

Wer sie einsetzt, sollte dies informiert, vorsichtig und unter Beachtung der bestehenden Medikation tun.

Die Forschung ist noch nicht am Ziel. Sie hat inzwischen allerdings genügend Spuren gefunden, um nicht länger so zu tun, als gäbe es nichts zu untersuchen.


Quellen und weiterführende Literatur

  1. Tanikawa T. et al.: Degradative Effect of Nattokinase on Spike Protein of SARS-CoV-2. Molecules, 2022.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36080170/
  2. Ryu J. K. et al.: Fibrin drives thromboinflammation and neuropathology in COVID-19. Nature, 2024.
    https://www.nature.com/articles/s41586-024-07873-4
  3. Pretorius E. et al.: Persistent clotting protein pathology in Long COVID/Post-Acute Sequelae of COVID-19. Cardiovascular Diabetology, 2021.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34425843/
  4. Pretorius E. et al.: Combined triple treatment of fibrin amyloid microclots and platelet pathology in individuals with Long COVID.
    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9356426/
  5. Thierry A. R. et al.: Circulating Microclots Are Structurally Associated With Neutrophil Extracellular Traps. Journal of Medical Virology, 2025.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41036702/
  6. Kurosawa Y. et al.: A single-dose of oral nattokinase potentiates thrombolysis and anti-coagulation profiles. Scientific Reports, 2015.
    https://www.nature.com/articles/srep11601
  7. Ero M. P. et al.: A pilot study on the serum pharmacokinetics of nattokinase in humans following a single, oral, daily dose.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23709455/
  8. Hulscher N. et al.: Clinical Approach to Post-acute Sequelae After COVID-19 Infection and Vaccination. 2023.
    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10663976/
  9. Castruita J. A. S. et al.: Vaccine mRNA Can Be Detected in Blood at 15 Days Post-Vaccination.
    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9313234/
  10. Krauson A. J. et al.: Duration of SARS-CoV-2 mRNA vaccine persistence and factors associated with cardiac involvement in recently vaccinated patients.
    https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10533894/
  11. Dokumentation der Pathologie-Konferenz um Professor Arne Burkhardt und Professor Walter Lang.
    https://www.pathologie-konferenz.de/

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