Inositol – Wirkung, Anwendungen und Studien zu
Inositol
Inositol, auch Inosit, chemisch Cyclohexanhexol, ist ein sechswertiger Alkohol, der vielfach in der Natur vorkommt.
Es kann in neun verschiedenen Stereoisomeren vorliegen und ist ein Isomer von Glukose. Seine häufigste Form ist
myo-Inositol. Sie kommt in zahlreichen Pflanzen sowie in tierischem Gewebe vor.
Inositol ist in vielen Nahrungsmitteln als myo-Inositol enthalten. In der Vergangenheit wurde Inositol auch als
Muskelzucker bezeichnet, doch handelt es sich bei dem Stoff nicht um ein Kohlenhydrat entsprechend der aktuellen
Definition. Ebenso ist inzwischen die frühere Einteilung von Inositol als B-Vitamin umstritten, denn es ist kein essentieller Nährstoff.
Inositol spielt als sekundärer Botenstoff in der Signalweiterleitung der Zelle eine wichtige Rolle. Der
entsprechende Signalweg startet an den Phospholipiden der Zellmembran und kann vielfältige Auswirkungen im Körper
haben. Daneben kann Inositol selbst Strukturelement der Phospholipide der Zellmembranen sein und dort als Anker für
verschiedene Enzyme dienen.(1)

Im Gehirn sind für die gesunde Nervenfunktion und Signalweiterleitung Botenstoffe wichtig, deren Vorstufe
Inositol darstellt und bei Depressiven fand man eine verminderte Konzentration an Inositol in der
Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit.(2)
Inositol wurde in der Therapie verschiedener psychischer Erkrankungen erforscht, nicht zuletzt, weil ein
verminderter Level an Inositol bei Depressionen und anderen Erkrankungen auftritt. Dabei zeigten sich Erfolge der
Inositol-Behandlung vor allem bei psychischen Krankheiten wie Depressionen (3), Panikattacken
(4), Agoraphobie, Alzheimer (2), Essstörungen wie Bulimie und binge eating-Fressattacken
(5) sowie Zwangsstörungen und Neurosen (6).
Inositol hat dabei bislang kaum Nebenwirkungen gezeigt. Nachweislich gibt es durch die Einnahme keine
Veränderungen in der Leber, den Nieren oder der Blutfunktion. In der Behandlung von Panikattacken und
Zwangsstörungen war Inositol laut einer Studie aus dem Jahr 2001 ebenso effektiv wie das Antidepressivum
Fluvoxamin, das oft von Therapeuten verschrieben wird.(7)
In einer weiteren Studie zeigte sich Inositol therapeutisch so wirkungsvoll wie das Dibenzazepin
Imipramin.(8) Imipramin hat Suchtpotential, wirkt bei Fruchtfliegen erbgutschädigend und erhöht
möglicherweise das Risiko, an Krebs zu erkranken. Fluvoxamin dagegen hat wie alle selektiven
Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) deren typische Nebenwirkungen, die bis zu Suizidgedanken reichen können.
Einige Patienten reagieren jedoch gar nicht auf SSRI. In solchen Fällen können Substanzen wie Lithium eine Wirkung
der SSRI beim Patienten hervorrufen, während eine Kombination von SSRI mit Inositol diesen Effekt nicht
erreicht.(9)
Dafür kann Inositol beim Menschen die Nebenwirkungen von Lithium mindern.(8) Beim Einsatz des
Stoffs in der Therapie ist jedoch die Art des verwendeten Inositols von Bedeutung. Während myo-Inositol
antidepressiv wirken kann, konnte mit epi-Inositol keine vergleichbare Wirkung erzielt werden.(10)
Der Optimismus, mit Inositol einen natürlichen und nebenwirkungsarmen Wirkstoff gegen Depressionen gefunden zu
haben, wurde allerdings durch einige Studien gedämpft. Eine 2004 veröffentlichte Studie der Universität Oxford fand
keine klaren Belege für eine therapeutische Wirkung von Inositol bei Depressionen. An der Studie nahmen 141
Patienten teil.(11)
Neuere Studien zeigen dagegen, dass die Einnahme von Inositol in Kombination mit Stimmungsstabilisierern wie
Antikonvulsiva bei bipolarer Depression durchaus effektiv sein kann.(21)
Auch bei der prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDD), einer besonders schweren Form des prämenstruellen
Syndroms, die rund fünf Prozent der Frauen betrifft, wirkte sich die Einnahme von myo-Inositol laut einer Studie
aus 2011 nachweislich lindernd aus, auch auf mit der Störung auftretende Depressionen. Die Frauen hatten Inositol
als Gelkapseln oder Pulver eingenommen. PMDD gehört zu den Krankheiten, die auf SSRI ansprechen.(20)
Einige Forscher untersuchten eine mögliche analgetische Wirkung von Inositol. Ein analgetischer wie
entzündungshemmender Effekt konnte für Inositol-Trisphosphat (IP3) belegt werden, als der Wirkstoff Patienten nach
einer Gallenblasenentfernung gegeben wurde. Die Einnahme verminderte die Schmerzen, während es zu keinen
Nebenwirkungen kam. Auch die Menge an Opioiden konnte durch die Inositol-Einnahme gesenkt
werden.(12)
Autistischen Kindern oder Patienten mit posttraumatischem Stress-Syndrom konnte die Einnahme von Inositol nicht
helfen. Auch bei Schizophrenie zeigte sich kein Erfolg einer Inositol-Einnahme von 12 Gramm
täglich.(2) Insgesamt zeigt sich, dass Inositol vor allem bei Krankheiten wirkt, die auch auf die
Einnahme von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern ansprechen.
Vermutlich durch den Einfluss auf das Nervensystem kann Inositol, das Neugeborenen, insbesondere Frühgeborenen,
30 Tage lang von Geburt an zugefüttert wird, verhindern, dass die Säuglinge eine Frühgeborenen-Retinopathie
entwickeln, deren Ursache eine Unterentwicklung der Netzhautgefäße ist.(13)
Bei Kindern, die vor der 30. Schwangerschaftswoche geboren werden, liegt das Risiko dieser Krankheit je nach
Quellenangabe bei 16 bis 56 Prozent. Die Krankheit bildet sich auch unbehandelt bei circa 90 Prozent der Kinder
wieder zurück. Falls nicht, wird eine medizinische Behandlung notwendig. Das Risiko einer Netzhautablösung bleibt
lebenslang erhöht.(14)
Bei Frühgeborenen mit Atemnotsyndrom und künstlicher Ernährung wirkt sich die Verabreichung von Inositol
ebenfalls positiv aus: Sie haben eine erhöhte Überlebensrate und erleiden seltener eine bronchopulmonale Dysplasie,
eine chronische Lungenkrankheit, die verstärkt bei künstlicher Beatmung Frühgeborener auftritt, die durch das
Atemnotsyndrom notwendig wird. Die Lungenkrankheit kann bis zum Tod führen.(15) Die entsprechende
Studie zeigte zudem deutliche Hinweise darauf, dass Inositol eine Frühgeborenenretinopathie verhindert.
2003 konnten US-Forscher eine neue, mögliche Anwendung von Inositol beschreiben. Bei Inositolhexaphosphat (IP6)
handelt es sich um phosphoryliertes Inositol, das natürlich in nahezu allen Pflanzen- und Säugetierzellen vorkommt,
und das sich als deutlich krebshemmend erwiesen hat.
Auch Inositol besitzt moderate Anti-Krebs-Eigenschaften. Die Wissenschaftler setzten beides kombiniert ein und
konnten mit dieser Kombination eine deutlich erhöhte Effektivität gegen Krebszellen erreichen. Die
Zellproliferation wurde eingeschränkt und bösartig veränderte Zellen wurden zu erhöhter Differenzierung angeregt,
sodass viele sich wieder zum normalen Zelltyp zurückentwickelten.
Die Kombination beider Stoffe erhöht zudem die Wirkung der konventionellen Chemotherapie, hemmt die
Metastasenbildung und erhöht die Lebensqualität von Krebspatienten. Wie die Inositole dies erreichen, konnte noch
nicht vollständig entschlüsselt werden. Doch ihre Sicherheit in der Anwendung und ihr reichliches Vorkommen in
vielen Nahrungsmitteln machen die Stoffe zu wichtigen Komponenten im Kampf gegen Krebs und der
Krebs-Prävention.(16)
Die Anti-Krebswirkung von IP6 war bereits 1997 von der Forschung erkannt worden.(17) Nun ist die
unterstützende Rolle von Inositol ebenfalls belegt worden. Klinische Studien der Phase I und II stehen zwar noch
aus, doch stimmen die vorläufigen Ergebnisse sehr hoffnungsvoll und mit einer bewussten Ernährung kann jeder den
Anteil an Inositol und seinen phosphorylierten Derivaten in der Nahrung erhöhen und so die eigene Gesundheit
stärken.
Mit Nahrungsmitteln, die natürlicherweise reich an myo-Inositol sind, kann man sich ohne Probleme gezielt
inositolreich ernähren und damit möglicherweise einen wohltuenden Effekt auf Krankheiten bewirken, bei denen sich
die Einnahme von Inositol als hilfreich erwiesen hat. Laut einer Untersuchung der Universität Alabama und des
Veterans Administration Medical Center aus dem Jahr 1980 (18) sind folgende Nahrungsmittel
besonders reich an Inositol:
Nahrungsmittel mit Inositol-Gehalt in mg pro Gramm Lebensmittel:
| Weizenbrot |
11,5 |
| Hamburgerbrötchen |
4,8 |
| Trockenplaumen |
4,7 |
| Cantaloupe - Melone |
3,6 |
| Leberkäse |
3,5 |
| Orangen |
3,1 |
| Mandeln |
2,8 |
| Vollkorn Frühstücksflocken |
2,7 |
| Kidneybohnen (Konserve) |
2,5 |
| Orangensaft |
2,0 |
| Grapefruit |
2,0 |
| Walnüsse |
2,0 |
Weitere Lebensmittel und ihr Gehalt an Inositol sind in der Studie aufgelistet, die insgesamt 487 Nahrungsmittel
untersucht hat. Die Gehaltsangabe gibt dabei keine Auskunft darüber, ob Inositol aus dem Nahrungsmittel für den
Körper leicht verfügbar ist, denn in manchen Pflanzen liegt es als unverdauliche Phytinsäure
(Inositolhexaphosphorsäure) vor. Aus den meisten pflanzlichen Quellen ist Inositol jedoch für den Menschen
verwertbar.
Inositol ist als Nahrungsergänzungsmittel pur oder in Kombination mit anderen Nährstoffen im Handel. Wer es mit
den Präparaten versuchen möchte, kann sich an den in verschiedenen Studien als wirksam beschriebenen Dosen von 12
bis 18 Gramm täglich orientieren. Genaue Dosierungsangaben für Inositol als Nahrungsergänzung liegen nicht vor,
doch sind ernste Nebenwirkungen nicht zu befürchten. Schwangere sollten auf die Einnahme jedoch verzichten, da
Inositol in hohen Dosen Kontraktionen des Uterus auslösen kann.(19)
Daneben muss bedacht werden, dass die Wirkung von Inositol teilweise noch umstritten ist. Daher dürfen
Inositol-Präparate niemals als Ersatz für Arzneimittel oder eine Behandlung bei Fachleuten gelten.
Die Kosmetikindustrie hat die sehr guten kosmetischen Eigenschaften von Inositol entdeckt und bietet
Pflegeprodukte mit dem Stoff an, die der Faltenbildung entgegenwirken und eine Hautglättung bewirken.
Als kosmetischer Wirkstoff ist Inositol feuchtigkeitsspendend, hautglättend und antistatisch. Damit hilft es,
die Hautfeuchtigkeit zu verbessern oder das Haar zu pflegen. Inositol steckt daher in so verschiedenen Produkten
wie Body Lotion vom Discounter über Markenshampoo bis zur teuren Anti Aging-Pflege namhafter Kosmetikhersteller und
ist ein durchaus empfehlenswerter, natürlicher Inhaltsstoff für Haut- und Haarpflegeprodukte.
Allerdings wird Inositol als Wirkstoff in Kosmetik in der Regel nicht explizit beworben. Es ist in der
Auflistung der Inhaltsstoffe auf den Produkten zu finden und wird meist als Inositol bezeichnet. Alternative
Bezeichnungen sind Cyclohexanhexol, Inosit oder Myo-Inosit.

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