Astaxanthin: Nutzen, Studien und
Anwendung
Antioxidantien beschäftigen Wissenschaft und Industrie schon lange. Sie fangen freie Radikale und wirken
gesundheitsfördernd. Freie Radikale entstehen im Körper vor allem durch UV-Strahlung oder durch Sport im anaeroben
Stoffwechselbereich. Sie rufen Zellschäden hervor und können zu bestimmten Krankheiten führen. Oxidativer Stress
entsteht, wenn es zu einem Ungleichgewicht von Antioxidantien und reaktiven Radikalen kommt.
Carotinoide, die natürlichen Farbstoffe aus Pflanzen, gehören zu den wirksamen, natürlichen Antioxidantien. Sie
sind in einer ausgewogenen Ernährung vorhanden und finden außerdem Einsatz in Kosmetik und Nahrungsergänzung. Ein
derzeit vieldiskutiertes Carotinoid ist Astaxanthin, das der Wissenschaft schon lange bekannt ist. Im Körper kann
dieses Carotinoid oxidativen Stress und Entzündungsprozesse hemmen. Es wird von der Algenart Haematococcus
pluvialis und einigen Pilzarten produziert und findet sich zudem in Organismen, die die Alge verzehren, darunter
viele Meeresbewohner und Lachs, der dem Astaxanthin seine intensive Fleischfarbe verdankt.

In wissenschaftlichen Studien hat Astaxanthin bislang eine bemerkenswerte, antioxidative Wirkung gezeigt.
Dabei hat das Carotinoid neben den positiven Effekten in keiner der bislang durchgeführten acht klinischen Studien
bei einem der über 180 Patienten zu Nebenwirkungen geführt, während sich Blutwerte und Stressfaktoren deutlich
verbesserten. (Fasset & Coomes, in Future Cardiology, 2009) Herzschützende Eigenschaften wurden in mehreren
Tierversuchen gezeigt. (Fasset & Coomes, in Marine Drugs, 2011). Es ist allerdings offen, ob Astaxanthin auch
nach einem Herzinfarkt heilende Eigenschaften hat oder nur vorbeugend wirkt. Es wird allerdings als
potentieller Wirkstoff bei cardiovaskulären Krankheiten diskutiert und erforscht. Entzündungsreaktionen und
oxidativer Stress sind dabei Ursache vieler dieser Erkrankungen und werden nachweislich von Astaxanthin
bekämpft, sodass das Carotinoid als therapeutischer Wirkstoff Potential hat. (Pashkow, in American Journal of
Cardiology, 2008) Bei keinem anderen Carotinoid konnte bislang tatsächlich eine positive Wirkung auf das
Herz-Kreislauf-System des Menschen klar nachgewiesen werden.
Fettsäuren können den Körper belasten und hemmen die gesunde Funktion menschlicher Lymphozyten. Vor allem, wenn
durch Ausdauersport und Diät, die Fettdepots des Körpers zum Schmelzen gebracht werden, können vermehrt freie
Fettsäuren entstehen. Der erhöhte Fettstoffwechsel, der dabei gewünscht ist, bedeutet auch eine Belastung des
Körpers und das Entstehen von Schadstoffen wie freien Radikalen. Im Experiment konnte nachgewiesen werden, dass
Astaxanthin in diesem Fall den oxidativen Stress der Lymphozyten senkt, vermutlich indem es freie Radikale neutralisiert. Der genaue Mechanismus
ist allerdings noch unbekannt. (Campoio, in Toxicology in Vitro, 2011)
Da oxidativer Stress den Körper, insbesondere die Haut, schneller altern lässt, wurde die Wirkung von Astaxanthin
auf Alterungsprozesse der Haut untersucht und nach einer japanischen Studie verbessert die tägliche Einnahme von
zwei Milligramm des Algen-Carotinoids das Hautbild deutlich und lässt Alterszeichen wie Fältchen verschwinden,
während sich Feuchtigkeit, Elastizität und Farbton der Haut verbesserten. (Yamashita, in Food Style, 2002)
Doch wie wirken die Carotinoide im menschlichen Körper?
Um das zu verstehen, muss man die Bedeutung einer reibungslosen Kommunikation der Körperzellen und der
Signalwege kennen. Damit alle Prozesse im Körper so ablaufen, wie sie sollen, darf diese Kommunikation nicht
gestört sein. Störungen der Signalwege führen zu zahlreichen ernsten Krankheiten und sind die Ursache von
Tumorwachstum und Krebserkrankungen.
Carotinoide wirken regulierend auf die Zell-Zell-Kommunikation. UV-Bestrahlung dagegen stört die Kommunikation der
Zellen und verursacht so seine bekannte gesundheitsschädliche Wirkung. Carotinoide, darunter Astaxanthin, schützen
Zellen im Laborversuch vor dieser Wirkung und ermöglichen wieder ungestörte Signalwege. Darum gelten sie auch als
Sonnenschutzmittel von innen. Im Zellkultur-Versuch zeigt sich deutliche eine schützende Wirkung von Carotinoiden
bei UV-Einstrahlung.
Die Carotinoide senken nachweislich den oxidativen Stress der Zellen, wobei Astaxanthin anderen Pflanzenfarbstoffen
wie Carotin und Lutein deutlich überlegen ist. (O'Connor & O'Brien, in Journal of Dermatological Science, 1998)
UV-Strahlung kann außerdem gefährliche Schäden an der DNA anrichten, was zu Krebs führt, wenn der Körper die Strahlungsschäden nicht schnell reparieren kann.
Astaxanthin bekämpft diese Schäden in Zellkulturen, wobei synthetisches Astaxanthin deutlich wirksamer ist als
natürliches Astaxanthin aus Algen. (Lyons & O'Brien, in Journal of Dermatological Science, 2002) Allerdings
existieren auch Studien, in denen Astaxanthin die bekannte UV-schützende Wirkung anderer Carotinoide wie Retinol
hemmt. (Savouré, in International Journal of Vitamin und Nutrition Research, 1995)
Neben den Versuchen "im Reagenzglas" wurde das Algen-Carotinoid in klinischen Studien direkt am Menschen
untersucht. Da Fettleibigkeit laut aktuellen Forschungsergebnissen mit oxidativem Stress verbunden ist, wurden in
einer Studie 23 übergewichtige Koreaner mit keinem, fünf Milligramm oder 20 Milligramm Astaxanthin am Tag
behandelt. Nach drei Wochen zeigte sich bei beiden Astaxanthin-Gruppen, dass die Schadstoffe durch oxidativen
Stress deutlich zurückgingen. Die Forscher führen diesen Effekt auf eine Hemmung der Fett-Peroxidation und
Aktivierung des körpereigenen Antioxidationsmechanismus zurück. (Choi, in Phytotherapy Research, 2011) Damit wurde
zudem gezeigt, dass die Effekte der In-Vitro-Versuche auch tatsächlich im menschlichen Körper auftreten.
Eine positive Wirkung auf die Kraftausdauer konnte bislang nicht belegt werden. In einem Anwendungstest einer
Astaxanthin-Kapsel eines schwedischen Herstellers wurde kein Unterschied bei Sportlern, die einen Placebo oder
Astaxanthin einnahmen, festgestellt.
(http://www.cyanotech.com/pdfs/bioastin/batl28.pdf)
Aufgrund fehlender Rahmenbedingungen hat der Anwendungstest allerdings keine wissenschaftliche Aussagekraft und
viele Sportler berichten von positiven Effekten von Astaxanthin auf ihre Leistungsfähigkeit.
In den wissenschaftlichen Studien wurde die Wirkung von reinem, isoliertem Astaxanthin gezeigt. Ob und wie weit
sich das Carotinoid mit natürlichen Lebensmitteln aufnehmen lässt, ist offen. Wer die gesundheitsfördernde Wirkung
von Astaxanthin selbst ausprobieren möchte, wird um Kapseln zur Nahrungsergänzung nicht herumkommen, da zudem nur
wenige Lebensmittel das Algen-Carotinoid enthalten.
Da keine Nebenwirkungen zu befürchten sind, kann jeder ohne Bedenken Astaxanthin einnehmen, wobei es allerdings
mindestens zwei Milligramm pro Tag sein sollten. Neben natürlichem Algenextrakt, das viele Menschen bevorzugen,
gibt es synthetisches Astaxanthin aus Hefepilzen oder Bakterien-Fermentation. Synthetisches Astaxanthin aus Erdöl
ist dagegen nicht als Lebensmittel-Zusatz zugelassen und wird nur in Tierfutter verwendet.

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