Astaxanthin: Nutzen, Studien und Anwendung

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Antioxidantien beschäftigen Wissenschaft und Industrie schon lange. Sie fangen freie Radikale und wirken gesundheitsfördernd. Freie Radikale entstehen im Körper vor allem durch UV-Strahlung oder durch Sport im anaeroben Stoffwechselbereich. Sie rufen Zellschäden hervor und können zu bestimmten Krankheiten führen. Oxidativer Stress entsteht, wenn es zu einem Ungleichgewicht von Antioxidantien und reaktiven Radikalen kommt.

Carotinoide, die natürlichen Farbstoffe aus Pflanzen, gehören zu den wirksamen, natürlichen Antioxidantien. Sie sind in einer ausgewogenen Ernährung vorhanden und finden außerdem Einsatz in Kosmetik und Nahrungsergänzung.

Ein derzeit vieldiskutiertes Carotinoid ist Astaxanthin, das der Wissenschaft schon lange bekannt ist. Im Körper kann dieses Carotinoid oxidativen Stress und Entzündungsprozesse hemmen. Es wird von der Algenart Haematococcus pluvialis und einigen Pilzarten produziert und findet sich zudem in Organismen, die die Alge verzehren, darunter viele Meeresbewohner und Lachs, der dem Astaxanthin seine intensive Fleischfarbe verdankt.

In wissenschaftlichen Studien hat Astaxanthin bislang eine bemerkenswerte, antioxidative Wirkung gezeigt.

Dabei hat das Carotinoid neben den positiven Effekten in keiner der bislang durchgeführten acht klinischen Studien bei einem der über 180 Patienten zu Nebenwirkungen geführt, während sich Blutwerte und Stressfaktoren deutlich verbesserten. (Fasset & Coomes, in Future Cardiology, 2009) Herzschützende Eigenschaften wurden in mehreren Tierversuchen gezeigt. (Fasset & Coomes, in Marine Drugs, 2011).

Es ist allerdings offen, ob Astaxanthin auch nach einem Herzinfarkt heilende Eigenschaften hat oder nur vorbeugend wirkt. Es wird allerdings als potentieller Wirkstoff bei cardiovaskulären Krankheiten diskutiert und erforscht. Entzündungsreaktionen und oxidativer Stress sind dabei Ursache vieler dieser Erkrankungen und werden nachweislich von Astaxanthin bekämpft, sodass das Carotinoid als therapeutischer Wirkstoff Potential hat. (Pashkow, in American Journal of Cardiology, 2008) Bei keinem anderen Carotinoid konnte bislang tatsächlich eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System des Menschen klar nachgewiesen werden.

Fettsäuren können den Körper belasten und hemmen die gesunde Funktion menschlicher Lymphozyten. Vor allem, wenn durch Ausdauersport und Diät, die Fettdepots des Körpers zum Schmelzen gebracht werden, können vermehrt freie Fettsäuren entstehen. Der erhöhte Fettstoffwechsel, der dabei gewünscht ist, bedeutet auch eine Belastung des Körpers und das Entstehen von Schadstoffen wie freien Radikalen. Im Experiment konnte nachgewiesen werden, dass Astaxanthin in diesem Fall den oxidativen Stress der Lymphozyten senkt, vermutlich indem es freie Radikale neutralisiert. Der genaue Mechanismus ist allerdings noch unbekannt. (Campoio, in Toxicology in Vitro, 2011)

Da oxidativer Stress den Körper, insbesondere die Haut, schneller altern lässt, wurde die Wirkung von Astaxanthin auf Alterungsprozesse der Haut untersucht und nach einer japanischen Studie verbessert die tägliche Einnahme von zwei Milligramm des Algen-Carotinoids das Hautbild deutlich und lässt Alterszeichen wie Fältchen verschwinden, während sich Feuchtigkeit, Elastizität und Farbton der Haut verbesserten. (Yamashita, in Food Style, 2002)

Doch wie wirken die Carotinoide im menschlichen Körper?

Um das zu verstehen, muss man die Bedeutung einer reibungslosen Kommunikation der Körperzellen und der Signalwege kennen. Damit alle Prozesse im Körper so ablaufen, wie sie sollen, darf diese Kommunikation nicht gestört sein. Störungen der Signalwege führen zu zahlreichen ernsten Krankheiten und sind die Ursache von Tumorwachstum und Krebserkrankungen.

Carotinoide wirken regulierend auf die Zell-Zell-Kommunikation. UV-Bestrahlung dagegen stört die Kommunikation der Zellen und verursacht so seine bekannte gesundheitsschädliche Wirkung. Carotinoide, darunter Astaxanthin, schützen Zellen im Laborversuch vor dieser Wirkung und ermöglichen wieder ungestörte Signalwege. Darum gelten sie auch als Sonnenschutzmittel von innen. Im Zellkultur-Versuch zeigt sich deutliche eine schützende Wirkung von Carotinoiden bei UV-Einstrahlung.

Die Carotinoide senken nachweislich den oxidativen Stress der Zellen, wobei Astaxanthin anderen Pflanzenfarbstoffen wie Carotin und Lutein deutlich überlegen ist. (O'Connor & O'Brien, in Journal of Dermatological Science, 1998) UV-Strahlung kann außerdem gefährliche Schäden an der DNA anrichten, was zu Krebs führt, wenn der Körper die Strahlungsschäden nicht schnell reparieren kann.

Astaxanthin bekämpft diese Schäden in Zellkulturen, wobei synthetisches Astaxanthin deutlich wirksamer ist als natürliches Astaxanthin aus Algen. (Lyons & O'Brien, in Journal of Dermatological Science, 2002)

Allerdings existieren auch Studien, in denen Astaxanthin die bekannte UV-schützende Wirkung anderer Carotinoide wie Retinol hemmt. (Savouré, in International Journal of Vitamin und Nutrition Research, 1995)

Neben den Versuchen "im Reagenzglas" wurde das Algen-Carotinoid in klinischen Studien direkt am Menschen untersucht. Da Fettleibigkeit laut aktuellen Forschungsergebnissen mit oxidativem Stress verbunden ist, wurden in einer Studie 23 übergewichtige Koreaner mit keinem, fünf Milligramm oder 20 Milligramm Astaxanthin am Tag behandelt. Nach drei Wochen zeigte sich bei beiden Astaxanthin-Gruppen, dass die Schadstoffe durch oxidativen Stress deutlich zurückgingen. Die Forscher führen diesen Effekt auf eine Hemmung der Fett-Peroxidation und Aktivierung des körpereigenen Antioxidationsmechanismus zurück. (Choi, in Phytotherapy Research, 2011) Damit wurde zudem gezeigt, dass die Effekte der In-Vitro-Versuche auch tatsächlich im menschlichen Körper auftreten.

Eine positive Wirkung auf die Kraftausdauer konnte bislang nicht belegt werden. In einem Anwendungstest einer Astaxanthin-Kapsel eines schwedischen Herstellers wurde kein Unterschied bei Sportlern, die einen Placebo oder Astaxanthin einnahmen, festgestellt.
(http://www.cyanotech.com/pdfs/bioastin/batl28.pdf)

Aufgrund fehlender Rahmenbedingungen hat der Anwendungstest allerdings keine wissenschaftliche Aussagekraft und viele Sportler berichten von positiven Effekten von Astaxanthin auf ihre Leistungsfähigkeit.

In den wissenschaftlichen Studien wurde die Wirkung von reinem, isoliertem Astaxanthin gezeigt. Ob und wie weit sich das Carotinoid mit natürlichen Lebensmitteln aufnehmen lässt, ist offen. Wer die gesundheitsfördernde Wirkung von Astaxanthin selbst ausprobieren möchte, wird um Kapseln zur Nahrungsergänzung nicht herumkommen, da zudem nur wenige Lebensmittel das Algen-Carotinoid enthalten.

Da keine Nebenwirkungen zu befürchten sind, kann jeder ohne Bedenken Astaxanthin einnehmen, wobei es allerdings mindestens zwei Milligramm pro Tag sein sollten. Neben natürlichem Algenextrakt, das viele Menschen bevorzugen, gibt es synthetisches Astaxanthin aus Hefepilzen oder Bakterien-Fermentation. Synthetisches Astaxanthin aus Erdöl ist dagegen nicht als Lebensmittel-Zusatz zugelassen und wird nur in Tierfutter verwendet.