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Phytoöstrogene

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Aufgrund ihrer chemischen Struktur, die den körpereigenen Östrogenen (weibliche Hormone) sehr ähnlich ist, bezeichnet man diese Gruppe der sekundären Pflanzenstoffe auch als Phytoöstrogene. Obwohl es sich im chemischen Sinne nicht um Östrogene handelt, sondern lediglich um strukturell ähnliche Substanzen, können diese Pflanzenstoffe im menschlichen Körper an spezifische Östrogenrezeptoren binden. Diese Bindung ist dabei allerdings nicht so stark wie die der menschlichen Hormone, so dass die Effekte wesentlich geringer ausfallen.

Die Isoflavone aus Soja und die Lignane, die in Leinsamen vorkommen, sind die am besten untersuchten Phytoöstrogene. Isoflavone sind hauptsächlich in Lebensmitteln auf Sojabasis z.B. in Sojabohnen, Sojamilch, in Tofu oder Miso enthalten. Aber auch Hülsenfrüchte und Getreide sind reich an Phytoöstrogenen. In geringen Mengen sind die sekundären Pflanzenstoffe in vielen Obst- und Gemüsearten enthalten. Die tatsächliche Konzentration hängt stark von dem Reifungsgrad, dem Anbauklima und vielen weiteren Faktoren ab.

In den Pflanzen selber dienen die Phytoöstrogene oft als Bitter- und Gerbstoffe, die sie für Tiere ungenießbar machen. Andere schützen vor Bakterien- oder Pilzbefall. Außerdem können Phytoöstrogene durch ihre hormonelle Wirkung die Fruchtbarkeit der Fressfeinde herabsetzten. In den 1950er Jahren wurden sie genau aus diesem Grund entdeckt: In einigen australischen Schafherden gingen die Lämmerzahlen stark zurück. Als Ursache hierfür konnten Forscher die Phytoöstrogene des Klees ausmachen, den die Tiere in großen Mengen fraßen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14886261).

Was sind Östrogene?

Um die Wirkung der Phytoöstrogene zu verstehen, ist ein kurzer Überblick über die Östrogene nötig. Diese Steroidgruppe der weiblichen Sexualhormone kommen – trotz des widersprüchlichen Namens – in beiden Geschlechtern vor. Sie werden in den Eierstöcken, den Hoden, aber auch in der Nebennierenrinde gebildet. Von hier aus gelangen sie in den Blutkreislauf, um in verschiedenen Organen an spezifische Östrogenrezeptoren zu binden. Durch diese Bindung werden in den Zielzellen unterschiedliche Funktionen reguliert. So stimmt das Hormon den Menstruationszyklus ab, steuert sie die Reifung der Eizelle und bereitet die Gebärmutter auf eine mögliche Einnistung vor. Östrogene aktivieren das Immunsystem, sorgen für die Entwicklung der weiblichen Brust und der Milchdrüsen, stabilisieren noch dazu die Knochen. Auch viele andere Stoffwechselaktivitäten sind von den weiblichen Geschlechtshormonen abhängig.

Welche Effekte zeigen die Phytoöstrogene beim Menschen?

Da die sekundären Pflanzenstoffe an die Östrogenrezeptoren binden, haben sie im menschlichen Körper eine ähnliche – allerdings sehr stark abgeschwächte – Wirkung wie die weiblichen Sexualhormone. Auf der anderen Seite können sie durch ihre Bindung an die Rezeptoren aber auch das Andocken der menschlichen Östrogene und somit die Aktivierung verhindern, wodurch sie also teilweise auch antiöstrogene Wirkungen zeigen.
Zurzeit wird der gesundheitliche Nutzen von Phytoöstrogenen hierzulande sehr kontrovers diskutiert. Auf der einen Seite können sie der Entstehung hormonabhängiger Krebserkrankungen vorbeugen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9329514).

Des weiteren zeigten Untersuchungen eine Reduktion der Wechseljahresbeschwerden und weisen auf einen positiven Einfluss hinsichtlich des Knochenstoffwechsels und Herzerkrankungen und Kreislauferkrankungen (z.B. Senkung des Cholesterins) hin.

Besonders bei der Entstehung von hormonabhängigen Krebserkrankungen wie Brustkrebs und Prostatakrebs spielt die Ernährung eine große Rolle.

Denn in Ländern mit einem sehr hohen Soja-Anteil in der Ernährung treten solche Tumoren viel seltener auf als in Deutschland. Gleiches gilt für typische Beschwerden in den Wechseljahren. Als Grund hierfür gelten die Isoflavone der Sojapflanzen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9950237). Auch bei Patientinnen, die an Brustkrebs leiden, scheinen die Phytoöstrogene sich positiv auf die Heilungschancen auszuwirken (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19996398).
Auf der anderen Seite zeigen Beobachtungen und Laboruntersuchungen an Tieren, dass ein regelmäßiger sehr hoher Verzehr von Phytoöstrogenen die Fruchtbarkeit dauerhaft herabsetzen kann. Auch weisen Studien auf mögliche Entwicklungsstörungen hin (u. a. in www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25587246, www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11712933). Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Vergrößerung der Brustdrüsen bei Männern durch hohen Bierkonsum teilweise auf die im Hopfen enthaltenen Phytoöstrogene zurückgeht (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1443418).
Das  Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) geht davon aus, dass die mit der regulären Nahrung aufgenommenen Phytoöstrogene einen positiven Einfluss auf den menschlichen Körper haben, während es vor der isolierten und hochkonzentrierten Einnahme der Pflanzenstoffe als Nahrungsergänzungsmittel abrät.

Gerade Säuglingsnahrung auf Sojabasis sehen Experten kritisch. Denn sie können womöglich das kindliche Hormonsystem durcheinanderbringen, was sich dann langfristig negativ auswirkt.

Fazit

Nachdem die Wissenschaft zahlreiche positive Effekte der Phytoöstrogene erkannt hatte, galten diese sekundären Pflanzenstoffe als große Hoffnungsträger im Kampf gegen Brust- und Prostatakrebs, Wechseljahrsbeschwerden, Osteoporose und Herzkreislauferkrankungen.

Die Pflanzen, die reich an Isoflavonen und Lignanen sind, werden auch weiterhin unter anderem wegen dieser Inhaltsstoffe geschätzt. In ihrem natürlichen Verband arbeiten die Phytoöstrogene möglicherweise mit anderen Faktoren der Pflanzen zusammen, die gemeinsam die positiven Eigenschaften bewirken. Isolierte Phytoöstrogene in hoher Konzentration sind hingegen ins Gerede gekommen, da unerwünschte Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden können.
Doch die zahlreichen Studien zu diesem Thema sind sehr widersprüchlich. Dies liegt sicherlich zum einen an den unterschiedlichen Versuchsbedingungen, zum anderen aber auch an der sehr komplexen Vernetzung des menschlichen Hormonsystems. Es wird also noch einige Zeit dauern, bis Klarheit darüber herrscht, ob und für wen Phytoöstrogene eine Bereicherung beziehungsweise eine Gefahr darstellen.

Aber vermutlich ist es wie so oft im Leben: In Maßen genossen sind Isoflavone und Lignane wertvolle und gesunde Nährstoffe, die mit ihrer milden Wirkung unserem Körper gut tun, während ein Zuviel dem menschlichen Organismus schadet.

Darauf basierend entwickelten führende Wissenschaftler, unterstützt von der Deutschen Krebsgesellschaft, ein Programm zur diätetischen Prävention von Karzinomen:

„Diätetische Prävention des Mammakarzinom und Prostatakarzinoms – Grundlagen und Praxis des Nutritional Cancer Prevention (NCP)-Programms”.

Hierin empfehlen die Wissenschaftler u.a. eine tägliche. Aufnahme von 40 bis 50 mg Phytoöstrogenen. Diese Mengen werden mit einer üblichen westeuropäischen Ernährung nicht erreicht. Der Durchschnittswert liegt bei etwa 3 mg pro Tag. Hier würde sich eine tägliche Ergänzung der Ernährung auf Basis von Mikronährstoff-Produkten anbieten.

Des weiteren zeigten Untersuchungen eine Reduktion der Wechseljahresbeschwerden und weisen auf einen positiven Einfluss hinsichtlich des Knochenstoffwechsels und Herzerkrankungen und Kreislauferkrankungen (z.B. Senkung des Cholesterins) hin.

Dieser Beitrag wurde letztmalig am 02.04.2015 aktualisiert.