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Lactobacillus acidophilus

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Das Milchsäurebakterium Lactobacillus acidophilus ist ein natürlicher Bewohner unseres Verdauungstrakts. Das Bakterium ist in der Lage Zucker zu Milchsäure umzuwandeln.

Da es nachweislich bei Darmentzündungen hilft, wird es probiotischen Lebensmitteln und Medikamenten häufig zugesetzt. Doch nicht nur innerhalb der Darmflora bietet L. acidophilus einen Schutz vor Krankheitserregern. Auch in der weiblichen Scheide sorgen die Stoffwechselprodukte Milchsäure und  Wasserstoffperoxid (H2O2) dafür, dass sich gefährliche Keime dort nicht ansiedeln können (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7898374).

So schützen die Milchsäurebakterien beispielsweise vor Scheidenpilzen, indem sie das Wachstum von Candida albicans hemmen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6771309).

Die von L. acidophilus produzierte Milchsäure hat einen recht niedrigen pH-Wert von 3 bis 4 und ist deshalb für die meisten (krankheitserregenden) Mikroorganismen schädlich. Wasserstoffperoxid, das häufig zur Desinfektion von Oberflächen genutzt wird, ist für viele schädliche Bakterien und Pilze ebenfalls giftig. Außerdem bildet das Milchsäurebakterium die Antibiotika-ähnlichen Substanzen Acidolin (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/4373425) und Acidophilin (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10664915). Während sie für uns Menschen völlig unschädlich sind, töten sie gefährliche Krankheitskeime ab. Hierdurch schützt sich Lactobacillus acidophilus auf der einen Seite vor Nahrungskonkurrenten, auf der anderen Seite sorgen die Bakterien so für ein gesundes Darm- beziehungsweise Scheidenklima.

Lactobacillus acidophilus reagiert, ebenso wie andere Bakterien der Darm- und Scheidenflora, sehr empfindlich auf Antibiotika. Denn die Medikamente unterscheiden nicht zwischen nützlichen Mikroorgansimen und Krankheitserregern. Nehmen Sie Antibiotika ein, kann es daher sinnvoll sein, nach Absetzen des Arzneistoffes L. acidophilus mit probiotischen Lebens- oder Nahrungsergänzungsmitteln aufzunehmen und so die Darmflora wieder aufzubauen, bevor sie von schädlichen Keimen besiedelt wird.

Das Milchsäurebakterium Lactobacillus acidophilus wird zu wissenschaftlichen, medizinischen und kommerziellen Zwecken in Laboratorien unter optimalen Bedingungen kultiviert. Viele Forschungsgruppen untersuchen die Wirkungsweise, die Proteinzusammensetzung oder die Verwandtschaft zu anderen Lactobacillus-Spezies. Seit 2005 ist das gesamte Genom (Erbmaterial) von L. acidophilus bekannt. Dies ermöglicht eine sehr genaue Analyse des Milchsäurebakteriums (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15671160).

Von Lactobacillus acidophilus sind eine Reihe verschiedener Kulturstämme bekannt, deren Erbgut sich von den jeweils anderen Stämmen dieser Lactobacillus-Art unterscheiden. Ihre Eigenschaften können daher teilweise variieren. Für Probiotika werden beispielsweise folgende L. acidophilus-Stämme eingesetzt:

Im Allgemeinen gilt das Milchsäurebakterium Lactobacillus acidophilus als nützlich und absolut ungefährlich für den menschlichen Organismus. Sehr selten scheint es allerdings Herzklappenentzündungen bei Personen mit künstlichen Herzklappen auszulösen (bis zum Jahr 2005 waren weniger als 50 Fälle weltweit beschrieben) (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15901294).

Lebensbedingungen von Lactobacillus acidophilus

Für die Milchsäuregärung benötigt das Bakterium keinen Sauerstoff, die Umwandlung von Kohlenhydraten in das saure Endprodukt findet also unter anaeroben Bedingungen, so wie sie im Darm vorhanden sind, statt. Dennoch ist für die Vermehrung und das Wachstum von L. acidophilus Sauerstoff in geringem Maße nötig. Dies führt dazu, dass lebende Acidophilus-Bakterien ausschließlich im oberen Darmabschnitt, nicht aber in den weiter hinten liegenden Darm-Regionen anzutreffen sind. Lactobacillus acidophilus kann bei niedrigen pH-Werten wachsen (4 und niedriger), auch überlebt das Milchsäurebakterium Temperaturen bis zu 45 °C, wenngleich die optimale Wachstumstemperatur bei 37 °C liegt. Stärkere Hitze, wie sie teilweise beispielsweise für die Haltbarmachung von Lebensmitteln gebraucht wird, tötet die Milchsäurebakterien hingegen ab.

Lactobacillus acidophilus in Lebensmitteln

Nicht nur unsere Darmflora macht sich die antimikrobielle Wirkung von Lactobacillus acidophilus zunutze. Die Milchsäurebakterien werden ebenso zur Herstellung und Haltbarmachung von Joghurt, Buttermilch, Sauerkraut und Gimchi, einem traditionellen koreanischen Gemüsegericht, verwendet. Zwar wurde das verwandte Milchsäurebakterium Lactobacillus delbrückii üblicherweise zur Produktion von Joghurt genutzt, doch hat sich in vielen Fällen mittlerweile das weniger stark säuernde L. acidophilus durchgesetzt. Schließlich schmeckt der mit L. acidophilus hergestellte Joghurt angenehm mild. Ein weiterer Vorteil von Lactobacillus acidophilus gegenüber anderen Milchsäurebakterien für die Herstellung von gesunden Lebensmitteln ist seine gute Verträglichkeit eines sehr niedrigen pH-Wertes. Denn so überleben viele L. acidophilus-Keime den sauren Magenbereich, um sich in der Darmflora anzusiedeln. Dies macht die Bakterienart zu einem besonders beliebten Zusatz probiotischer Lebensmitteln. Aus diesem Grund werden die Milchsäurebakterien seit 1972 kommerziell kultiviert. Versuche zeigen, dass unterschiedliche L. acidophilus-Stämme mehrwöchiges Herabkühlen auf 5 bis 7 °C gut vertragen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8708082). Ein probiotischer Joghurt, der in ausreichender Menge mit dem Milchsäurebakterium angereichert ist, behält also auch nach der Lagerung im Kühlregal seine hervorragende Wirkung auf die Darmflora.

L. acidophilus verbessert nachweislich die Verdauungsfunktion

Das Milchsäurebakterium hilft bei der Kontrolle der Darmtätigkeit. Biotherapeutische Mittel, die das Milchsäurebakterium Lactobacillus acidophilus enthalten, wirken nachweislich gegen Antibiotika-bedingtem Durchfall. Aber auch bei akutem kindlichen Durchfall, bei einer durch Clostridien ausgelösten Darmentzündung und bei vielen weiteren Durchfall-Erkrankungen kommen die, mit lebenden Lactobacillus acidophilus-Kulturen angereicherten Medikamente und Lebensmittel erfolgreich zum Einsatz. Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass die Einnahme lebender Lactobacillus acidophilus-Kulturen einer Pilzinfektion vorbeugt. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher aus Washington bei der Durchsicht aller wissenschaftlichen Artikel, die sich zwischen 1966 und 1995 mit den therapeutischen Eigenschaften von Mikroorganismen beschäftigten. Dabei wurden nur Placebo-kontrollierte Studien betrachtet. Allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass bei allen Tests jeweils nur wenige Probanden untersucht wurden (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/8596226).

Chemotherapien und Radiotherapien führen oft zu schwerwiegende Nebenwirkungen. Lebende Lactobacillus acidophilus-Kulturen können infolge solcher Krebsbehandlungen auftretenden Durchfall deutlich reduzieren (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20444243).

Untersuchungen an Mäusen weisen außerdem darauf hin, dass Lactobacillus acidophilus das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, signifikant herabsetzt (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10200345).

Probiotischer Joghurt mit L. acidophilus-Kulturen kann dabei helfen, den Cholesterinspiegel zu senken. Dies ergaben zwei Studien der Universität von Kentucky.  Die Forscher verglichen die Cholesterinwerte von Probanden, die täglich 200 ml des Milchprodukts zu sich nahmen mit solchen, die ein Placebo-Produkt ohne probiotische Bakterien erhielten.  Die Cholesterinwerte im Blut sind demnach bei regelmäßiger Aufnahme von Lactobacillus acidophilus um durchschnittlich 2,9 Prozent verringert. (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10067658). 

Andere Forschungsreihen zeigen, dass das Milchsäurebakterium bei Menschen mit einer Laktose-Intoleranz in geringem Maße den Laktose-Abbau ermöglicht. Auf der anderen Seite verringert Lactobacillus acidophilus die Anzahl giftiger Amine (Ammoniakverbindungen) im Blut von Dialysepatienten, wenn diese eine leicht erhöhte Bakterienanzahl im Darm aufweisen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11233016).

Nebenwirkungen durch Lactobacillus acidophilus

Lactobacillus acidophilus ist ein sehr gut verträgliches Bakterium, da es auch natürlicherweise in unserer Darmflora vorkommt. Personen mit geschwächtem Immunsystem oder Darmdefekten sollten allerdings vorsorglich auf Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel mit lebenden Lactobacillus-Kulturen verzichten. Bei Personen, die bereits eine erhöhte Bakterienzahl im Darm aufweisen, ist die Einnahme von Probiotika ebenfalls nicht ratsam.

Gelegentlich kann es durch die Aufnahme von Lactobacillus acidophilus zu Blähungen und Unwohlsein kommen, besonders bei der Einnahme von Probiotika in großen Mengen. Wird die Dosis verringert, so vergehen meist auch die beschriebenen Nebenwirkungen.