Ornithin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Ornithin mit der Summenformel C5H12N2O2 spielt eine wichtige Rolle in unserem Stoffwechsel, obwohl sie – im Gegensatz zu den meisten anderen Aminosäuren, die unser Körper benötigt – nicht in Proteine eingebaut wird. Da wir es selbst synthetisieren kann, gilt Ornithin als nicht-essentielle Aminosäure. Wird es, beispielsweise durch Nahrungsergänzungsmittel, in zu hohen Dosen aufgenommen, kann Ornithin zu Magen- und Darmproblemen führen.

Ornithin hilft dabei, unseren Körper zu entgiften. Denn im Harnstoffzyklus aller Säugetiere ist die Aminosäure entscheidend, um stickstoffhaltige Verbindungen umzuwandeln und als Harnstoff über die Niere auszuscheiden. Diese Reaktionen laufen vorwiegend in der Leber, zum Teil auch in der Niere ab. Über mehrere Reaktionsschritte, bei denen aus Ornithin beispielsweise als erstes die ebenfalls nicht in Proteinen vorkommende Aminosäure Citrullin gebildet wird, entsteht neben dem Harnstoff wiederum Ornithin. Dieses kann nun erneut den Zyklus durchlaufen, wobei für jede Umwandlung in Harnstoff vier energiereiche Verbindungen (drei Adenosintriphosphat = ATP und ein Pyrophosphat) benötigt werden (www.wissenschaft-online.de/abo/lexikon/biok/5275). Angeborene Gendefekte, die die Funktion eines der benötigten Enzyme betreffen, führen zu einer Erhöhung von Ammoniak in Blut und Gewebe.

Gemeinsam mit Arginin regt Ornithin die Ausschüttung des Wachstumshormons Somatotropin (STH) an (Gourmelen M. et al.: Effect of ornithine hydrochloride on growth hormone (HGH) plasma levels; Ann Endocrinol; 1972; 33(5); S. 526-528). Somatotropin ist für ein normales Längenwachstum, ganz besonders in der Pubertät, notwendig. Dabei fördert es sowohl die Bildung von Muskel- und Leberzellen als auch die Produktion von Knochengewebe. Nach Verletzungen und Operationen kann Ornithin dabei helfen, die Heilungszeit zu verkürzen, indem es – über die Anregung des Somatotropin – die gewebebildenden Stoffwechselprozesse in Gang setzt (De Bandt J.P. et al.: A randomized controlled trial of the influence of the mode of enteral ornithine alpha-ketoglutarate administration in burn patients; J Nutr; 1998; 128; S. 563-569). Gleichzeitig wirkt Ornithin verstärkend auf die Insulinausschüttung, was ebenfalls zu einer Verbesserung des Zellwachstums, noch dazu zu einer schnellen Aufnahme von Glukose in das Muskelgewebe und zu einer Regulation des Blutzuckerspiegels führt (Schneid C. et al.: In vivo induction of insulin secretion by ornithine alpha-ketoglutarate: involvement of nitric oxide and glutamine; Metabolism; 2003; 52(3); S. 344-350).

Bodybuilder benutzen Kombinationspräparate aus Ornithin und Arginin für einen gezielten Muskelaufbau. Die Aminosäuren werden aber auch zur Unterstützung von Diäten (Anregung der Fettverbrennung), als Anti-Aging- und als Potenzmittel angepriesen. Allerdings ist unter Fachleuten umstritten, in wie weit die gezielte Aufnahme von Ornithin wirklich messbare Ergebnisse liefert, die die Einnahme teurer Produkte rechtfertigen.