Saccharomyces cerevisiae in der Therapie

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Der Hefepilz Saccharomyces cerevisiae kommt seit Jahrtausenden beim Backen, beim Bierbrauen und auch bei der Weinherstellung zum Einsatz. Denn die Einzeller stellen, vor allem unter Sauerstoffausschluss, bei der Fermentation aus Kohlenhydraten (Zucker) Alkohol her. Ist genügend Sauerstoff vorhanden, bilden sie hingegen vorrangig Kohlenstoffdioxid.

Da S. cerevisiae also sowohl an der Luft als auch ohne Sauerstoff (anaerob) überlebt, gilt der Pilz als fakultativer Anaerobier.

Die Backhefe S. cerevisiae, auch als Bierhefe oder Bäckerhefe bezeichnet, ist wissenschaftlich sehr gut untersucht und gilt als Modellorganismus in der Forschung. So ist beispielsweise die Erbsubstanz des leicht zu kultivierenden Pilzes vollständig bekannt. An S. cerevisiae werden aber auch Studien über den Zellzyklus eukaryotischer Zellen (Zellen mit Zellkern) durchgeführt, die in großem Maße auch auf Pflanzen, Tiere und Menschen übertragbar sind.

Natürlicherweise kommt Saccharomyces cerevisiae vor allem auf den Oberflächen von Obst vor, da der Pilz für seinen Stoffwechsel viel Zucker benötigt. So gehen Forscher davon aus, dass der Hefepilz, der von uns Menschen zur Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt wird, ursprünglich von der Schale reifer Weintrauben stammt.

Zwar sind nicht alle S. cerevisiae-Stämme resistent gegenüber der Magensäure und den Gallensalzen, doch gibt es viele probiotische Hefestämme, die die Passage durch den Magen problemlos überstehen.

Denn nur, wenn die Pilze lebend bis in den Darm gelangen, können sie ihre positiven Eigenschaften überhaupt entfalten. (1) 

Backhefe gilt allgemein als recht sicher und ungefährlich. Personen, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa leiden, bilden allerdings in vielen Fällen Antikörper gegen S. cerevisiae, so dass es zu Unverträglichkeitsreaktionen kommen kann.

Patienten mit einem geschwächten Immunsystem oder einem allgemein schlechtem Gesundheitszustand sollten Probiotika, die lebende Hefekulturen enthalten, nur nach dringendem Anraten des Arztes zu sich nehmen. (2)

Saccharomyces cerevisiae in Lebensmitteln und Arzneistoffen

S. cerevisiae wird, wie oben beschrieben, als Triebmittel im Sauerteig und bei der Herstellung alkoholischer Getränke in großem Stil genutzt. Auch bei der Produktion von Essig spielt die Backhefe eine große Rolle. Außerdem ist sie beispielsweise in traditionell hergestelltem griechischen Fetakäse und in Büffelmozzarella oft vorhanden.

Bei der kommerziellen Nahrungsmittelproduktion kommen teilweise besondere Backhefe-Züchtungen zum Einsatz, etwa solche, die toleranter gegenüber starkem Druck oder hohen Temperaturen sind.

In der Tierzucht, speziell bei Rindern und Pferden, wird Hefe seit vielen Jahren genutzt, um das Milieu im Verdauungstrakt zu verbessern. Denn S. cerevisiae verstoffwechselt hier kleine Restmengen des Sauerstoffs, wodurch anaerobe Bakterien der natürlichen Darmflora besser wachsen können. Die Gabe der probiotischen Pilze soll für eine Leistungssteigerung sorgen. Untersuchungen zeigen außerdem, dass die Tiere sich schneller von Durchfällen erholen. (3)

Doch auch beim Menschen helfen die probiotischen Hefezellen dabei, Durchfälle schneller zu kurieren oder ihnen vorzubeugen.

Saccharomyces cerevisiae hilft bei Diarrhö und stimuliert das Immunsystem

Untersuchungen zeigen, dass S. cerevisiae bestimmte Escherichia coli-Stämme abtöten kann. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Bakterien möglicherweise durch den Alkohol, den der Pilz produziert, geschädigt werden. (4)

Durchfälle, die durch bakterielle Krankheitserreger ausgelöst werden, können mit probiotischen Hefekulturen kuriert werden. So kann Saccharomyces cerevisiae beispielsweise dabei helfen, Durchfälle, die durch Clostridium difficile verursacht werden, zu behandeln. (5) Dies konnte bei Versuchen mit Ratten bestätigt werden. (6)

Mithilfe eines Mausmodells konnte gezeigt werden, dass probiotische Saccharomyces cerevisiae-Stämme das Immunsystem der Tiere positiv beeinflussen. So aktivierten die Pilze die Zytokine und die Immunglobuline A der Mäuse. (7)

(1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19120638
(2) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15889360 (3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18349243
(4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21131521
(5) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10764197
(6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9753273
(7) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20059615