Saccharomyces cerevisiae in der Therapie
Der Hefepilz Saccharomyces cerevisiae kommt seit
Jahrtausenden beim Backen, beim Bierbrauen und auch bei der Weinherstellung zum Einsatz. Denn die Einzeller
stellen, vor allem unter Sauerstoffausschluss, bei der Fermentation aus Kohlenhydraten (Zucker) Alkohol her. Ist
genügend Sauerstoff vorhanden, bilden sie hingegen vorrangig Kohlenstoffdioxid.
Da S. cerevisiae also sowohl an der Luft als auch ohne Sauerstoff (anaerob) überlebt, gilt der Pilz als
fakultativer Anaerobier.

Die Backhefe S. cerevisiae, auch als Bierhefe oder Bäckerhefe bezeichnet, ist wissenschaftlich sehr gut
untersucht und gilt als Modellorganismus in der Forschung. So ist beispielsweise die Erbsubstanz des leicht zu
kultivierenden Pilzes vollständig bekannt. An S. cerevisiae werden aber auch Studien über den Zellzyklus
eukaryotischer Zellen (Zellen mit Zellkern) durchgeführt, die in großem Maße auch auf Pflanzen, Tiere und Menschen
übertragbar sind.
Natürlicherweise kommt Saccharomyces cerevisiae vor allem auf den Oberflächen von Obst vor, da der Pilz für
seinen Stoffwechsel viel Zucker benötigt. So gehen Forscher davon aus, dass der Hefepilz, der von uns Menschen zur
Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt wird, ursprünglich von der Schale reifer Weintrauben stammt.
Zwar sind nicht alle S. cerevisiae-Stämme resistent gegenüber der Magensäure und den Gallensalzen, doch gibt es
viele probiotische Hefestämme, die die Passage durch den Magen problemlos überstehen.
Denn nur, wenn die Pilze lebend bis in den Darm gelangen, können sie ihre positiven Eigenschaften überhaupt
entfalten. (1)
Backhefe gilt allgemein als recht sicher und ungefährlich. Personen, die an Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa
leiden, bilden allerdings in vielen Fällen Antikörper gegen S. cerevisiae, so dass es zu
Unverträglichkeitsreaktionen kommen kann.
Patienten mit einem geschwächten Immunsystem oder einem allgemein schlechtem Gesundheitszustand sollten Probiotika,
die lebende Hefekulturen enthalten, nur nach dringendem Anraten des Arztes zu sich nehmen. (2)
Saccharomyces cerevisiae in Lebensmitteln und Arzneistoffen
S. cerevisiae wird, wie oben beschrieben, als Triebmittel im Sauerteig und bei der Herstellung alkoholischer
Getränke in großem Stil genutzt. Auch bei der Produktion von Essig spielt die Backhefe eine große Rolle. Außerdem
ist sie beispielsweise in traditionell hergestelltem griechischen Fetakäse und in Büffelmozzarella oft
vorhanden.
Bei der kommerziellen Nahrungsmittelproduktion kommen teilweise besondere Backhefe-Züchtungen zum Einsatz, etwa
solche, die toleranter gegenüber starkem Druck oder hohen Temperaturen sind.
In der Tierzucht, speziell bei Rindern und Pferden, wird Hefe seit vielen Jahren genutzt, um das Milieu im
Verdauungstrakt zu verbessern. Denn S. cerevisiae verstoffwechselt hier kleine Restmengen des Sauerstoffs, wodurch
anaerobe Bakterien der natürlichen Darmflora besser wachsen können. Die Gabe der probiotischen Pilze soll für eine
Leistungssteigerung sorgen. Untersuchungen zeigen außerdem, dass die Tiere sich schneller von Durchfällen erholen.
(3)
Doch auch beim Menschen helfen die probiotischen Hefezellen dabei, Durchfälle schneller zu kurieren oder ihnen
vorzubeugen.
Saccharomyces cerevisiae hilft bei Diarrhö und stimuliert das Immunsystem
Untersuchungen zeigen, dass S. cerevisiae bestimmte Escherichia coli-Stämme abtöten kann. Die Wissenschaftler
vermuten, dass die Bakterien möglicherweise durch den Alkohol, den der Pilz produziert, geschädigt werden.
(4)
Durchfälle, die durch bakterielle Krankheitserreger ausgelöst werden, können mit probiotischen Hefekulturen kuriert
werden. So kann Saccharomyces cerevisiae beispielsweise dabei helfen, Durchfälle, die durch Clostridium difficile
verursacht werden, zu behandeln. (5) Dies konnte bei Versuchen mit Ratten bestätigt werden.
(6)
Mithilfe eines Mausmodells konnte gezeigt werden, dass probiotische Saccharomyces cerevisiae-Stämme das Immunsystem
der Tiere positiv beeinflussen. So aktivierten die Pilze die Zytokine und die Immunglobuline A der Mäuse.
(7)
(1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19120638
(2) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15889360
(3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18349243
(4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21131521
(5) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10764197
(6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/9753273
(7) http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20059615

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