Lactobacillus plantarum

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Lactobacillus plantarum wurde erstmals aus menschlichem Speichel isoliert, ist aber auch natürlicher Bestandteil vieler fermentierter Lebensmittel und vergorener Pflanzenteile. Darüber hinaus ist das Milchsäurebakterium ein Bewohner unseres Darmsystems. Es ist sehr anpassungsfähig und flexibel, außerdem verfügt es über eines der größten Genome (Erbgut) aller Milchsäurebakterien. Mittlerweile ist die Genom-Sequenz mehrerer gut untersuchter L. plantarum-Stämme vollständig bekannt (unter anderem www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12566566).

Laboruntersuchungen zeigen, dass L. plantarum Gelatine verflüssigen kann und somit in der Lage ist, Proteine zu spalten. Möglicherweise hilft das Bakterium auf diese Weise unserem Körper, Eiweiße zu verdauen. Es bildet außerdem so genannte Plantaricine, die andere Bakterien am Wachstum hindern beziehungsweise abtöten. Diese L. plantarum-eigenen Antibiotika schützen das Milchsäurebakterium vor Nahrungskonkurrenten und uns gleichzeitig vor gefährlichen Krankheitserregern.

L. plantarum kann zwar Kälte recht gut vertragen, bei zu hohen Temperaturen (über 45 °C) wächst es hingegen nicht mehr. L. plantarum kann das saure Milieu im Magen gut überstehen, so dass viele Zellen, die wir mit der Nahrung aufnehmen, unbeschadet den Darm erreichen. Es bildet bei der Umwandlung von Zucker sowohl rechtsdrehende als auch linksdrehende Milchsäure.

Obwohl Lactobacillus plantarum keinen Sauerstoff zur Produktion von Milchsäure beziehungsweise zum Wachstum benötigt, kann es ihn dennoch verwerten. So bildet L. plantarum aus dem Sauerstoff vorwiegend Wasserstoffperoxid (H2O2), das es dazu einsetzt, um andere Bakterienzellen abzutöten. L. plantarum bildet das H2O2 durch eine besondere, nur bei wenigen Bakterien vorkommende Manganverbindung. Hiermit bindet es auch die sehr reaktiven freien Sauerstoffradikale, und schützt sich so vor einer Zellschädigung. Die spezifische Manganverbindung von L. plantarum wirkt also als Antioxidans (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/6257639). Die meisten anderen Sauerstoff-toleranten Zellen – einschließlich der menschlichen – nutzen einen anderen Weg, um freie Sauerstoffradikale in Wasserstoffperoxid umzuwandeln.

L. plantarum in Lebensmitteln und anderen Erzeugnissen

Das Milchsäurebakterium ist in vielen fermentierten Lebensmitteln, etwa in Sauerkraut, Mixed Pickles, eingelegten Oliven, koreanischem Kimchi und Sauerteig zu finden. Wie die Artbezeichnung „Plantarum“ bereits aussagt, ist das Milchsäurebakterium vorwiegend an der Vergärung und Konservierung von Pflanzenmaterial beteiligt. Doch auch Stockfisch, fermentierte asiatische Würste und verschiedene Käsesorten enthalten Lactobacillus plantarum. Das Bakterium gibt den Lebensmitteln durch die Milchsäureproduktion nicht nur den typischen, säuerlich Geschmack, sondern erhöht auch die Haltbarkeit der so gewonnenen Erzeugnisse. Denn Milchsäure erniedrigt den pH-Wert der Speisen, so dass viele Mikroorganismen (z. B. Bakterien und Schimmelpilze) sich dort nicht vermehren können.

Lactobacillus plantarum ist der Hauptproduzent von Silage, zusätzlich sind weitere Milchsäurebakterien in geringerer Zahl an der Herstellung beteiligt. Dieses sehr hochwertige vergorene Viehfutter aus Gras, Getreide, Klee oder anderen Pflanzen wird durch die bei der Gärung entstandene Milchsäure haltbar gemacht. Gleichzeitig hilft die bakterielle Vorarbeit den Rindern und anderen Wiederkäuern dabei, auch die schwer verdaulichen Struktur-Kohlenhydrate der Pflanzenfasern zu verwerten. Die Bedingungen in den Silos scheinen für L. plantarum optimal zu sein, denn es vermehrt sich dort innerhalb kürzester Zeit so rasant, dass es schnell zur vorherrschenden Bakterienart anwächst.

Da Lactobacillus plantarum in vielen Lebensmitteln natürlich vorkommt und gleichzeitig die Darmflora positiv beeinflusst, wird das Milchsäurebakterium auch für probiotische Lebensmittel genutzt. Der Stamm Lactobacillus plantarum 299V beispielsweise ist in unterschiedlichen probiotischen milchfreien Fruchtdrinks und in einigen Medikamenten enthalten. Es ist erwiesen, dass er den Magen unbeschadet passieren kann, um den Darm zu besiedeln. Lactobacillus plantarum 299V gilt, da es natürlicher Bestandteil der menschlichen Darmflora ist, als ungefährlich und gut verträglich.

Lactobacillus plantarum lindert viele Symptome des Reizdarmsyndroms

Obwohl die Ursachen für das Reizdarmsyndrom weiterhin unklar sind, deuten einige wissenschaftliche Untersuchen darauf hin, dass ein Mangel an Laktobazillen und Bifidobakterien hierfür verantwortlich sein könnte. Die Einnahme probiotischer Medikamente und Nahrungsmittel führt erwiesenermaßen zu einer deutlichen Verminderung der Symptome. So zeigten bei einer Studie nach einer vierwöchigen Einnahme eines probiotischen Arzneimittels (TuZen®) 44 Prozent der Betroffenen eine deutliche Verbesserung ihrer vorher regelmäßigen und unangenehmen Blähungen. Bei der Placebogruppe waren es hingegen nur 18 Prozent, bei denen die Blähungen nachließen. Auch nahmen die Schmerzen im Bauchraum, die für das Reizdarmsyndrom typisch sind, bei den Testpersonen deutlich und nachhaltig ab.

Andere Studien weisen darauf hin, dass auch die Darmausscheidungen durch das Probiotikum verbessert werden. So scheint es bei Personen, die besonders an ständigem Durchfall leiden, den Kot zu verfestigen. Patienten mit übermäßiger Verstopfungen hingegen berichten von einer leichten Aufweichung ihres Stuhls, so dass der Toilettengang häufiger und weniger schmerzhaft stattfinden kann.

Forscher nehmen seit langer Zeit an, dass Probiotika das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, deutlich vermindern. Versuche an Ratten zeigen, dass die Gabe von L. plantarum die Tumorentwicklung bei den Tieren verringert (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20568896). Allerdings ist es schwierig, anhand menschlicher Populationsstudien einen Zusammenhang zwischen Probiotika und  einem verminderten Darmkrebsrisiko zu beweisen. Daher ist für das Milchsäurebakterium L. plantarum bisher nicht abschließend gesichert, ob es auch uns Menschen vor Krebs schützen kann.

Der Stamm L. plantarum PH04 senkt, als Probiotikum mit der Nahrung aufgenommen, den Cholesterinspiegel im Blut von Mäusen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17140690).

Wie oben bereits beschrieben, kann L. plantarum freie Sauerstoffradikale unschädlich machen, bevor diese wichtige Zellfunktionen des Bakteriums stören. Diese antioxidative Wirkung kommt aber auch uns Menschen, als Wirtsorgansimen, zugute. Denn die sehr reaktiven freien Radikale schaden natürlich auch den Darmzellen und können im schlimmsten Fall die Entstehung von Krebs fördern. L. plantarum gilt daher als Milchsäurebakterium, das auch durch seine positiven antioxidativen Eigenschaften unsere Gesundheit schützen kann (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18778294).

Lactobacillus plantarum senkt außerdem in hohem Maße die Immunreaktivität von Sojaprodukten, die vielen Menschen mit Lebensmittelallergien zu schaffen macht. So zeigen Untersuchungen, dass Lactobacillus plantarum bei der Vergärung von Sojamehl dessen IgE-Immunreaktivität um 96- bis 99 Prozent senkt. Auf dieser Basis lassen sich mithilfe von L. plantarum also auch Sojaprodukte für Allergiker herstellen (www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18072744).