Bifidobacterium breve

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

B. breve ist eines der unzähligen Bakterien, das unseren Darm natürlicherweise besiedelt, dabei lebenswichtige Vitamine herstellt und bei der Verdauung hilft, aber auch Krankheitskeime am Wachstum hindert.

Letzteres erreicht das Bifidobakterium, indem es Zucker, der in dem Verdauungsbrei enthalten ist, über einen sehr komplexen Weg in Milchsäure und Essigsäure umwandelt. Hierdurch wird der pH-Wert in der unmittelbaren Umgebung von Bifidobacterium breve so stark herabgesetzt, dass viele andere Mikroorganismen, darunter auch gefährliche Erreger, sich dort nicht mehr vermehren können.

Doch nicht nur für uns Menschen hat diese Fähigkeit Vorteile. Auch Bifidobacterium breve profitiert davon, wenn andere Bakterien auf der Darmschleimhaut nicht wachsen können. Denn so halten die Bifidobakterien Nahrungskonkurrenten fern, um sich selber besser vermehren zu können.

Die Darmflora gestillter Säuglinge besteht zu etwa 90 Prozent aus Bifidobakterien, darunter ist auch B. breve stark vertreten. (1)

Wissenschaftler konnten nachweisen, dass die Bifidobakterien nicht nur bei einer natürlichen Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen wird, sondern auch mit der Muttermilch in den Verdauungstrakt der Babys gelangt.(2)

Hat sich Bifidobacterium breve erst einmal im Darm der Kinder angesiedelt, so vermehrt es sich recht schnell, da es viele unterschiedliche Substanzen aus der Muttermilch verwerten kann. Hierdurch ist es im Darm vielen anderen Bakterien überlegen, die teilweise sehr spezifische Substrate benötigen.

Forschungen zeigen immer wieder, dass gestillte Kinder wesentlich gesünder sind als ihre Altersgenossen, die mit industriell hergestellter Milchnahrung gefüttert werden. Als Grund hierfür sehen Mediziner vor allem die in der Milch enthaltenen Bifidobakterien, die, wie oben beschrieben, Krankheitskeime am Wachstum hemmen und dadurch vor Infektionen schützen. Bisher ist allerdings noch nicht gänzlich geklärt, wie die Bifidobakterien in die Muttermilch gelangen. Menschliche Milch enthält außerdem viele Präbiotika, die das Wachstum der Bifidobakterien im kindlichen Darm gezielt fördern.

Doch Bifidobacterium breve schaltet nicht nur Krankheitskeime direkt aus, es wirkt sich auch auf andere Art und Weise positiv auf die Gesundheit von Neugeborenen aus: Das Bakterium kann nämlich mit unserem Immunsystem kommunizieren und so beispielsweise Entzündungsreaktionen regulieren. Zwar ist der Mechanismus dabei noch lange nicht ganz verstanden, doch scheint B. breve über einen genau abgestimmten Signalweg die Produktion der menschlichen Botenstoffe zu beeinflussen.(3)

Beginnen Kinder, auch andere Nahrung als Muttermilch aufzunehmen, so verschiebt sich das Gleichgewicht der Darmflora zu Ungunsten der Bifidobakterien, so dass die Zahl der B. breve-Zellen im Verhältnis zu anderen Mikroorganismen stark abnimmt. Im Darm gesunder Erwachsener gehören „lediglich“ 25 Prozent der vorhandenen Mikroorganismen zu den Bifidobakterien. Doch auch hier ist B. breve einer der am häufigsten vorkommenden Vertreter.

Bifidobacterium breve ist nicht nur im menschlichen Verdauungstrakt – vornehmlich im Dickdarm – sondern auch in der Scheide angesiedelt.(4) 

Hier übernimmt das Bakterium, gemeinsam mit weiteren Mikroorganismen, ähnliche Aufgaben wie im Verdauungstrakt: Durch das Ansäuern der Umgebung schützt Bifidobacterium breve vor Scheidenpilzen oder anderen Krankheitskeimen.

B. breve ist sowohl tolerant gegenüber Gallensalzen als auch gegenüber Magensäure. So ist gewährleistet, dass das Bakterium den Darm erreicht, um dort seine Wirkung zu entfalten. Neben seinen positiven Eigenschaften für unsere Gesundheit, ist dies einer der ausschlaggebenden Punkte dafür, dass das Bifidobakterium ein so beliebtes Probiotikum ist, das in Lebensmitteln, Nahrungsergänzungsmitteln und Medikamenten zum Einsatz kommt.

B. breve gilt darüber hinaus als sehr sicher. Erkrankungen, die durch das Bakterium ausgelöst werden, sind bisher nicht bekannt.

Bifidobacterium breve in Lebensmitteln und Medikamenten

Fermentierte Lebensmittel – wie Joghurt, Sauerkraut oder Kefir – entstehen durch die Vergärung von Zucker in Milchsäure. Diese Aufgabe übernehmen die mikroskopisch kleinen Bifidobakterien und Laktobazillen. Die Produkte erhalten dadurch nicht nur ihren typischen, leicht säuerlichen Geschmack. Sie sind durch die entstandene Säure, die auch hier das Wachstum von Pilzen und anderen Mikroorganismen hemmt, außerdem länger haltbar.

War es ursprünglich üblich, die Milch, den Weißkohl oder andere Produkte einfach so lange stehen zu lassen, bis die überall vorhandenen Mikroorgansimen sie vergoren hatten, so werden bei der industriellen Lebensmittelproduktion nur bestimmte, bewährte Bakterien zugesetzt. Hierdurch sind eine gleichbleibende Qualität und ein immer identischer Geschmack gewährleistet.

Während B. breve bei der Herstellung fermentierter Lebensmittel eine untergeordnete Rolle spielt, wird es gerne als Probiotikum, meist in Kombination mit anderen nützlichen Darmbakterien, eingesetzt. So untersuchen Forscher derzeit die Wirkung von B. breve in Zusammenarbeit mit einem Milchsäurebakterium in zu früh geborenen Säuglingen.(5)

Andererseits wird auch Säuglingsnahrung vertrieben, die durch B. breve fermentierte Milch enthält. Da die Bakterien allerdings nach der Gärung abgetötet werden, handelt es sich bei dem Produkt nicht um ein Probiotikum (das laut Definition lebende Zellen enthalten muss). Die von Bifidobacterium breve und Streptococcus thermophilus produzierten Substanzen helfen nachweislich dabei, das Allergierisiko der Kinder zu verringern.(6)

Nahrungsergänzungsmittel, die B. breve und andere probiotische Bakterien enthalten, sind sowohl für Erwachsene als auch speziell für Kinder erhältlich.

B. breve unterstützt die Darmfunktion Frühgeborener

Die nekrotisierende Enterokolitis (NEC) ist eine gefürchtete Komplikation bei sehr leichten Frühgeborenen. Untersuchungen zeigen, dass die Gabe eines Probiotikums mit B. breve und Lactobacillus casei das Auftreten dieser Magen-Darm-Erkrankung stark minimieren kann.(7)

B. breve scheint außerdem Stoffe zu produzieren, die das Allergierisiko von Kindern reduzieren können. An einer Studie nahmen Säuglinge teil, in deren Familie ein erhöhtes Allergierisiko bestand. Die Kinder zeigten deutlich weniger allergische Reaktionen als ihre Altersgenossen, die ein Placebo erhielten. Auch nach dem Absetzen des Produkts – das keine lebenden B. breve-Zellen, sondern lediglich die bei der Fermentation hergestellten Produkte des Bakteriums enthielt – blieben Allergien bei den Kindern seltener als in der Kontrollgruppe.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Substanzen die Überreaktionen unserer Immunzellen hemmen und hierdurch die allergischen Reaktionen minimieren.(8)

Das gleiche Säuglingsprodukt scheint außerdem bei gesunden Kindern die Häufigkeit und Dauer von Durchfällen zu verringern.(9)

Bifidobacterium breve hilft außerdem bei Darmträgheit. Studien zeigen, dass sowohl bei Kindern ab drei Jahren als auch bei Erwachsenen die Darmtätigkeit durch die Einnahme von B. breve stark erhöht wird. Hierdurch ist nicht nur die Konsistenz des Stuhls verbessert, es treten auch seltener die mit der Verstopfung einhergehenden Bauchschmerzen auf.(10)

Beim Reizdarmsyndrom treten unterschiedlichste Symptome – wie Durchfall und Verstopfung, Blähungen und Bauchschmerzen – auf, die den Patienten oft sehr zu schaffen machen. Obwohl bisher die Ursachen für das Reizdarmsyndrom nicht vollständig geklärt sind, ist erwiesen, dass probiotische Bakterien die Beschwerden lindern können.

So hilft auch B. breve, in Kombination mit Lactobacillus plantarum, nachweislich dabei, die Symptome einzudämmen.(11)

1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19430378

2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19088308

3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19381276

4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10852059

5) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20980486

6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21081959

7) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20980486

8) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21081959

9) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15269618

10) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21345213

11) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15220671