Kalzium

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Kalzium wird oft auch als “Calcium” geschrieben, was der wissenschaftlichen Schreibweise entspricht. Gemeint ist aber das Gleiche.

Und das ist ein chemisches Element, das mit der chemischen Abkürzung “Ca” bezeichnet wird. Die Ordnungszahl dieses Elements ist 20. Das heißt, dass der Atomkern dieses Elements 20 Protonen enthält. Es zählt zu den Metallen. Chemisch gesehen gehört Kalzium zu den Erdalkalimetallen.

Die Erdalkalimetalle teilen eine Reihe von chemischen Eigenschaften der benachbarten Gruppen der Erdmetalle und Alkalimetalle. Andere Elemente der Erdalkalimetalle sind Magnesium, Strontium, Beryllium und Barium.

Das Kalzium-Vorkommen ist weit verbreitet. Es kommt aufgrund seiner starken chemischen Reaktivität nur in gebundener Form vor, z.B. als Bestandteil von Mineralien. Dies sind z.B. Marmor, Kalkstein, Kreide, Gips usw. So ist Kalzium das fünfthäufigste Element der Erdhülle. Im Organismus des Menschen jedoch ist es mit ca. 1 kg das am häufigsten vorkommende Mineral.

Die Knochen und Zähne beherbergen 99 Prozent des gesamten Kalziums im Körper. Damit haben wir, streng genommen, ein inneres Gerüst (Skelett), das aus 99 Prozent reinem Metall besteht. Aber Kalzium kommt nicht nur in den Knochen und Zähnen vor. Das fehlende eine Prozent mag statistisch gesehen unsignifikant erscheinen. Aber ohne dieses eine Prozent wäre eine Reihe von physiologischen Reaktionen überhaupt nicht möglich und damit Leben ebenso unmöglich.

Physiologische Bedeutung des Kalziums

Beim Kalzium handelt es sich per Definition um ein Mengenelement. Mengenelemente sind alle die Elemente, die mit mehr als 50 mg pro kg Körpergewicht im Organismus vorkommen. Aber auch im Organismus kommt das Kalzium nicht in “Reinkultur” vor, sondern in einer Verbindung, die der Chemiker “Hydroxylapatit” nennt.

Dies ist eine Verbindung, in der auch Phosphor vorkommt. Damit wird auch klar, dass für den Knochenaufbau nicht nur Kalzium notwendig ist, sondern dass auch Phosphor benötigt wird, um diese Hydroxylapatit-Verbindung aufbauen zu können. Ohne diesen Phosphor fehlte es den Knochen und Zähnen an Festigkeit. Aber die Knochen bestehen nicht nur aus Kalzium, sie sind auch Kalziumspeicher. So wird bei einem Mangel an Kalzium ein Teil aus den Knochen freigesetzt, damit die den Aufgaben zur Verfügung stehen, die das eine Prozent sonst inne hat. Wird dieses Herauslösen des Kalziums aus den Knochen eine dauerhafte Angelegenheit, dann werden die Knochen brüchig und man spricht von einer Knochenentkalkung oder Osteoporose, die besonders bei älteren Leuten einsetzen kann.

Was macht die kleine Minderheit von 1 Prozent denn nun und warum scheint sie so wichtig zu sein? Die Muskelkontraktion ist ohne Kalzium nicht möglich. Durch den Einstrom von Kalzium in Muskelzellen bildet das Kalzium eine Art biochemisches “Scharnier” zwischen Aktin und Myosinfilamenten, die sich gegenläufig verschieben, um die Bewegung auszulösen. Eine weitere Aufgabe ist die Blutgerinnung. Diese ist eine Kaskade von Aktivierung und Desaktivierung von Gerinnungsfaktoren (12 an der Zahl), von denen das Kalzium den Gerinnungsfaktor IV darstellt. Hier sind es genau genommen die positiv geladenen Kalzium-Kationen, die von einer Reihe von Faktoren benötigt werden, um an Phospholipide von Membranen anzubinden, die eine negative Ladung tragen. Also ohne Kalzium gäbe es auch keine Blutgerinnung und es käme bei Verletzungen spätestens zu lebensbedrohlichen Blutverlusten.

Der physiologische Bereich, in dem sich das Kalzium befinden muss, ist mit 2,1 - 2,6 mmol/l relativ eng bemessen. Dass dies gewährleistet ist, wird von gleich drei Hormonen kontrolliert, Calcitriol, Calcitonin und Parathormon. Während die 99 Prozent des Kalziums im Knochen als eine Hydroxylapatit-Verbindung auftreten, treten nur 0,1 Prozent im Extrazellularraum auf. Davon liegt die Hälfte als eine frei ionisierte Form vor, die die eigentlich biologisch aktive Form darstellt. Der Rest ist an Proteine gebunden oder bildet Komplexe wie Calciumlactat, Calciumcitrat, Calciumsulfat, Calciumhydrogencarbonat oder Calciumphosphat.

Sind die Werte des Kalziums im Blut erhöht, dann spricht man von einer Hyperkalzämie. Sind die Werte erniedrigt, dann ist dies eine Hypokalzämie. Beides ist mit gesundheitlichen Problemen verbunden.

Gesundheitliche Risiken

Eine Hyperkalzämie über einen verlängerten Zeitraum stellt eine außerordentliche Belastung für die Nieren dar. Je nach Höhe der Hyperkalzämie kann es sogar zu einer Nierenfunktionsstörung kommen bzw. Nierenversagen.

Werden dagegen große Kalziummengen über die Nahrung aufgenommen, dann steigt auch das Risiko für die Ausbildung eines Prostatakarzinoms um den Faktor 2,5. Laut einer Studie von der Harvard School of Medicine, die 47.750 Probanden beobachtete, stieg das Risiko proportional in Abhängigkeit des verzehrten Kalziums. So hatten die Männer, die zwischen 1500 und 2000 mg Kalzium täglich einnahmen, ein 1,87-mal höheres Risiko für Prostatakrebs als die, die nur 500 bis 750 mg täglich konsumierten. Die Gruppe, die über 2000 mg (= 2 g) Kalzium aufnahmen, hatten ein relatives Risiko von 2,43 gegenüber der 500-mg-Gruppe. Die Forscher dieser Studie glauben, dass eine hohe Konzentration an Kalzium in der Lage ist, die Zelldifferenzierung zu stören und auf diese Art die Ausbildung eines aggressiven und undifferenzierten Prostatakarzinoms auszulösen. Diese Ergebnisse wurden durch eine Studie der Universität von Wisconsin/Madison bestätigt. Auch hier beobachteten die Forscher ein 2,5-fach erhöhtes Risiko für ein tödlich verlaufendes Prostatakarzinom.

Die Gabe von Kalzium ohne einen Vitamin D-Zusatz scheint das Risiko für einen Herzinfarkt zu erhöhen. Eine Meta-Analyse von der Universität von Auckland aus dem Jahr 2010 konnte beobachten, dass Kalziumpräparate das Herzinfarktrisiko um 30 Prozent steigern. Der Effekt tritt ab einer täglich aufgenommenen Menge von 800 mg Kalzium auf, wenn nicht gleichzeitig Vitamin D eingenommen wird. Ein weiterer Nebeneffekt war die deutlich erhöhte Anzahl an Schlaganfällen und Todesfällen in der Kalzium-Gruppe. Und wenn dann die Niere schon einen “Knacks” hat, dann werden zu hohe Kalziumkonzentrationen noch problematischer, besonders für ältere Menschen.

Andere Probleme einer Hyperkalzämie sind bzw. können sein Übelkeit, Erbrechen, Verstopfungen, Herzrhythmusstörungen, Muskelschwäche, Psychosen, Koma usw. Eine Hypokalzämie tritt auf, wenn der Kalziumspiegel im Blut unter 2,2 mmol/l abfällt. Dann erhöht sich das Risiko, dass es zu einer Störung der Elektrolytbalance kommt. Dies zeigt sich dann in einer Übererregbarkeit des Nervensystems oder in Krämpfen der Skelettmuskulatur. Es sind auch Krämpfe (Spasmen) in der glatten Muskulatur möglich. Im EKG können ebenfalls Veränderungen auftreten (QT-Veränderung).

Was tun, um nicht hyper oder hypo zu werden?

Die empfohlene tägliche Zufuhrmenge an Kalzium liegt für Erwachsene bei 450 und 1000 mg. Allerdings sind diese Mengen fast vollkommen nutzlos, wenn nicht genug Vitamin D3 vorliegt, das für den Einbau des Kalziums in die Knochen verantwortlich ist. Kalzium wird über die Niere ausgeschieden. Diese Ausscheidung kann erhöht werden, indem man die Zufuhr von Salz, Proteinen, Alkohol und Kaffee erhöht.

Hier einmal eine altersabhängige Empfehlung der täglichen Kalziumzufuhr:

Säuglinge unter 4 Monate - 220 mg
Säuglinge zwischen 4 bis 12 Monate - 400 mg
Kinder
1 bis 4 Jahre - 600 mg
4 bis 7 Jahre - 700 mg
7 bis 10 Jahre - 900 mg
10 bis 13 Jahre - 1100 mg
Jugendliche und Erwachsene
13 bis 19 Jahre - 1200 mg
19 bis 50 Jahre - 1000 mg
Senioren
ab 50 - 1200 wegen einer geringeren Resorptionsfähigkeit. Bei eingeschränkter Nierenfunktion muss die Dosis dann reduziert werden.

Eine Minimalgrenze festzulegen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Dies liegt begründet in Schwankungen der Kalzium-Resorption, die abhängig ist von aktuellen Kalzium-Spiegeln und dem aktuellen Bedarf. Verschiedene Lebens- und Ernährungsmuster des Einzelnen bestimmen auch über die Höhe der Minimaldosis. Resorptionsverluste von 50 Prozent können den Bedarf durch die Nahrungsaufnahme deutlich erhöhen. Schwangere und stillende Frauen haben auch einen erhöhten Bedarf. Wie schwer es sein muss, die Mindestgrenze zu ziehen, zeigen die Empfehlungen der verschiedenen Länder und der WHO. Während die WHO bei Erwachsenen 450 mg als Minimalgrenze setzt, empfehlen die Österreicher mehr als das Doppelte (1000 mg). Japan gibt seinen Säuglingen mindestens 400 mg jeden Tag; die USA und die Österreicher geben auch hier das Doppelte. Bei Jugendlichen empfiehlt die WHO 650 mg; Kanada, die USA und Österreich geben die Empfehlung von 1000 bis 1200 mg täglich.

Kalzium in Nahrungsmitteln

Nahrungsmittel mit einem vergleichweise hohen Kalziumgehalt sind:
Mohnsamen, Hartkäse, Schnittkäse etc.
Nahrungsmittel mit einem moderat hohen Gehalt sind:
Sesam, Nüsse, Weichkäse, Milch, Joghurt, Kefir, Molke, Brennnesseln, Grünkohl, Brokkoli, Meerrettich, Fenchel, getrocknete Feigen.

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18768497?dopt=Abstract
http://cebp.aacrjournals.org/content/17/9/2302
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20671013?dopt=Abstract