Aminosäure Phenylalanin: Anwendung, Wirkung und
Nutzen
Die zugleich in Wasser als auch in Öl lösliche Aminosäure Phenylalanin (Phe oder F) mit der Summenformel
C9H11NO2 kann vom menschlichen Organismus nicht selber hergestellt werden.
Da wir sie also über die Nahrung aufnehmen müssen, gilt sie als essentiell. Die Aminosäure enthält einen aromatischen Ring, wodurch sie äußerst energiereich ist.
Phenylalanin ist Baustein sehr vieler Proteine, so dass die Aminosäure in fast allen eiweißhaltigen Lebensmitteln
zu finden ist.

Besonders häufig kommt Phenylalanin in Gemüse – allen voran Soja, Karotten und Tomaten –, in Nüssen und
Weizenkeimen vor, aber auch Milchprodukte, Fleisch und Fisch sind reich an Phenylalanin. Ein Phenylalanin-Mangel,
der durch Fehlernährung oder lang anhaltenden Stress ausgelöst wird, kann zu einer erhöhten Infektanfälligkeit
führen.
Ein Stress-bedingter Mangel an der Aminosäure hängt damit zusammen, dass Phenylalanin Ausgangsstoff vieler
Substanzen ist, die bei körperlicher und seelischer Belastung vermehrt gebildet werden. Dazu wird aus Phenylalanin
in unserer Leber die Aminosäure Tyrosin synthetisiert, die der Körper nicht selbst
herstellen kann.
Diese, ebenfalls mit aromatischem Ring ausgestattete Aminosäure, wird unter anderem zur Bildung
unterschiedlicher Hormone – beispielsweise der Schilddrüsenhormone und Adrenalin – benötigt, die über verschiedene
Stoffwechselwege gebildet werden. Sie haben für den Organismus eine wichtige Funktion in Bezug auf Wachstum,
Leistungsbereitschaft und Blutdruck.
(Lerner A.B.: Metabolism of phenylalanine and tyrosine; Adv Enzymol Relat Subj
Biochem; 1953; 14; S. 73-128).
Patienten, die an der Stoffwechselkrankheit Phenylketonurie (PKU) leiden, können kein Tyrosin aus der Aminosäure
Phenylalanin synthetisieren, da ihnen hierfür nötige Enzyme fehlen.
Die Stoffwechselerkrankung PKU wird autosomal-rezessiv vererbt und betrifft etwa einen von 8000 Säuglingen.
Erhalten die Kinder keine besondere eiweißarme Diät, so reichern sich verschiedene Abfallprodukte der
Phenylalanin-Synthese im Körper an, die schwere Entwicklungsstörungen verursachen. Wird die PKU hingegen
rechtzeitig diagnostiziert, so ist, bei strenger Einhaltung des Ernährungsplans, die geistige Entwicklung und
Lebenserwartung nicht beeinträchtigt.
(Woolfe L.I. et al.: Treatment of phenylketonuria with a diet low in phenylalanine; Br Med J; 1955; 1(4905); S.
57-64).
Der synthetisch hergestellte Süßstoff Aspartam, der vielen Diätprodukten, aber auch zuckerfreien Kaugummis,
zugesetzt ist, wird unter anderem aus der Aminosäure Phenylalanin hergestellt. Unser Körper zersetzt den
umstrittenen Süßstoff, der nicht nur abführend wirkt, sondern zusätzlich für Befindlichkeitsstörungen und ein
erhöhtes Krebsrisiko verantwortlich gemacht wird, in seine Bestandteile: 50 Prozent Phenylalanin, 40 Prozent
Asparaginsäure und 10 Prozent Methanol.
Da Patienten mit PKU (die ja auf jeden Fall eine phenylalaninarme Diät einhalten müssen) in Light-Limonaden und
Hustenbonbons nicht unbedingt Proteine vermuten, ist es laut EU-Verordnung vorgeschrieben, alle Nahrungsmittel, die
Aspartam enthalten, mit einem Warnhinweis zu kennzeichnen. Dadurch erklärt sich der Satz auf vielen Verpackungen
von Diät-Produkten: „Enthält eine Phenylalaninquelle“.
(vergleiche unter anderem Wenz E.: Aspartame and PKU; J Am Diet Assoc; 1984 Jan;
S. 101).

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