Streptokokken in der Therapie
Die Bakteriengattung der Streptokokken (Streptococcus)
besiedelt unter anderem den menschlichen Körper. So sind die Mikroorganismen natürlicherweise sowohl im
Verdauungstrakt als auch auf unserer Haut anzutreffen. Teilweise kommen die Streptokokken aber auch in der Scheide
und den oberen Bereichen der Atemwege vor. Die Bakterien können Sauerstoff im Allgemeinen zwar nicht verwerten,
doch überleben die meisten Streptococcus-Arten problemlos an der Luft.
Streptokokken, die Zucker zu Milchsäure fermentieren können, gelten gemeinhin als völlig harmlose Siedler des
Menschen. Doch können viele Streptococcus-Arten gefährliche Krankheiten auslösen, wenn sie sich zu stark
vermehren.
Zu den durch Streptokokken verursachten Erkrankungen gehören vor allem Karies, Hals-Nasen-Ohren-Infektionen,
Lungenentzündungen und Hirnhautentzündung (letzteres vor allem bei zu früh geborenen Babys).
 Ebenso gibt es aber auch einzelne Streptokokken, die sehr
förderlich für unsere Gesundheit sind. So helfen einige probiotische Streptokokken bei dem Aufbau einer
gesunden Mundflora mit. Auch können diese Streptokokken-Arten den Darm vor verschiedenen Krankheitskeimen
schützen.
Außerdem stellen Streptokokken (etwa der Stamm Streptococcus salivarius K12), bestimmte Moleküle her, die
antibiotische Wirkung zeigen. Diese Bakteriozine töten besonders gut nahe verwandte Mikroorganismen ab. Die
Streptokokken besitzen somit ein hervorragendes Mittel, um sich vor direkten Nahrungskonkurrenten zu schützen. Die
gezielte Einnahme der Bakteriozin-herstellenden Streptokokken sorgt also dafür, dass die „guten“ Mikroorganismen
schädliche Streptokokken verdrängen und so beispielsweise sehr wirkungsvoll vor Parodontose schützen.
(1)
Die als Probiotika genutzten Stämme sind wissenschaftlich gut untersucht, kommen auch natürlicherweise im
Menschen vor und gelten als ungefährlich.
Die probiotischen Streptokokken können den niedrigen pH-Wert im Darm und hohe Konzentrationen der Gallensalze
überstehen. Dies ist Voraussetzung dafür, dass die Bakterien überhaupt die Darmgesundheit verbessern können.
(2)
Da auch die Streptococcus-Arten, die typischerweise als Starterkulturen für herkömmlichen Joghurt genutzt
werden, im Kot der Probanden festgestellt werden, scheinen auch diese Bakterien die für Mikroorgansimen ungünstigen
Bedingungen im Magen zu überleben. (3)
Streptococcus-Arten in Lebensmitteln und Medikamenten
Vor allem die Bakterienart Streptococcus thermophilus spielt bei der Joghurtproduktion eine herausragende Rolle.
Denn, neben unterschiedlichen Laktobazillen und Bifidobakterien, werden diese Streptokokken sehr häufig als
Starterkulturen zur Produktion fermentierter Milchprodukte eingesetzt. So werden die Streptokokken außerdem zur
Herstellung von Mozzarella und Emmentaler genutzt.
Medikamente mit probiotischen Streptococcus-Stämmen werden nicht nur zur Prophylaxe vor Karies eingesetzt,
sondern helfen auch bei der Verbesserung der natürlichen Darmflora. (4)
Wie oben beschrieben, stellen die Streptokokken sehr wirkungsvolle Bakteriozine her, die andere Arten der
Gattung am Wachstum hemmen oder abtöten. Mediziner nutzen dies in einer so genannten Bakterienaustausch-Therapie
aus (bacterial replacement therapy). Hierbei sorgt der ungefährliche Stamm mithilfe seiner produzierten
Bakteriozine dafür, dass die gefährlichen Streptokokken auf Dauer aus dem Mundraum verdrängt werden.
(5)
Außerdem werden bestimmte Substanzen der Streptokokken benutzt, um bei Patienten medikamentös Blutgerinnsel und
Thromben aufzulösen. (6)
Streptokokken können vor Karies und Atemwegserkrankungen schützen
Der probiotische Bakterienstamm Streptococcus salivarius K12 sorgt für eine gesunde Mundflora. Denn, wie oben
beschrieben, verdrängen diese Streptokokken nahe Verwandte, die als Hauptursache für Karies und Parodontose gelten.
Dies konnte Professor John Tagg mit seinem Team anhand mehrerer Studien nachweisen. (7)
Zum ersten Mal aufmerksam wurde die Forschergruppe auf dieses Phänomen, als sie feststellte, dass Personen, bei
denen der ungefährlichen Stamm natürlicherweise im Mund anzutreffen ist, wesentlich seltener an Infektionen leiden,
die durch Streptokokken ausgelöst werden. Hierauf bauen alle weiteren Untersuchungen der Wissenschaftler auf, deren
Ergebnisse zur Kariesprophylaxe sehr vielversprechend sind.
Es gibt unzählige Bakterien, etwa Staphylococcus aureus oder Streptococcus pneumoniae, die sich beispielsweise
bei einem geschwächten Immunsystem stark vermehren und dann im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen
Lungenentzündung führen können. In Zusammenarbeit mit anderen probiotischen Bakterien kann Streptococcus
thermophilus vor möglichen Krankheitskeimen in den oberen Atemwegen schützen. Zu diesem Ergebnis kam eine
Forschergruppe, die potentiell infektiöse Bakterien in der Nase untersuchten. Probanden, die regelmäßig einen mit
den probiotischen Bakterien angereicherten Joghurtdrink zu sich nahmen, hatten demnach signifikant weniger
gefährliche Keime in ihren oberen Atemwegen als die Kontrollgruppe. (8)
Gemeinsam mit mehreren weiteren probiotischen Bakterien hilft Streptococcus thermophilus beim Reizdarmsyndrom.
(9)
Auch bei anderen Darmerkrankungen kommen die Streptokokken – meist in Verbindung mit weiteren Probiotika – zum
Einsatz. So helfen sie effektiv bei Durchfällen, die beispielsweise durch eine Antibiotika-Einnahme ausgelöst
werden. Denn die Gabe probiotischer Bakterienstämme baut nach dem unspezifischen Abtöten der Mikroorgansimen die
natürliche Darmflora gezielt wieder auf.
An Fischen konnte gezeigt werden, dass die Gabe probiotischer Streptococcus-Stämme – in Kombination mit einer
Kräutermischung – nicht nur das Immunsystem der Tiere aktiviert, sondern gleichzeitig das Wachstum und die
Blutzusammensetzung verbessert. (10)
(1)www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15752094
(2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19469286
(3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16820518
(4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21840808
(5)www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19722837
(6)www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19870210
(7)www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15752094
(8)www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12540416
(9)www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/17108865
(10)www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21669289

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