Glutamin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Anwendung, Wirkung und Nutzen

Die Aminosäure Glutamin (Gln oder Q, auch L-Glutamin genannt) mit der Summenformel C5H10N2O3 kann zwar von unserem Körper in geringen Mengen selber hergestellt werden, aber gerade in Stress-Situationen – etwa nach Operationen oder bei chronischen Erkrankungen – und im Alter ist die eigene Produktion oft nicht ausreichend.

Glutamin wird deshalb heute meistens als semi-essenziell, teilweise aber auch als nicht essenziell bezeichnet. In Zeiten großer Belastung, zum Beispiel durch Krankheiten, Stress oder hartes Training, sollte deshalb besonders auf eine glutaminreiche Ernährung geachtet werden. Eventuell ist auch eine zusätzliche Gabe von Glutamin-Präparaten notwendig.

Quark ist sehr reich an Glutamin, andere Milchprodukte, Soja, Weizen und Fleisch enthalten die Aminosäure ebenfalls in größeren Mengen.

Ein Glutamin-Mangel kann zu einem erhöhten Infektionsrisiko führen. Eine Überdosierung mit Nahrungsergänzungsmitteln, die Glutamin enthalten, kann hingegen Hautkribbeln zur Folge haben. Bei Depressionen oder Epilepsie sollte auf Glutamin-Präparate möglichst verzichtet werden, da es die Symptome verstärken kann.

Was Glutamin alles kann

Glutamin ist, wie alle proteinogenen Aminosäuren, Baustein der Eiweiße. Viele wichtigen Proteine enthalten lange Aneinanderreihungen von Glutamin, sogenanntes Polyglutamin. Bei einigen Erkrankungen, wie Alzheimer oder Chorea Huntington, sind diese Glutaminketten stark verlängert, wodurch die Struktur knäuelartig wird und das jeweilige Protein nicht mehr richtig wirken kann (vgl.: www.mpg.de).

Doch Glutamin ist nicht nur Baustein der Proteine, sondern kommt im gesamten Körper sehr häufig ungebunden vor. So sind etwa 20 Prozent aller freien Aminosäuren im Blutplasma Glutamine, die dem Körper auf diese Weise als wichtige Energiequelle dienen. Vor allem schnell teilende Zellen haben einen hohen Glutaminbedarf, so etwa die Zellen des Immunsystems. Am häufigsten liegt freies Glutamin allerdings in Muskelzellen vor. Hier fördert die Aminosäure den Aufbau der Muskelproteine und verhindert gleichzeitig deren Abbau. Dies ist der Grund, weshalb Leistungssportler gerne auf Nahrungsergänzungsmittel mit Glutamin zurückgreifen. Für die Zellen des Verdauungstraktes ist die Aminosäure ebenfalls ein wichtiger Energielieferant.

Im Gegensatz zu anderen Aminosäuren verfügt L-Glutamin über zwei Stickstoffatome. Dadurch ist es in der Lage, Ermüdungserscheinungen vorzubeugen, gerade bei großer körperlicher Anstrengung. Wird der Körper stark belastet, bildet sich in den Muskeln Ammoniak aus den Aminogruppen der Proteine. Glutamin kann als Transporter für das Ammoniak fungieren und dieses zu Leber und Niere weiterleiten, wo es dann umgewandelt und ausgeschieden wird. Auf diese Weise ermüdet der Körper nicht so schnell und wird gleichzeitig entgiftet.

Zusätzlich verhindert Glutamin ein schädliches Übertrainieren: Es hat sich gezeigt, dass viele Athleten einen verringerten Serumglutaminspiegel hatten, was zu einer Verschlechterung des Immunschutzes führen kann. Deshalb kommt es gerade in der Vorbereitungszeit auf einen wichtigen Wettkampf häufig zu grippalen Infekten. In Belastungszeiten produziert der Körper vermehrt Cortison, das Glutamin aus der Muskulatur freisetzt. Wird mehr Glutamin zugeführt, wird ein Übertraining verhindert. Dem Körper steht also trotz intensiven Trainings noch genügend Glutamin für das Immunsystem zur Verfügung.

Glutamin kann aber noch mehr: Es normalisiert den Blutzuckerspiegel und hilft Menschen während einer kohlenhydratarmen Diät, diese ohne Heißhungerattacken durchzuhalten. Damit kann Glutamin sogar beim Abnehmen helfen.

Glutamin dient außerdem als Stickstoffquelle für viele unterschiedliche Stoffwechselprozesse beim Menschen (Haussinger D.: Glutamine Metabolism in Mammalian Tissues; Springer-Verlag; 1984).

Achtung, Verwechslungsgefahr!

Glutamin hat sehr große strukturelle Ähnlichkeit zu Glutaminsäure, einer anderen Aminosäure, deren Salz als Glutamat bezeichnet wird. Glutamat wird vor allem in der asiatischen Küche als Geschmacksverstärker eingesetzt und stehen im Verdacht, Kopfschmerzen, allergische Reaktionen und andere Symptome auszulösen. Kritiker sehen auch einen Zusammenhang zwischen Glutamat und Übergewicht. Bei Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose und Prostatakrebs wurde eine besonders negative Wirkung auf die Gesundheit festgestellt.

Das Glutamat ist ein Neurotransmitter, der im Zentralnervensystem Informationen von einer Zelle zur anderen weitergibt. Um einmal ausgeschüttetes Glutamat zurück in die Nervenzellen (Neuronen) transportieren zu können, muss es erst in Glutamin umgewandelt werden. Sobald das Glutamin dann zurück in den Neuronen ist, wird es dort wieder in Glutamat umgebaut.

Im Gegensatz zum Glutamin wird Glutamat vom Körper jederzeit in ausreichender Menge produziert und muss deshalb nicht extra zugeführt werden. Im Gegenteil: Bei den vorhandenen Verdachtsmomenten gegen Glutamat empfehle ich, so weit wie möglich auf diesen Geschmacksverstärker zu verzichten. (Tipp: Viele China-Restaurants bereiten ihre Speisen auf Wunsch auch ohne Glutamat zu.)
 (Martinez-Hernandez A. et al.: Glutamine synthetase: glial localization in brain; Science; 1977; 195(4284); S. 1356-1358).

Infektionsgefahr durch Glutamin-Mangel

Patienten, die beispielsweise durch Unfälle oder Operationen großflächige oder viele Verletzungen aufweisen, erleiden im Anschluss häufig Infektionen. Gleichzeitig weisen Untersuchungen fast immer einen sehr ausgeprägten Glutamin-Mangel nach, was wahrscheinlich auf den erhöhten Bedarf in dieser Phase zurückzuführen ist. Durch eine glutaminreiche Diät kann die Infektionsgefahr nach solch einem Polytrauma verringert werden.
 (van Leeuwen P.: Glutamingabe bei Polytrauma - weniger Komplikationen?; Dtsch Arztebl 1998; 95(47); A-2989/B-2549/C-2361).

Einnahmeempfehlungen für Glutamin

Nimmt man Glutamin-Präparate ein, muss man wissen, dass nur etwa 10 bis 15% des Glutamins auch tatsächlich in den Zellen ankommt. Der Rest verliert sich im Verdauungstrakt oder wird direkt vom Körper verbrannt. Deshalb ist die richtige Dosierung wichtig, damit Sie Ihr Geld für das Glutamin-Präparat nicht zum Fenster hinauswerfen.

Je nach Zielsetzung und Körpergewicht muss die Glutaminmenge angepasst werden. Als Faustformel gilt: Anfangen sollten Sie dabei mit einer Dosierung von mindestens 10g Glutamin täglich. 30g sind die tägliche Maximaldosis, die aber meist nur fortgeschrittene Athleten brauchen. Wenn Sie das Glutamin zur Unterstützung Ihres sportlichen Trainings nutzen wollen, dann sollten Sie es jeweils direkt nach dem Training einnehmen. Wenn Sie nicht trainieren, sondern das Glutamin aus anderen Gründen einnehmen, ist direkt nach dem Aufstehen ein guter Zeitpunkt, um das Potenzial des Glutamins optimal auszuschöpfen.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass Sie reines L-Glutamin bekommen. Zum Kauf steht auch noch Glutaminpeptid, das aber nur zu etwa 30 Prozent aus Glutamin besteht. L-Glutamin bekommen Sie als Kapseln oder als Pulver. Das Pulver können Sie gut in Getränke einrühren, sollten diese aber unmittelbar nach dem Anrühren trinken, weil das Pulver nicht sehr stabil ist. Die Kapseln sind unempfindlicher, dafür aber auch etwas teurer.