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Dekristol – Erfahrungen zu Dosierung und Anwendung aus der Naturheilpraxis

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Nahrungsergänzungsmittel gehören zu den beliebtesten pharmazeutischen Produkten, die in Apotheken verkauft werden. Vor allem in den letzten Jahren rückte dabei Vitamin D (zum Beispiel enthalten in Dekristol) in den Fokus des Interesses; als wichtiger Baustein, um Calcium in die Knochen einzulagern, soll der Mikronährstoff unter anderem vor Osteoprorose schützen.

Gerade in Deutschland herrscht vierlerorts ein Vitamin D-Mangel, so dass diese Erkrankung von großer Bedeutung ist. Doch die Studienlage um den Nutzen von Vitamin D und Nahrungsergänzungsmitteln wie Dekristol ist noch immer nicht eindeutig.

Inhaltsstoffe und Anwendungsbereiche

Dekristol gehört zu den apothekenpflichtigen Nahrungsergänzungsmitteln, die jeder Patient auch ohne Rezept erhält - allerdings ausschließlich in Apotheken. In dem Medikament ist Colcecalciferol (eine Form von Vitamin D) enthalten. In der niedrigsten Dosierung enthält eine Tablette 10mg Colcecalciferol; das entspricht 1000 I.E. Vitamin D3. [3] 

Vitamin D reguliert die Aufnahme und den Stoffwechsel von Calcium und dessen Einbau in die Knochen und spielt somit eine wichtige Rolle bei der Verhütung von Osteoporose. So zeigten Studien, dass ein schwerer Vitamin D-Mangel in den Knochen zu Mineralisationsstörungen führt; in einigen Untersuchungen konnte man nachweisen, dass eine Nahrungsergänzung mit Vitamin D die Knochendichte erhöht und gleichzeitig das Risiko für Knochenbrüche hemmt. [7]

Ein wichtiges Anwendungsgebiet von Dekristol stellt daher die Vorbeugung und unterstützende Behandlung von Osteoporose dar. Auch Erkrankungen wie Rachitis (bestimmte Form einer Knochenstoffwechselstörung) und Osteomalazie (Stoffwechselstörung, die zur Erweichung und Demineralisierung der Knochen führen kann) gehören zu den klassischen Indikationen des Medikaments. [4]

Dosierung

Für die Tabletten, die 1000 I.E. Vitamin D enthalten, werden folgende Dosierungen empfohlen:

  • Zur Vorbeugung von Rachitis: 1/2 Tablette Dekristol 1000 I.E. pro Tag
  • Zur Vorbeugung bei Patienten mit einem Risiko einer Vitamin D-Mangelerkrankung: 1/2 - 1 Tablette Dekristol 1000 I.E. pro Tag
  • Zur unterstützenden Behandlung von Osteoporose 1 Tablette pro Tag
    Die Tabletten werden mit ausreichend Wasser eingenommen. [3]

Nebenwirkungen

Zu den klassischen Nebenwirkungen bei der Einnahme von Dekristol gehören eine erhöhte Calciumkonzentration im Blut und im Urin sowie mitunter Beschwerden im Magen-Darm-Trakt; hierzu zählen vor allem Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung, Blähungen oder Durchfall. Zudem wurden während der Einnahme in einigen Fällen Überempfindlichkeitsreaktionen beobachtet, zum Beispiel Nesselsucht, Juckreiz und Hautausschläge. Hervorzuheben ist jedoch, dass die Datenlage an Nebenwirkungen noch gering ist, so dass neu auftretende Symptome dem Arzt mitgeteilt werden sollten. [4]

Erfahrungen und Studien

Diverse Studien deuten darauf hin, dass Vitamin D-Präparate mit einer Dosierung, wie sie mit Dekristol erzielt werden kann, offenbar zur Vorbeugung von Osteoporose beiträgt. [7]

Zudem stellte man fest, dass vor allem die Kombination von Vitamin D mit anderen Mikronährstoffen sich günstig auf die Knochendichte auswirkt. In einer einjährigen Studie erhielten postmenopausale Frauen täglich 800mg Calcium, 400 I.E. Vitamin D und 100 µg Vitamin K. Aufgrund der Gabe von Vitamin K konnte vor allem eine höhere Knochendichte im Bereich der Lendenwirbel nachgewiesen werden. [6]

Die Ergebnisse im Rahmen von Meta-Analysen - also Studien, die mehrere Untersuchungen zusammenfassen - ergaben jedoch kein derart einheitliches Bild. Eine solche Analyse, die im Tianjin Hospital in Tianjin/China von Jia-Guo Zhao durchgeführt wurde, fasste die Daten von insgesamt über dreißig klinischen Studien mit über 50.000 Teilnehmern zusammen. Als Patientengruppe wurden Menschen über 50 Jahre gewählt, die über einen längeren Zeitraum Calcium und/oder Vitamin D erhielten. Als Ergebnis hielt er fest, dass die Einnahme von Calcium oder Vitamin D3 nicht zu einer Senkung von Knochenbrüchen führte. [5] 

In einer anderen Studie hatte Kirsti Uusi-Rasi von der Universität Tampere in Finnland seinen Patienten täglich 800 IE Vitamin D verabreicht und anschließend festgestellt, dass durch die Einnahme weder das Sturzrisiko noch körperliche Funktionen verbessert werden konnten. [1] 

Die Erfahrung zeigt insgesamt, dass Vitamin D vor allem in solchen Fällen einen positiven Einfluss auf die Knochendichte aufweist, wenn das entsprechende Produkt noch mit anderen Mikronährstoffen - hier vor allem mit Calcium und Vitamin K - kombiniert wird. Die alleinige Gabe von Dekristol hat sich also bei der Vorbeugung und Behandlung von Osteoporose insofern nicht immer bewährt, als dass es sich um ein Monopräparat handelt. Gleichzeitig besteht erfahrungsgemäß die Gefahr, dass sich Patienten auf die Wirkung ihrer Tabletten zu sehr verlassen - und sich noch weniger an der frischen Luft bewegen als vor einer eventuellen Diagnose. Dabei hilft vor allem Bewegung und der Aufenthalt in der Sonne, die maßgeblich für die Versorgung des Körpers mit Vitamin D verantwortlich ist.

Studien zeigen außerdem, dass vor allem ein spezielles Balance-Training bei Senioren signifikant zur Stärkung der Knochen beiträgt. [1]

Fazit

Insgesamt bleibt festzuhalten, dass Dekristol unterstützend bei einem Vitamin D-Mangel und den daraus resultierenden Erkrankungen gegeben werden kann; Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Mikronährstoffen und auch die Bewegung an der frischen Luft sollten dabei aber immer mit in die Therapie einbezogen werden.



Quellen:

[1] JAMA Internal Medicine 2015; 175: 703-11
[2] JAMA Internal Medicine 2015; 175: 1612-1621
[3] apo-rot.de/details/dekristol%AE-1000-i-e-tabletten/10068950.html
[4] mibe.de/tl_files/dp_de/content/produkte_mibe/gebrauchsinformationen/dekristol_1000/GI%20Dekristol%201000I.E.%2002-2017.pdf
[5] aerzteblatt.de/nachrichten/87250/Osteoporose-Keine-Evidenz-fuer-Kalzium-und-oder-Vitamin-D-in-der-Prophylaxe
[6] Kanellakis S, Moschonis G, Tenta R, Schaafsma A, van den Heuvel EG, Papaioannou N, Lyritis G, Manios Y (2012): Changes in parameters of bone metabolism in postmenopausal women following a 12-month intervention period using dairy products enriched with calcium, vitamin D, and phylloquinone (vitamin K(1)) or menaquinone-7 (vitamin K (2)): the Postmenopausal Health Study II. Calcif Tissue Int; 90(4): 251-262.
[7] Gröber U, Spitz J, Holick MF, Wacker M, Kisters K (2013): Vitamin D: Update 2013: Von der Rachitis -Prophylaxe zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge. Deutsche Apotheker Zeitung; 153(15): 1518-1526.