Salvestrole - Neue Wunderwaffe  oder alternativer Bluff?

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber


Seit dem Jahr 2003 gibt es eine neue Substanzklasse, die Salvestrole. Ihr Name leitet sich von „salvere“ gleich „retten“ ab.

Sie wurden von den Professoren Burke und Potter entdeckt und untersucht. Die beiden Professoren behaupteten dann in der Folge, dass Salvestrole in der Lage sind, einmal entstandenen Krebs zu vernichten. Dazu benötigen sie aber ein körpereigenes Enzym, dass die Salvestrole als Wolf im Schafspelz enttarnen hilft.

Die Vorgeschichte

Bei der Behandlung von Krebserkrankungen durch Bestrahlung und Chemotherapie kann der behandelnde Arzt nie vermeiden, dass auch gesundes Gewebe in signifikantem Maße mit „therapiert“ wird. Dies ist mit ein Grund für das Auftreten von teilweise massiven Nebenwirkungen. Von daher macht es Sinn, nach Therapieformen zu suchen, die deutlich selektiver wirksam sind, als das, was in der Schulmedizin zum Einsatz kommt. Ideal wäre es, einen Mechanismus zu entdecken, der nur für Tumorzellen von Bedeutung ist, für normales und gesundes Gewebe dagegen keine Rolle spielt.

1995 war es dann so weit. Das „Zauberwort“ hieß CYP1B1.

Es handelt sich hier um ein Enzym, dass zur Superfamilie der Enzyme des Cytochrom P450 gehört. Es war zu diesem Zeitpunkt erst seit einem Jahr bekannt, obwohl man das zu ca. 40 Prozent identische CYP1A1 und CYP1A2 schon über 20 Jahre erforscht hatte. Doch obwohl hier beträchtliche Übereinstimmungen mit dem CYP1B1 vorliegen, unterscheiden sich die drei Enzyme beträchtlich in ihren katalytischen Funktionen.

Basisfunktion der Cytochrom P450 Familie ist ihre Funktion als Monooxygenasen, die eine Reihe von biochemischen Reaktionen katalysieren, wie z.B. den Abbau von Medikamenten und anderen Fremdstoffen (Entgiftung) im Organismus, den Aufbau von Cholesterin, Steroiden und anderen Lipiden etc.

Unser CYP1B1 scheint dabei eine Art Sonderstellung einzunehmen.
Prof. Burke stellte nämlich 1995 fest, dass dieses Enzym überdurchschnittlich stark in Tumorzellen ausgeprägt wird. Dies war der Mechanismus, der die Tumorzellen von gesunden Zellen unterschied. Jetzt kam es darauf an, die katalytischen Fähigkeiten von CYP1B1 so auszunutzen, dass es Stoffe metabolisiert, die für die Zelle toxisch waren. Also suchten Burke und Potter nach einer „Prodrug“,  einer Prodroge, die auf das Enzym ansprach. Prodrogen sind im Wesentlichen Substanzen, die keine oder kaum Wirkung im Organismus ausüben und die über eine biochemische Reaktion Metaboliten freisetzen, die erst die gewünschte (und manchmal auch unerwünschte) Wirkung ausüben. Das Cytochrom P450 und seine Unterfamilien ist genau das System, dass eine Reihe von wirkfreien Substanzen in wirksame Metabolite umwandeln kann.

Im Laufe der Forschungsarbeit entwickelten die beiden Forscher eine solche Prodroge, die genau auf das CYP1B1 ansprach. Es stellte sich heraus, dass diese synthetische Substanz große Ähnlichkeiten mit in der Natur vorkommenden Substanzen hatte, besonders mit einer Reihe von pflanzlichen Verbindungen. Damit war es nicht weit zu der Überlegung, dass die Synthese von künstlichen Prodrogen möglicherweise auch durch den Verzehr von entsprechenden Pflanzen ersetzt werden könnte, die die entsprechenden natürlichen „Prodrogen“ enthielten. Dies war der Auftakt zu einer Suche nach „Prodrogen“ auf natürlicher Basis, die 2003 in der Entdeckung der Salvestrole endete.

Die Hauptgeschichte

Es gab schon zu diesem Zeitpunkt eine Reihe von Hinweisen, dass bestimmte Obst-, Kräuter- und Gemüsesorten einen günstigen Einfluss auf die Entstehung und Entwicklung von Krebserkrankungen haben könnten.

Wenn man sich die Liste der salvestrolreichen Naturprodukte einmal anschaut, dann trifft man auf alte Bekannte:

Gemüse: Blattgemüse, Artischocken, Spargel, Brunnenkresse, Rauke, alle Kohlsorten, Paprika, Avocado, Sojabohnensprossen, Wildmöhren, Sellerie, Salatgurke, Spinat, Kürbis, Zucchini, Aubergine

Obst: rote Früchte, Oliven, Johannisbeeren, Weintrauben, Äpfel, Erdbeeren, Pflaumen, Feigen, Himbeeren, Mandarinen, Orangen, Maulbeeren, Birnen, Melonen, Ananas, Mango

Gewürzkräuter und Tees: Petersilie, Basilikum, Rosmarin, Thymian, Salbei, Minze, Löwenzahn, Rooibos, Wegerich, Hagebutte, Mariendistel, Weißdorn(beeren), Kamille, Odermennig, Zitronenverbene. (http://www.horusmedia.de/2010-salvestrole/salvestrole.php)

Ein besonders bekanntes Salvestrol ist das Resveratrol, das im Rotwein, roten Beeren etc. vorkommt. Allerdings scheint es in der Tumorzelle nur eine beschränkte Wirksamkeit zu entfalten, da mit höheren Dosierungen auch die Wirksamkeit ab- statt zunahm.

Heute weiß man, dass es verschiedene Klassen von Salvestrolen gibt, alpha, beta, gamma, delta und omega. Die Letztere beinhaltet die Effektivsten, die beim Eindringen in die Tumorzelle durch die Metabolisierung durch CYP1B1 die wirksamsten Zellgifte freisetzt. Resveratrol gehört dagegen zur alpha-Klasse. Die omega-Klasse als potenteste und am höchsten konzentrierte Klasse beinhaltet Salvestrole aus Kohlsorten aller Art und Zitrusfrüchten.

Im Jahr 2002 beschrieben Potter und Burke erstmalig den biochemischen Mechanismus, bei dem Resveratrol durch CYP1B1 zu Piceatannol metabolisiert wurde (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11875742).

Piceatannol ist ein Stilbenoid, das zur Gruppe der Phytoalexine gezählt wird. Da Piceatannol auch Wirksamkeit gegen das Epstein-Barr-Virus (EBV) aufweist, kann dies als Hinweis dienen, dass es sich bei den Phytoalexinen im Allgemeinen und Piceatannol im Speziellen auch um natürliche Antibiotika handelt. Dies zeigt auch, dass die Salvestrole mehr als nur eine biologische Aufgabe haben. Viele dieser Substanzen sind auch als Antioxidantien in der Lage, freie Radikale zu binden und somit die genomschädigenden Wirkungen dieser Substanzen zu unterbinden. Auch dieser Wirkmechanismus trägt zum Schutz gegen die Entwicklung von Krebserkrankungen bei.

Aber nicht nur Stilbenoide zählen zu den Salvestrolen.

Laut Aussagen der beiden Forscher gibt es inzwischen ca. 50 verschiedene Substanzen, die zu den Salvestrolen gezählt werden können. Diese wiederum gehören verschiedenen Substanzklassen an, wie z.B. Bioflavonoide, Carboxylsäuren, Stilbene usw. Das Wort „Salvestrol“ bezeichnet also alle die Substanzen, die beim Eindringen in die Krebszelle durch das dort befindliche CYP1B1 so verändert werden, dass sie beginnen für die Krebszelle toxisch zu wirken und diese im Verlauf dann abtötet oder zur Apoptose zwingt.

Das Nachspiel

Salvestrole werden also nur von Pflanzen gebildet (Untersuchungen zu Pilzen scheint es in diesem Zusammenhang noch nicht zu geben).

Die Funktion dieser Substanzen scheint für die Pflanzen eine Schutzfunktion zu sein. Salvestrole scheinen Pflanzen zu helfen, sich gegen Bakterien, Schimmelpilze, Viren, Insekten usw. zu verteidigen. Daher auch meine vorherige Vermutung, dass es sich bei den Salvestrolen auch um natürliche Antibiotika handelt. Grund für die Annahme einer Schutzfunktion ist auch die Lokalisierung innerhalb der Pflanzen.

Denn die Salvestrole kommen primär in Schalen der Früchte, Samen, Blättern und den äußeren Bereichen der Pflanzenwurzeln vor. Dies sind Bereiche, die unmittelbar mit der Umwelt in Kontakt stehen und damit aufgrund ihrer Barrierefunktion einer Art „Umweltstress“ ausgesetzt sind. Salvestrole schmecken oft bitter oder sind relativ scharf, was Fressfeinde abschrecken hilft.

Der „Fressfeind“ Mensch dagegen hat das Gemüse und Obst, was zu bitter oder zu scharf im Geschmack ist, im Laufe der Jahrhunderte so umgezüchtet, dass dieser unerwünschte Geschmack verloren ging. Mit dem Wohlgeschmack ging aber auch der Gehalt an Salvestrolen verloren, was die Potenz dieser Obst- und Gemüsesorten für eine gesunde bzw. krebshemmende Ernährung drastisch einschränkte. Wenn man heute Obst und Gemüse mit noch relativ hohen Konzentrationen an Salvestrolen bekommen möchte, dann sollte man auf biologischen Anbau zurückgreifen. Die industriell „angefertigten“ Sorten werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein oder kaum Salvestrol aufweisen können.

Und damit könnte man vermuten, dass die Zunahme von Krebserkrankungen in den Industrienationen unter anderem etwas mit diesem Mechanismus zu tun haben könnte. Denn es ist sogar vorstellbar, dass hier gleich zwei Mechanismen am Werke sind. Zum einen wird mehr Fleisch als Obst und/oder Gemüse gegessen. Fleisch ist komplett salvestrolfrei, so dass es hier zu keiner Schutzfunktion kommen kann. Auf der anderen Seite werden mit der Werbung für industriell gefertigte Nahrung pflanzliche Produkte angeboten, die durch Züchtung ihren Salvestrolanteil weitestgehend eingebüßt haben. Denn man will ja verkaufen, und da muss das Zeugs schmecken, egal was drin ist. Wenn man dann noch fleißig viel Zucker mit einbringt, dann hat man auch die Grundlage für die Entstehen von Tumorzellen gelegt: Kein Schutz, aber jede Menge Öl für das „Krebsfeuer“.

Das Nach-Nachspiel

Die Frage ist:

Wie gesichert sind diese Beobachtungen?

Gibt es klinische Studien an Krebspatienten, die durchschlagende Erfolge dokumentieren?

Die Antwort ist:

Noch nicht. Es gibt jedoch eine Reihe von Fallbeispielen, wo Krebspatienten in fortgeschrittenen Krankheitsstadien durch die Anwendung von natürlicher pflanzlicher Kost und salvestrolreichen Nahrungsergänzungsmitteln teilweise sogar aus dem Sterbebett geholt werden konnten (salvestrolen.nl/images/pagepictures/PDF/
Further_Case_Studies_Salvestrol_JOM.pdf, dieses Dokument ist leider nicht mehr Online einsehbar).

Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen. Aber diese Fallbeispiele sind auch möglicherweise eine Bedrohung für die Schulmedizin, die an ihren synthetischen Produkten der Pharmaindustrie festhalten wollen, den Patienten jahrelang austherapieren möchten, damit kein Kunde durch eine Heilung verloren geht. Ein beredtes Beispiel für die Vorgehensweise in der Diskussion der Salvestrole stellt der englische Beitrag in Wikipedia dar (einen deutschen Beitrag gibt es erst gar nicht).

Der englische Beitrag (en.wikipedia.org/wiki/Salvestrol, Stand Juni 2012) ist zu oberst mit der Bemerkung versehen, dass es sich hier um einen „Scam“ (Betrug) handelt und der Artikel entsprechend geändert oder aber gelöscht werden sollte. Man muss zwar zugeben, dass der Artikel selbst nicht den üblichen qualitativen Ansprüchen von Wikipedia genügt. Er ist zu oberflächlich und bietet keinerlei Quellenangaben. Es ist aber verwunderlich, dass diese formalen Mängel zu einem Betrug „mutieren“, wenn es um eine ordentliche Darstellung der Salvestrole geht. Eine Aufforderung nach mehr Qualität hätte vollkommen gereicht.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine mangelhafte Darstellung von Avandia, Vioxx etc. auch mit der Bemerkung „Scam“ versehen worden wäre, obwohl ich dafür sogar einiges Verständnis aufbringen würde.

Fazit

Salvestrole sind (leider) noch keine spruchreife Angelegenheit. Wenn sie aber nur halb so viel halten können, wie sie heute schon versprechen, dann könnte dies die Behandlung und Vorsorge von Krebserkrankungen revolutionieren. Das wäre dann der Durchbruch, von dem die Schulmedizin mit ihren Mittelchen sinniert, die den Patienten gerade einmal 4 Monate Lebensverlängerung bescheren.