Header Vitalstoffe
 

Lycopin

Informationen aus der Naturheilpraxis von René Gräber

René Gräber

Lycopin ist ein Carotinoid, dass vornehmlich in Tomaten vorkommt. Relativ hohe Konzentrationen weisen auch Hagebutten auf.

Lycopin ist auch für die Farbgebung von Tomaten verantwortlich. Von daher ist es auch als Lebensmittelfarbstoff zugelassen. Die wichtigste biochemisch-physiologische Eigenschaft von Lycopin ist, dass es ein potentes Antioxidans ist. Viele Carotinoide weisen potente antioxidative Eigenschaften auf, wie das ß-Carotin.

Lycopin aber besitzt eine 100 mal potentere antioxidative Wirkung als das Vitamin E und eine doppelt so große antioxidative Wirkung als das ß-Carotin. Damit ist es eines der stärksten Radikalenfänger. Diese Eigenschaften lassen nun die Vermutung zu, dass Lycopin eine bedeutende Rolle in der Prävention von Krebserkrankungen spielen könnte. Freie Radikale (ROS) spielen eine zentrale Rolle bei der Pathogenese von Krebserkrankungen. Sie zerstören einerseits Zellmembranen, indem sie die Lipidschichten der Membranen oxidieren und somit „zerlöchern“. Andererseits sind sie in der Lage, in den Zellkern vorzudringen und genetische Informationen zu verändern oder zu löschen (Mutationen). Mutierte Zellen sterben entweder ab oder aber entarten zu Krebszellen, die, falls sie in der Lage sind, zu proliferieren, in der Ausbildung eines Tumors enden.

Wenn man der deutschen Ausgabe von Wikipedia Glauben schenkt, kommt man zu dem Eindruck, dass die antioxidativen Eigenschaften von Lycopin ohne jede Relevanz für den Organismus sind. Hier wird behauptet, dass man früher geglaubt hat, dass Lycopin positive Effekte auf Prostatakrebs, Herzerkrankungen und Kreislauferkrankungen, Diabetes Typ-2, Osteoporose usw. hätte, was sich aber jetzt in einer großen, 28.000 Probanden umfassenden Studien in Luft aufgelöst haben soll. Und ß-Carotin soll sogar das Risiko für Prostatakrebs erhöht haben.

Diet, supplement use, and prostate cancer risk: results from the prostate cancer prevention trial.
Kristal et al.
Division of Public Health Sciences, Fred Hutchinson Cancer Research Center, Seattle, Washington

Diese Studie untersuchte fast 9600 Probanden und befand ebenfalls, dass es keine Verbindung gibt zwischen „lycopene, long-chain n-3 fatty acids, vitamin D, vitamin E, and selenium“ und dem Aufkommen von Prostatakrebs. Man mag natürlich geneigt sein, großen Zahlen mehr Glauben zu schenken als den sonst üblichen zweistelligen oder sogar noch weniger Zahlen der schulmedizinischen Wissenschaftspraxis. Hier jedoch wird versucht zu behaupten, dass eine gesunde Ernährung keinen Einfluss auf die körperliche Konstitution und Gesundheitszustand hat.

Die Studie wird umso fragwürdiger, da sie in den USA und Kanada stattgefunden hat (wie viele Probanden Kanadier oder USA Amerikaner waren, geht aus der Studie nicht hervor). Die USA zählen zu den 10 „fettesten“ Ländern der Welt, die mit einem Bevölkerungsanteil von über 75 Prozent Übergewichtigen auf Platz 7 der Hitliste liegen. Auf diesem Hintergrund scheint es fraglich, ob in dieser 9600 Probanden starken Studie überhaupt der Hauch von gesunder Ernährung gegeben ist. Die übliche amerikanische Kost mit vielen Kohlehydraten und Fetten und einer Andeutung von Vitaminen in Form eines Alibi-Salatblatts auf dem Burger wird sicherlich keine positiven Effekte auf die untersuchten Erkrankungen haben.

Diese Schlüsse umzumünzen auf Lycopin, Vitamine etc., die mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem vernachlässigbarem Maße in der durchschnittlichen amerikanischen Diät vorkommen, grenzt an wissenschaftliche Demagogie. Es erhebt sich sofort die Frage, wer hat dem „Public Health Service“ geholfen, diese Studie zu finanzieren. . .

Aus Italien kommt eine etwas anders gestrickte wissenschaftliche Untersuchung:

Lycopene induces cell growth inhibition by altering mevalonate pathway and Ras signaling in cancer cell lines.
Palozza et al.
Institute of General Pathology, Catholic University School of Medicine, L. Go F. Vito, Rome, Italy

Die italienischen Wissenschaftler versuchten in dieser Untersuchung die biochemischen Abläufe zu beschreiben, die Lycopin mit der Ausbildung (oder Nicht-Ausbildung) von Krebszellen assoziiert. Sie beobachteten dabei einen Einfluss von Lycopin auf den Cholesteringehalt von Prostatakrebszellen, der deutlich sank nach einer Inkubationszeit von 24 Stunden. Des Weiteren wurden deutlich weniger freie Radikale unter der Lycopin-Gabe gesehen. Als weiterer Wirkmechanismus wurde ein Aussetzen der Zellteilung beobachtet bei gleichzeitiger Erhöhung der Apoptoserate. Schluss der Forscher: Die Fähigkeit von Lycopin, die HMG-CoA-Reduktase (das Enzym ist verantwortlich für die Cholesterinproduktion des Organismus) und das Zellwachstum zu hemmen und Apoptose einzuleiten, konnte in malignen Prostata-, Dickdarm- und Lungenzellen beobachtet werden. Dieser Befund ergibt neue Einsichten in den Mechanismus der wachstumshemmenden Effekte von Lycopin bei Krebs.


Effect of lycopene on androgen receptor and prostate-specific antigen velocity.
Zhang et al.
Department of Urology, Beijing Cancer Hospital & Peking University School of Oncology, Key Laboratory of Carcinogenesis and Translational Research of Ministry of Education, Beijing, China.

Diese Arbeit untersucht den Einfluss von Lycopin auf die DNA Synthese und die Aktivität und Wirkung auf das Androgen-Rezeptor-Gen der Prostatakrebszellen. Auch hier zeigte sich eine Hemmung des Zellwachstums unter Lycopin in Abhängigkeit von der applizierten Dosierung. Gleichfalls wurde das Androgen-Rezeptor-Gen der Krebszellen in seiner Aktivität unterdrückt. Ein Patientenkollektiv von 41 Teilnehmern mit Prostatakrebs wurde daraufhin mit 10 mg Lycopin täglich versorgt und deren PSA (Prostate Specific Antigen) Entwicklung beobachtet. Auch hier wurde eine signifikante Abnahme des PSA beobachtet. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Lycopin und seine antioxidative Eigenschaften eine wichtige Rolle bei der Hemmung der Proliferation von malignen Prostatazellen haben kann.


Nutrition, dietary supplements and prostate cancer
Desgrandchamps F, Bastien L.
Service d'urologie, hôpital Saint-Louis, 1, avenue Claude-Vellefaux, Paris, France.

Prostatakrebs ist dabei, die häufigste Krebsform bei Männern zu werden. Parallel dazu konnte gezeigt werden, dass die Ernährung einen positiven oder negativen Einfluss auf die Krebsentstehung hat, wie experimentelle Studien, klinische Beobachtungen und Interventionsstudien gezeigt haben. Einer der Risikofaktoren für Prostatakrebs ist die Energieaufnahme über die Nahrung, besonders über gesättigte Fettsäuren. Zur gleichen Zeit konnte gezeigt werden, dass Omega-3-Fettsäuren, Lycopin, Granatapfelsaft und Vitamin D eine protektive Rolle spielen. Es ist notwendig, eine informierte und gebildete Bevölkerung zu schaffen, um die Energiezufuhr zu limitieren und den Gebrauch von Nahrungsmittel zu fördern, die einen protektiven Charakter haben.

Diese Untersuchungen bzw. Studien sind alle neueren Datums und widersprechen in einer deutlichen Sprache der schulmedizinischen Auffassung vom Wert natürlich vorkommender Substanzen mit Heilcharakter. In PubMed gibt es derweil über 2600 Veröffentlichungen zu Lycopin. Andere Bereiche, wo Lycopin untersucht wurde, sind Adipositas, wo es zeigen konnte, dass es Entzündungsprozesse, die häufig in adipösen Geweben auftreten, abfangen kann. Dies hatte auch einen positiven Effekt auf die Insulinresistenz. Eine weitere Studie untersuchte den Einfluss von Lycopin auf die Entwicklung von Arteriosklerose. Auch hier zeigte Lycopin und ß-Carotin einen positiven Effekt, indem sie die Risikofaktoren, wie Cholesterin, Triglyceride, LDL etc. normalisierten. Als Maß für die Ausbildung der Arteriosklerose wurde die Dicke der Gefäßwand der Halsschlagader genommen, die per Ultraschalldiagnostik bestimmt wurde. Neben den normalisierenden Effekten auf die Blutparameter war die Gefäßdicke unter Lycopin deutlich niedriger als unter Plazebo.

Wie es aussieht, je heftiger die Schulmedizin sich gegen eine spezielle „alternative“ Substanz wehrt (alternativ = natürlich?), umso interessanter scheint sie zu sein, weil ausgesprochen wirksam. Und wenn fragwürdige Studien mit pseudowissenschaftlichem Charakter nicht in der Lage sind, auf der Hand liegende Wirksamkeiten zu verschleiern, verleugnen usw., dann muss halt die Rechtsprechung her und dieses „gefährliche“ Zeugs verbieten. Wenn Sie also mal Rot sehen, dann könnte das eine Killer-Tomate sein, voll von unwirksamem aber dennoch gefährlichem Lycopin. . .


http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20693267
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20699249
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20819671
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20832032
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20952175
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21122284