Lactobacillus acidophilus NCFM
Einer der bekanntesten Kulturstämme von Lactobacillus
acidophilus ist L. acidophilus NCFM, der bereits seit 1972
in großem Stil in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird.
Denn das Milchsäurebakterium lässt sich leicht und
schnell kultivieren und ist zudem für den Menschen völlig ungefährlich. Aufgrund seines kommerziellen Nutzens wird
L. acidophilus NCFM außerdem seit Jahrzehnten sehr intensiv wissenschaftlich untersucht. War Lactobacillus
acidophilus NCFM ursprünglich als Starterkultur für Joghurt und andere Milchprodukte sehr beliebt, so zeigte sich
bei den Forschungsarbeiten schnell die hervorragende probiotische Wirkung des Stammes. Denn unter anderem hemmt das
Milchsäurebakterium das Wachstum von Krankheitskeimen und aktiviert gleichzeitig unser Immunsystem.

L. acidophilus NCFM kommt im menschlichen Verdauungstrakt, im Mund und in der Scheide vor, der spezifische Stamm
lässt sich aber auch in den Darmsystemen anderer Säuger finden. Die gesamte Population, die heute kommerziell und
wissenschaftlich eingesetzt wird, geht auf ein Bakterium zurück, das 1970 aus menschlichem Kot isoliert wurde.
Das Erbgut (Genomsequenz) von L. acidophilus NCFM ist vollständig aufgeklärt, wodurch das Milchsäurebakterium
noch besser erforscht werden kann. (1) So zeigt sich beispielsweise, dass das Bakterium Proteine
herstellt, mit denen es sich an der Darmwand des Menschen anhaften kann. Dies ist wichtig, um die probiotischen
Eigenschaft überhaupt ausführen zu können. Denn zum einen kann es nur mit den Zellen des menschlichen Immunsystems
kommunizieren, wenn es im Darm fest verankert ist. Auf der anderen Seite würde es sonst durch die Peristaltik nach
und nach in Richtung Darmausgang befördert. Da aber die Milchsäureproduktion des Bakteriums langsam vonstattengeht,
würde es bei dem stetigen Ortswechsel zu keiner gezielten Ansäuerung der Umgebung kommen.
Außerdem enthält das Erbgut von L. acidophilus NCFM Bereiche, die für Bacteriocine – Antibiotika -ähnliche
Substanzen – kodieren und so Krankheitserreger am Wachstum hindern.
Auch wurden Proteine gefunden, die die Säuretoleranz verbessern. Dies erlaubt den Mikroorganismen, das extreme
Milieu des Magens zu überstehen. Solche Eigenschaften sind wichtig, da Bakterien ihre probiotischen Eigenschaften
nur dann entfalten können, wenn sie den Darm überhaupt lebend erreichen.
Die hohe Säuretoleranz von L. acidophilus NCFM wird aber nicht nur anhand der Genomsequenz angenommen.
Untersuchungen an gesunden und kranken Probanden haben diese Eigenschaft ebenfalls bestätigt.
(2)
L. acidophilus NCFM in Lebensmitteln und Arzneistoffen
Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften, wird L. acidophilus NCFM für viele fermentierte Lebensmittel in
großem Stil genutzt. Denn das Milchsäurebakterium stellt – durch die Umwandlung von Zucker in Laktat –
beispielsweise Joghurt, Buttermilch und Kefir her. Viele Michprodukte, etwa herkömmlicher Joghurt, enthalten die
lebenden Laktobazillen allerdings beim Verzehr meist nur noch in geringer Zahl. Probiotische Joghurts,
Milchgetränke und Käsesorten werden daher oft zusätzlich mit L. acidophilus NCFM angereichert, um durch die
Vielzahl lebender Zellen eine Förderung der Gesundheit herbeizuführen.
Probiotische Medikamente enthalten meist eine Kombination aus L. acidophilus NCFM und anderen
gesundheitsfördernden Bakterien. Auch Säuglingsnahrung wird teilweise L. acidophilus NCFM zugesetzt, um die
Darmflora der Babys zu verbessern.
L. acidophilus NCFM hilft bei kindlichem Durchfall
In Verbindung mit anderen probiotischen Bakterien hilft L. acidophilus NCFM nachweislich bei kindlichem
Durchfall. Bei Dialysepatienten senkt der Stamm die Anzahl toxischer Amine im Blut. Außerdem kann L. acidophilus
NCFM Menschen mit einer Laktose-Intoleranz dabei helfen, den Milchzucker in geringem Maße doch zu verwerten.
Tierversuche zeigen darüber hinaus, dass das Milchsäurebakterium möglicherweise vor Krebs schützen kann und
Bauchschmerzen reduziert. (3)
Probanden, die einen probiotischen Käse mit lebenden L. rhamnosus- und L. acidophilus NCFM-Zellen
erhielten, zeigten eine deutliche Anregung der menschlichen Immunzellen. So erhöht sich die Zytotoxizität der
natürlichen Killerzellen, was dazu führt, dass diese noch effektiver Krankheitskeime abtöten können.
(4)
(1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15671160
(2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11233016
(3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11233016
(4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20236323

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