Enterokokken in der Therapie
Enterokokken sind eine Bakteriengattung aus der Ordnung der
Milchsäurebakterien. Sie kommen überall in der Umwelt,
vornehmlich auch im Verdauungstrakt von Menschen und Tieren vor. Dabei sind vor allem E. faecium und E. faecalis
häufige Vertreter unserer Darmflora. Darüber hinaus sind einige andere Enterococcus-Arten ebenfalls – allerdings
sehr selten – im menschlichen Darmsystem anzutreffen.

Die oben genannten Enterococcus-Arten E. faecium und E. faecalis kommen, wie einige andere Milchsäurebakterien,
außerdem in der Muttermilch vor. (1) So bietet Stillen für die Säuglinge einen guten Schutz vor
Infektionen und Entzündungen. Denn der kindliche Verdauungstrakt erhält mit jedem Stillen eine Vielzahl gesunder
Mikroorganismen, die sich dort ansiedeln und Krankheitskeime verdrängen und am Wachstum hindern.
Da Enterokokken, wie alle Milchsäurebakterien, durch die Umwandlung von Zucker in Laktat ihre Umgebung ansäuern,
bieten sie einen guten Schutz vor Krankheitserregern. Denn weil viele Keime bei niedrigem pH-Wert nicht wachsen
können, schützen die Bakterien sich selbst vor Nahrungskonkurrenten und ihren Wirt vor der Besiedlung schädlicher
Mikroorganismen. Enterokokken sind fakultativ anaerob. Sie können also sowohl an der Luft als auch in einer
sauerstofffreien Umgebung – so wie es beispielsweise im Darm der Fall ist – überleben.
Enterokokken gelten gemeinhin als sehr widerstandsfähig. So können sie sehr hohe Salzkonzentrationen überstehen.
Sie sind außerdem bei Temperaturen zwischen 10 und 65 °C lebensfähig und halten problemlos pH-Werte von 4,5 bis 10
aus. (2)
Bis zum Jahr 1984 wurden Enterokokken noch zur Bakteriengattung Streptococcus gezählt. Analysen des Erbguts zeigten
allerdings, dass es sich bei Enterococcus um eine eigenständige Gattung (in einer unabhängigen Bakterienfamilie)
handelt.
Aufgrund ihrer positiven Eigenschaften werden einige Stämme auch als Probiotika eingesetzt. Obwohl Enterokokken
gemeinhin als ungefährlich für den Menschen gelten, geraten die Bakterien immer wieder negativ in die Schlagzeilen:
Denn es kommt (oft durch mangelnde Hygiene in Verbindung mit einem leichtsinnigen Antibiotika-Einsatz) in
Krankenhäusern vermehrt zu so genannten nosokomialen Infektionen, an denen bestimmte Stämme der Enterokokken
beteiligt sein können. (3)
Weil die Bakterien gegen viele Antibiotika resistent sind, wird die Behandlung der Patienten zusätzlich
erschwert. Vor allem die gefürchteten vancomycinresistenten Enterokokken (VRE) führen immer wieder zu Todesfällen,
vor allem bei Krebspatienten nach einer Chemotherapie. (4)
Da Enterococcus-Infektionen bisher nur in Krankenhäusern nachgewiesen werden konnten, halten Wissenschaftler es
allerdings für äußerst unwahrscheinlich, dass Menschen durch die Aufnahme von Probiotika oder fermentierten
Lebensmitteln erkranken. Die Untersuchungen verschiedener probiotisch eingesetzten Enterokokken zeigen, dass es
sich hierbei um völlig andere E. faecium-Stämme handelt als bei den Krankenhauskeimen. (5)
Enterokokken in Lebensmitteln und Arzneistoffen
Traditionell werden Enterokokken unter anderem zur Herstellung von Büffel-Mozzarella, Camembert und Ziegenkäse
eingesetzt. Denn durch die Bildung von Laktat fermentieren sie die Milch und helfen darüber hinaus beim
Reifungsprozess. So erhalten die Produkte ihren unverwechselbaren Geschmack und bleiben gleichzeitig länger
haltbar. Denn ebenso wie in unserem Verdauungstrakt, können viele Mikroorganismen auch die niedrigen pH-Werte im
Käse nicht überleben.
Da Enterokokken natürlicherweise in unserem Darm vorkommen, werden sie auch als Probiotika in
Nahrungsergänzungsmitteln, Joghurts und Medikamenten eingesetzt. Aufgrund ihres Vorkommens in Muttermilch, gelten
einige Enterococcus-Stämme als gesunde Zusätze in Säuglingsnahrung. (6)
Auch bei Haustieren hat sich die Gabe probiotischer Enterococcus-Kulturen bewährt. (7)
Oft werden bei den Arzneistoffen bestimmte Enterococcus faecium- oder Enterococcus faecalis-Stämme mit anderen
probiotischen Bakterien kombiniert.
Enterokokken schützen vor Durchfall bei Kleinkindern
In Zusammenarbeit mit anderen probiotischen Bakterien hilft Enterococcus faecalis sehr gut bei gefährlichen
akuten Durchfallerkrankungen von Kleinkindern. Eine Studie zeigt außerdem, dass der mit der Infektion verbundene
Krankenhausaufenthalt bei den behandelten Kindern – im Gegensatz zur Placebo-Gruppe – deutlich verkürzt wird.
(8)
Aber auch bei Erwachsenen können bestimmte Enterococcus-Stämme bei Durchfall helfen. Beispielsweise schützt die
Gabe eines Probiotikums vor Durchfällen, die nach einer Antibiotika-Einnahme auftreten können .
(9)
Denn Antibiotika töten nicht nur Krankheitskeime, sondern auch die gesunden Bakterien der Darmflora ab. Die orale
Aufnahme lebender Enterococcus-Kulturen sorgt dafür, dass sich rasch neue gesunde Mikroorganismen im Darm ansiedeln
und die Darmflora ihr Gleichgewicht zurückerlangt.
(1) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21300508
(2) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19383684
(3) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19383684
(4) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21099116
(5) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21881235
(6) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18963159
(7) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14596997
(8) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20135748
(9) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/2676650

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